Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
73
132.835
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Dieses Kapitel
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24.02.2015 2.251
 
Tut mir leid. Ich hatte noch nie eine Geburt weshalb es bestimmt etwas unprofessionell klingen wird. Hoffe aber  trotzdem dass es euch gefallen wird!


(Josie) Tamara wurde in ein Zimmer gebracht, wo ein Gynäkologe derzeit untersuchte, ob das Baby auch wirklich in Ordnung war und alles nach Plan verlief. Währenddessen saßen Fritz und ich auf diesen unbequemen Plastikstühlen und hingen beide unsere Gedanken nach. Was sollte ich jetzt machen? Wie würde meine Zukunft aussehen? All diese Fragen verwirrten mich, gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Ein Kribbeln machte sich in meinem Bauch breit, als ich einen leichten Druck auf meiner Hand spürte. Mein Herz fing schneller an zu schlagen, nachdem mir bewusst wurde, dass Fritz mich berührte. Starr war mein Blick auf unsere Hände gerichtet, wagte es nicht, ihn anzusehen. Ich schloss meine Augen, als Fritz mit seinem Daumen leicht über meine Hand strich. Wieso schafftes dieser Mann, mich mit so einer kleinen Bewegung so aus dem Konzept zu bringen? „Woran denkst du?“ holte er mich aus meinen Gedanken, und konnte dabei seinen gerichteten Blick auf mir spüren. Ich schluckte, als ich mir die Frage stellte, ob ich ihm wirklich erzählen sollte. Noch immer malte sein Finger sanfte Kreise auf meine Hand, was mich alles vergessen ließ. „Was wenn es nie diese Lüge gegeben hätte? Was wäre dann mit uns?“ kamen mir meine ehrlichen Gedanken über die Lippen. Fritz hielt nach meiner Frage inne und umfasste kurz darauf wieder meine Hand. Er atmete tief ein, bevor er zu mir sprach. „Ich weiß es nicht. Aber wir können es rausfinden.“ schlug er mir vor und konnte das Flehen in seiner Stimme kaum überhören. Langsam schüttelte ich den Kopf. „Es ist zu viel passiert.“ Es war nur ein Flüstern, doch ich wusste auch so, dass er es laut und deutlich verstanden hatte. Ich erwartete, dass er näher auf meine Antwort eingehen würde, er tat es jedoch nicht, was mich etwas erleichterte. „Wieso wolltest du dich nicht von mir verabschieden?“ Noch immer hatte er seinen Blick auf mich gerichtet, sah mich intensiv dabei an, während er geduldig auf eine Antwort wartete. Ich gab mir einen Ruck und richtete mein Augenmerk wie in Zeitlupe von unseren Händen zu seinem Gesicht. Mir stockte der Atem. Ich hatte das Gefühl, seine Augen versuchten, in meine Seele blicken zu wollen, suchten nach Antworten. „Ich wusste nicht wie.“ gab ich gepresst zurück und hoffte, dass ihm das reichen würde und er nicht näher auf das Thema eingehen würde. Sein Kopf war nun nach unten gerichtet, mied kurz meinen Augenkontakt und versuchte sich zu sammeln.

