Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
73
132.835
3
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06.02.2015 4.284
 
Heute mal ein längeres Kapitel. Hoffe es gefällt.


(Josie) Ich spürte, wie jemand meinen Oberschenkel berührte, weshalb ich automatisch zusammenzuckte, ehe ich mit dem Bein einmal kräftig ausschlug. „Verdammt jetzt hör endlich auf damit!“ schrie ich in die Dunkelheit und war froh, dass diese nervigen Berührungen endlich aufgehört hatten. Frustriert und verärgert drehte ich mich von einer Seite zur nächsten. Nachdem Karin und ich bei Sulpe angekommen waren, scheiterte jeder Versucht, das Auto zu starten. Und da wir in der Gegend keinen Empfang hatten, war der Förster so freundlich gewesen, uns mit in sein Haus zu nehmen. Mich hatte es wirklich verwundert, dass das Haus einigermaßen herzeigbar war. Ich hatte ehrlich gesagt eine Tarzanunterkunft erwartet. In dem Haus suchte ich sofort ein Netz zu bekommen, doch bevor ich überhaupt jemanden anrufen konnte, war der Akku alle. Na super. Diese dämlichen Dinger halten auch nicht mehr das aus wie früher. Karins Handy lag im Büro, was mir auch nicht viel brachte. Karin und ich waren also aufgeschmissen. Der Förster hatte natürlich seine Chance ergriffen und hatte uns angeboten, bei ihm zu übernachten Am nächsten Morgen würde er Sulpe dann abschleppen. Nur widerwillig hatte ich zugestimmt, hatte mir jedoch geschworen, dass ich ihm sein Ding dieses Mal brechen würde, wenn er mir wieder zu nahe kommen würde. Bis jetzt hatte er Abstand gehalten und auch beim Abendessen, wo es – Überraschung – Hase, der sogar genauso aussah wie den, den er damals mitgebracht hatte, zu essen gab, behielt er seine Tatzen bei sich. Und nun lag ich da, konnte nicht schlafen und wünschte mir nichts sehnlicher als bei Fritz zu sein. Hoffentlich machte er sich nicht allzugroße Sorgen. Ich konnte mir jetzt schon seine Prädigt bezüglich meines Alleingänges vorstellen. Ein Grund mehr warum ich jetzt viel lieber bei ihm wäre. Dann müsste er sich nicht beschweren. Schon wieder spürte ich etwas auf meiner Haut. Leckt der mich jetzt auch noch ab? Bähh ist der feucht. Genug ist genug, schwor ich mir und schnappte den dämlichen Köter, um ihn in die Abstellkammer zu sperren. Ich mochte Hunde aber alles musste ich jetzt auch nicht haben. Nachdem der Störenfried eingesperrt war, legte ich mich auf die Couch und hoffte endlich auf ein bisschen Schlaf.

