Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
73
132.835
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22.02.2015 2.236
 
(Fritz) Gedankenverloren starrte ich auf mein Bier und dachte krampfhaft darüber nach, wie mein Leben jetzt ohne Josephine weitergehen sollte. Ich hatte ihr Zeit gegeben, Zeit für sich und um über alles in Ruhe nachzudenken. Jeden Tag hatte ich gehofft, sie würde endlich zu mir gehen, mir sagen, dass sie mir verzeihte und dass wir das schaffen würden. Doch sie kam nicht, hatte sich stattdessen gegen mich, gegen uns entschieden und ich musste ihre Entscheidung akzeptieren, auch wenn es mir mehr als schwer fiel. Ich hörte das Läuten meines Handys, ignorierte dies jedoch. Es war ohnehin nur wieder Alex, der sich nach mir erkundigen wollte oder Tamara, die mich ja unbedingt brauchte. Hätte ich sie doch niemals kennengelernt, dann wäre das alles nicht passiert. Meine innere Stimme hatte mir damals zugeflüstert, ich solle sie rausschmeißen. Wieso nur hatte ich nicht auf sie gehört? Wenn ich es getan hätte, dann hätte ich Josephine nie betrogen und wir wären jetzt vermutlich schon so weit, dass sie zu mir gezogen wäre. Stattdessen hatte ich alles falsch gemacht, was es zum falsch machen gab und hatte somit alles verloren, was mir wichtig war. Ding Dong, vernahm ich an meiner Haustüre. Ich stöhnte einmal genervt auf, da ich mir denken konnte, um wen es sich handelte. Auf sie hatte ich jetzt definitiv keine Lust, weshalb ich beschloss, sie einfach gekonnt zu ignorieren und mein Bier in Ruhe weiterzutrinken. Ich schloss meine Augen und versuchte, das ständige Dauerklingeln auszublenden. Ich hatte gehofft, sie würde endlich aufhören wenn sie dachte, es befände sich keiner in der Wohnung. Doch ich hatte mich geirrt. Diese Person war wirklich hartnäckiger als ich gedacht hatte. Nach zehn Minuten hatte das Geklingel endlich aufgehört und ich hatte gehofft, sie wäre nun von dannen gezogen, bis ich plötzlich komische Geräusche an dem Türschloss hörte. Versuchte die jetzt etwa schon bei mir einzubrechen?! Müde rieb ich mir die Schläfen und betete, dass sie endlich verschwinden würde. Als alles mucksmäuschenstill war, stand ich auf, um mein leeres Bier in die Küche zu bringen und mir ein neues zu holen. Ich hatte mich gerade erst auf dem Weg gemacht, als erschrocken zusammenzuckte. Perplex stand ich da und blickte die Person an, die beinahe schuld an einem Scherbenhaufen und einem Herzinfarkt getragen hätte.

