Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
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04.10.2015 1.931
 
Sorry sorry sorry. Hatte die letzten Monate wirklich sehr viel zu tun. Aber ab jetzt geht es wieder weiter. Hoffe, es gefällt euch noch. LG


„Papa, jetzt hör endlich auf, ihn mit deinen Blicken zu ermorden!“ zischte ich meinem Vater leise zu, nachdem ich ihn mit einem bestimmten Ton, der keine Widerworte duldete, vom Wohnzimmer in die Küche diktiert hatte. Und nun standen wir hier abseits von Fritz, denn dieses Gespräch sollte nur zwischen meinem Dad und mir stattfinden. Mein Freund musste schon genug über sich ergehen lassen von meinem Vater und dieser sollte mir jetzt gefälligst Rede und Antwort dafür stehen. Erwartungsvoll sah ich ihn an, versuchte in seinen Augen seine Beweggründe seines Verhaltens heraus zu lesen, doch sie waren unergründlich. In ihnen lagen Wut, Hoffnung und auch noch ein anderer Ausdruck, den ich nicht zu deuten vermochte.

Ich versuchte, meine Verwirrtheit aufgrund seines Gesichtsausdruckes beiseitezuschieben und mich stattdessen auf die Bedeutung seiner Worte, die nun folgen würden, zu konzentrieren. Denn genau in diesem Moment hatte mein Vater tief Luft geholt und öffnete seinen Mund. „Das fragst du mich wirklich?! Merkst du es denn selbst nicht, dass dieser Polizist dein Glück zerstört?“ brachte er mir aufgebracht entgegen, jedes einzelne Wort betont. Meine Stirn zog sich zusammen. Fritz sollte mein Glück zerstören? Wovon zum Teufel redete er da bitte?! Das konnte er doch nicht ernsthaft glauben! Doch sein Blick, seine Haltung und seine feste Stimme untermauerten nur noch seine Aussage, was meinem Herzen einen tiefen Stich versetzte.

Wieso sagte er so etwas? „Was?“ war das Einzige, das ich mit Mühe herausbrachte. Noch immer versuchte ich zu ergründen, was er damit gemeint haben könnte. Lange Zeit zum Nachdenken gab er mir allerdings nicht. Mit einem lauten Schnaufen setzte er erneut an eine Erklärung an und was ich nun vernahm, ließ mir erst recht einen kalten Schauer über den Rücken jagen. „Er ist doch daran schuld, dass du deine Meinung geändert hast. Du wolltest zurück kommen. Zurück zu Stefan. Genau das hast du doch gesagt. Du glaubst gar nicht wie glücklich ich darüber war. Ihr wart doch immer so ein schönes Paar. Und dann kommst du einfach so daher und sagst mir, dass du nun doch in Berlin bleibst. Das alles nur wegen dem da!!!“ endete der Redezwang meines Vaters, während er erbost mit ausgestrecktem Arm zum Wohnzimmer deutete.

Ich selbst stieß bei seinem Satz den Atem, den ich unbewusst angehalten hatte, aus und schüttelte verblüfft den Kopf. Mein Hals fühlte sich plötzlich ganz trocken an, meine Augen standen kurz davor zu tränen. Der Gedanke, dass mein Vater mit meiner Partnerwahl unzufrieden war, behagte mir ganz und gar nicht. Er hatte wirklich daran geglaubt, dass ich wegen meines Exverlobten zurückziehen wollte?! Dass Stefan und ich tatsächlich noch eine Chance hatten?! Das konnten doch nicht ernsthaft seine Gedanken sein. Er hätte sich doch denken können, dass ein Revival nach diesem Scheiß, der am Polterabend passiert war, garantiert niemals eintreffen würde. Automatisch schossen mir Bilder durch den Kopf. Fast als wäre ich mit einer Zeitreise zurückversetzt worden. Noch immer wusste ich jedes einzelne Detail an diesem Abend, konnte noch immer diesen damaligen Schmerz spüren, der Schmerz, der sich in Berlin zum Glück gelegt hatte. Ich bin über diese Geschichte hinweg gekommen, weil ich Freunde gefunden hatte, die mich vergessen ließen. Karin mit ihrer tröstenden und auch etwas naiven Art, Waldi mit seinem Humor aber auch Alex, der mich nun trotz holprigem Start als Kollegin akzeptierte und …. vor allem Fritz. Derjenige, der überhaupt der Grund war, weshalb ich noch immer lebte. Er hatte mich gerettet, Stefan mich betrogen. Und mein Vater zog trotz allem meinen Exverlobten ernsthaft vor?! Ich spürte, wie Wut in mir aufstieg.