210 Minuten waren vergangen, seitdem mich dieser Hund wachgehalten hatte. Ich war beinahe eingeschlafen – wie gesagt – beinahe. Nun drehte ich mich wieder von einer Seite zur anderen und vergrub den Kopf schließlich unter dem Kissen, um endlich meine Ruhe zu bekommen. Doch Pustekuchen. Denn nur knapp eine halbe Stunde später nach dem Hundezwischenfall konnte ich mir das Märchen von Tarzan und Jane anhören – und ich meine nicht im Fernsehen. Hah. Meinte ich nicht heute, dass Karin mit ihrer Naivität bestimmt noch Jungfrau war? Das letzte Mal, dass ich mich so sehr in einem Menschen geirrt hatte war bei Stefan gewesen. Auf der einen Seite beruhigte es mich, dass ich dem Förster nicht doch noch den Hals umdrehen musste, doch mir drückte bei der Vorstellung der Magen und ich hatte das Gefühl, mich bald übergeben zu müssen. Es freute mich ja für Karin aber mussten sie das ausgerechnet machen, wenn ich anwesend war?! Meine Freundin schien diese Nacht leider unersättlich zu sein. Entweder hatte sie wirklich noch nie und war jetzt auf den Geschmack gekommen oder es war schon sooo lange her und sie musste dies jetzt nachholen. So oder so hatte ich also dann doch nicht ganz mit meiner Vermutung ihr bezüglich daneben gelegen. Und trotzdem wünschte ich mir, dass es nicht so wäre. Das war doch nicht normal! Ich meine drei Stunden!!!! Noch nicht einmal Tiere konnten so lange. NEIN ich bin NICHT eifersüchtig. Weshalb denn auch?! Bloß weil mein letztes Mal auch schon Wochen her war und Fritz nicht soooo lang wie dieser Möchtegerndschungelkönig durchhielt, war ich doch nicht eifersüchtig. Pffff !!! Ganz gewiss NICHT! Immerhin zählte nicht Quantität sondern Qualität und das war bei Fritz und mir definitiv gegeben. Dazu mussten wir uns nicht wie im Urwald aufführen. Und überhaupt! Was bildete sich dieser Kerl denn bitte ein, meine Freundin zu … zu …. na eben zu halt. Der ist echt wie ein läufiger Köter. Bekommt er die eine nicht, versucht ers bei ner anderen. Und meine liebe Freundin fällt leider auf seine Masche rein. Die Ärmste. Wenn er ihr das Herz bricht, würde ICH IHM alles brechen, was es zu brechen gab! Darauf konnte er sich verlassen. Ich unterdrückte den Zwang, Karin aus seinen Zwängen zu befreien und hielt mir stattdessen das Kissen noch enger an meine Ohren gedrückt mit der Hoffnung, dass es endlich bald vorbei wäre. Dieses Mal schienen meine Gebete erhört worden zu sein, denn knapp fünfzehn Minuten später vernahm ich noch ein Gestöhntes „Oh Tarzan. Schwing deine Liane ein letztes Mal für mich!“ und ein „Zu Befehl meine Dschungelkönigin.“ und danach herrschte Gott sei Dank endlich Funkstille. ENDLICH!!!!Nach diesem Privatsketsch hatte ich jedoch einen so flauen Magen, dass ich erst recht nicht schlafen konnte. Na super. Morgen würde ein ziemlich anstrengender Tag werden. Das wusste ich jetzt schon.




(Alex) Nervös ging ich im Büro auf und ab. Ich bemerkte Waldis Blicke auf mir, doch das brachte mich nicht aus dem Konzept. Mein Blick fiel auf die Uhr, die mir verriet, dass der Dienstbeginn bereits seit einer halben Stunde begonnen hatte. „Waldi ruf noch einmal an.“ befahl ich ihm, auch wenn ich wusste, dass dies nichts nutzte. „Alex wie oft noch. Das hat gestern nichts gebracht und heute auch nicht.