Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
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22.02.2015 2.247
 
Es ist zwar kurz aber hier kommt ein kleiner Glücksmoment.


(Fritz) „Ich kann nicht“ Ihre Worte waren wie ein Messer, die sich direkt in mein Herz bohrten. Ich kann nicht. Immer wieder hallten mir ihre Worte wieder und wieder. Was konnte sie nicht? Mich lieben? Hier bleiben? Nicht mit mir glücklich werden? Meine Augen fingen an zu brennen, als ich mir das Ausmaß ihrer Worte bewusst war. Sie würde mich tatsächlich verlassen. Sie würde einfach so für immer aus meinem Leben verschwinden und ich konnte nichts anderes tun als ihr hinterherzusehen. Ich schüttelte unentwegt ungläubig den Kopf. Wollte das alles einfach nicht wahr haben. Wieso musste sie gehen? Ich hätte damit leben können, wenn wir kein Paar mehr geworden wären aber der Gedanke sie nie wiederzusehen war einfach unerträglich. Ich blickte in ihr Gesicht, welches tränenüberströmt war. Ich verstand es nicht, konnte es überhaupt nicht begreifen. Wenn es sie doch genauso schmerzte wieso ging sie dann? Es war offensichtlich eine Flucht vor mir und ihren Gefühlen mir gegenüber. Doch wieso wehrte sie sich so dagegen? Glaubte sie etwa wirklich wir könnten das nicht schaffen? Oder hatte sie einfach zu viel Angst davor erneut verletzt zu werden. Ich wollte ihr Gesicht in meine Hände nehmen, wollte ihr ihre Tränen wegwischen doch sie entzog sich mir, wollte auf keinen Fall, dass ich sie berührte und genau das war es, was mich so sehr schmerzte. Ihre Zurückweisung. Wenn ich meine Seele verkaufen müsste um ihr zu beweisen, dass ich sie nie wieder verletzen würde dann würde ich das tun, ohne mit der Wimper zu zucken. Doch es gab nunmal keine Garantie, die ich ihr bieten könnte. „Bitte“ immer wieder flüsterte ich dieses einzelne Wort, hoffte sie würde meine Verzweiflung sehen und erkennen, wie ernst ich es mit ihr meinte. Ich erkannte in ihrem Gesichtsausdruck dass sie an meiner Ernsthaftigkeit keineswegs zweifelte, und dennoch konnte ich diese Entschlossenheit in ihren Augen sehen die mir verriet, dass ich zu spät war. Sie würde uns keine Chance mehr geben, egal was ich ihr sagte. Meine Hände umschlossen erneut ihr Gesicht, doch dieses Mal ließ sie es zu. Ich blickte ihr tief in die Augen, während ich mich ihren Lippern immer mehr näherte. Sie sah abwechselnd von meinen Augen zu meinen Lippen, wirkte dabei ganz unsicher. „Nicht. Bitte.“ presste sie gequält heraus und schluckte. Nur merklich deutete ich kurz ein Nein ehe ich meine Bewegung fortführte. Ein letztes Mal, schoss es mir durch den Kopf. Ein letztes Mal wollte ich ihr noch einmal nahe sein, wollte sie in meinen Armen halten. Meine Lippen waren nur noch wenige Millimeter entfernt, als ich plötzlich eine Stimme hinter mir vernahm, die mich zusammenschrecken ließ.

