Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
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20.02.2015 2.082
 
(Alex) „Fritz so geht das nicht mehr weiter.“ stellte ich die Situation klar. So konnte es nicht mehr weiter gehen. Fritz hatte ein tierisch schlechtes Gewissen weil er ihr die Wahrheit verschwieg und die ganze Zeit über behauptete er würde sich mit mir oder irgendeinem anderen Freund treffen, wenn Tamara mal wieder so dringend jemanden brauchte. Natürlich hatte Josephine mitbekommen, dass irgendetwas nicht stimmte und zog sich immer mehr zurück. Selbst bei der Arbeit schwiegen sie sich größtenteils an. Ich hatte nie gedacht das einmal zu sagen aber ich vermisste Josephines Geschichten und ihre Vorträge. Generell vermisste ich meine alten Freunde und wünschte mir, diese eine Person wäre nie in unser Leben getreten.

Mein bester Freund erhob seinen Blick von dem Bierglas und sah mich verwirrt an. „Was meinst du?“ fragte er mich ratlos und starrte mich erwartungsvoll an. Mich wunderte es, dass Carolin noch nicht nachgefragt hatte, was Sache war. Immerhin war es nicht das erste Mal, dass der gute Fritz an einem Samstagnachmittag statt bei seiner Freundin zu sein lieber uns einen Besuch abstattet. Ich holte einmal tief Luft, ehe ich laut verkündete: „Es muss sich etwas ändern. Entweder du sagst es Josephine oder ich tu es.“ Geschockt stierte mein bester Freund mich an, seine Augen weit aufgerissen. „Alex ich ...“ fing er an, doch ich unterbrach ihn, da ich wusste, was er mir sagen wollte. „Merkst du es eigentlich nicht? Du BIST bereits dabei sie zu verlieren, Mann! So wie es jetzt ist kann es einfach nicht mehr weiter gehen. Sie muss es erfahren. Und ich denke es wäre besser wenn du es ihr sagst. Vielleicht hast du ja Glück und sie verzeiht dir. Aber du kannst sie einfach nicht länger belügen. Das tut weder ihr noch dir besonders gut.“ Fritz fuhr sich nach meiner Forderung durchs Haar und sah anschließend verzweifelt zu Boden. Erst nach kurzer Zeit konnte ich ein kleines Nicken von ihm wahrnehmen und sah zufrieden in den Himmel. Ich hoffte, sie würde ihm vergeben und alles würde wieder so werden wie früher. Zumindest wünschte ich es den beiden von ganzem Herzen.



(Josie) Wie hypnotisiert starrte ich auf den kleinen Zeiger meiner Wohnzimmerstanduhr und beobachtete, wie er im Uhrzeigersinn wanderte. Seit einer geschlagenen Stunde saß ich schon so da und machte nichts. Noch immer konnte ich nicht begreifen, was vorhin passiert war. Heute Vormittag ging es mir nach langem endlich mal wieder gut, und dieses Gefühl hatte sich verstärkt, als ich Fritz vorhin vor meiner Tür vorfand. Ich hatte gehofft ich könnte normal mit ihm reden, dass er mir endlich sagen würde, was ihn so bedrückte in letzter Zeit und dass danach endlich unsere gemeinsame Zukunft starten könnte.

Mir war schon länger aufgefallen, dass irgendetwas nicht stimmte. Er hatte sich immer mit Freunden getroffen, die jedoch keine Ahnung von irgendwelchen Treffen hatten, hatte sich am Telefon angeblich mit Stefanie über die Besuchstage gestritten, die jedoch laut seiner Exfrau nie zur Diskussion gestanden hatten und auch sein Verhalten war alles andere als normal. Ich war irritiert, ich war mehr als irritiert gewesen, als Fritz mir plötzlich regelmäßig Frühstück ans Bett gebracht hatte, jeden Tag mit Blumen oder Schokolade vorbeigekommen war und immer versucht hatte, mich zufrieden zu stimmen. Nach all diesen Anzeichen konnte man doch nicht anders als Zweifel zu bekommen. Natürlich hatte ich ihn darauf angesprochen, doch er winkte ein jedes Mal ab und meinte es wäre nichts. Bis ich es einfach nicht mehr ausgehalten hatte und ihm nach der Arbeit gefolgt war. Leider hatte ich ihn bei der Verfolgungsjagt verloren und irgendwie hatte ich das Gefühl, als ob er es mitbekommen hatte, dass ich ihm hinterher gefahren war. Denn seit diesem Tag herrschte bei Fritz und mir Eiszeit, was mir mehr als wehgetan hatte. Immer und immer wieder hatte ich mich gefragt, was nur los mit ihm war. Wieso benahm er sich so? Wieso machte er nicht einfach schluss wenn er mich nicht mehr wollte? Am liebsten hätte ich ihn diese Frage direkt in sein Gesicht geschrien, doch ich hatte Angst. Angst vor seiner Antwort. Wollte er wirklich nicht mehr? Immer wenn er geglaubt hatte, ich würde es nicht merken, hatte er mir einen sehnsüchtigen Blick hinterhergeworfen und auch sonst hatte er immer so nachdenklich gewirkt. Jedes Mal wenn ich ihn ansah fragte ich mich, was wohl in seinem Kopf so vor sich ging. Heute hatte ich es erfahren, und sein Geständnis traf mich bis ins Mark. Ungläubig schüttelte ich den Kopf. Noch immer konnte ich nicht so recht begreifen, was ich heute erfahren hatte.