“ Ich wusste ja, dass Karins Handy hier war und Josies Handy war aus, weshalb eine Ortung auch nicht möglich war. Ja ich gebe es zu dass ich so verzweifelt bin, dass ich Waldi mit Konsequenzen gedroht hatte gestern, wenn er nicht ihr Handy orten würde. Die ganze Nacht über konnte ich nicht schlafen und hatte ein schlechtes Gewissen, Fritz angelogen zu haben. Als er seine Freundin nicht erreichte, hatte ich ihm versichert, dass die beiden Damen eine Übernachtungsparty machten und mit Mädchenkram beschäftigt waren. Zum Glück hatte er es mir abgekauft aber was sollte ich machen, wenn sie heute nicht auftauchen würden? Ewald sah das alles ganz locker. Für ihn stand fest, dass sie sowieso gesund und munter bald zur Arbeit kommen würden. Aber was wenn es nicht so war? Was wenn sie einen Unfall hatten oder schlimmer noch entführt wurden. Das würde Fritz umbringen – viel schlimmer noch, er würde MICH umbringen. Weil ich nicht mein Versprechen halten konnte. Noch immer ging ich wie ein Löwe im Käfig auf und ab und ignorierte Waldis Rufe. Ich blieb erst stehen, als sich Waldi direkt vor mich stellte sodass ich beinahe in ihn hineingekracht wäre. „Was?!“ fragte ich ihn mit einer miesen Laune, da er bis jetzt nicht sehr hilfreich bei der Suche nach den beiden war. Waldi jedoch ging nicht darauf ein sondern deutete mit dem Kopf hinter mich. Langsam drehte ich mich um und erkannte Josie in der Tür stehen. Ihre Klamotten waren schmutzige, ihre Haare standen zu Berge und sie hatte dicke Augenringe, doch sie wirkte nicht verletzt. Tausend Steine fielen mir vom Herzen, als ich erleichtert auf sie zuging und sie in meine Arme schloss. Gott das letzte Mal sie zu sehen war ich, als sie in dem Wagen von dem Verrückten war. „Man Josephine. Mach das nie wieder hörst du! Wo wart ihr? Wurdet ihr entführt? Was ist passiert?“ Ich stellte eine Frage nach der anderen als ich sie losgelassen hatte und sah sie auffordernd an. „Entführt? Schön wärs.“ murmelte sie vor sich hin. Da ich kein Wort verstanden hatte, blickte ich sie weiterhin an, bis sie mit einem Stöhnen auf ihrem Sessel Platz nahm und sich die Schläfen rieb. „Karins Auto hat gesponn und im Wald gabs kein Netz, weshalb wir beim Förster übernachten mussten, wo ich kein Auge zugetan hatte.“ erklärte sie kurz und sah aus, als hätte sie die ganze Nacht nicht geschlafen. Weswegen wohl? Ich hoffte, dass es nicht das war, was ich dachte, was es war. „Wieso?“ fragte ich deswegen vorsichtig nach und hoffte auf die Antwort, dass das Bett einfach zu unbequem war. Ich zuckte etwas zurück, als ich ihren Gesichtsausdruck sah. „Wieso? Weil der Typ SEXBESSESEN ist und stundenlang Tarzan Spielchen gespielt hat. Und jetzt will ich BITTE nicht mehr darüber reden ja!“ meinte sie schlecht gelaunt und ignorierte mich wieder. Ich wollte sie gerade anfahren, ob sie nicht alle Taschen im Schrank hätte, als plötzlich Karin singend und hüpfend mit einem „Guten Morgen meine Lieben. Ist das nicht ein wunderschöner Tag?!“ hereingehobst kam. „Gott Karin könntest du BITTE leiser sein. Ich hab Kopfschmerzen und hatte nur zwei Stunden Schlaf.“ meinte Josie etwas zickig. Karin beugte sich nach vorne und strahlte regelrecht: „Wieso denn so grummelig? Ich hatte auch nicht so viel Schlaf heute.“ meinte sie freudig und fing an zu grinsen. Josie verzog daraufhin nur komisch das Gesicht und murmelte was von „Ich brauch n starken Kaffee.