Ich musste mir erstmal die Augen reiben, um eine Fatamorgana auszuschließen. Was zur Hölle machte die denn jetzt hier?! Und wie um alles in der Welt kam sie bitteschön hier rein?! Es dauerte etwas, bis ich wieder Herr meiner Sinne war, danach fuhr ich jedoch die Person vor mir an. „Verdammt Karin was machst du hier?! Und wie kommst du hier rein?!“ Ausgerechnet Karin, die sonst noch nicht einmal ne Waffe richtig halten konnte, sollte jetzt ernsthaft ein Schloss geknackt haben?! Sie ging nicht auf meine Frage ein, sondern schlug eine andere Gesprächsrichtung ein. „Es ist nicht wichtig was ich hier mache. Wichtig ist was DU hier machst. Ich kann dir sagen was du hier machst. Du wirfst gerade dein Leben weg. Das machst du nämlich.“ sagte sie ernst und sah mir dabei mit einem entschlossenen Blick an, den ich von Karin bisher noch nie kannte. Ich reagierte darauf jedoch nicht. „Was weißt du schon.“ kommentierte ich ihre ach so tollen Diagnosen und stellte mein leeres Bier auf den Tisch. „Ich weiß zum Beispiel, dass Josephine ernsthaft überlegt wieder nach Bielefeld zu ziehen.“ hörte ich Karin sagen, der ich bereits den Rücken zugewandt hatte. Bei ihren Worten verspürte ich einen kleinen Stich in meinem Herzen. Sie wollte mich also tatsächlich verlassen? Und zwar nicht nur privat sondern auch beruflich. Ein Schulterzucken und ein „Und“ war das Einzige, was ich hervorbrachte. Was sollte ich auch sonst großartig sagen? „Und? Ist das alles, was dir dazu einfällt!?“ fragte Karin mich empört. Ich atmete einmal tief ein, ehe ich mich zu ihr drehte. „Es gibt nichts mehr was ich machen kann. Josephine hasst Bielefeld und wenn sie wirklich mit dem Gedanken spielt, dort wieder hinzuziehen um aus Berlin wegzukommen kann das nur eines heißen. Nämlich dass sie MICH noch mehr hasst als Bielefeld. Was also Karin sollte ich dann deiner Meinung nach tun?“ fragte ich mit meinen Kräften am Ende und blickte nach unten. Ich versuchte das Brennen in meinen Augen zu ignorieren, welches ich durch meine eigene festgestellte Tatsache gerade spürte. „Weißt du was dein Problem ist mein Lieber? Dass du einen Mist nach dem anderen machst und erwartest, dass dir Josie einfach so verzeiht. Aber das wird nicht passieren. Jedenfalls nicht wenn du nicht endlich mal etwas machst. Also tu etwas.“ forderte sie mich auf, was mich ein wenig wütend machte. Was ging sie das denn bitte an?! Ich setzte meinen Weg zum Kühlschrank fort und meinte zu ihr: „Hast du nicht irgendwelche Handpuppen zu machen.“ in dem anschaffendem Ton, welcher normalerweise immer gleich bei ihr funktionierte. Umso mehr erschrak ich, als es plötzlich nicht so war. Ich hielt in meiner Bewegung, den Kühlschrank zu öffnen, inne, als Karin völlig unerwartet mit der Faust kräftig auf den Tisch schlug und danach etwas wegen ihrer brennenden Hand fluchte. „Du hörst jetzt verflucht nochmal auf so dämlich zu jammern sondern machst das was schon längst fällig gewesen wäre. Jetzt sei ein Mann und kämpfe um sie anstatt wie ein bescheuerter Waschlappen dumm dazustehen und zuzusehen, wie die Person die du liebst für immer aus deinem Leben verschwindet.“ Kurz öffnete ich den Mund, doch Karin ließ sich nicht unterbrechen. „DU fährst jetzt zu ihr und machst ihr klar, wohin sie gehört. Und wehe du kneifst wie ein … ein ein … ein Weichei.“ redete sie sich völlig in Rage und holte danach erstmal tief Luft. Ich drehte mich entgeistert zu ihr um und sah sie baff an. Was war denn jetzt bitte in sie gefahren?! Sie hatte definitiv zu viel Zeit mit Josephine verbracht. Nach ihrer Ansage fiel mir die Kinnlade erstmal bis zum Boden. War das wirklich gerade Karin die zuerst bei mir eingebrochen war und mich hier anschließend als Waschlappen und Weichei bezeichnete?! Ihre Worte waren hart, aber sie entsprachen der Wahrheit und waren genau das was ich jetzt hören musste. Wer hätte gedacht dass ausgerechnet Karin mir mal so den Kopf waschen würde. Ein Grinsen bildete sich bei mir, als mir endlich klar wurde, was ich zu tun hatte. Schnellen Schrittes ging ich auf meine Kollegin zu und drückte sie kurz an mich, ehe ich schon beinahe aus meiner eigenen Wohnung stürmte. „Was hast du vor?“ hörte ich Karin fragen. „Das Richtige“ schrie ich ihr hinterher und nahm mir vor, dass ich nicht eher aufgeben würde, bevor ich nicht alles versucht hatte sie zum Bleiben zu bewegen. Ich werde mit ihr reden und sie wird mir zuhören, selbst wenn ich mich vor ihr Auto werfen muss.


