Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
73
132.835
3
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Dieses Kapitel
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15.10.2015 3.288
 
So. Das vorletzte Kapitel. Ich hoffe, es gefällt euch. Teilt mir eure Meinung bitte mit. ;-)


(Josy) Nachdem ich durch das Drehkreuz gegangen war, kam mir eine leichte Brise entgegen. Um einiges entspannter schloss ich kurz die Augen und genoss die frische Luft, die mich nun umgab. Sie hatte immer schone eine ganz beruhigende Wirkung auf mich gehabt. Jedes Mal hatte ich danach ein vertrautes Gefühl, fast, als würden all meine Sorgen und Ängste gar nicht existieren. Frustriert atmete ich aus. Wieso nur musste es auch dieses dämliche Fast geben?! Ohne wäre es bestimmt wesentlich leichter für die Welt. Für mich jedenfalls. So in Gedanken versunken, bekam ich anfangs überhaupt nicht mit, dass Fritz mir wohl gefolgt war. Erst als er mich ansprach, bemerkte ich seine Anwesenheit. „Brrr. Ganz schön kalt heute, was?“ versuchte er mit mir über ein möglichst neutrales Thema ins Gespräch zu kommen, während er demonstrativ seine Hände aneinander rieb. Ohne mich ihm zuzuwenden, antwortete ich ihm schulterzuckend: „Und?! Hab doch genügend Fett, das mich wärmt!“ Meine Stimme klang dabei sowohl wütend als auch enttäuscht. „Du bist nicht fett sondern schwanger, Josephine.“ wollte er mich wohl beruhigen, doch dieser Satz verbesserte meinen Gemütszustand nicht wirklich – im Gegenteil. Ich konnte seinen Blick auf mir spüren, trotzdem rührte ich mich nicht. Konnte einfach nicht in seine Augen sehen. Nicht nachdenkend platzten die nächsten Sätze nur so aus mir heraus. Mit jedem Wort steigerte ich mich irgendwie noch weiter rein und redete immer schneller. „Das ist sogar noch schlimmer! Wäre ich nur dick, könnte ich Sport machen. Aber so könnte ich mich abstrampeln und abstrampeln und abstrampeln was ich will und werd nichtsdestotrotz jeden Tag zunehmen. Und irgendwann wirst du mich unattraktiv finden und dir ne andere suchen und mich verlassen und ich werde frustriert Schokolade in mich reinstopfen und dadurch nur noch fetter.“ Ich unterbrach erst meinen Redeschwall, nachdem mein Körper nach Sauerstoff verlangte.

Fritz sprach mich ein paar Mal an, doch ich reagierte nicht. In Folge dessen drehte er mich nach dem fünften Versuch mit einem Schwung um und blickte mir energisch in die Augen. „Josy das ist Blödsinn. Andere Frauen bekommen auch ein Kind und werden nicht sitzen gelassen.“ redete er auf mich ein. Da er aber wahrnahm, dass mich seine Worte nicht wirklich überzeugten, versuchte er es auf der persönlicheren Ebene. „Bei meiner Ehe war nicht ich der Untreue gewesen. Mir wäre nie in den Sinn gekommen, Stefanie je zu betrügen. Erst recht nicht, als sie schwanger war.“ Ich merkte, dass mein Puls sich verlangsamte. „Stefanie trägt 36.“ warf ich in den Raum und ließ die Schultern hängen. Fritz schnaubte einmal leicht genervt aus, ehe er wild mit seinen Händen herumfuchtelte. „Darum geht’s jetzt nicht, Bielefeld!“ fing er jähzornig an, schlug danach aber eine andere Richtung ein und legte seine linke Hand auf meinen Oberarm, während er die andere auf meiner Wange platzierte. „Hey. Du bedeutest mir mehr als Stefanie es je getan hat.“ Bei seinen einfühlsamen Worten entspannte ich mich augenblicklich, sogar ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht, welches Fritz zufrieden zur Kenntnis nahm. Ein Schüttelfrost überkam mich. Draußen hatte es wirklich nichts mehr warmes. Mein Freund schien zu merken, dass ich fror, weshalb er mich fest an sich drückte und umarmte. Geborgen schloss ich die Augen und genoss die Wärme, die von seinem Körper ausging. Ganz dich führte er seinen Mund an mein Ohr und flüsterte mir mit heisrer Stimme zu: „Und was das andere betrifft, bin ich bestens versorgt. Soll ich dich an unseren Kurztrip nach Bielefeld erinnern? Oder sollte ich besser Sexwochenende sagen?“ Hitze stieg in mir auf und mir stieg eine Röte ins Gesicht, als ich daran dachte. Unweigerlich löste ich mich von ihm. Nach diesem entstandenen Bild in meinem Kopf wäre es nicht ratsam, ihm jetzt so nahe zu sein. Immerhin waren wir im Dienst und da sollte ich besser keine falschen Gedanken haben. Nachdem ich mich unfreiwillig von ihm gelöst hatte, warf er mir ein schelmisches Grinsen und einen Du-kannst-von-mir-eben-nicht-genug-bekommen-Blick zu, was mich den Mund aufklappen ließ. Gespielt beleidigt schlug ich ihm mit der flachen Hand leicht auf die Brust, was er jedoch nur mit einem Lachen kommentierte, welches ich nach Sekunden erwiderte. Wie sollte ich ihm auch lange böse sein? Ohne Übertreibung hatte er ja recht. Ich konnte wirklich nicht genug bekommen in letzter Zeit, aber er von mir auch nicht. Allmählich nahm meine innere Hitze ab und nachdem auch meine Wangen wieder eine normale Farbe erlangt hatten, machten wir uns auf den Weg zu den anderen.

