Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
73
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11.10.2015 2.090
 
(Josy) „Mein Gott. Bei euch bekommt man ja ein Schleudertrauma mit diesem ständigen Hin und Her.“ war das erste, was wir von Waldi zu hören bekamen, nachdem Fritz und ich das Revier händchenhaltend nach dem langen Wochenende in Bielefeld betreten hatten. Die Augen verdrehend wünschte ich Ewald ebenfalls einen schönen Morgen, ehe ich auf Karin zuging und diese kurz freudig umarmte. Es war erschreckend, dass mir das ganze Team hier nach nur zwei Jahren bereits mehr am Herzen lag als meine ehemaligen Kollegen in Bielefeld. Ein Grund mehr hier zu bleiben. Nachdem ich mich von meiner Freundin gelöst hatte, betrat auch Alex unser Büro. Er wirkte überrascht, mich zu sehen, was jedoch nicht lange andauerte. Kurz starrte er mich verblüfft an, ehe sich ein Lächeln auf sein Gesicht stahl. „Josephine. Wieder da? Haben die dich in Bielefeld etwa erneut rausgeschmissen oder was?“ meinte Alex spöttisch, weshalb ich gespielt beleidigt einen blauen Kuli in die Hand nahm und diesen in Richtung meines Kollegen warf. Natürlich war es für meinen Kollegen Mahler ein Leichtes, auszuweichen, doch das war mir gleich. Immerhin wussten wir beide, dass wir uns bei unseren kleinen Neckereien gegenseitig nicht so ernst nehmen sollten. Früher hatten Fritz und ich uns immer ein richtiges Wortgefecht geliefert. Doch seitdem wir zusammen waren, fiel es mir immer öfters auf, dass nun Alex derjenige war, der mir hier und da Kontra gab. Fast als hätten meine beiden männlichen Kollegen die Rollen getauscht.  Normalerweise war Alex doch immer höflich, geduldig und ruhig. Nur ich konnte auch seine hässlicheren Seiten zum Vorschein bringen.  Bei dem Gedanken musste ich einfach etwas stolz grinsen. Ich hielt eben das gesamte Team auf Trab. Das gesamte Team samt Chef. Apropo Chef. War ja gespannt, was der über mein Erscheinen sagen würde. Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, kam er auch schon zur Tür herein und blickte uns alle der Reihe nach an. Bei meiner Wenigkeit blieb sein Blick hängen. Kurz verweilte dieser, ehe ich mit einem Nicken begrüßt und anschließend ins Büro gebeten wurde. Fritz drückte mir einmal die Hand und lächelte mich an, welches ich erwiderte und mich auf den Weg zu Amann machte.


Mit etwas zittrigen Händen ließ ich die Tür ins Schloss fallen und blieb danach wie angewurzelt stehen, rührte mich nicht. Ich hatte keine Ahnung, wie er reagieren würde. War er sauer, weil Fritz und ich uns in letzter Zeit wie im Kindergarten aufgeführt hatten? Das vermochte ich nicht zu sagen. Nachdem ich mich nach zwei Minuten noch immer nicht gerührt hatte, wandte mein Chef den Blick vom PC und sah mich stattdessen eindringlich an. „Setzten sie sich.“ war das Einzige, was er sagte. Zaghaft kam ich seiner Aufforderung nach und nahm auf dem Stuhl gegenüber seines Schreibtisches Platz. Lange Zeit saßen wir beide nur still da. Es machte mich nervös, dass Amann nichts tat, außer mich anzusehen. Aufgekratzt knetete ich meine Finger, versuchte, seinem Blick so gut es ging unauffällig auszuweichen. Tick Tack Tick Tack. Ich drehte meine Augen zur schwarzen Uhr, die auf der Wand hing. Sowohl der kleine als auch der große Zeiger standen auf der zehn. Leicht schluckend stellte ich fest, dass bereits acht Minuten vergangen waren. Acht Minuten, in denen überhaupt nichts gesagt wurden. „Sie sind wieder da.