Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
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19.02.2015 1.778
 
Ich sag schon mal im Vorhinein  Sorry. Aber die Idee hat mich nicht mehr losgelassen. Ich musste es einfach nehmen. Wünsche euch trotzdem viel Spaß.


(Fritz) Kraftlos lag ich im Bett und versuchte wieder meine Atmung zu beruhigen. Es hatte sich so verdammt gut angefühlt, ihr wieder nahe zu sein. Sowohl das Picknick als auch das, was danach passiert ist. Schon bei unserer ersten gemeinsamen Nacht in der Grotte hatte ich gespürt, dass es mit ihr anders war als mit Stefanie. Es war viel inniger und intensiver, viel vertrauter. Und das obwohl Josephine und ich so einen schlechten Start gehabt hatten. Ja es hatte anfangs nicht so gefunkt wie bei Stefanie. Doch dieser Funke war so schnell vorbei wie er da gewesen war. Mit Josephine war es anders. Bei ihr wusste ich, dass wir eine reelle Chance hatten, gemeinsam alt zu werden. Ja ich war mir sicher. Diese Frau war die einzige, mit der ich wirklich glücklich werden konnte. Dieses Glück hatte ich beinahe aufs Spiel gesetzt umso erleichterter war ich, dass sie mir verziehn hatte. Und nun könnte mich dieser eine Fehler von damals erneut meine Beziehung kosten. Mein Handy holte mich aus meinen Erinnerungen. Ich musste kurz verächtlich schnaufen, als ich den Namen auf dem Display sah. Wenn man vom Teufel sprach. Ich warf Josie einen entschuldigenden Blick zu und entfernte mich so weit wie möglich, damit sie nichts mitbekam. „Was willst du?!“ zischte ich ins Telefon und versuchte, dabei so leise wie es ging zu sein. „Aber das hab ich dir doch schon vor drei Tagen gesagt. Wir sind heute gut von Köln nach Hause gekommen. Der kleine Urlaub war wirklich nötig. Aber jetzt bin ich ja wieder da und wir beide können einen Neustart versuchen.“ Bei ihren Worten konnte ich nicht anders als die Augen zu verdrehen. Die machte mich einfach wahnsinnig. Wieso konnte sie nicht einfach kapieren, dass ich keinerlei Interesse an ihr hegte?! „Hör zu ja. Es gibt kein UNS. Hat es nie und wird es nie. Ich will nicht DICH kapier das endlich!“ „Ach dann bist du also wieder bei ihr ja?“ fragte sie mich abwertend, was mich rasend machte. Wütend ging ich auf und auf, um mich zu beruhigen. „Das geht dich einen Scheiß an.“ gab ich ihr gefühlskalt als Antwort. „Wie kannst du nur so etwas sagen?! Immerhin gehören wir zusammen. Und das jetzt für immer. Nicht wahr mein Schatz, du willst doch auch, dass Daddy bei uns ist.“ Bei der Vorstellung wurde mir schlecht. „Mal langsam ja! Bevor ich keinen Beweis sehe glaub ich dir kein Wort.“ ließ ich sie wissen und war erstaunt, wie ruhig ich dabei geblieben war. „Oh keine Angst. Ich kann es kaum erwarten dich morgen um 10 Uhr wieder zu sehen. Du hast doch an unser Treffen gedacht nicht?“ Um ehrlich zu sein hatte ich das bis jetzt erfolgreich verdrängt gehabt. „Ich werd mich schon daran halten.“ „Das hoffe ich doch. Es strampelt schon ganz schön. Bin gespannt was du dazu sagen wirst.“ sagte sie vollkommen euphorisch. „Jaja morgen“ gab ich genervt zurück. Ich verzog bei dem Gedanken an morgen mein Gesicht. Das schlechte Gewissen machte sich in mir breit, dass ich Josephine nicht die Wahrheit sagte. Stattdessen ließ ich sie in dem Glauben, dass ich mich mit Alex traf. Aber wozu schon jetzt eine große Sache daraus machen? Vermutlich ist die Irre sowieso nicht schwanger und spielt das nur. Das hoffte ich zumindest. Denn ich wollte Josie nicht verlieren. Ich liebte sie, Benny kam super mit ihr klar und auch meine Eltern wünschten uns alles Gute für die Zukunft. Dies hatten sie uns bei unseren letzten Besuch bei ihnen erzählt, welcher nur ein Tag nach dem ersten Anruf dieser Verrückten war. Dieser Tag war so reibungslos verlaufen, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, wo mein Vater dem Nachbarskind beim Spielen zugesehen hatte und mich aus heiterem Himmel fragte, wann denn mein zweites Kind unterwegs wäre. Meine Reaktion auf seine Frage musste ihn verwundert haben, doch wüsste er von dieser Situation, hätte er mich vermutlich verstanden gehabt. Ich wollte kein Kind, zumindest nicht mit der. Das würde alles zerstören. Ich war eigentlich nicht gerade der religiöste aber in diesem einen Moment betete ich wortwörtlich zu Gott, dass sich diese Schwangerschaft als eine große Lüge rausstellen würde.