Als wir beim Esstisch angelangt waren, herrschte eiserne Stille. Nachdem das restliche Team uns bemerkt hatte, richteten Waldi und Karin ihren Blick stur auf ihr Essen. Ein zufriedenes Lächeln erschien auf meinem Gesicht. Denn Alex knetete peinlich berührt seine Finger und ich konnte deutlich spüren, wie unwohl er sich in seiner Haut gerade fühlte. Es vergingen einige Minuten, bis mein Kollege den Mut fasste, mich anzusehen. „Josephine.“ fing er mit kratziger und leisen Stimme an, doch ich stoppte ihn mit einer Handbewegung weiterzusprechen. „Spars dir Alex.“ Anhand meines Tonfalls wirkte Herr Mahler nur noch nervöser, weshalb ich beschloss, ihn zu erlösen. „Stimmt ja. Es würde nicht schaden, gesünder zu leben. (gerade jetzt – fügte ich im Gedanken hinzu) Aber ab und zu ne Sünde ist schon drinnen. Und was die Kalorien angeht.“ verschmitzt blickte ich kurz zu Fritz rüber, ehe ich wieder Alex zuwandte. „Brauchst du dir keine Gedanken drüber machen Herr Kollege. Spätestens heute Abend nach der dritten Runde hab ich die wieder weg trainiert. Tja. Der Vorteil, wenn man ein sehr regelmäßiges Sexleben hat. Findest du nicht auch Alex?!“ Nach meinem letzten Part waren die anwesenden Männer allesamt still. Typisch. Sie durften untereinander reden und einen auf dicke Hose machen. Aber kaum, dass eine Frau damit anfängt schon ist es ihnen peinlich. Zumindest ließ die Röte in ihren Gesichtern genau daraus schließen. Zufrieden mit mir selbst deutete ich Karin, dass die Pause bald vorbei wäre und wir uns einen Kaffee holen könnten. Auf dem Weg zu Kaffeeautomaten hörte ich die Jungs noch über meine letzten Worte diskutieren.