(Josie) „Und hast du alles dabei?“ holte mich Viktor aus meinen Gedanken. Kurz schüttelte ich den Kopf, bevor ich ihm zunickte. Ja ich hatte alles dabei. Doch es war ein komisches Gefühl. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich mir geschworen, nie wieder auch nur einen Fuß nach Bielefeld zu setzen und jetzt? Eigentlich hatte ich nur geplant, meinem Vater und meinen alten Freunden einen Besuch abzustatten, um mich mit ihnen endgültig zu versöhnen. Es hatte mich gewundert wie gut wir uns trotz der Geschichte mit dem Polterabend unterhalten hatten. Es war als ob ich nie von Bielefeld weggewesen war. Überhaupt nichts hatte sich hier verändernt. Fast als hätte es diese Zeit in Berlin nie gegeben. Fast. Noch immer spürte ich ein komisches Ziehen in meiner Magengrube, wenn ich an ihn dachte. Er war der Erlöster gewesen, durch den ich die Ereignisse meiner Vergangenheit ablegen konnte, und nun war er selbst der Auslöser meiner Probleme gewesen. Und nun stand ich da, das Auto vollbepackt mit meinen Sachen und überlegte tatsächlich, wieder nach Hause zu ziehen. Denn ich hielt es derzeit in Berlin noch weniger aus als in Bielefeld. Mit dem Chef war bereits alles abgesprochen und auch von den anderen hatte ich mich schon verabschiedet. Von allen bis auf ihn. Ich konnte es einfach nicht. Ich konnte ihm nicht auf wiedersehen sagen, denn ich wusste, dass es kein Wiedersehen geben würde. Ich hatte beschlossen einen Schlussstrich zu ziehen und einen Neuanfang zu starten. Es fühlte sich extrem komisch an, das alles hier zu verlassen, aber es musste sein. Unter anderen Umständen wäre ich geblieben, hätte mit Fritz gemeinsam alles durchgestanden aber so. Ich musste einmal im Leben egoistisch sein und das tun, was ich wirklich wollte. Es tat mir im Herzen weh, meine große Liebe zu verlassen, doch es gab wichtigeres im Leben. Außerdem würde ich ihn nie ganz verlassen. Er würde für immer in meinem Herzen und Teil meines Lebens bleiben. Ein letztes Mal blickte ich mich auf Viktors Hof um, versuchte mir jedes einzelne Detail zu merken und abzuspeichern. Es würde mir fehlen, das alles hier. Doch ich musste nach vorne sehen. Ich ging auf Viktor zu und umarmte ihn. Behutsam strich er mir übers Haar. „Kleine. Willst du es ihm wirklich nicht sagen?“ fragte er mich mit beruhigender Stimme. Ich schüttelte den Kopf. Nein. Ich konnte einfach nicht. Zwar dachte ich immer ich wäre stark aber ich war es nicht. Ich war es überhaupt nicht. Ich löste mich von Viktor um ihn anzusehen. „Was sollte das bringen?“ sprach ich meine Gedanken aus und lächelte ihn gespielt fröhlich an, ehe ich mich zu meinem Wagen begab. „Und wenn du dich irrst? Was wenn es falsch ist und du einen großen Fehler begehst?“ fragte er mich und ich hielt in meiner Bewegung kurz inne, dachte über seine Worte nach. Machte ich einen Fehler? Vielleicht. Vielleicht war ich gerade im Begriff, den größten Fehler überhaupt zu begehen, doch ich könnte es nicht ertragen, wenn ich wirklich richtig gelegen hätte.