18 Tage später

(Fritz) Wie gebannt starrte ich auf den Hörer und wartete nur darauf, dass es endlich klingelte. Erst vor zwei Stunden hatte ich zu arbeiten begonnen doch sie genügten, um mich ganz kirre zu machen. „Verdammt wieso ruft keiner an?“ murmelte ich verzweifelt. Auch wenn es nur banale Sachen waren, selbst darüber wäre ich froh gewesen heute, hauptsache Ablenkung. Ich wollte einfach nicht mehr daran denken müssen. Die ganze Zeit kreisen meine Gedanken nur um das eine Thema und es machte mich verrückt. Die Vorstellung Josie zu verlieren brachte mich vollkommen zum Verzweifeln. Und genau so fühlte ich mich auch. Verzweifelt. Wieso mir? Wieso musste so etwas ausgerechnet MIR passieren?!

„Nett dass du anderen Menschen den Tod wünscht.“ versuchte Alex zu scherzen, doch ich stieg nicht darauf ein sondern vergrub frustriert meine Hände in mein Haar und atmete ein paar Mal tief ein und aus. Nachdem er gemerkt hatte, dass ich nicht reagierte, probierte mein Kollege es erneut. „Hey. Wird bestimmt wieder alles gut werden.“ Ich schnaubte. Nichts würde wieder gut werden, gar nichts. Wie oft hatte ich jetzt diesen Satz schon gehört? Und jedes Mal wusste ich, dass er nie stimmen würde. Er war lediglich zum Trösten gedacht um nicht der bitteren Tatsache in die Augen sehen zu müssen. Ich hatte es verpockt. Ich hatte es schon wieder verpockt und dieses Mal würde sie mir nicht verzeihen können. Auch wenn ich nicht mit einer anderen geschlafen hatte so kam es dennoch einem Verrat gleich, was ich getan hatte. Scheiße wieso zum Teufel hatte ich nicht besser aufgepasst?! Stürmisch erhob ich mich aus meinem schwarzen Bürostühl, sodass dieser mit einem Rumps umfiel und stemmte wütend meine Arme auf den Schreibtisch. „Verdammt es wird nichts wieder gut Alex! Überhaupt nichts wird wieder gut. Wäre diese Person doch nie in mein Leben getreten dann wäre das alles nicht passiert.“ schrie ich ihn aufgebracht an, doch wie immer blieb mein Partner die Ruhe selbst. Langsam stand er ebenfalls auf und blickte mich an. „Fritz. Ich weiß, dass die Situation beschissen ist. Trotzdem solltest du dazu stehen. Es ist auch deines.“ Ich atmete einmal tief aus, um mich wieder zu beruhigen. Mir war bewusst, dass ich es nicht einfach ignorieren konnte, doch was sollte ich machen?! Was hätte ich tun sollen als diese Verrückte mich vor drei Wochen angerufen hatte? Erst dachte ich, es wäre ein schlechter Scherz, ein erneuter verzweifelter Flirtversuch dieser anhänglichen … Person. Genau darauf hatte ich gehofft, auf einen geschmacklosen Scherz und hatte diese Nachricht kurzerhand einfach aus meinem Gedächtnis verbannt. Hatte mein Leben weiter geführt als wäre nichts gewesen. Als hätte es diesen Anruf nie gegeben. Stattdessen hatte ich diese paar Tage genossen, hatte eine schöne Zeit mit Josie und meinem Sohn verbracht.