“, ehe sie davon brauste. Gott was war mit den beiden Frauen den bitte los?! Waren Außerirdische im Wald gewesen? Karin setzte sich hin und starrte völlig abwesend aus dem Fenster. Mein Blick wanderte zu Waldi, der sich gewaltig schlapp lachte. Auf meinen verwirrten Blick gab er mir nur ein Kannst-du-dir-das-denn-nicht-denken-Gesichtsausdruck. Also manchmal kam ich mir vor wie in der Muppetshow. Ich schüttelte den Kopf und beschloss, dass ich es gar nicht wissen wollte. Stattdessen ging ich Josephine hinterher, um ihr einen Vortrag wegen gestern zu halten. Ich entdeckte sie in der Küche mit einem Kaffee in der Hand. Bevor ich nur etwas sagen konnte, hielt sie mir ihre Hand ausgestreckt entgegen. „Spars dir ja. War schon genug gestraft mit unserer Jane da drin.“ murmelte sie und nahm einen kräftigen Schluck. Irritiert starrte ich sie an. „Bielefeld bist du betrunken? Das ist Karin. Nicht irgendeine Jane.“ Meine Kollegin nickte mir zustimmend zu. „Na dann sag ihr das mal. Der Name schien ihr gestern nämlich sehr gefallen zu haben.“ meinte sie und nahm erneut einen Schluck. Okay. Entweder die beiden hatten wirklich zu wenig Schlaf oder sie waren high. „Was ich noch mit dir besprechen wollte – dass du gestern verschwunden warst, können wir das unter uns behalten? Fritz bringt dich um, wenn er davon erfährt und mich gleich mit.“ Sie brauchte bei meiner Logik nicht lange überlegen zu meinem Glück. Waldi war da viel härter zu überregen. Ganze 20 Mäuse hat mich sein Schweigen gekostet. Es war alles andere als leicht gewesen. Waldi liebte unsere Reviertheaterspiele – wie er sie immer nannte – und hatte nur ungern eines verpasst. Doch mehr noch liebte er Geld weshalb er schließlich doch einwilligte. Also keinen Grund zur Besorgnis.


(Josie) „So meine Damen, dann setzen Sie sich doch bitte.“ meinte ich höflich und deutete Ihnen Platz zu nehmen. Nachdem ich Nachmittags einigermaßen wieder funktionsfähig war, die Standpauke vom Chef über mich ergehen ließ und diese Vorstellung von gestern Nacht endlich verdaut hatte, beschloss ich, gemeinsam mit Alex den Fall endlich zu Ende zu bringen. „So Miss Türingen. Ich habe gehört, dass sie von ihrem Arbeitgeber Berger GmbH wegen Geldveruntreuung verhaftet wurden. Laut ihrer Aussage waren sie es nicht. Und soll ich ihnen etwas sagen – sie haben recht. SIE waren es nicht. Aber sie konnten nicht sagen, wer es stattdessen war nicht wahr? Wenn sie nämlich gestehen würden, dass es ihr Chef war, würde man sie mit seinem Mord in Verbindung bringen. Dann geh ich eben für ein paar Jahre in den Knast. Immerhin sind es wenigere Jahre als für Mord. Genau DAS haben sie sich doch gedacht oder Miss Türingen?“ Ich hielt kurz inne, beobachtete Alex, der schon die Handschellen klicken hören konnte, deutete ihm jedoch, dass er nicht zu vorschnell sein sollte und wandte mich den anderen zu. Die Verwandten des Opfers blickten überrascht und verwirrt, was meine Annahme nur bestätigte. Marta Türingen fing an zu schluchzen. Immer wieder murmelte sie „Ich wollte das nicht.“ „Das glaube ich ihnen. Und vielleicht sind sie auch die Mörderin, vielleicht aber auch nicht. Fakt ist, dass sie alle drei gelogen haben. Ich werde ihnen sagen, wie es sich abgespielt hat. Jochen Berger hat seit Jahren Gelder veruntreut und sie sich in die eigene Tasche gesteckt. Als das Ganze drohte aufzufliegen, legte er falsche Hinweise, sodass alle glauben sollten, dass seine Assistentin Frau Türingen das Geld entnommen hat. Aber an diesem einen Donnerstagnachmittag wurde er von ihnen Miss Bauer (zeigt auf Schwester des Opfers) zu sich bestellt. Sie haben die ganze Sache mitbekommen nicht wahr? Sie haben von dem Vermögen erfahren und wollten, dass er teilte. Er wollte sie jedoch nicht beteiligen oder zu wenig geben habe ich nicht recht? Und das hatte ihnen nicht gepasst.