„Jeden Tag?! Drei Mal?! Ernsthaft Fritz?“ fragte Alex seinen besten Freund aus einer Mischung zwischen, Neid und Unglaubhaftigkeit. Ich musste grinsen als ich mir Alex bildlich vorstellte. Bestimmt kratzte sich Fritz gerade am Hinterkopf. Das tat er immer, wenn er nervös war. „Naja nicht ganz.“ fing mein Freund an zu erzählen und ich war gespannt, ob er noch die Mathematik beherrschte. Bevor er jedoch weitererzählen konnte, wurde er von Waldi unterbrochen. „Hah ich wusste es. Das dritte Mal hält er nicht mal mehr ganz durch.“ Laut Ewalds Stimme zu urteilen, hatte dieser gerade ein dickes Grinsen auf Lager. Waldis Aussage würde Fritz sicherlich nicht auf sich sitzen lassen. Und ich sollte recht behalten. Kurz darauf ertönte seine Stimme, die voller Stolz klang: „Im Gegenteil. Angefangen in der Dusche, wo wir die erste Nummer schieben. Gefolgt von der zweiten auf dem Küchentisch nach dem Essen. DANACH kommen die drei Male, von denen du bereits weist. Naja es sei denn, wir haben am nächsten Tag frei. Da können schon das ein oder andere Mal am Tag verteilt noch dazu kommen.“ Ein breites Lächeln stahl sich auf mein Gesicht, nachdem ich die Stille bemerkt hatte, die bei den Männer gerade ausgebrochen war. Den beiden hatte es mein Schatz aber gegeben.

Pünktlich um 18 Uhr machten wir Feierabend. Da ich offiziell nun Berlinerin bleiben würde, beschlossen wir, dieses Ereignis zu feiern. Und wo hätten wir das sonst feiern sollen als bei Adi? Gemütlich setzten wir uns alle an einen Tisch und redeten über Gott und die Welt, während wir alle gemächlich unser Bier tranken. Keine Sorge. Fritz hatte natürlich mitgedacht und ein Bier besorgt, das für Schwangere geeignet war. Immerhin wollte ich ja keinen Alkoholiker zur Welt bringen. Apropo Geburt. Wie es bei mir wohl werden würde?! Hoffentlich nicht so schmerzhaft wie bei Tamara. Ob ich vielleicht zu so einem Vorbereitungskurs gehen sollte? Obwohl …. war wahrscheinlich nicht so viel anders als bei Pferden und Kühen. Da kam das Baby ja auch … auf diese Weise raus. Meine Gedanken brachten mich zurück nach Bielefeld zu unseren Tieren. Wenn ich so zurück dachte, hatten diese eigentlich nie bei Geburten geschrien. Tat es dann bei ihnen weniger weh? Oder waren wir Menschen einfach zu wehleidig. Sollte man lieber mal in diese Richtung forschen anstatt über den Mars, der sowieso so weit weg ist, dass das höchstens nen Astronaut interessiert. Wo wir gerade beim Astronaut und dessen Glashut sind … hoffentlich würde mein Baby mal nicht einen so großen Kopf bekommen. Denn das wäre dann denke ich wirklich schmerzhaft. Hah. Wo wir wieder beim Anfang wären.

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als sich eine Hand auf meine Schulter legte. „Josephine bist du noch da?“ Kurz blinzelte ich, ehe ich Alex mit zusammengezogener Stirn ansah. „Fritz hat uns gerade die Sache mit der Wette erzählt.“ brachte mein Kollege mich auf den neuesten Stand. „Mich wundert es, dass du ihn am Leben gelassen hast. Aber was genau ist bei euch Bielefelder ein Special Kiss?“ fragte er nach. Gedankenverloren antwortete ich ihm, dass ein Special Kiss ein Kuss war, der beim gesamten Körper keinen Halt machte. Der andere konnte quasi bestimmen, auf welchem Körperteil er den Kuss haben wollte. Es gab keine Tabu-Zonen. Schon als Teenager hatte ich diesen Kuss als Einsatz immer strikt abgelehnt. Ich war vielleicht nicht prüde, aber alles musste ich auch nicht haben.

