Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
73
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04.03.2015 2.467
 
(Josie) Nachdem wir uns voneinander gelöst hatten, fuhren wir zurück zum Hof. Während der Fahrt über war es sehr still im Wagen, jeder hing seinen Gedanken nach, versuchte alle neu gewonnenen Informationen von heute zu verarbeiten. Als wir unser Ziel erreicht hatten, stiegen wir wortlos aus und betraten anschließend meine Wohnung. Um die Stille endlich zu brechen, begab ich mich in die Küche und sah Fritz danach an. „Willst du ein Bier?“ fragte ich ihn, während ich ihm eine Flasche entgegen hielt. Etwas überrascht von meinen plötzlichen Worten sah er auf das Getränk, und schien zu überlegen. Instinktiv streckte er seinen Arm aus, um danach zu greifen, hielt kurz vorher aber inne und schüttelte den Kopf. „Kann ich ein Glas Wasser haben?“ fragte er stattdessen scheu. Bei seiner Reaktion zog ich die Stirn kraus. Normalerweise mochte er Bier, ich konnte mir vorstellen wie sehr er das jetzt nervlich gebrauchen konnte. Außerdem hatte er auch Anzeichen gemacht, es zu nehmen, bevor er seine Meinung geändert hatte. Ich blickte in sein Gesicht, versuchte herauszufinden, ob er das alkoholische Getränkt wirklich nicht annehmen wollte. Mein Blick folgte dem seinen und ich erkannte, dass er auf meinen Bauch starrte. Ein Lächeln bildete sich in meinem Gesicht, als ich endlich verstanden hatte. Er war eben ein wahrer Gentleman. „Du kannst das Bier ruhig nehmen.“ versicherte ich ihm und nickte auf das Getränk, während ich ihm ein freundliches Lächeln schenkte. Ich wollte ihm zeigen, dass es mir nichts ausmachte, wenn er sich ein Bier genehmigte. Nach anfänglichem Zögern streckte er jedoch die Hand nach dem Getränk aus und lächelte mir kurz zu.

Keine drei Minuten später setzten wir uns gemeinsam auf das Sofa im Wohnzimmer und blickten beide still gerade aus, wussten nicht, wie es jetzt weitergehen sollte. Langsam schielte ich in seine Richtung, um ihn zu beobachten. Immer wieder nahm er kleine Schlucke von seinem Bier und wirkte gedanklich vollkommen abwesend. „Und du bist dir ganz sicher?“ hinterfragte er plötzlich, sah mich dabei aber nicht an. Bei seiner Frage runzelte ich die Stirn. Was genau meinte er damit? Ob ich mir sicher war, schwanger zu sein oder ob er der Vater ist? Ich sah ihn nun bewusst mit intensiven Blick an, suchte nach einer Antwort, doch er starrte noch immer stur gerade aus. Somit konnte ich beim besten Willen nicht sagen, auf was genau er sich jetzt bezog. Da ich mich jedoch nicht wieder mit ihm streiten wollte, beschloss ich, mich einfach auf ersteres zu beziehen. „Ganz sicher. Ich bin im zweiten Monat. Es muss also an dem Abend unseres Picknicks entstanden sein.“ teilte ich ihm mit und beantwortete somit gleich beide möglichen Fragen seinerseits. Kurz bildete sich ein Lächeln auf meinen Lippen, dieses verschwand jedoch, als ich sah, wie wie Fritz sich mit seiner Hand etwas frustriert über sein Gesicht strich und anschließend durch sein Haar fuhr. „Wie konnte das denn überhaupt passieren?! Ich meine du hattest kurz vorher deine Tage und außerdem haben wir doch gleich doppelt verhütet.“ fragte er beinahe verzweifelt. Meine Freude wandelte sich schlagartig in Unsicherheit. Ich dachte, er würde sich freuen. Und nun war er wieder so wankelmütig. Was zur Hölle sollte das?! Da sollte noch einmal jemand sagen, schwangere Frauen wären anstrengend. „Ich hatte schon als Teenager einen unregelmäßigen Rhythmus. Die Pille schützt nicht zu hundert Prozent und was das Kondom angeht … vielleicht hatte es ja ein Loch.“ mutmaßte ich mit neutraler Stimme, innerlich war ich jedoch völlig durcheinander. Diese Fragen verletzten mich, doch konnte ich sie ihm wirklich vorhalten? Immerhin waren sie auch in meinen Gedanken herum gespuckt, als ich von der überraschenden Schwangerschaft erfahren hatte. Auch mir war es in den Sinn gekommen, wie all diese Ereignisse gleichzeitig aufgetreten waren. Verhütungsmittel konnten versagen, ja, aber gleich beide?! Und dann auch noch die verschobene Regel? Wenn ich gläubiger wäre, hätte ich glatt behauptet, dass Gott es so wollte. Meine Mundwinkel zuckten bei dem Gedanken. Meine Mutter meinte früher immer, Kinder würden sich immer ihren Weg bahnen. Damals hatte ich nie verstanden, was sie damit meinte. Nun wusste ich es. Und ich war froh darüber, dass es so war. Ein Baby war etwas Außergewöhnliches und durch das Wissen, wann es entstanden war, machte die Sachen nur  besonderer. Ein leichtes Kribbeln machte sich in meinem Bauch breit, als ich an diese Nacht dachte. Noch immer konnte ich mich an jedes einzelne Detail erinnern.  

