Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
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18.07.2014 1.358
 
Liebe ist die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, Verbundenheit und Wertschätzung, die ein Mensch einem anderen entgegenbringen kann.

(Josie) Eigentlich dachte ich, dass ich diesen Gefühlszustand Liebe bereits empfunden hatte. Immerhin war ich schließlich nicht um sonst verlobt gewesen. Doch was ich einst für meinen Exverlobten fühlte, war nichts im Vergleich zu dem, was Fritz in mir auslöste. Eine Minute mit ihm bedeutete mir mehr als die gesamte Beziehungszeit mit Stefan. In ihn war ich verknallt gewesen doch Fritz, Fritz liebte ich wortwörtlich von ganzem Herzen. Und wie hätte ich mich nicht in ihn verlieben sollen!? In den Mann, dem ich soviel zu verdanken hatte und damit meinte ich nicht nur mein Leben. Nein er hatte viel mehr für mich getan. Er hatte mir geholfen zu lernen, wie man vertraute und sich anderen öffnete. Diese Taten seinerseits ließ meine Liebe zu ihm nur noch mehr wachsen. Irgendwann war ich an einem Punkt angelangt, wo ich wusste, dass ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen konnte. Er hatte mein komplettes Herz in Beschlag genommen, unangekündigt und in voller Wucht. Es passierte nicht fielen Menschen, jemanden zu treffen, den man so lieben konnte und ich hatte das Glück. Eine solche Liebe war ein Segen – doch gleichzeitig konnte es auch ein Fluch sein. Ich schloss die Augen und erinnerte mich zurück zu der Zeit, wo alles noch gut und perfekt war.