(Rückblende Anfang)

Freudig begrüßte ich meinen Freund, als ich ihn vor meiner Tür vorfand und gab ihm einen kurzen Kuss. Er schien davon ganz durcheinander zu sein, denn er blieb anfangs regungslos stehen und rührte sich keinen Millimeter. Kein Wunder, dachte ich mir, nachdem so lange Zeit quasi Funkstille zwischen uns geherrscht hatte, hatte er eine solche Reaktion meinerseits bestimmt nicht erwartet. Doch als er überraschend vor mir gestanden hatte, konnte ich nicht anders. Zu sehr hatte ich einfach seine Nähe vermisst, hatte mich gefreut, dass er endlich mit mir reden und alle Probleme aus der Welt schaffen wollte. Nachdem er sich von meinem kleinen Überfall erholt hatte, bat er mich mit mir in Ruhe im Wohnzimmer zu reden. Ich erkannte, wie nervös er war. Immer wieder öffnete er den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn jedoch gleich wieder. Es schien als ob er nach den richtigen Worten suchte. Sein Verhalten beunruhigte mich und ich versuchte, in seinen Augen irgendetwas zu erkennen. Doch Fritz wich meinem Blick jedes Mal immer gekonnt aus und knetete aufgekratzt seine Finger, was mich selbst ganz kirre machte. Da er nach zehn Minuten noch immer nichts gesagt hatte, beschloss ich dass irgendjemand mal den Anfang machen sollte. „Es trifft sich gut, dass du hier bist.“ sagte ich leise und etwas unsicher. Bevor ich jedoch auch nur hätte weiter reden können, unterbrach er mich und bat mich, ihn ausreden zu lassen. Nur widerwillig stimmte ich zu, da ich das Gefühl hatte, dass mir das jetzt kommende alles andere als gefiel. Dennoch nickte ich ihm zu und setzte mich angespannt auf dem Sofa hin. Für eine Sekunde schloss Fritz seine Augen – scheinbar um sich Mut zuzusprechen – ehe er versuchte, meinen Blick standzuhalten. „Josephine. Ich … ich weiß gar nicht wie ich …. wie ich dir das sagen soll aber ….“ immer wieder brach er ab und versuchte es anders zu formulieren. Erwartungsvoll sah ich ihn an, wartete gespannt auf seine Erklärungen, war jedoch verwirrt, als er plötzlich so anfing.

„Weißt du noch Tamara?“ Ich runzelte die Stirn. Wie könnte ich die Frau vergessen, die mir meinen Mann ausspannen wollte?! Als er merkte, dass ich bei diesem Thema alles andere als begeistert war, begann Fritz leise zu fluchen, bevor er aufstand und wie ein Irrer auf und ab ging. Minuten verstrichen, ehe er sich zu mir aufs Sofa setzte und meine Hände in seine nahm. Seine Augen waren glasig und seine ganze Körperhaltung wirkte angespannt. Wovor hatte er Angst? Ich merkte, wie er ein paar Mal ein und ausatmete, um sich Mut zuzusprechen. „Die Nacht mit Tamara blieb nicht ohne Folgen.“ sprach er ganz schnell aus  und blickte mich erwartungsvoll an. Ich jedoch wusste nicht so recht, was er mir damit sagen wollte. Sie blieb nicht ohne Folgen. Hieß das es hatte ihn doch nicht so kalt gelassen wie er gesagt hatte? Wollte er sich doch von mir trennen weil er in Wirklichkeit doch immer sie geliebt hatte? Oder war damit etwas ganz anderes gemeint?