Ein letztes Mal vereinte er sich mit mir, ehe Fritz kräftig zitterte und sich danach aufbäumte, bevor er sich stöhnend und völlig außer Puste auf mich herunter senkte. Als ich fühlte, wie sein Körper zuckte, war es auch um mich geschehen und ich schloss genüsslich meine Augen. Er vergrub seinen Kopf in meine Halsbeuge und versuchte seine Atmung wieder zu normalisieren. Beruhigend strichen meine Finger leicht seinen Rücken rauf und runter, während ich das Nachbeben vollends auskostete. Das Lächeln in meinem Gesicht wollte und wollte einfach nicht verschwinden. Zu sehr genoss ich die Situation. Seine nackte Haut auf meiner zu wissen, brachte mich vollkommen um den Verstand. Zu dem Zeitpunkt waren wir, trotz der angespannten Spannung wegen Tamara, so innig miteinander, dass es mir den Atem geraubt hatte. In jener Nacht hatte sich ein Teil von ihm auf den Weg gemacht, um sich mit mir zu vereinen und somit etwas Großes zu schaffen.

Eine Gänsehaut bildete sich auf meiner Haut, als ich daran dachte. Doch ich konnte nicht mehr länger darüber nachdenken, als ich plötzlich etwas Warmes als Kontrast wahrnahm. Ich senkte den Kopf, um herauszufinden, weshalb mein Bauch nun wie verrückt prickelte. Ich musste erst Mal kräftig schlucken, als ich den Auslöser dafür ausfindig gemacht hatte. Mein Augenmerk richtete sich wieder auf, langsam wanderten meine Augen nach rechts, blickten ihn nun direkt an. Automatisch klopfte  mein Herz schneller, als ich ein Lächeln in seinem Gesicht sah. Ich konnte einfach nicht anders, als es zu erwidern, nachdem ich in seine Augen geblickt hatte. Konzentriert starrte ich sie an, und wurde überrascht. Keine Ahnung wie aber seine anfänglichen Zweifel waren urplötzlich verschwunden. In seinen Augen lag nun nur noch Freude und Wärme.Hatte er es erst jetzt so richtig realisiert? Hatte er sich jetzt etwa an den Gedanken gewöhnt, erneut Vater zu werden? Ich hatte keine Ahnung, weshalb seine Stimmung von jetzt auf gleich gewechselt hatte, doch ich war froh, dass er die Situation nun anders sah. Sein Körper strahlte nun eine Geborgenheit aus, dass ich mich gleich entspannte. Wie aus heiterem Himmel waren alle meine wirren Gedanken, die mich so lange heimgesucht hatten, verschwunden. Ich wusste, dass er mit mir alles durchstehen würde. Dass er mich nie verlassen würde, mir nie wieder wehtun würde. Er ist der Vater meines Kindes, und genau das sollte auch so bleiben. Er sollte es nicht nur sein, er sollte es auch werden.