Das Klingeln meines Handys ließ mich kurz zusammenzucken. Ich legte mein Augenmerk kurz darauf auf das Display. „Mein Dad.“ flüsterte ich zu mir selbst. Er wollte wohl nachfragen, wann ich in Bielefeld eintreffen würde. Ich schüttelte den Kopf, und steckte mein Handy zurück in meine Jackentasche. Später würde ich ihm dann Bescheid geben, dass ich aufgehalten wurde. „Du willst doch nicht noch immer gehen oder?“ vernahm ich Fritzs ungläubige Stimme hinter mir. Wie erstarrt blieb ich stehen, ihm noch immer den Rücken zugedreht. Was sollte ich auf diese Frage antworten? Ich wusste es ja noch nicht einmal selbst, was ich tun sollte. Als ich mich noch immer nicht rührte und auch keine Anstalten machte, dies zu tun, packte er mich sanft aber bestimmt an meinem Arm und drehte mich selbst zu ihm um. Mein Blick traf seinen und mein Herz zog sich bei seinen verletzten Augen sofort zusammen. Ich wollte das nicht sehen, konnte es nicht. Und dennoch starrte ich wie hypnotisiert darauf, war unfähig wegzusehen, als er mich nun energisch aber auch verzagt ansah. Er atmete schwer und holte erstmal tief Luft, ehe er zu mir mit ruhiger Stimme sprach. „Ich dachte immer, dass du Tamara und ihr Baby nicht ertragen könntest und deswegen unbedingt weg wolltest. Sie ist nun kein Thema mehr und auch ihr Baby ist nicht von mir. Wieso also willst du dann noch immer gehen? Was ist los mit dir?“ „Fritz“ unterbrach ich seinen Redefluss, konnte einfach keine weiteren Fragen ertragen. Doch er ließ es nicht zu. „Josephine bitte sag es mir. Sag mir, was dir so kopfzerbrechen macht.“ forderte er mich erneut auf und dieses Mal konnte ich nicht anders, als kräftig zu schlucken, um die sich anbahnenden Tränen zu erdrücken. Ich schüttelte kurz den Kopf, um wieder auf klare Gedanken zu kommen. Fritz schien das als nein aufzufassen, denn er fragte mich abermals, wieso ich es ihm nicht sagte. „Ich … ich hab Angst.“ kamen die Worte flüsternd aus meinem Mund, ohne sie verhindern zu können. Und natürlich hatte er jedes einzelne davon verstanden. „Wovor?“ war das einzige, was er mich fragte. Sein Blick durchbohrte mich, als ob er selbst nach Antworten auf seine Fragen suchte. Ich öffnete meinen Mund, überlegte, ob ich mich ihm tatsächlich anvertrauen sollte. Doch bevor ich auch nur einen Laut von mir geben konnte, hörte ich laute Stimmen.

„Es scheint alles in Ordnung zu sein. Wir bringen sie jetzt in den Kreissaal. Wissen sie wo der Vater ist?“ vernahm ich die Stimme des Gynäkologen und wusste, dass er damit Tamara gemeint hatte. Mein Kopf fuhr herum und sah, dass diese wirklich mit ihrem Arzt den Raum verlassen hatten und nun im Gang standen. „Bin schon da.“ kam es von Stefan, der scheinbar wieder von den Toten aufgewacht war und sich nun der Situation stellen wollte. Doch die Tatsache schien ihr alles andere als zu gefallen, das sagte zumindest ihr Gesichtsausdruck. „Oh nein. Wenn der da mit geht schrei ich das ganze Haus nieder!“ drohte sie dem Arzt, welcher jedoch unbeeindruckt von ihrem Ton blieb. Anscheinend hatte er schon öfters solche komplizierten Frauen als Patientinnen. Aus Stefans Gesicht wich die Farbe und er fing selbstverständlich an zu protestieren, doch niemand schenkte ihm weiterhin Beachtung. „Wollen sie die Geburt etwa allein durchstehen?“ hinterfragte der Arzt vorsichtig. „Sind sie wahnsinnig?! Aaahhhh Sicher nicht. DDDDDDie da kommt mit.“ meinte sie mit fester Stimme und zeigte dabei auf mich. Kurz blickte ich mich um, ehe ich erschrocken auf mich zeigte. „Ich?“ erkundigte ich mich und hoffte, mich verhört zu haben. Kurz verdrehte Tamara ihre Augen, ehe sie ein gepresstes „Klar du“ murmelte, sich bei meinem Arm einhakte und mich mit zusammengebissenen Zähnen aufforderte, sie nach unten zu bringen.