“ „JA. Aber ich habe ihn nicht umgebracht.“ schrie sie mir entgegen und war wütend aufgesprungen. Alex ging zu ihr hin und zwang sie, sich wieder hinzusetzten. „Auch das weiß ich. Was hätten sie davon gehabt? Wenn er tot wäre hätten sie erstrecht nichts von dem Geld bekommen. Aber sie wollten es unbedingt, weshalb sie weiterhin mit ihm verhandelten. Sie hatten sich gestritten, ihm gedroht dass wenn er nicht gerecht teilen würde, sie ihn verpfeifen. Daraufhin ist er wütend geworden nicht wahr? Was hat er getan Miss Bauer? Was?“ Beate Bauer schien nachzugeben. Beschämt starrte sie zu Boden. „Er meinte er könnte mich auch billiger zum Schweigen bringen. Er ist auf mich zugegangen und wollte mich erwürgen. Ich hab mich einfach gewährt und ihn gestoßen. Er ist über das Treppengelänger gestolpert und liegen geblieben. Ich hatte Panik und bin weggerannt. Als ich vier Stunden später nach Hause kam, war er weg. Ich dachte er hätte das Geld genommen und wäre geflohn. Dass er wegen mir gestorben ist … das wusste ich nicht, bis die Polizei vor meiner Tür stand.“ Ich nickte ihr zu. „Dann scheint er von ihnen seine inneren Verletzungen zu haben. Nach ihrem Besuch hatte er beschlossen auszuwandern. Er ging in sein Büro, wo er keinen mehr erwartete und wollte sich das restliche Geld noch holen. Er war gerade dabei es einzustecken, als sie Miss Türingen ihn überrascht hatten. Was war in diesem Raum passiert?“ fragte ich sie und sah sie halb fordernd halb aufmunternd an. „Als ich merkte, was er vor hatte, bat ich ihn, das Geld wieder zurück zu legen. Aber er hat mich nur ausgelacht. Er … er hat mir gedroht und ist auf mich zugegangen. Ich bin weggerannt aber er war schneller und hatte mich am Arm gepackt. Ich hab einfach das erstbeste genommen, was mir in die Hand fiel und hab zugeschlagen. Nachdem er sich nicht mehr gerührt hatte, war ich so erschrocken über mich selbst … dass ich einen Menschen umgebracht hatte dass ich … Gott ich bin einfach weg. Ich weiß, dass es falsch war und dass ich Hilfe hätte holen müssen aber ich war wie erstarrt ich ...“ Marta vergrub verzweifelt ihren Kopf in ihren Händen und schluchzte. „Also haben sie das Blutgerinsel verursacht. Dann haben sie ihm also das Messer reingerammt Misses Bauer. Er ist nach Hause gegangen und wollte seine Reisepapiere holen nicht wahr? Wollten sie auch die Hälfte des Geldes?“ hinterfragte ich ihr Motiv. Doch sie schien nicht so sehr aufs Geld fixiert zu sein wie ihre Schwägerin. Denn sie schüttelte nur den Kopf. „Ich wollte, dass er mich mitnimmt. Er meinte aber, dass er sich das nicht antun würde. Dass er mit so viel Geld eine attraktivere Frau haben könnte. Redete wie sehr ich ihn doch schon immer genervt hab …. Er hat mich geheiratet. Es hieß doch bis dass der Tod uns scheidet. Daran hatte ich ihn nur erinnert und dieser Mistkerl … er meinte plötzlich mein Wunsch sei ihm Befehl und wollte mich mit einem Messer angreifen. Ich hab das Messer irgendwie abgewährt, wir haben uns darum gestritten und plötzlich … (ihr kamen die Tränen) plötzlich hatte er das Messer im Bauch ich … ich weiß nicht mehr wie …. es ist einfach passiert.