(Josie) Ich brauchte damals nicht lange, um zu verstehen, was passiert war, während der Zeit als ich in dem sinkendem Wagen gefangen gewesen war. Mein Entführer lag mit durchschnittener Kehle auf dem Asphalt, daneben ein blutiges Messer und dann auch noch Fritz, der mit Handschellen abgeführt wurde. Das in Kombination mit Fritz´s Drohung ließ nur einen Schluss zu. → Mein Kollege hatte Clemens Bremer getötet. Die Frage war nur warum?! Von Alex hatte ich erfahren, dass Bremer den Schlüssel verschluckt hatte und Fritz wohl der Einzige gewesen war, der etwas getan hatte. Er tat es also, um mich zu retten. Jetzt wusste ich wenigstens, warum er so gehandelt hatte, meine Frage nach seinen Beweggründen blieb dennoch unbeantwortet. Allerdings hatte ich auch keine Zeit darüber nachzudenken. Vor meinem inneren Auge tauchte ein Bild auf: Ein arbeitsloser Fritz in Sträflingsklamotten. Bei diesen Gedanken bekam ich einen flauen Magen, wusste ich nur zu gut, dass es aber genau so weit kommen könnte. NEIN!!! Das durfte ich nicht zulassen, das konnte ich nicht zulassen. Immerhin war ich an seiner Misere ja auch indirekt schuld. Er hatte es getan um mich zu retten, nicht Karin, nicht irgendeinen anderen Kollegen sondern MICH!!!! Ich blickte mich um, erkannte jedoch, dass Alex wohl bereits ohne mich gefahren war. Aus diesem Grund sprang ich über meinen Schatten und bat meinen Vater, mich zum Präsidium zu bringen. Während der Fahrt über hatte er zwar immer wieder versucht mit mir ins Gespräch zu kommen, allerdings war ich mit den Gedanken ganz wo anders. Wie konnte ich meinen Kollegen nur daraus holen? Ich hatte in meiner Kindheit vielleicht nicht viel von juristischen Hintergründen und Gesetzeslücken gehört, wenn ich jedoch eines in Bielefeld gelernt hatte, dann, dass man hartnäckig sein  und sich mit allen Mitteln für die Menschen einsetzten musste, die einem etwas bedeuteten. Bedeuteten?! Ich erschrak über meine eigenen Gedanken. Ich mochte meinen Kollegen ja, aber mehr? Zugegeben ich konnte nicht leugnen, dass mir ein wohliger Schauer über den Rücken lief, als er mich vorhin umarmt hatte. Doch das konnte doch auch an den Glückshormonen, dass ich noch lebte, gelegen haben, oder? Oder hatte dies doch einen anderen Grund? Hätte ich genauso gefühlt, wenn Alex mich umarmt hätte? Ich beschloss mich mit meinen (nicht-)vorhandenen Gefühlen für meinen Kollegen später auseinander zu setzen. Jetzt musste er erst einmal „frei“ kommen. Dies stellte sich jedoch als schwieriges Unterfangen dar. Denn als ich ankam, schien es wohl schon beschlossene Sache gewesen zu sein, dass Fritz die kompletten Konsequenzen tragen müsste. Selbst unser Chef Amann konnte den Prüfenden nicht umstimmen. Aber ich würde trotzdem nicht klein bei geben. Ich redete mich über Kopf und Kragen. Von „Wenn Fritz verurteilt wird, weil er was getan hat, dann müssten auch die anderen eine Bestrafung erhalten, die nichts getan hatten“  bis hin zu „In anderen Ländern wäre ein zweifacher Mörder juristisch gesehen auch zum Tode verurteilt worden.“ Ich versuchte es sogar mit etwas Pepp. „Vermutlich wäre Clemens ohnehin durch den Kopfschuss gestorben oder von dem Schlüssel qualvoll erstickt. So hatte er einen kurzen und schmerzlosen Tod und ich wurde dadurch auch noch gerettet.“ Gerade, als ich über eine Stunde geredet hatte und kurz vorm durchdrehen war, meinte plötzlich mein Gegenüber, der so aussah, als hätte er Kopfschmerzen: „Wenn ich ihren Kollegen frei lasse, hören sie dann endlich auf zu reden?“ fragte er verzweifelt. Ich konnte meinen Ohren kaum trauen. Hatte der wirklich gerade gesagt … ?! Um auch ganz sicher zu gehen fragte ich besser noch einmal nach. „Wwwwie meinen sie das?“ meine Stimme war ganz hoch vor lauter Aufregung. Doch mein Gegenüber bestätigte das eben gesagte. „Ihr Kollege trägt keinerlei strafliche oder berufliche Konsequenzen. Allerdings wird er für einen Monat suspendiert. In der Zeit wird Herr Munro eine Anti-Aggressions-Therapie besuchen, indem er lernt, seine Aggressionen unter Kontrolle zu bekommen.“ Ohoh. Das würde Fritz überhaupt nicht gefallen. Doch das war jetzt erst einmal Nebensache. Hauptsache er war frei. Meine Hände fingen an zu zittern. Ich hatte es geschafft. Überglücklich drückte ich dem Prüfer einen dicken Kuss auf die Wange und eilte so schnell es ging zu dem Verhörraum, um meinem Partner die erfreuliche Nachricht zu überbringen. Waldi, Karin, Alex und Amann sahen mir nur verdutzt nach, doch das alles kümmerte mich nicht im geringsten. Alles was zählte war, dass ich so schnell wie möglich zu IHM konnte. Schon wieder fing mein Herz, bei dem bloßen Gedanken an ihn, an verrückt zu spielen. Was war bloß mit mir los?! Ich meine wir haben uns gehasst, und uns gegenseitig fertig gemacht. Und diese Gefühle sollen einfach so weg sein? Gewichen um anderen Platz zu schaffen!? Aber konnte aus Hass wirklich Liebe werden? Naja wie heißt es so schön – was sich liebt das neckt sich. Oh Gott reiß dich zusammen, ermahnte ich mich. Selbst wenn ich für Fritz mehr empfand als für meine anderen Kollegen, so wusste ich, dass ich nicht für eine neue Beziehung bereit war. Hatte ich ja damals an der Pleite mit dem Förster gesehen. Außerdem ist das sowieso überhaupt kein Thema. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass er mehr für mich fühlte, glich einem Lotto 6er. Ergo würde es ein „uns“ definitiv nicht geben. Schnell schüttelte ich den Kopf, um meine absurden Gedanken beiseite zu schaffen und stürmte zu ihm in den Raum. Da saß er nun, der Mann, dem ich mein Leben zu verdanken hatte. Er sah ziemlich fertig aus, hatte glasige Augen und zerzaustes Haar. Wenigstens hatten sie ihm die Handschellen abgenommen. Es war bestimmt nicht leicht für ihn gewesen. Normalerweise war er derjenige, der die Verdächtigen mit Fragen durchlöcherte, sodass sie gestanden und nun wurde er selbst wegen Mordes verhört. Wie versteinert stand ich da, unschlüssig darüber was ich jetzt tun sollte. Fritz´s Lächeln und das Leuchten in seinen Augen holten mich aus meiner Trance. Ich atmete noch einmal tief ein und aus, bevor ich mit langsamen Schritten auf ihn zuging, mich an den Verhörtisch setzte und ihn einfach nur ansah. Es vergingen einige Minuten, ehe ich mich räusperte und mir ein einziges Wort über die Lippen ging: „Warum?“ Mein Gegenüber starrte mich etwas verwirrt an. Er schien die Frage nicht ganz verstanden zu haben. Fast so als wäre es offensichtlich, wieso er das getan hatte. Aber das war es nicht – ganz und gar nicht. Immerhin waren wir nie die besten Freunde gewesen, hatten uns gerade mal so als Partner akzeptiert und nun hatte er seine ganze Existenz gefährdet und ich wollte wissen wieso! Um endlich eine Antwort zu bekommen, beschloss ich, eine deutlichere Frage zu stellen. „Warum hast du das getan? Wieso hast du ihn … (ich schluckte und ich fühlte mich eisig, als ich an das Wort dachte. Dennoch sprach ich es aus.) umgebracht?“ ich sah ihm intensiv in die Augen und wartete darauf, dass er mir endlich antworten würde.
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