„JETZT REICHT ES MIR ABER!!!“ schrie ich meinem Dad entgegen, der bei meinem harschen Ton sofort zusammenzuckte. Scheinbar hatte er mich noch nie so wütend erlebt wie ich es jetzt gerade war. Doch es war mir nur recht so. Er sollte sehen, welchen Mist er da gerade gesagt hatte. Abermals öffnete er seinen Mund, doch mein Blick ließ ihn sogleich verstummen. Nur am Rande bekam ich mit, dass wir beide nicht mehr alleine am Gang standen. Offensichtlich hatte Fritz mitbekommen, dass ich mich mit meinem Vater lautstark stritt und war zu uns geeilt. „Josephine“ drang das Wort sanft an mein Ohr, ich reagierte jedoch nicht darauf. So wie ich Fritz kannte, wollte er nur den Streit schlichten und versuchen, zwischen meinem Vater und mir zu vermitteln. Nach dessen Worten aber ließ ich das bestimmt nicht zu. Ich wusste nicht wieso, doch ich hatte plötzlich das Bedürfnis, Fritz vor ihm zu verteidigen. „STEFAN UND ICH SIND GESCHICHTE!!! SELBST WENN ER JETZT KEINE NEUE HÄTTE UND ER DER LETZTE MANN AUF ERDEN WÄRE!!! DIESER MENSCH HAT MICH BETROGEN!!! BETROGEN PAPA, UND DAS VOR MEINEN AUGEN. TZZZ ABER WIESO SAG ICH DIR DAS EIGENTLICH?! IMMERHIN WARST DU JA AUCH DA. DU UND MEINE GANZEN KOLLEGEN!“ brüllte ich ihn an, ließ meine ganze Wut freien Lauf. Mein Herz klopfte wie verrückt und ich musste tief Lust holen, um wieder zu Atem zu kommen.

Ich wollte gerade an meinem Vortrag anknüpfen, als ich plötzlich eine warme Hand an meinem rechten Arm spürte. Natürlich wusste ich sofort, wer mich berührte, ich konnte ihn riechen. Sein Duft war einfach unverwechselbar und auch mein Körper reagierte augenblicklich auf ihn. Wie schaffte er das nur immer, dass ich mich bei seiner Nähe so entspannen und fallen lassen konnte? Meine zurechtgelegten Worte gerieten in Vergessenheit. Stattdessen blickte ich auf die Stelle, die mein Freund kurz vorher noch berührt hatte. Langsam drehte ich mich zu ihm um, mein Blick fiel auf seinen, worin Besorgnis lag. Er war besorgt. Etwa um mich? „Bitte beruhige dich Josephine. Denk an das Baby.“ Baby? Es dauerte etwas, bis mich die Bedeutung seiner Worte erreicht hatte. Er hatte recht. Es wäre nicht gut für das Kleine, wenn ich mich so aufregen würde. Mein Herz fing wieder wild an zu pochen, doch dieses Mal nicht aus Wut sondern aus Glück, dass Fritz sich um uns sorgte. Ich konnte nicht anders, als ihn verliebt anzusehen, ehe ich ihm kurz zunickte und meine Hand wie automatisch den Weg zu meinem Bauch fand. Noch immer fühlte es sich so surreal an, dass Fritz und ich bald eine Familie werden würden. Aber es würde passieren und ich freute mich bereits jetzt schon darauf. Schon als kleines Mädchen wollte ich eines Tages einmal Kinder haben und Fritz war definitiv der Richtige dafür. Ich hatte ihn gesehen, zusammen mit seinem Sohn, wie er mit ihm umging und ihn stolz ansah. Er liebte seinen Sohn abgöttisch, und er würde auch unser Kind lieben, da war ich mir sicher.

„Wie bitte? Du bist schwanger von ihm?! Gleich nach einer Nacht oder wie? So habe ich dich nicht erzogen Josephine. Da mache ich nicht mit. Er oder ich.“ mischte sich nun auch mein Vater ein und holte mich somit aus meinen Gedanken. Ich wandte mich Fritz ab und sah auf meinen Gegenüber. Ich merkte, wie Fritz sich hinter mir verkranfte. Doch ich sprach ungewohnt ruhig und bedacht. „Ja Papa ich bin schwanger. Wenn du es genau wissen willst, ist es nicht in unserer ersten sondern erst in unserer zweiten Nacht passiert. Es war nicht geplant aber es ist da und Fritz und ich freuen uns darauf. Und wenn du Fritz an meiner Seite nicht akzeptierten kannst Papa dann …. dann tut es mir leid. Aber ich bleibe bei ihm, wir werden eine Familie ob es dir passt oder nicht. Entweder du siehst das ein und respektierst uns zu dritt oder es war heute der letzte Tag, wo du deine Tochter gesehen hast.“ Ich konnte die Überraschtheit in seinen Augen erkennen. Mit dieser Reaktion hatte er wohl nicht gerechnet, doch ich meinte es ernst. Sehr ernst sogar. „Josy“ war das einzige Wort, das er herausbrachte. Ruhig schüttelte ich den Kopf, während ich Fritzs Hand in meine nahm, ohne mich zu ihm umzudrehen und ihn zur Haustür zerrte. Ohne noch einmal zurück zu sehen schnappte ich mir Fritzs und meine Jacke und hielt, nachdem ich sie mir schnell übergezogen hatte, inne. „Überleg es dir Papa.“ waren meine letzten Worte, ehe ich über die Schwelle tritt.