Meine Hand legte sich auf seine, die sich noch immer auf meinem Bauch befand. Stumm saßen wir einfach so da, sahen uns tief in die Augen. Mehr war auch nicht nötig. Weshalb unzählige Wörter, die die Situation zerstören würde, vergeuden, wenn wir auch so wussten, was der jeweils andere dachte. Ein Klingeln durchbrach die Stille, ließ mich von meinen eigenen Gedanken hochschrecken. Mein Blick wanderte zu meinem Handy, als ich realisiert hatte, dass sich meines gerade meldete. Nur widerwillig löste ich mich von ihm und stand auf, als ich den Anrufer erkannte. Ich ging einige Schritte weg, befand mich nun im Vorraum, als ich den Anruf annahm. „Hallo Papa.“ begrüßte ich ihn freundlich, mit einem leicht schlechten Gewissen. Immerhin hatte ich mich kein einziges Mal bei ihm gemeldet. Völlig aufgewühlt sprach er laut. „Josephine endlich. Wo bist du? Geht es dir gut? Du wolltest doch schon längst bei uns sein! Ist etwas passiert?“ stellte er eine Frage nach der anderen. Seine Stimme überschlug sich beinahe vor lauter Sorge. Ich biss mir kurz auf die Unterlippe. Mein schlechtes Gewissen wuchs dadurch nur noch ein kleines bisschen mehr. Ich hätte mich einfach eher melden sollen. „Ja mir geht es gut Papa. Ich bin in Berlin. Es ist mir etwas dazwischen gekommen. Tut mir leid, dass ich mich nicht früher gemeldet hatte.“ beteuerte ich und meinte jedes einzelne Wort ernst. Ich merkte, dass er sich etwas entspannte nach meinen Worten. „Ist schon okay. Hauptsache dir fehlt nichts. Gott ich freue mich schon so auf Morgen. Wir sehen uns doch morgen oder?“ fragte er beinahe hippelig, was mich etwas grinsen ließ. „Ja bis morgen.“ verabschiedete ich mich von ihm, legte das Handy auf den Telefontisch und drehte mich um, um zurück ins Wohnzimmer zu gehen.

Ich hielt sofort inne, als Fritz sich auf einmal direkt vor mir befand. Mein Herz klopfte vor lauter Schreck etwas schneller, überrascht lächelte ich ihn an, was er jedoch nicht erwiderte. Stattdessen zierte seine Lippen eine dünne Miene, in seinen Augen befand sich Verwirrtheit, was mich meine Stirn kraus ziehen ließ. Hatte er etwa gelauscht? Wenn ja wieso benahm er sich dann jetzt so? Bevor ich überhaupt dazu kam, nachzufragen, meldete er sich schon zu Wort. „Das ist doch nicht dein Ernst oder? Du willst trotzdem gehen und mich allein lassen?“ fragte er sowohl ängstlich als auch sauer zugleich. Nach seinen Worten konnte ich einfach nicht anders als wieder zu lächeln. Meine Hände umfingen sein Gesicht, strichen behutsam über seine Wangen. Mir gefiel der Fakt, dass er mich bei sich haben wollte. „Ich hab ihm versprochen, wieder nach Bielefeld zu ziehen Fritz.“ fing ich an und erkannte, dass er mir scharf widersprechen wollte. Um dies zu verhindern, fuhr ich schnell fort. „Da das nun nicht mehr der Fall ist, bin ich es ihm wenigstens schuldig, ihn für ein paar Tage zu besuchen. Findest du nicht auch?“ fragte ich ihn freundlich, während ich ihn noch immer anlächelte. Er schien sich allmählich zu beruhigen, denn er verlor seine angespannte Haltung und wirkte jetzt wieder lockerer. Kurz nickte er mir zu, bevor er mich an den Hüften an sich zog. „Du hast recht.“ sagte er verständnisvoll, ich grinste ihn an. Ich war froh, dass er mich verstand. Gerade hatte ich mich mit meinem Vater versöhnt, da wollte ich nicht schon wieder Streit. „Aber ich komme mit. Damit du auch ja wieder mit kommst.“ meinte er mit ernster Stimme und ich wusste, dass die Sache ihm auch ernst war. Doch wie sollte das gehen?

Behutsam legte ich eine Hand auf seine Brust, überlegte nach den richtigen Worten. „Fritz das geht nicht. Im Gegensatz zu mir bist du sehr wohl noch im Polizeirevier hier tätig. Du kannst nicht einfach so beschließen, abzuhauen.“ versuchte ich ihm ins Gewissen zu reden, doch er schien sich von seinem Vorhaben nicht abbringen zu lassen. Stur wie eh und je. Abrupt löste er sich von mir, sah mich kurz schweigend und durch dringlich an, ehe er sich abwandte und das Wohnzimmer betrat. Eilig ging er auf den Holztisch zu, auf dem sich sein Handy befand und nahm es in die Hand. Lange Zeit stand er einfach so da und lauschte. Ich fragte mich echt, wen er jetzt angerufen hatte. Meine Ohren spitzten sich, als ich die Worte „Ja Chef ich bin es. Ich brauche Urlaub. “ vernahm. Danach herrschte Stille seinerseits. Er sagte keinen Ton, lauschte nur den Worten Amanns. Was dieser wohl dazu sagte, am Wochenende gestört zu werden? Begeistert war er da bestimmt nicht. Neugierig versuchte ich genau dies herauszufinden. Doch Fritz verzog keine Miene. Stirnrunzelnd sah ich ihn an, als ich von ihm ein „Geht klar Chef.“ vernahm und er danach auflegte.