Nach meiner Erklärung schien Fritz jegliche Farbe aus seinem Gesicht verloren zu haben. Ich konnte in seinen Augen so vieles lesen. Er war geschockt über den tatsächlichen Einsatz, den er da geboten hatte. Er war unsicher, ob ich diesen Kiss bereits einmal vergeben hatte und er war wütend, dass Philipp sein Unwissen so schamlos ausgenutzt hatte. Die drei Gefühlsregungen wechselten sich permanent ab. Da ich wusste, dass letzteres siegen würde, beschloss ich, all seine trüben Gedanken auszuradieren, indem ich sie kurz beantwortete. Seine Mine hatte sich noch nicht sehr viel verändert und ich war froh, als Alex ihn nach dem Gegenwetteinsatz fragte. Von einem Schlag zum nächsten erhellte sich sein Gesicht augenblicklich und er begann zu erzählen. „Und, hat er es gemacht?“ fragte Alex neugierig nach. „Keinen Schimmer. Die Tage darauf musste der Arsch nicht zur Arbeit und danach waren wir schon weg.“ meinte Fritz daraufhin bedauerlich. „Aber allein so dämlich sein und so ne Wette eingehen ey. Der hat vielleicht Nerven.“ gab Waldi seinen Senf dazu. Natürlich musste das gesamte Team furchtbar lachen und darüber diskutieren, wie komisch wir Bielefelder doch waren. Haha. Dass ich keine mehr war vergessen die immer wieder. Ich denke ich könnte sogar zehn Jahre hier gelebt haben, würde ich wohl nach wie vor Bielefeld bei denen bleiben. Kurz nachdem sie sich dann auch beruhigt hatten, rief Waldi Adi zu, er solle den Fernseher mal anmachen, da seine Lieblingsserie bereits seit einer halben Stunde lief. Sie hieß die Dümmsten und wechselte anscheinend jede Woche das Thema. Die dümmsten Frauen der Welt, die dümmsten Männer der Welt, die dümmsten Verbrecher usw. Schade eigentlich, dass letzteres bereits mal im TV war. Wie diese dümmsten Verbrecher wohl waren? Einige von unseren hier in Berlin konnten da bestimmt mithalten.

„Hallo liebes Publikum. Schön, dass sie auch nach der Werbung wieder eingeschaltet haben. Zur Erinnerung. Unser heutiges Thema lautet Die dümmsten Festnahmen der Welt.“ Mmh. Das klang doch schon mal vielversprechend. „Hier kommen noch einmal schnell die Plätze von 2 bis 5.“ Leider zeigten sie nur Ausschnitte dieser Leute. Aber selbst das reichte mir um wirklich sagen zu können, dass diese Menschen sich den Platz redlich verdient hatten. Die steigerten sich wirklich je niedriger die Zahl. Platz 2 war echt zum Kopfschütteln. Wie bescheuert musste man denn bitte sein?! Eine blonde Frau wurde festgenommen, nachdem sie ein Video von sich selbst machte, wo sie in der Nacht in den H & M Shop einbrach, um Klamotten zu stehen. Besagtes Beweismaterial stellt sie auch noch selbst ins Netz mit dem Titel: Blondine geht gratis Mitternachtsshoppen. Wenn sowas nur Rang 2 erlangte, wie dämlich musste dann wohl die kommende Festnahme dann sein? Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, schon kündigten sie die Nummer eins an. Das gesamte Lokal starrte erwartungsvoll auf den Bildschirm und auch ich musste zugeben, dass ich gespannt auf das war, was jetzt folgen würde.

„Und nun zu unserem Tagessieger. Dieser geht eindeutig an den Räuber Carlos Rhodos und sssseinem Ppppeiiniger … hahaha …. tschuldigung. Gestern Nachmittag überfiel der bewaffnete Herr Rhodos – es gilt die Unschuldsvermutung – eine Bank in Bremenskirchen nahe Bielefeld (ausgedacht!!!). Der Bankdirektor alarmierte sofort heimlich die Polizei,. R. bekam Panik und nahm sich Geiseln. Das komplette Gebäude wurde umstellt, alle Forderungen des Räubers – ein Auto, mit dem er zusammen mit einer Geisel flüchten wollte, erfüllt. Ananfürsich ja nichts ungewöhnliches sagen sie? Na dann passen sie mal auf. Herr. R. Wollte gerade in den Fluchtwagen steigen, da hielt er einfach in seiner Bewegung inne. Was hatte ihn wohl so stutzig gemacht? Der Polizist Philipp Devon war der Grund dafür. Der junge Bielefelder schien in der Früh sehr zerstreut gewesen zu sein. Jedenfalls hatte er Shirt und Hose vergessen anzuziehen. Und weils so schön war hatte er gleich die Unterwäsche auch zu Hause gelassen. Ja sie haben richtig gehört. Der junge Mann trat einem Bankräuber nackt wie Gott ihn erschuf gegenüber. Nach diesem Anblick konnte der Verdächtige ja nicht anders als nen Lachkrampf zu bekommen, wodurch die Pistole, welche im Übrigen nur Spielzeug war, zu Boden fiel. Hahaha. Aber mal ehrlich Leute. Wer könnte ihm DAS verübeln? Einen nackten Bullen sieht man auch nicht jeden Tag. Ob das wohl das neueste Must-Have oder Hahaha besser gesagt Must-nicht-have war? Oder gar ein neues Konzept der Bielefelder Polizei gegen Verbrechenbekämpfung? Wir sind gespannt, was da noch so alles kommen mag. Hiermit verabschiede ich mich und wünsche ihnen noch einen guten Abend.“