“ Nachdem er alle Verletzungen hatte, musste er im Wald untergetaucht sein. Er hatte seine Verletzungen als völlig harmlos empfunden, hatte Angst wegen seinen Taten aufzufliegen und hatte sich deswegen professorisch selbst verarztet. In der Hütte hätte er gewartet, bis es ihm besser gegangen wäre und wäre dann abgehauen. Das klang wie aus einem schlechten Horrorfilm. Misses Bauer und Miss Türingen versuchten ihre Tränen zu trocknen und Miss Bauer starrte einfach ins Nichts. Kein Wunder. Diese ganze Geschichte war ja auch zu heavy. Ich war ja einiges gewohnt von Bielefeld aber sowas hatte selbst ich noch nicht gehabt. Ich deutete den Verhörraum zu verlassen, um den dreien eine Verschnaufpause zu gönnen. Auch Alex schien diese Geschichte alles andere als kalt zu lassen. Da bedauerte man das Opfer, so brutal gefoltern worden zu sein und kommt dann dahinter, dass er selbst eigentlich das Arschloch war. Eine so tragische Geschichte, und alles hatte nur wegen Geldgier angefangen. „Echt krass oder? Was solln wir jetzt machen?“ fragte er mich noch immer etwas verdattert. „Naja. Theoretisch war es Selbstverteidigung und selbst wenn nicht. Wir wissen nicht, woran er letztendlich wirklich verstorben ist. Alles wäre tödlich gewesen. Wir werden dem Richter die Geschichte offenkundig preisgeben. Aber viel wird da nicht passieren. Ich glaube ihnen dass es nur Notwehr war und selbst wenn es geplant war. Ein Mörder muss eindeutig feststehen. Wenn man nicht genau sagen kann, wer es jetzt wirklich getan hat, kann man niemanden von ihnen verhaften. Steht im Gesetzt geschrieben.“ erklärte ich ihm, woraufhin er mich nur überrascht ansah. Das wusste er wohl noch nicht. „Ein Bekannter von mir ist Anwalt. Dieses Gesetz wissen nur die wenigstens. Wenn es Leute wüssten würden sehr viele Morde so verübt werden.“ Alex nickte mir verständlich zu und starrte wieder zu den drei Damen. Ich denke die drei hatten genug damit zu kämpfen, die Ereignisse zu verdauen.

Zehn, nein, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins … und ….. endlich Feierabend. Gott endlich konnte ich nach Hause. Ich wollte nur noch eine Dusche und ins Bett. Die letzten zwei Tage waren anstrengend genug gewesen. Ich fuhr den PC runter und packte alles zusammen. Gerade wollte ich mir meinen Mantel anziehen, da klopfte es an der Tür. Sofort bildete sich ein Lächeln auf meinen Lippen, als ich von Alex ein „Fritz.“ vernahm. Wie von einem Blitz getroffen rannte ich auf ihn zu und fiel in seine Arme. Er war ganz überrascht, sodass wir ein wenig nach hinten stolperten, ehe er sich wieder fing. „Wow. Alles klar?“ fragte er mich liebevoll, als er mich in seine Arme schloss. „Hab dich vermisst.“ murmelte ich bloß an seiner Schulter und drückte mich enger an ihn. „Wenn ich in Zukunft immer so begrüßt werde, wenn du bei Karin übernachtest dann hab ich gegen diese Abende nichts dagegen.“ sagte er, während er mir einmal durchs Haar fuhr. Ich löste mich von ihm und sah ihn überrascht an. Was bitte meinte er?! Er konnte doch unmöglich ahnen, dass … „Was ...“ als ich Alex deuten sah, ich solle mitspielen, wusste ich, was los war. „Ach ich hab bei Karin heute geschlafen. Stimmt. Jetzt wo du es sagst. Wo hab ich heute nur meinen Kopf.“ versuchte ich die Sache runterzuspielen. Theoretisch war ja nichts passiert, und gelogen war es auch nicht – zumindest fast nicht. „Ja Bielefeld hatte sich heute echt verausgabt und den Fall gelöst.