„Oh Goooottttt. Ich bring den Kerl um. Der ist sowas von toooooodddddd.“ schrie Tamara in den Raum und drückte dabei kräftig meine Hand, als eine neue Wehe ihren Körper durchzuckte. Nachdem die Schmerzen abgeklungen waren, tätschelte ich ihr wieder ihre Hand und sprach beruhigend auf sie ein. „Ganz ruhig. Im Knast solls nicht so gemütlich sein wie es immer heißt.“ versuchte ich zu spaßen, merkte jedoch, dass sie ziemlich nachdenklich wirkte. „Ich kann das nicht.“ sprach sie scheinbar ihre Gedanken aus. „Was kannst du nicht? Die Geburt?“ hinterfragte ich ihre Aussage, da ich mir überhaupt keinen Reim darauf machen konnte. „Eine Mutter sein. Ich schaff das nie.“ jammerte sie mir die Ohren voll und ich fragte mich echt, womit ich das verdient hatte. „Quatsch. Das schaffst du schon.“ probierte ich, dass sie sich wieder etwas entspannte und sich auf das Wesentlichste zu konzentrieren. Doch ihre Stimme klang ernst, fast als wäre sie gedanklich ganz woanders. „Du hast leicht reeeeeeeeden.“ kurz hielt sie inne, wartete, bis das Ziehen leichter wurde. „Was kann ich dem Kleinen schon bieten? Ich hab noch nie was auf die Reihe gestellt.“ sprach sie all ihre Bedenken aus und ich hörte auch noch ein leises „Außerdem bin ich allein.“ Meine Brust zog sich zusammen, als ich in ihre verzweifelten Augen blickte. Bisher hatte ich sie immer nur als Verrückte gesehen, die sich zum Plan gesetzt hatte, Fritz mit allen Mitteln an sich zu binden. Dass hinter ihrem Verhalten mehr stecken könnte, daran hatte ich nicht gedacht. Eigentlich müsste ich nach all ihren Handlungen sauer auf sie sein, doch ich war es nicht. Stattdessen empfand ich plötzlich eine … wie sollte ich es nur beschreiben. Verbundenheit würde es dieses Gefühl nicht treffen. Dennoch war ich ihr jetzt gefühlsmäßig ein klein wenig näher gekommen und fand sie plötzlich sogar etwas symphatisch. Sie fühlte sich allein gelassen. Ich wusste zwar nichts von ihrer Familie doch ich wusste, wie sie sich jetzt fühlte. Denn auch ich hatte mich allein gefühlt, nachdem ich mit meinem Vater gebrochen hatte. Was sagte ich da eigentlich? Bereits nach dem Tod meiner Mutter gab es in mir immer diese Leere. Hier in Berlin hatte sich diese Leere langsam gefüllt. Ich war damals verwirrt gewesen über diese plötzliche Wärme, die sich in meinem Herzen eingenistet hatte. Heute wusste ich, wer dafür verantwortlich war. Auch wenn dieses Gefühl derzeit betrübt war. Würde ich je wieder diese Wärme in voller Macht spüren können?


Ich atmete kurz aus, versuchte mich wieder auf die Situation zu konzentrieren und drückte Tamaras Hand, damit sie mir in die Augen blickte. Mein Hals kratzte, als ich die Verzweiflung erneut in ihrem Gesicht erkannte. „Die wirst bestimmt eine tolle Mutter werden.“ versuchte ich sie aufzumuntern und es schien zu funktionieren, denn ihre Augen strahlten nun vor Hoffnung. „Meinst du?“ fragte sie noch einmal nach, ich nickte. „Ich bin Polizistin. Da ist es meine Aufgabe Menschen zu durchschauen. Auch wenn ich bei dir etwas länger gebraucht hab.“ gab ich offen zu und sah, dass mein Gegenüber erstmal über meine Worte nachdachte.
Sie krümmte sich nach einer erneuten Wehe, und kam wieder zu Atem, ehe sie mich anblickte. „Danke das bedeutet mir wirklich was. Es tut mir leid. Alles. Fritz wird mich nie so ansehen wie er es bei dir tut. Das hab ich jetzt eingesehen. Ich wollte doch nur jemanden der für mich da ist. Ich will nicht mehr alleine sein.“ sagte sie mit erstickter Stimme und Tränen in den Augen. Der Anblick schnürte mir die Kehle zu und hatte nun selbst mit Tränen zu kämpfen.