(Fritz) Eilig wählte ich die Nummer vom Chef, um die Sache zu klären. Denn eines war sicher, ich würde Josephine da auf keinen Fall alleine fahren lassen. Vertrauen ist gut, doch in diesem Fall war Kontrolle dann doch besser. Lange hörte ich nur das Tut-Geräusch und schön langsam wurde ich ungeduldig. Ich wollte schon beinahe auflegen, als ich dann doch etwas auf der anderen Leitung vernahm. „Ja Chef ich bin es.Ich brauche Urlaub.“ begrüßte ich ihn so freundlich wie möglich. Immerhin wusste ich nicht, wie er auf mich zu sprechen war, wenn ich ihn an seinem freien Tag zu der Uhrzeit störte. Gleichzeitig erläuterte ich ihm auch gleich mein Anliegen, da wir Männer es liebten, konkret zu sein. Zu meiner Verwunderung stellte er sich alles andere als quer. Normalerweise musste man freie Tage bereits Wochen im Voraus bekannt geben. Umso mehr überraschte es mich, dass er zustimmte. „Sie haben drei Tage Zeit. Holen Sie sie wieder nach Hause. Am Mittwochmorgen will ich sie beide wieder auf dem Revier sehen, verstanden! Und wehe Sie kommen alleine zur Arbeit. Dann gibt es für den nächsten Monat nur noch Innendienst für Sie. Klar?“ sagte er streng, man konnte die Ernsthaftigkeit aus seiner Stimme heraushören. Kurz musste ich schlucken über seine Ansage, konnte mir ein Grinsen jedoch nicht verkneifen. Ja Josephine gehörte nach Hause, und das war eben seit jener Zeit nun hier in Berlin, an meiner Seite. Und da würde sie auch bleiben. „Geht klar Chef.“ stimmte ich seinen Bedingungen zu und legte auf.

(Josie) Nachdem Fritz aufgelegt hatte, richtete er wieder mir seine Aufmerksamkeit. Er erkannte wohl meine Neugier, weshalb er endlich anfing zu sprechen. „Der Chef hat uns bis Mittwoch Urlaub gegeben.“ meinte er völlig locker und zuckte die Schultern, als wäre dabei nichts Großartiges. „Uns?!“ fragte ich verwirrt nach, und verstand die Welt nicht mehr. Mein Gegenüber schmunzelte, ehe er sich auf den Weg zu mir machte und mir nun gegenüber stand. „Ja uns. Bedauerlicherweise findet der Chef deine Kündigung nicht. Und so müssen wir wohl beide wohl oder übel am Mittwoch wieder antanzen.“ meinte er gespielt bedauerlich, grinste jedoch in sich hinein. Ich erkannte, dass ihn die Situation amüsierte, weshalb ich ihm gespielt auf die Brust haute. Anschließend jedoch lächelte ich ihn wieder an und schlang meine Arme um seinen Hals. Ich konnte ihm eben einfach nicht böse sein. Dazu bedeutete er mir viel zu sehr. Ich streckte mich etwas, um meine Lippen auf seine zu legen. Einige Minuten sog mein Mund leicht an seinem, bis wir uns voneinander lösten und uns wieder anblickten. „Wir sollten ins Bett. Ich muss morgen früh raus, um zu packen.“ meinte er lächelnd, während er mir eine Haarsträhne hinters Ohr strich. Nachdem ich seine Worte realisiert hatte, grinste ich ihn verrucht an. „Das kannst du vergessen. Wir gehen ins Bett, aber Schlaf wirst du da bestimmt nicht finden.“ Ich hörte ihn nach meiner Ankündigung kräftig schlucken. Meine Hand krallte sich in seinen Pullover. „Weißt du eigentlich wie sehr mir das gefehlt hat?!“ hauchte ich ihn heiser entgegen, und zog ihn stürmisch Richtung Schlafzimmer. Fritz folgte, eher stolperte, mir schweigend hinterher. Er wusste, dass ich auch keine Widerworte geduldet hätte. Heute würde er das Bett nicht mehr verlassen. Ein Vorfreudelächeln machte sich in meinem Gesicht breit. Waren diese Gelüste etwa schon die ersten Anzeichen der Schwangerschaft? Wenn ja, dann würden wir in naher Zukunft wohl ziemlich müde zur Arbeit erscheinen.
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