Mein Magen verkrampfte sich, als ich plötzlich verstanden hatte, was er mir sagen wollte. Ich spürte die Übelkeit in mir hochsteigen, versuchte dieses Gefühl jedoch zu ignorieren. „Du hast Tamara geschwänger.“ es war vielmehr eine Feststellung als eine Frage. Ich konnte nicht verhindern, dass sich nach meinen eigenen Worten Tränen bildeten. Verletzt blickte ich ihn an, hoffte darauf, etwas falsch verstanden zu haben. Doch in seinen Augen erkannte ich, dass ich vollkommen richtig gehört hatte. Einige Zeit saß ich einfach nur da und starrte ins Nichts. Fritz sagte immer und immer wieder meinen Namen doch ich hörte nicht darauf, war zu sehr in einem Schockzustand. Ich schüttelte meinen Kopf, wollte das eben Gehörte einfach nicht wahr haben. „Josie bitte sag etwas.“ rief mir Fritz abermals zu. Automatisch drehte ich meinen Kopf zu ihm hin. „Was willst du denn hören? Was soll ich bitte darauf antworten?!“ Ich wusste nichts mehr, überhaupt nichts. Andere Personen lernten sich kennen, heirateten und gründeten eine Familie. Wieso konnte das bei uns nicht so sein? „Josephine ich … bitte.“ setzte er erneut an, doch ich schüttelte den Kopf. „Wie Fritz? Wie hast du dir unsere Zukunft denn vorgestellt? Von Montag bis Freitag arbeitest du vollzeit um all die Kinder zu bezahlen. An dem einen Wochenende kommt Ben, an dem anderen dann das Kind von Tamara. Und unsere Kinder würdest du dann so dazwischen schieben oder was?!“ aufgebracht stand ich auf und ging durch den Raum. Ich merkte, wie Fritz meine Hand nehmen wollte, doch ich wehrte ihn ab. „Bitte. Wir können das schon irgendwie schaffen wenn wir zusammen halten. Zwischen uns wird sich nichts ändern. Tamara bekommt Kindergeld und ab und zu helfe ich ihr eben mit dem … Kind. “ versicherte er mir, doch ich wusste es besser. Es würde nie mehr so werden, wie vorher. „Tzz. Ab und zu? Liegt dir überhaupt irgendwas daran? Es wäre dir wohl lieber gewesen sie hätte es wegmachen lassen oder?“ Jetzt ergab auch all das einen Sinn. Die Gespräche mit Alex. Immer und immer wieder hatte Fritz betont, dass er kein Kind wolle. Dass er nicht wollte, dass zwei Kinder aus zerütteten Verhältnisse hier auf Erden waren. Die Reaktion auf die Frage seines Vaters damals, wann denn Fritzs zweites Kind unterwegs wäre. Er hatte gesagt hoffentlich nicht. Bereits nach diesem Satz hatte ich ein ganz komisches Gefühl. Irgendwie war ich … verletzt gewesen damals.

Nachdem ich noch immer keine Antwort bekommen hatte, blickte ich ihn an und war fassungslos. Seine Augen sprachen Bände. Er schien zu merken, wie entgeistert mich seine Gedanken machten, weshalb er probierte sich zu rechtfertigen. „Jetzt sieh mich nicht so vorwurfsvoll an. Natürlich wäre es mir lieber gewesen es wäre nie soweit gekommen.“ „Ja aber es ist da Fritz. Es war nicht geplant aber es ist trotzdem da. Du kannst es nicht einfach ignorieren. WIR könn es nicht einfach ignorieren. Wie zur Hölle hast du dir das vorgestellt?! Fritz das ist DEIN Kind.“ betonte ich, da ich mir nicht so recht sicher war, ob er das überhaupt so richtig registriert hatte. Ich wusste nicht, weshalb ich mehr sauer sein sollte. Dass er mir solch wichtige Sachen verschwieg, wegen der ungeplanten Schwangerschaft oder weil er sich so … so bescheuert benahm. Ich hatte ihn immer für verantwortungsbewusster gehalten, doch scheinbar hatte ich mich geirrt. „Das weiß ich! Aber ich werde es nie so betrachten können. Werde es nie lieben können egal wie sehr ich es auch versuche.“

(Rückblende Ende)

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als mir jemand eine Hand auf meine Schulter legte. Augenblicklich zuckte ich etwas zusammen, ehe ich erkannte, dass Viktor mir Gesellschaft leistete. „Was ist los mit dir Kleine?“ erkundigte er sich nach meinem Zustand. Da ich nichts sagte, redete er weiter. „Ich hab vorhin Fritzs Motorrad gesehen. Habt ihr euch ausgesprochen? Konntest du die Sache klären?“ Als ich nur den Kopf schüttelte, blickte er mich fragend an. „Und was hast du jetzt vor?“ Kraftlos sah ich ihn an und ließ meine Schultern sacken, ehe sich erneute Tränen bildeten. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht wie es jetzt weiter gehen soll. Weiß nicht was ich jetzt tun soll. Das erste Mal in meinem Leben war ich vollkommen ratlos. Diesen Tag heute hatte ich irgendwie anders erwartet.

Erschöpft lag ich in meinem Bett und konnte einfach kein Auge zutun. Immer und immer wieder schwirrten mir Fritzs Worte durch den Kopf. Er wolle mich nicht verlieren, da er mich liebe und wir gemeinsam einen Weg finden würden. Genau das hatte er mir geschrieben mit lauter anderem netten Zeug. Wie konnte das sein? Wie konnten solch schönes Vokabular und diese harten Worte von ein und derselben Person stammen? Wollte er nur kein Kind mit Tamara? Oder will er generell keines mehr? Wenn das der Fall wäre, könnte ich dann überhaupt darauf verzichten? Könnte ich darauf verzichten, Mutter zu werden. Ich umklammerte fest mein Kopfkissen. Verdammt das war alles so verwirrend. Wieso konnte nicht einmal etwas in meinem Leben nicht kompliziert sein?, fragte ich mich verzweifelt, ehe ich in einen unruhigen Traum fiel.
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