“ stellte Amann fest. Ich schenkte meinem Chef wieder meine Aufmerksamkeit, als Antwort bekam ich jedoch lediglich ein Nicken zu Stande. Gemütlich lehnte er sich in seinem Chefsessel zurück und fuhr sich mit der Hand einmal übers Kinn. Es wirkte fast, als wolle er seine nächsten Worte überlegen. „Ihr beide kommt zusammen, trennt euch, kommt wieder zusammen, nur um euch danach wieder zu trennen. Wisst ihr beide eigentlich einmal, was ihr wollt?“ fragte er mich mit überraschend ruhiger Stimme. Da ich nicht wusste, was ich darauf sagen sollte, beschloss ich stattdessen zu schweigen. Nachdem keine Antwort von mir kam, setzte Amann sich gerade hin und sah mich intensiv an. „Tja. Heute wollen sie hier in Berlin bleiben. Aber was ist mit nächster Woche? Und übernächster? Und überübernächster?“ Herzklopfend atmete ich einmal tief ein und aus und legte mir eine passende Antwort zu recht. „Es … war vielleicht in letzter Zeit etwas … kompliziert. Aber ich bleibe hier. Definitiv.“ versicherte ich ihm und hoffte damit das Thema abgehackt zu haben. Doch mein Chef wollte es mir wohl nicht so leicht machen. „Was macht sie da so sicher?“ harkte er weiter nach und ich beschloss, die Karten auf den Tisch zu legen. Irgendwann würde er es ohnehin erfahren. „Weil ich schwanger bin.“ sagte ich mit etwas leiser Stimme. Amann schien es jedoch trotzdem gehört zu haben. Zumindest weiteten sich seine Augen überrascht, bevor er sich wieder fangte. „Schwanger?“ Dachte er etwa, er habe sich verhört gehabt? Als Bestätigung legte ich meine Hand auf meinen Bauch und lächelte. Stirnrunzelnd bemerkte ich, dass Amann kurz zur Tür spähte, ehe er sich wieder mir widmete. „Von Fritz?!“ Ich blinzelte einige Male. War das jetzt eine Feststellung oder eine Frage? Da ich mir nicht sicher war und ich mich mit meinem ehemaligen Chef nicht anlegen wollte, beschloss ich, dass er erstes gemeint hatte und nickte. „So so. Ihre Kündigung ist in dem ganzen Durcheinander der letzten Tage irgendwie verloren gegangen. Dann hat sich die ganze Sache ja erübrigt und es bleibt alles beim Alten. Außer eines vielleicht. Sie sind ab heute nur noch im Innendienst tätig.“ Mein Atem stockte. Innendienst?! Das war doch wohl ein schlechter Scherz. Ich war gerade mal am Anfang der Schwangerschaft. Der glaubte doch nicht ernsthaft, dass ich monatelang nur mehr Berichte abtippen würde. Mein Mund öffnete sich gerade zum Protest, als Amann mir mit seinem Blick zum verstehen gab, dass er keine Widerworte duldete. Na toll. Das würde Fritz bestimmt freuen. Auch er hatte bereits solche Andeutungen gemacht, dass Alex und er die nächste Zeit alleine auf Streife gehen würden. Frustriert über meine „aufregende“ Zukunft nickte ich Amann zu und stand auf, um mich zur Tür zu bewegen. Ich wollte gerade die Türklinke herunter drücken, als ich plötzlich meinen Namen hinter mir vernahm. Ich drehte mich um und blickte Amann erwartungsvoll an. „Was ihre Stelle nach der Karenz angeht … natürlich können sie jederzeit wieder hier anfangen. Es wäre mir allerdings lieber wenn wie soll ich sagen …. Mir wäre es lieber Sie würden danach an einer anderen Dienststelle arbeiten. Es ist nicht, weil Fritz und sie ...naja jedenfalls nicht nur. Eher eine Frage der Vernunft. Sollten sie beide bei einem Einsatz beide umkommen, wäre das Kind auf einen Schlag Vollwaise und ich denke nicht, dass das in ihrem Sinne wäre oder? Aber wie gesagt. Diese Entscheidung liegt ganz bei Ihnen.“ Bei seinen Worten musste ich kräftig schlucken. Daran hatte ich noch überhaupt nicht gedacht. Der Gedanke, dass Fritz etwas zustoßen könnte behagte mir nicht. Aber ich musste mich daran gewöhnen, dass wir bald nicht mehr alleine waren und es in erster Linie um das Baby gehen würde.