„Du bist doch nicht allein. Wir werden vielleicht nie die besten Freundinnen werden aber du kannst trotzdem mal zu mir kommen, wenn dir was am Herzen liegt. Außerdem hast du ja auch noch Stefan. Er ist zwar ein Vollidiot aber er meint es denke ich wirklich ernst mit dir.“ redete ich einfühlsam auf sie ein. „Du bist so nett und ich war so eine Hexe. Es tut mir wirklich wirklich leid. Du müsstest nicht hier sein und trotzdem tust du es. Aber es ist dir schon bewusst dass ich dein Angebot hundert pro annehmen werde.“ Ich musste plötzlich lachen bei ihrer Tonlage. „Ich weiß mittlerweile was für eine Klette du sein kannst. Aber ein zwei Besuche (im Jahr) werde ich schon überleben.“ scherzte ich. Sie erwiderte kurz mein Lächeln, ehe sie sich erneut krümmte. „Gott ist das ein Scheiß. Wenn ich gewusst hätte welche Schmerzen das sind hätte mich dieser Idiot nie anfassen dürfen.“ schrie sie den Schmerz raus, bevor sie sich etwas entspannte. „Sag ihm bitte dass er erst gar nicht mit solchen bescheuerten Blümchen aufkreuzen braucht. Ich hasse Grünzeug.“ sagte sie mit einer solchen Entschlossenheit, dass ich mir das Grinsen wirklich verkneifen musste. „Keine Sorge. Stefan ist der letzte Mensch der auf so ne Idee kommen würde. Wenn er ein Präsent mitnehmen sollte, dann höchstens Parfüm.“ Tamara blinzelte und sah mich danach verwirrt an. „Stefan ist zwar Polizist aber hobbymäßig arbeitet er bei seinem Bruder in der Parfümfirma. Samstags war er immer dort und hat was zusammengebraut. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr ich manchmal gestunken hab von dem Zeug.“ Es wunderte mich, dass ich über meine Vergangenheit plötzlich so dachte. Ja Stefan war ein Idiot aber es war nicht immer alles schlecht. Um das einzusehen brauchte ich aber tierisch lange. Mein Blick wanderte zu Tamara, die immer lauter schnaufte. Ich runzelte die Stirn, als ich ihre Augen nun leuchten sah. „Die machen in Bielefeld Parfüm?“ hinterfragte sie, was mich noch mehr verwirrte. Lediglich ein Nicken brachte ich zustande, ehe sie zu grinsen anfing. „Gott ich liebe Parfüm. Meinen eigenen Duft herzustellen … das wärs doch. Dann könnte mein Kind seinen Vater haben und ich wäre die Parfümkönigin. Vielleicht ist er doch nicht so ein Vollidiot wie ich dachte.“ schwärmte sie und war irritiert, wie schnell sich ihre Meinung über Stefan geändert hatte. Sie wirkte nun vollkommen euphorisch und strich sich kurz über den Bauch. „Hörst du Kleiner. Wir ziehen nach Bielefeld.“ Fasziniert von der Vorstellung sah sie mich danach an, ehe sich ein kleines Keine-Sorge-Lächeln in ihr Gesicht stahl. „Aber keine Sorge. Wir besuchen dich in Berlin.“ beruhigte sie mich, was jedoch nicht sehr hilfreich war. Toll. Wenn sie wirklich dort hin zieht werde ich es mir wohl zwei Mal überlegen auszuwandern. Würde ich tatsächlich nach Bielefeld ziehen hätte ich sie jeden Tag am Hals und auch wenn sie mir mittlerweile etwas symphatisch war, so war sie dennoch ein klein wenig anstrengend, und ich wusste nicht, ob das meine Nerven aushalten würden.

Noch immer sah sie mich erwartungsvoll an, wartete wohl darauf, dass ich Begeisterung zeigen würde. Ihr Blick war zum Glück nicht lange auf mir, denn der Gynäkologe betrat nun den Raum. Ich war froh darüber, so musste ich ihr keine Freude vorspielen. „Das alles tut schon so weh! Wie viele Minuten wird es noch dauern?“ fragte sie den Arzt neugierig, doch die Antwort ließ ihr alle Farbe aus dem Gesicht weichen. „Wohl eher Stunden.“ murmelte der Arzt, weshalb Tamara plötzlich panisch wirkte. „WAS?! STUNDEN?!?!?!“ schrie sie in eine Wehe hinein. Der Arzt und ich hielten uns beide die Ohren zu, damit uns nicht das Trommelfell noch platzte. „GOTT ICH BRING DIESEN SCHEISSKERL UM!!!!!“


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