Gefühlte 60 Minuten später ging ich noch immer draußen bei sternenklaren Himmel spazieren und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Ich wusste ja, wie sehr Papa Stefan immer mochte. Aber das war kein Grund, mir Vorschriften zu geben, wie ich mein Leben führen sollte. Vielleicht gab es ja Frauen, die sich vorschreiben ließen, welchen Mann sie ehelichen sollten. Aber ich war ganz bestimmt nicht eine davon. Abgesehen davon war mein Ex bereits ebenfalls vergeben und mittlerweile war ich sogar froh darüber über das, was er einst getan hatte. Sonst wäre ich höchstwahrscheinlich niemals in Berlin gelandet. Dann hätte ich niemals Fritz kennengelernt, dann wären wir nie zusammengekommen. Meine Hand legte sich auf meinen Bauch. Und dich … dich würde es auch nicht geben. Ein unangenehmes Ziehen machte sich in meinem Körper breit. Eigenartig. Es war noch so klein, praktisch kaum der Rede wert und dennoch habe ich es bereits in mein Herz geschlossen. Allein der Gedanke daran, dass es nicht hier wäre oder ihm etwas zu stößen könnte …. Ich schüttelte den Kopf, wollte diese wirren Theorien einfach nur los werden, aus meine Kopf verbannen. Dieses was wäre wenn brachte nichts. Denn Tatsache ist – ich BIN nach Berlin gegangen, ich HABE Fritz kennen gelernt und das Baby IST da. Und eigentlich ist das doch alles was zählte, oder? Ich atmete tief aus und ließ die Schultern hängen. Ich musste mir eingestehen, dass ich enttäuscht über die Reaktion meines Dads war. Er hatte mir doch immer in den Ohren gelegen, dass ich mich nach der Hochzeit mit Stefan gleich ranhalten sollte, da ich nicht mehr die Jüngste für ein Baby wäre.

„Ich bin mir sicher, dass er sich freut Josephine. Gib ihm einfach Zeit.“ überrascht sah ich zu Fritz, der während meines langen Spazierganges wortlos neben mir hergegangen ist. Verblüfft blinzelte ich ein paar Mal. Kannte er mich etwa wirklich schon so gut, dass er wusste, worüber ich gerade nachdachte? Zeit? Brauchte er wirklich einfach nur Zeit? Ich vermochte es nicht zu sagen, aber Fritz schien davon überzeugt zu sein. Lächelnd streckte ich mich meinem Freund entgegen, um ihn einen sanften Kuss auf seine Lippen zu drücken. Sofort schossen sich seine Arme um mich, weshalb ich mich ganz dicht an ihn schmiegte. Nachdem wir uns nach gefühlten zehn Minuten voneinander lösten, legte sich ein sowohl besorgter als auch eindringlicher Ausdruck auf sein Gesicht. „Du bist eiskalt. Komm. Lass uns in die Kneipe da gehen.“ Widerwillig musste ich ihm recht geben und blickte auf das Schild. Das „La Rush“. Innerlich seufzte ich. Musste es ausgerechnet DIESE Kneipe sein? Noch bevor ich hätte protestieren können, hatte Fritz uns beide bereits in das Innere der Bar befördert, welche sich überhaupt nicht verändert hatte. Direkt neben der Tür befanden sich die Toiletten, davor die Garderobenständer. Rechts am Rand stand noch immer die dunkelbraune Holztheke, wo Sarah Johnson bereits seit sieben Jahren das Bier aus schenkte. Oberhalb der Theke befanden sich die Regale, die gefüllt mit den verschiedensten Alkoholgetränken war, die das „La Rush“ zu bieten hatte. Links vom Eingang waren Stühle und Tische, welche meistens immer voll besetzt waren. Mein Blick ging gerade aus, wo sich die Spielecke befand. Von Dart bis zu Spieleautomaten war dort alles vorhanden.

Kaum hatten wir das „La Rush“ betreten, schon waren alle Augenpaare auf uns gerichtet. Alle waren da. Alle meine ehemaligen Kollegen standen am Billardtisch und starrten zu mir herüber. Ich erkannte den bärtigen Griesgram Hanno, den lustigen Spaßvogel Jack, den kugeligen Karl und ….. IHN.
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