Noch immer hatte ich dieses Bild vor Augen, als die beiden sich das erste Mal begegnet waren. Sie hatten sich auf Anhieb verstanden, was mich mehr als berührt hatte. Es war nicht vorherzusehen wie ein Kind auf einen neuen Partner eines Elternteils reagierte, aber mein Sohn hatte sich augenblicklich in sie verliebt. Den ganzen Tag lang wollte er nur bei ihr sein, hatte mit ihr rumgealbert und wollte sich so fühlen wie in einer richtigen Familie. Und sie hatte es zugelassen. Hatte meinen Sohn behandelt als wäre er ihr eigener und dafür war ich ihr mehr als dankbar. Als ich die beiden so vertraut miteinander gesehen hatte, wusste ich, dass diese beiden Menschen meine Zukunft waren. Dass wir eine Familie werden könnten und egal was passierte, wir würden es schon irgendwie gemeinsam meistern. Davon war ich wirklich überzeugt gewesen. Doch die schönen Tage verstrichen und der Samstag, der mein ganzes Leben hatte verändern können, war immer nähergerückt.

Und nun stand ich da, vor dem Scherbenhaufen meines Lebens. Schon oft hatte ich diese Diskussionen mit Alex geführt. Ich wusste ja, dass ich mich um mein … Kind kümmern musste und das würde ich auch. Nur wusste ich nicht wie. Immer wieder versuchte ich mir einzureden, dass das Baby ja nichts für seine Mutter konnte. Aber egal wie oft ich es mir auch versuchte einzureden, ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich es jemals lieben könnte. Jedes Mal wenn ich in Tamaras Nähe war, auf ihren Bauch starrte oder an das Baby, das sich dort drinnen befand, dachte, spürte ich nichts. „Du hättest es Josephine sagen müssen. Sie hätte es verstanden.“ holte Alex mich aus meinen wirren Gedanken. Ja ich hätte es ihr erzählen müssen. Doch irgendwie kam es nie zu stande. Anfangs wollte ich es selbst nicht wahr haben, wollte es verdrängen und als ich es endlich wirklich realisiert hatte, in welchem Schlamassel ich mich befand, hatte ich Angst. Angst vor ihrer Reaktion, weshalb ich es immer wieder hinausschob. Und jetzt? Jetzt hatte ich den Zeitpunkt dafür verpasst. Das würde sie mir nie verzeihen. Mich wunderte es, dass ihr diese Tamara es noch nicht unter die Nase gerieben hatte. Oder hatte sie das? Wusste Josie bereits Bescheid? War sie deswegen so komisch und distanziert? „Ich glaub sie weiß es.“ gab ich meine Gedanken preis und starrte Alex an, um seine Meinung dazu zu hören. „Meinst du sie hat unsere Gespräche belauscht so wie Karin?“ Gott Karin. Hatte Karin es ihr etwa gesteckt? Mein Blick ging zu der weißen Tür hinter mir, die direkt zum anderen Büro führte. Nein das glaubte ich nicht. Ich hatte Karin eine ordentliche Standpauke gehalten. Die hatte nichts gesagt. Schließlich hatte ich ihr angedroht ihre hässliches Strickzeug alles zu vernichten, sollte auch nur ein Wort wegen dieser Sache ihren Mund verlassen und dieses Zeug war ihr einfach viel zu wichtig. Auch wenn sie dafür MICH die ganze Zeit mit der Sache nervte und mich ständig darauf ansprechen wollte. Doch Karin war die letzte Person mit der ich über meine Probleme sprechen wollte, weshalb ich immer nur abblockte.

Ich schüttelte den Kopf und sah wieder Alex an. „Sie war heute Morgen so abweisend. Wollte noch nicht einmal sagen, was sie alles an ihrem freien Tag machen wollte.“ sagte ich ihm meine Bedenken, die meinem Kollegen jedoch zu wenig Anzeichen waren. „Hast du noch andere Beweise dafür, dass sie es eventuell weiß?“ fragte er sachlich wie immer. Für Alex zählten Tatsachen, handfeste Beweise. Laut denen düfte sie ahnungslos sein. Doch selbst wenn sie es nicht wusste so würde sie es früher oder später sowieso erfahren. Spätestens in 1 ½ Monaten.



Sorry nochmal. Aber die Chancen stehen gut, dass Josie ihm verzeiht :-)
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