“ stimmte Alex mitein und war sichtlich erleichtert, dass wir alle mitspielten. „Du hast den Fall gelöst? Doch hoffentlich nicht alleine.“ sagte er und sah mich dabei mahnend an. „Ne Josy doch nicht.“ meinte Ewald, als ihn Fritz jedoch skeptisch ansah meinte Ewald nur: „Ich meine jetzt doch nicht mehr. Die alte Josy vielleicht aber die neue war ganz brav.“ Innerlich verdrehte ich die Augen bei seinen Worten. Erstens konnte Ewald nicht gut lügen und zweitens konnte man ihm ansehen, dass er kurz vor einem Lachkrampf war. Zu meiner Verwunderung aber glaubte Fritz ihm. Denn er küsste mich einmal leicht auf die Stirn und meinte „Tja. Gute Erziehung ist eben alles.“ und grinste dabei breit. „Eh“ protestierte ich bei seinem Spruch und boxte ihn gespielt auf die Seite. Er lächelte daraufhin nur schelmisch. „Ich bin stolz auf dich.“ flüsterte er mir zu und ich erwiderte sein Lächeln. „Na da hattet ihr bestimmt keine Langeweile heute was?“ schlussfolgerte er und wir drei nickten bestätigend. Wenn er wüsste, dachte ich. „Oh das hatten wir gestern und heute bestimmt nicht.“ ertönte es von hinten und automatisch drehten wir uns alle um. Karin. „Bist du betrunken?“ auch ihm schien ihre Veränderung heute aufgefallen zu sein, was ja auch kein Wunder war. Selbst ein Blinder konnte das erkennen. „Ja. Vor Liebesglück. Gott sei Dank sind wir gestern im Wald stecken geblieben. Was Josy?“ Bei ihrem Satz fielen Alexs und meine Mundwinkel sofort nach unten. Fritz schien ihr Satz zu verwirren doch noch wusste er nichts weshalb ich versuchte ihn so schnell wie möglich nach draußen zu schieben. Doch wenn dieser Mann einmal Lunte gerochen hatte, konnte man ihn von nichts abbringen. „Wieso mit dir? Josie hat doch mit Alex gestern und heute ermittelt. Und überhaupt was für einen Wald?!“ Fritz runzelte die Stirn und sah uns alle fragend an. Ich konnte erkennen, wie nervös Alex wurde und Ewalds Grinsen wurde immer breiter, während er vor seinem inneren Auge einen Countdown hatte. „Ne. Der war zu langsam gewesen. Also sind WIR zusammen raus gefahren.“ Ohoh. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich schlagartig. „Sag mir NICHT du warst mit Karin wieder unterwegs. Verdammt Bielefeld was hast du dir dabei gedacht.“ zischte er mir entgegen. Super. Immer wenn er Bielefeld sagte war er mächtig sauer. „Jep. Das frage ich mich jetzt auch.“ Das nächste Mal fahr ich ohne Karin. Wer weiß wo wir nächstes Mal sonst noch so langen oder sollte ich besser sagen bei wem? Hah vermutlich bei Stefan bäh. Nicht dran denken. „IHR BEIDE ( er zeigte abwechselnd von mir zu Alex) habt versprochen dass ihr euch benehmt wenn ich weg bin!“ Gott ich fühlte mich wie eine Schülerin die zum Direktor musste. „Es ist ja nichts passiert.“ versuchte ich ihm zu versichern, doch Karin war scheinbar so im Liebesrausch dass sie wirr umherquasselte. „Stimmt. Nichts passiert außer dieser gutaussehende Mann, der unseren Weg gekreuzt hat und uns ein Quartier gab.“ Seit wann war sie jetzt so poetisch?! Die scheints echt erwischt zu haben. In Fritzs Augen konnte ich Zorn erkennen, doch ich hob beschwichtigend die Arme. „Das war kein gutaussehender Mann sondern nur der Förster.“ kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen, schon bereute ich sie. Vermutlich waren sie alles andre als ein Trost für ihn. Bevor er noch wie ein Vulkan ausbrechen konnte, legte ich meine Lippen schnell auf seine und verschloss sie mit einem kurzen Kuss. Als ich merkte, dass er sich beruhigt hatte, entspannte er sich sichtlich. „Erstens. Es war eine Notsituation. Zweitens hatten wir über das Thema Eifersucht schon mal gesprochen und drittens kannst du dir die Standpauke sparen. Die hatte ich schon zur genüge, hab auch meine Lektion gelernt und glaub mir, meine Strafe hatte ich schon die ganze Nacht. Aber nicht was du jetzt schon wieder denkst.“ versicherte ich ihm und es schien, dass es Wirkung zeigte. Denn er wirkte nun tatsächlich entspannter. „Okay. Aber das nächste Mal bekommst du eine Prädigt die sich gewaschen hat ist das klar!“ sagte er streng, sah mich aber auch besorgt an. Ich nickte nur und erwiderte sein Lächeln. Ich hörte wie Ewald so was sagte wie „Abgefahren. 20 Mäuse reicher und trotzdem Theater.“ doch ich ging nicht darauf ein sondern verabschiedete mich von allen. „Du sag mal ist Karin high?“ flüsterte er mir zu, bevor wir den Raum verlassen hatten. Ich musste grinsen. „Ne. Nur verliebt.“ Er sah mich an wie von einem anderen Stern. „Karin. Verliebt?! Die kommt doch aus ihrer Strickwerkstatt nicht raus.“ meinte er verblüfft. „Tja du hast mich auch nicht privat kennengelernt also …. die Liebe schlägt eben immer unerwartet zu. Könn wir jetzt?“ „Wie sie hat was mit nem Kollegen?!“ fragte er überrascht, doch ich schüttelte den Kopf. „Nein kein Kollege. Aber glaubt mir. Es ist besser, sich aus ihrem Privatleben rauszuhalten.“ meinte ich zu ihm und drehte mich noch einmal um, um allen noch einmal eine gute Nacht zu wünschen. Als ich mich bei Karin mit Jane verabschiedete, blickte mich Fritz erneut fragend an. „Jane?“ Während Karin gedanklich mal wieder völlig abwesend war, hallte es „Glaub mir DAS willst du nicht wissen!“ von Ewald, Alex und mir im Takt. Fritz blinzelte und warf uns allen einen komischen Blick zu. „Habt ihr das einstudiert als ich weg war?“ fragte er überrascht. Ich lachte kurz und verneinte, ehe ich ihn schnappte und mit ihm gemeinsam das Gebäude verlies. Hand in Hand schlenderten wir zu Fritzs Wagen, genossen den jeweils anderen. Gott wie sehr ich ihn doch vermisst hatte.

„Willst du heute bei mir schlafen?“ holte er mich aus meiner Trance, als ich während der Fahrt gedankenverloren nach draußen starrte. Ich blinzelte ein paar Mal kurz, ehe ich ihn lächelnd ansah und nickte. Ich war ihm dankbar für seinen Vorschlag, denn heute – nach so einem Tag - musste ich einfach in seiner Nähe sein. Verträumt starrte ich die Sterne an, ehe ich mich ihm widmete und ihn ansprach. „Fritz?“ Er drehte seinen Kopf immer wieder für kurze Sequenzen wegen des Verkehrs zu mir, und warf mir dabei wegen meines Tonfalls immer wieder besorgte Blicke zu. „Ich liebe dich.“ kamen die Worte einfach aus mir heraus, bevor ich ihm einen verliebten Blick schenkte. Ich dachte er würde sich über mein Geständnis freuen, doch stattdessen wirkte er nur noch besorgter. „Alles okay bei dir?“ Auf mein Nicken hin starrte er kurz nach vorne und dachte nach, ehe er mich wieder ansah. „Will ich die ungekürzte Geschichte überhaupt wissen?“ fragte er wie aus dem Nichts. Verneinend schüttelte ich lächelnd den Kopf und war ihm dankbar, dass er nicht weiter nachfragte. Verträumt starrte ich hinaus zu den Sternen und dankte dem Menschen dort oben, dass er mir den Weg zu diesem tollen Mann gezeigt hatte.
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