Josephine wandte sich abrupt von mir ab. Ihr Blick fiel auf Tamaras Bauch, den sie natürlich ganz stolz präsentierte. Ich blickte in Josies Augen und fragte mich, was wohl in ihrem Kopf gerade vor sich ging. Wurde ihr die Situation dass ich Vater wurde erst jetzt bewusst? Oder stellte sie sich gerade vor, wie sich mein Kind dort befand. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, konnte ihren Blick nicht deuten. „Da bist du ja mein Schatz.“ vernahm ich Tamaras Stimme. Ich erkannte in Josephines Augen, dass sie dieser Satz schmerzte, was mir in der Seele wehtat. Ich wollte sie nicht mehr leiden sehen, schon gar nicht wegen mir. „Was gibt es denn?“ hinterfragte ich ihren Besuch und versuchte dabei so höflich wie möglich zu klingen. Tamaras Hand legte sich auf ihren Bauch, während sie mich vorwurfsvoll ansah. „Das fragst du noch? Ich hab versucht dich zu erreichen aber du verbringst deine Zeit ja lieber mit der da.“ meinte sie beleidigt und machte eine abwertende Bewegung zu Josephine. Ich musste mich arg zusammenreißen, um ihr nicht vor Ort und Stelle die Meinung zu geigen. Stattdessen entfernte ich mich ein paar Schritte von Josephine und sah Tamara an. „Jetzt hast du mich ja gefunden. Gibt es etwas Bestimmtes?“ fragte ich neutral wie möglich. Kaum hatte ich die Frage ausgesprochen, schon spürte ich, wie mir jemand einen kräftigen Fausthieb in meinen Magen verpasst hatte. Ich strauchelte einige Schritte, ehe ich mich wieder fasste und sauer denjenigen suchte, der mir eine reingehauen hatte. Ich blickte mich um und erkannte, dass neben Josephine und Tamara sich auch noch ein Mann auf dem Gelände befand. Er hatte kurzes dunkles Haar und hatte die Hände zu Fäusten geballt. Wer zum Teufel gab ihm das Recht, mich hier anzugreifen.

„Alter was bistn du für einer?! Hast du n Rad ab?!“ fuhr ich ihn an und wurde nur noch wütender, als ich von Josephine ein „Stefan was machst du hier?“ hörte. Soso das war also DER Stefan. Nun ballten sich meine Hände zu Fäusten und mein Kieferknochen spannte sich an. „Was ich hier mache? Den Typen da eine verpassen. Lass mein Mädchen in Ruhe.“ Der Typ hat es jetzt nicht nach dem Scheiß wirklich gewagt, Josephine als SEIN Mädchen zu bezeichnen?! Wut kam in mir hoch, als ich an die Geschichte vom Polterabend dachte. Dieser miese kleine Mistkerl hatte Josephine sehr wehgetan, was mich zur Weißglut brachte. Vergessen war die Tatsache, dass eigentlich ich gerade der Grund für ihren Gefühlszustand war. Ohne groß darüber nachzudenken holte ich weit aus und verpasste ihm eine.


(Josie) Ich sah Fritz und Stefan, die versuchten sich gegenseitig zu vermöbeln. Was zum Teufel machte Stefan hier?! Hatte er immer noch nicht verstanden, dass das mit uns schon längst vorbei war?! Mir fiel sofort auf, dass der Streit der beiden aus dem Ruder lief. Doch was sollte ich tun? Dazwischen gehen wollte ich nicht. Das war mir bei den beiden Bullen zu gefährlich. Aus diesem Grund folgte ich meiner Intuition und feuerte einmal einen Warnschuss in die Luft ab. Mein Tun zeigte die gewünschte Wirkung, denn beide fuhren erschrocken auseinander und sahen erstmal, ob sie verletzt waren. „Verdammt ihr seid doch keine kleinen Kinder!“ erinnerte ich sie und wollte darauf hinweißen, dass sie sich wie zwei erwachsene Menschen benehmen sollten. Zum Glück stand Tamara von der Rauferei weiter weg. Nicht dass dem Baby was passiert wäre … Fritzs Baby. Abermals machte sich diese komische Leere in mir breit, als ich daran dachte. Ich fühlte mich wie in einem Alptraum, aus dem ich nicht mehr aufwachen konnte. Mein Blick ging zu der Frau, die mir so viel Kopfzerbrechen beschert hatte und musste verdutzt feststellen, wie nervös sie plötzlich wurde. Sie sah Fritz hecktisch an und meinte: „Komm Schatz. Ich will hier weg. Jetzt.“ wobei sie das letzte Wort sehr betonte. Wieso hatte sie es jetzt bitte so eilig von hier wegzukommen?! „Da! Der baggert schon wieder meine Süße an. Du brichst ihr doch sowieso wieder das Herz und ich darf dann die Scherben aufsammeln aber das ist jetzt vorbei!“ hörte ich Stefans drohende Stimme, der erneut zum Schlag ausholte. Ich erkannte Fritzs verwirrten Gesichtsausdruck, ehe er Stefan eine Auszeit deutete. Zu meinem Verwundern reagierte er sogar darauf und sah ihn erwartungsvoll an. „Das wir uns richtig verstehen. Du willst die da(deutet auf Tamara) haben?“ sprach Fritz vorsichtig aus, seine Stimme konnte ich überhaupt nicht deuten. Stefan schien der Ton nicht sehr zu begeistern. Denn er streckte seine Brust heraus und schnaubte. „Das da ist die tollste Frau die es gibt und du verletzt sie. Sie gehört MIR verstanden!!! In meinen Armen hat sie sich wohl gefühlt und da wird sie auch bleiben!“ Bei diesem Satz musste ich erstmal kräftig schlucken. Hatte ich da etwa richtig verstanden?! Ich blickte automatisch zu Tamara und sah sie eindringlich an, doch diese sah nur zu Fritz und fing an zu beteuern, wie sehr ihr das alles leid tun würde.