Ich gab auf diese Frage keine Antwort, sondern setzte meine Tätigkeit weiter fort. Gerade wollte ich einsteigen, als ich erneut Worte hinter meinem Rücken vernahm. „Du hast die Frage nicht beantwortet.“ Mein Herz schlug augenblicklich schneller, als ich erkannte, dass  nicht Viktor mir diese Frage gerade gestellt hatte sondern er. Was machte er hier? Hatte er erfahren dass ich Berlin verlassen würde? Dabei hatte ich alle gebeten, nichts zu sagen. Verdammt was machte er hier? Ich wollte ihn nicht hier haben. Wusste ich nur zu gut dass ich nur schwer fahren könnte, wenn er in meiner Nähe war. Noch immer war ich unfähig mich zu rühren und blieb wie erstarrt stehen. „Findest du es nicht etwas kindisch ständig abzuhauen wenn es mal schwierig wird?“ sagte er gerade aus und ich konnte nicht verhindern, dass mich seine Worte wütend machten. Augenblicklich fuhr ich herum und ging mit drohendem Zeigefinger auf ihn zu. „Ach ich bin kindisch ja?! Das sagt ja der Richtige. Wer von uns kann denn bitte nicht zu seinen - wie nanntest du es so schön – Fehlern stehen?“ gab ich angefressen zurück und bohrte ihm dabei meinen Zeigefinger in die Brust, um meine Aussage zu untermauern und blickte ihm dabei fest in die Augen. Dies bereute ich jedoch sofort, als ich diesen energischen Gesichtsausdruck sah. „Wenn du glaubst ich lasse dich einfach so fahren ohne ein vernünftiges Gespräch hast du dich geschnitten“ Seine feste Stimme ließ mich erzittern und ich hatte wirklich zu kämpfen, seinem Blick standzuhalten. Doch ich wollte stark sein, musste stark sein. Ich nickte nur kurz und lauschte gespannt seinen Worten. „Ja ich hab Scheiße gebaut, mehr als einmal aber so sehr ich es auch rückgängig machen will, ich kann es nicht. Und ja es wäre mir lieber gewesen es wäre nie zu dieser Situation gekommen aber ich werde mich nicht von der Verantwortung drücken und Tamara irgendwie unterstützen. Ich bin auch überhaupt nicht hier um über sie zu reden sondern über uns. Ich liebe dich Josephine. Genau das war auch der Grund weshalb ich dir nichts gesagt hatte. Ich hatte Angst dich zu verlieren. Du bist die Frau mit der ich zusammen sein will, mit der ich glücklich werden will. Ich weiß dass die Umstände mehr als beschissen sind aber ich weiß auch, dass es funktionieren kann. Weil ich dich liebe. Und weil ich dich brauche. Also wenn du nach allem was passiert ist noch immer etwas für mich empfindest, dann bleib. Bleib hier bei mir. Bitte.“ Ich sah seinen flehenden Blick, der gleichzeitig so viel Liebe und Wärme ausstrahlte, dass ich erstmal kräftig schlucken musste, um die aufkommenden Tränen zu unterdrücken. Er konnte solch schöne Worte sagen. In seinem Gesichtsausdruck erkannte ich, dass er angst hatte und jeden einzelnen Satz ernst gemeint war. Kurz haderte ich mit mir, zweifelte ob meine Entscheidung wirklich die Richtige war. Er schien zu sehen, dass er Zweifel in mir ausgelöst hatte, weshalb er mir eine Strähne hinters Ohr strich und seine Hand an meiner Wange verweilte. „Hey. Nur du und ich. Wir schaffen das schon hm.“ versuchte er erneut verzweifelt, um unsere Liebe zu kämpfen. Umso mehr tat es mir in der Seele weh, diese Worte auszusprechen. „Ich kann nicht.“ flüsterte ich mit erstickter Stimme und konnte nun meine Tränen nicht mehr halten. Sie flossen wie aus Strömen und ich hatte mühe, überhaupt noch etwas zu sehen. Dennoch konnte ich erkennen, dass meine Antwort Fritz verletzt hatte und er nun ebenfalls stark mit den Tränen zu kämpfen hatte. Sein Anblick schmerzte, aber es war besser so. Vielleicht würde er mich irgendwann einmal verstehen. Bis dahin musste ich mein Leben ohne ihn leben, auch wenn es mir das Herz zerriss.  Aber ich musste gehen.
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