Ich musste mich echt zusammen reißen, um nicht vom Stuhl zu kippen. NA toll. Das würden die anderen mir bestimmt ewig vorhalten. Und dennoch. Dass Philipp es in diese Show geschafft hatte, war einfach nur zum Brüllen. Kaum dass die Nachricht so richtig in unseren Gehirnen durchgesickert war, begannen wir auch schon wie verrückt zu lachen. Platz 1 der dümmsten Verhaftungen? Ja das passte irgendwie zu ihm.


„Oh mann ey. Irgendwann machen die Bielefelder mich noch fertig.“ sagte Alex, nachdem er sich als erstes wieder gefangen hatte. Zur Feier des Tages und da ich einen gewaltigen Schmollmund machte, bestellte er eine Runde Schnaps für alle. Ich bedankte mich zwar bei ihm, stellte meinen jedoch zu Fritz rüber, was den anderen natürlich nicht entging. „Was denn los mit dir? Ist doch deine Lieblingssorte.“ meinte mein Kollege zu mir. „Ich fahr heute nach Hause.“ teilte ich ihm mit und hoffte, dass er nicht nachfragte. „Und? Hattest ja bisher nur ein Bier. Und der kleine Schnaps ist eh nach einem Schluck weg.“ versuchte er es erneut, doch ich blieb stur und verneinte. „Mein Gott. Man könnte meinen du darfst nichts trinken.“ meinte Alex scherzmäßig und kippte seinen Schnaps auf Ex. Doch kaum hatte er in mein Gesicht geblickt, schon verschwand sein Lächeln. „Ne oder?“ fragte er nochmal unsicher nach. Auf mein Kopfnicken hin stand Alex geschockt auf und verließ fluchtartig die Bar.


(Fritz) Langsam trat ich heraus und suchte meinen besten Freund. Ich wusste ja, dass es nicht ganz leicht für ihn werden würde. Umso wichtiger war es, dass ich mit ihm redete. Es dauerte nicht lange, schon entdeckte ich ihn an der Hausmauer gelehnt, mit geschlossenen Augen. „Also ist es doch fest mit euch.“ stellte er fest. „Ist es ernst oder so ernst ernst?“ Seine Frage ließ ich mir durch den Kopf gehen. „Sehr ernst. Immerhin bekommt sie ein Kind von mir.“ erinnerte ich ihn erneut daran, was ihn zusammenzucken ließ. Als hätte er noch immer gehofft, sich geirrt zu haben. Er schüttelte den Kopf. „Das muss nichts heißen. Auch mit Affären können Kinder entstehen.“ meinte er bitter. Sein Satz versetzte mir einen Stich im Herzen. Gleichzeitig wurde ich durch seine Unterstellung wütend. Doch ich besann mich und versuchte, ruhig und sachlich zu bleiben. „Ja es war nicht geplant. Aber wir freuen uns und Bielefeld macht mich glücklich Alex. Und ich wäre wirklich froh, wenn du dich mit uns gemeinsam freuen würdest.“ bat ich ihn, da ich es mir ohne meinen Kumpel nicht vorstellen konnte. Er war mir wirklich sehr sehr wichtig. Dennoch musste er wissen, dass bei meinen Prioritäten er an die dritte Stelle gerutscht war. Ben und Josy waren mir eben das wichtigste. Gefolgt von meinen Eltern versteht sich.