Nachdenklich verließ ich das Büro und blickte sogleich in die fragenden Gesichter meiner Kollegen. Fritz, der an meinem Schreibtisch gelehnt war, stoß sich ab und ging auf mich zu. „Alles okay?“ erkundigte er sich sofort um mein Wohlergehen. Gedankenverloren nickte ich und ließ mir Amanns Worte noch einmal durch den Kopf gehen. Je öfter ich darüber nachdachte, desto mehr musste ich mir eingestehen, dass er mit seinen Bedenken nicht so falsch lag. Es wäre nicht verantwortungsvoll, wenn Fritz und ich unser beider Leben gleichzeitig in Gefahr bringen würden. Wir konnten nicht mehr objektiv genug denken. Vermutlich würden wir bei dem Versuch den anderen zu beschützen unsere Leben erst recht riskieren. Und für unsere Beziehung wäre es auch besser, wenn wir nicht jede Sekunde aufeinander hocken würden. Amann hatte recht. Getrennte Arbeitsplätze war am besten für uns. Die Frage war nur … wie sollte ich Fritz das beibringen?! Als ich einen leichten Druck auf meinem Oberarm bemerkte, hob ich meinen Blick und sah Fritz direkt in die Augen. „Was hat Amann gesagt?“ fragte er mich neugierig. Kurz schweifte mein Blick durch den Raum. Es war weder der richtige Ort noch die richtige Zeit, um ein solches Thema zu besprechen. Ich lächelte ihn an und drückte ihm einen schnellen Kuss auf die Wange. „Das erzähle ich dir später.“ war das Einzige, das ich zu ihm sagte, ehe ich mich an meinen Schreibtisch setzte und den PC einschaltete.


Der restliche Vormittag verlief unspektakulär. Um Punkt zwölf Uhr hieß es dann endlich Mittagspause. Waldi hatte uns von einem Restaurant einer alten Freundin von ihm vorgeschwärmt. Er meinte, dass das Essen dort einfach der Hammer wäre und wir uns das unter gar keinen Umständen entgehen lassen könnten. Ob die Speisen wirklich so gut schmeckten, würde sich erst noch zeigen. Mutmaßlich aber wollte Ewald lediglich bei seiner alten Freundin wie er sie nannte einfach nur Punkten, um seine Möglichkeiten bei ihr zu erhöhen. Doch da ich ohnehin offen für alles war, beschloss ich dem Laden eine Chance zu geben. Waldi ließ einen Zettel durchgeben, damit jeder seine Essensauswahl aufschreiben konnte. Keine 15 Minuten später war es auch schon geliefert worden. Innerlich machte ich Punkto Pünktlichkeit schon mal ein Häkchen, schnappte mir meine Pizza und gesellte mich zu den anderen. Ich schloss meine Augen und atmete den verführerischen Duft tief ein. Für Preis-Leistung bekam die Pizza auch ein Häkchen, zumindest, wenn sie auch so schmeckte wie sie roch. Ich öffnete meinen Mund und nahm einen großen Bissen meiner Margarita. Mmhh. Waldi hatte mich überzeugt. Seine Freundin konnte eindeutig gut kochen. Während ich vor mich hin kaute, schaute ich in die Runde, und sah mir die Bestellungen meiner Kollegen an. Karin hatte sich ebenfalls eine Pizza genommen, Ewald und Fritz hatten wohl eher Hunger auf einen Burger gehabt und Alex …. Ich runzelte die Stirn. Kollege Mahler hatte lediglich einen Salat bestellt?! Davon konnte er doch nie und nimmer satt werden. „Wurde etwa deine Bestellung verwechselt Kollege?