„Ich kann nichts dafür Schatz. Du warst immer so gemein zu mir und dieser Idiot war eben da und hat mich getröstet. Das ist alles. Aber er bedeutet mir nichts.“ versicherte sie ihm so um die hundert Mal, setzte dabei einen flehenden Blick auf. Stefan widerum bestand immer wieder darauf, dass er der Richtige für Tamara wäre und Fritz ihrem Glück nur im Wege stehen würde. Bei diesem ganzen Wirrwarr konnte ja keiner mitkommen. Die beiden redeten ununterbrochen durcheinander, was mir schön langsam kopfschmerzen bescherte. Ein lautes Pfeifen erweckte meine Aufmerksamkeit. Ich folgte dem Geräusch und erkannte, dass es von Fritz gekommen war. Ich bemerkte, dass sein Gehirn ratterte. „Moment Moment. DU hast mit DEM geschlafen?“ fragte er erneut nach und auch ich fragte mich, ob ich mich verhört hatte, doch Tamara murmelte abermals ein „Tut mir leid.“ Ein Lächeln stahl sich auf Fritzs Gesicht und ich fragte mich, wieso er jetzt plötzlich so reagierte. „Das heißt dieser Möchtegernprolet käme auch als Vater in Frage.“ warf er die Frage ein und nun war auch bei mir der Groschen gefallen. Er klammerte sich an die Möglichkeit, vielleicht doch nicht Vater zu werden. Ich verstand es nicht. Hieß es nicht immer, Männer hatten einen ausgeprägten Fortpflanzungstrieb? Die Nachricht schien dann nicht bei allen Männern angekommen zu sein. Ein flaues Gefühl machte sich in mir breit. Es war eigenartig aber irgendwie tat mir Tamara plötzlich leid.

Stefan baute sich erneut auf, anscheinend war er in seiner männlichen Ehre gekränkt worden und da kannte er keinen Spaß. „Möchtegernprolet? Das sagt mir ausgerechnet das Weichei, das bei so einer tollen Frau einfach einschläft!!!“ Wie einfach eingeschlafen? In meinem Gehirn fing es an zu rattern. Er war eingeschlafen an dem Abend. Aber wenn er eingeschlafen war, dann würde das ja heißen dass … Fritz war nicht der Vater von Tamaras Kind, er hatte mich noch nicht einmal betrogen. Mir wurde schwindelig, als mich diese Erkenntnis traf. All die Monate. All diese Monate in denen wir hätten glücklich sein können. Alles wegen einer einzigen dämlichen Lüge. Noch immer konnte ich diese Nachricht noch nicht ganz begreifen. All dieses Leid war völlig umsonst.