Ein Lächeln bildete sich bei ihm, welches ich jedoch nicht einschätzen konnte. „Hah. Ich wusste es. Ich wusste damals bereits, dass wir Bielefeld nur los werden, wenn sie schwanger wird. Nur den Vater hatte ich nicht vorhergesehen. Ich hätte wirklich schwören können, dass es der Förster werden würde.“ sprach er seine Gedankengänge aus. Er hatte recht gehabt. Ich konnte mich noch genau an dem Abend erinnern. Der Gedanke daran Josy auf einem Date mit dem Typen zu wissen und das dabei auch noch ein Kind entstehen könnte hatte mich rasend gemacht. Schon damals hätte ich ihm am liebsten die Eier abgeschnitten. Umso stolzer machte es mich, dass mein Scharm, meine Attraktivität und meine Spermien gesiegt hatten.

Vollkommen unerwartet kam Alex auf mich zu und zog mich in eine Umarmung. „Es tut mir leid Fritz. Wirklich. Es war nur sehr überraschend aber natürlich freue ich mich, dass du die Richtige gefunden hast. Auch wenn es Bielefeld ist.“ Bei seinem Satz musste ich mich echt zusammen reißen um nicht loszulachen. Kumpelhaft klopfte ich ihm auf die Schulter, woraufhin er mich los ließ. Kurz darauf gesellte sich auch Josephine zu uns und fragte, ob wir alles geklärt hätten, woraufhin ich nickte. „Klar ist alles klar Bielefeld. Immerhin muss ich mich bald nicht mehr mit deinen Alleingängen rumärgern.“ zog Alex meine Freundin auf. Doch Josy schien darauf nicht einzugehen – zum Glück. Seit sie schwanger war, gab es immer häufiger diese Schwankungen. Beschweren durfte ich mich jedoch nicht. Immerhin war Stefanie viel schlimmer gewesen. „Och du darauf würd ich nicht wetten Alex. Fritz und ich führen eine moderne Beziehung.“ Moderne Beziehung? Was sollte denn das jetzt bitte heißen?! „Ich gehe arbeiten und Fritz erzieht das Kind. So bleibe ich dir erhalten lieber Alex.“ Auf einen Schlag waren die Lächeln aus unseren Gesichtern verschwunden. Beinahe hätten wir einen Herzinfarkt bekommen bei der Vorstellung. Allmählich konnten wir entspannen, nachdem Josephine uns zuzwinkerte und uns so zu  verstehen gab, dass es nur ein Scherz ihrerseits gewesen war. „Ich wünsch euch wirklich alles gute.“ wiederholte Alex noch einmal seine Worte, und nahm schließlich und endlich auch Josy in den Arm. Nachdem die beiden sich gelöst hatten, kamen auch noch Waldi und Karin zu uns. "Wieso geht ihr schon nach Hause? Der Schnaps steht doch noch aufm Tisch Josy." erinnerte sie uns ´hilfsbereit´ wie sie doch war. "Josy darf nichts mehr Alkoholisches trinken Karin." Daraufhin runzelte sie die Stirn. "Nimmst du etwa Medikamente? Damit solltest du aber echt vorsichtig sein Josy." sagte sie naiv wie immer. Gott wie konnte man nur so verpeilt sein?! Genervt verdrehten wir alle die Augen. Aber Josephine schien doch Mitleid mit ihr zu habe und klärte sie auf. Nachdem auch unser Spätzünder im Team es kapiert hatte, fiel sie strahlend um Josys Hals und meinte glücklich, sie würde Patentante werden, woraufhin meine gute Laune sofort verschwand. Die und Patentante? Nur über meine Leiche. Das würde ich dem Kind garantiert nicht antun!!! Josephine sah meinen geschockten Gesichtsausdruck, und warf mir einen Es-wird-alles-gut-Blick zu, welcher seine Wirkung nicht verfehlte. Wir lächelten uns gegenseitig an und dachten wohl gerade beide, welch ein tolles und einmaliges Team wir doch hatten.
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