“ fragte ich Alex lächelnd. Dieser wiederum zog seine Augen zusammen und sah mich verwirrt an. Als Antwort deutete ich auf das Grünzeug. „Davon wird man doch nie satt. Hättest dir lieber ne Pizza bestellen sollen.“ Als gute Kollegin, wie ich nun einmal war, wollte ich ihm ein Stück von mir anbieten. Doch gerade, als ich den Mund öffnen wollte, um ihm mitzuteilen, dass wir ja teilen könnten, schüttelte Alex vorher den Kopf. „Caroline meinte, ich solle mehr auf meine Gesundheit achten.“ setzte er zur Erklärung an und deutete danach auf meine Pizza. „Und das da ist sicher vieles aber gesund sicher nicht. Das Zeug hat Fett pur.“ Was zur Hölle sollte denn das jetzt bedeuten?! Geschockt ließ ich mein Pizzastück auf den Karton fallen und starrte Alex perplex an.Fett? Hatte der gerade indirekt gesagt, dass ich fett bin?! „Soll … soll das etwa heißen, dass ich dick bin?!“ fragte ich ihn mit schriller Stimme. „Ich habe nur gesagt, dass die Pizza voll Fett ist Bielefeld.“ antwortete Alex etwas genervt und sah mich mit einem Geh-mir-nicht-auf-den-Sack-Blick an, was mich nur noch mehr auf die Palme brachte. Wütend erhob ich mich von meinem Sessel und schlug hart mit meinen Händen auf den Tisch, sodass alle meine Kollegen etwas vom Tisch zurück rutschten und mich verdattert ansahen. Dass ich so emotional reagierte wunderte sie wohl, und auch ich fragte mich selbst, seit wann ich mir so etwas so sehr zu Herzen nahm. Mussten wohl die Hormone sein. „Das beantwortet meine Frage nicht Alex!!! FINDEST DU MICH FETT?!“ sagte ich direkt heraus, wobei ich bei jedem Wort immer lauter wurde, sodass mich nun auch die Kollegen auf dem Gang anstarrten, doch das war mir gleich. Ich wollte hier und jetzt eine Antwort von ihm haben. Mein Blick durchlöcherte Alex regelrecht, was ihn schier unwohl fühlen ließ. Sollte mir nur recht sein. Ich merkte, dass er genau überlegte, was er sagen sollte. Neben mir nahm ich Fritz wahr, der seinen Freund deutete, er solle doch die Klappe halten. Doch Herr Mahler ließ sich dadurch nicht beirren. Etwas zaghaft rückte er schließlich dann doch mit der Sprache raus. „Naja fett würde ich nicht sagen. Aber …. wie soll ich sagen …. ein paar Pizzen weniger würden …. nicht schaden?!“ druckste er herum und zog bei jedem Wort immer mehr den Kopf ein. Vollkommen zurecht. Sonst hätte ich ihn beinahe für seine Beleidigung gelyncht diesen … diesen …. Blödmann. Mich überforderte die Situation gerade regelrecht. Ich spürte, dass meine Augen kurz davor waren zu tränen. Mit einem etwas verzweifelten „Boah“ verließ ich die Polizeiwache. Denn die Blöße vor Alex auch noch zu heulen würde ich mir definitiv NICHT geben.


* Ich hoffe, es hat euch gefallen. Würde mich über Kommis jeglicher Art freuen ;-) *
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