Unsicher blickte ich zu Fritz, doch dieser stand einfach nur da und rührte sich nicht. Offensichtlich wusste er nicht, wie er mit dieser Nachricht umgehen sollte. Ich erkannte in seinen Augen Wut, weil Tamara ihn so angelogen hatte, Erleichterung, nun doch keine Verpflichtung zu haben aber auch … Freude?! Kaum hatte ich diese Emotionen bei ihm entdeckt, schon ging er stürmisch auf Stefan zu und … umarmte ihn?! „Gott du kannst dir nicht vorstellen wie ich mich freue, doch nicht Vater zu werden. Ich wünsch euch viel Glück Mann. Ihr habt euch verdient.“ meinte er plötzlich locker und klopfte Stefan einmal kumpelhaft auf die Schulter. Dieser schien nicht ganz zu wissen, wie er darauf jetzt reagieren sollte. Damit hatte er wohl nicht gerechnet gehabt. Ich selbst stand noch immer da und wusste nicht so ganz was ich davon halten sollte. Es kam mir alles so surreal vor. Fritz hatte Stefan nun endlich los gelassen und blickte mich an. Ein Lächeln lag auf seinem Gesicht, welches ich jedoch nicht erwiederte. Vielleicht dachte er dass jetzt alles gut werden würde. Aber das würde es nicht. Es hatte sich noch immer nichts geändert.  

Ich wandte meinen Blick von ihm ab und sah stattdessen zu Tamara, die nun wie ein Häufchen Elend da stand. Ihr Anblick ließ mich erzittern. Es war seltsam doch ich empfand Mitleid. Ausgerechnet für die Frau, dir mir so viel böses angetan hatte. Langsam ging ich auf sie zu, wollte sie umarmen und sie trösten. Doch kurz bevor ich bei ihr angekommen war, verzog sie ganz plötzlich komisch ihr Gesicht. Bei ihrem Gesichtsausdruck drehte es mir den Magen sofort um. Denn diese Miene hatte unsere Kuh Bella auch immer drauf, als die Wehen eingesetzt hatten. Die Männer hatten wohl nun ebenfalls Tamara im Visier. Denn Stefan fragte sie nun allenernstes ob Tamara hätte aufs Klo müssen. Nach der Frage hatte ich einfach nur mit den Augen rollen müssen. Als ich ihn dann darauf hinwieß, dass das Baby auf dem Weg war, kippte es Stefan wortwörtlich aus den Socken. Ich sah wie er anfing wie ein Mädchen „Oh mein Gott oh mein Gott oh mein Gott.“ kreischte, ehe er ganz komisch die Augen verdrehte und danach einfach umkippte. Na toll. War der Typ eigentlich zu irgendwas zu gebrauchen?! Ich erkannte, dass sich Tamara bereits sehr unwohl fühlte. Ihre Hand lag auf ihrem Bauch und immer wieder zog sie die Luft scharf ein. „Fritz hilf mir mal.“ forderte ich ihn auf und war somit die erste, die überhaupt reagierte. Wenn wir nichts taten würde das Kind hier auf die Welt kommen. Da Fritz mit dem Motorrad hier war, beschloss ich meinen Wagen zu nehmen. Da er sowieso schon alt war waren die eventuellen Flecken der Geburt auch schon egal gewesen. Ich streckte ihm die Schlüssel hin und half Tamara anschließend sich auf den mittleren Sitz zu setzen. Da mein Auto nur für drei Personen gedacht war, legten wir den bewusstlosen Stefan auf meine Laderampe.

Ich schloss kurz die Augen und sprach mir gedanklich erstmal Mut zu, um die Situation hier zu überstehen. Da saß ich nun, in meinem eigenen Wagen, und versuchte Tamara so gut es ging zu beruhigen. Während der Fahrt über versuchte Fritz die ganze Zeit über, mich doch noch zum Bleiben zu überreden. Doch ehrlich gesagt wollte ich darüber nun wirklich nicht nachdenken oder sprechen. Vor allem nicht wenn noch andere anwesend waren. Nach einer viertel Stunde erreichten wir dann endlich das Krankenhaus. Ich stieg aus und versuchte danach, Tamara so gut es ging zu stützen, um sie sicher in das Gebäude zu schaffen. Währenddessen hatte Fritz sich um Stefan gekümmert und ihn tragend zu einem Arzt gebracht. Dort war er in guten Händen. Nur ob die diese (Hirn)Schäden überhaupt in den Griff bekommen könnten, war ne andere Frage.
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