Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

[Projekt] Pairings würfeln

GeschichteLiebesgeschichte / P12 Slash
Leon Markus Maxi Nerv Vanessa
16.07.2014
28.09.2014
10
8.761
2
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
16.07.2014 1.178
 
Och habe es tatsächlich getan.
Ich habe Düsentrieb umgebracht.
Das ist die Rache für das letzte Kapitel. Auch wenn Markus jetzt noch trauriger ist. Tut mir leid, Markus! Tut mir auch für dich leid, Lisa Chaosqueen, aber ich war sauer auf sie. Spielt wieder nach dem fünften.

Markus starrte an die gegenüberliegende Wand und versuchte krampfhaft, alles auszublenden. Er hasste Beerdigungen. Alle standen um ihn herum und heulten Rotz und Wasser, und er sah völlig ungerührt aus. Irgendeine seiner Ex-Freundinnen hatte ihn 'herzlos' genannt. Er dachte das erste mal darüber nach, ob das stimmte. Als er das letzte mal beim Kardiologen gewesen war, hatte er zwar seine Herzfrequenz überprüfen können und das hatte ihm bisher als Beweis gereicht, aber wieso war er dann der einzige der Anwesenden, der nicht weinte? Zugegeben, so viele waren garnicht da, aber Nerv, der vor ihm stand und schluchzte, überzeugte ihn davon, dass er sofort in Tränen ausbrechen sollte. Vielleicht würde es helfen, an sie zu denken, überlegte Markus, aber er wollte sich einfach keine Welt ohne seine wundervolle Geschäftspartnerin vorstellen. Das ging nicht. Er dachte an die Werkstatt, in der er nun allein arbeiten musste und verfluchte sich gleich wieder dafür, als der die Tränen kommen spürte. Der Unbezwingbare drehte sich um und ging einfach, ungeachtet der Tatsache, dass er jede zweite Person im Raum umrannte.
Markus ließ sich auf den harten Holzboden von Camelot fallen. Hier war es schön. Hier war kein Pseudo-besorgter Vater oder eine Mutter, die sich um ihn kümmern wollte, indem sie ihn in eine Selbsthilfegruppe für Kinder mit Depressionen schicken wollte. Erstens war er kein Kind mehr und zweitens hatte er verdammt nochmal keine Depressionen! Seine beste Freundin war vor einer Woche gestorben, da durfte man sich ja wohl etwas  hängenlassen.
Der Torwart spürte, wie ihm nun doch Tränen die Wangen hinunterliefen. Es war so ungerecht! Wieso gerade Düsentrieb? Sie hatte nie etwas Schlimmes getan, jedenfalls nicht, seitdem er sie kannte. Und er liebte sie doch! Nein, nicht auf diese Weise. Egal, was die anderen dachten, dass zwischen ihnen war nur Freundschaft gewesen, aber dafür eine so starke Freundschaft, dass es ihm das Herz zerriss, auch nur einen Gedanken an sie zu verschenken.
Mittlerweile hatte der Unbezwingbare die Arme um seine Beine geschlungen und den Kopf zwischen die Knie gelegt. So hatte er das Gefühl, das Leben würde ihn nicht erreichen können und das war im Moment, was er sich am meisten wünschte, gleich nach einer Zeitmaschine, die ihn zu Düsentrieb reisen und ihr sagen ließ, sie solle vorsichtig fahren oder am besten ganz aufhören. Obwohl sie natürlich nicht auf ihn hören würde, das wusste Markus, denn er selbst hätte diese Warnung mit einem Verdrehen der Augen ignoriert und Düsentrieb wär ihm in vielerlei Hinsicht ähnlich.
"Markus? Alles klar?", fragte plötzlich jemand direkt neben seinem Ohr. Der Angesprochene erkannte die Stimme. Natürlich erkannte er sie, gehörte sie nicht der Person, die er gerade am wenigsten sehen wollte, dem Mädchen, in das er schon viel zu lange verliebt war und das der Grund war, warum er sich anfangs mit Düsentrieb auf nicht rein freundschaftlicher Ebene abgelenkt hatte? Und natürlich war nicht alles klar, aber der Junge nickte in der Hoffnung, dass Vanessa wieder verschwinden würde. Aber sie ließ sich nur neben ihm nieder und legte einen Arm um seine Schultern. Unter normalen Umständen hätte er den Moment genossen und das kribbelnde Gefühl an den Stellen, an den sie ihn berührte, nicht einfach ignoriert, aber die Umstände waren alles andere als normal, also schlug Markus den Arm des Mädchens weg und schrie: "Sie ist tot, Vanessa, TOT! Es ist nicht alles klar! Es ist eine Katastrophe und es geht mir beschissen! Düsentrieb kommt nicht zurück, nie wieder! Verstehst du das? NIE WIEDER!" Die Unerschrockene zuckte nichtmal mit der Wimper, als er das sagte, sondern zog ihn einfach in eine feste Umarmung.
Markus wollte sich nicht trösten lassen. Er wollte nie wieder glücklich sein, aber als er Vanessas Arme um sich spürte, ging es nicht anders. Sie hielt ihn zu liebevoll als das er es hätte ignorieren können. "Ich weiß, dass das für dich besonders hart ist, aber du musst es nicht alleine durchstehen. Du hast uns." Markus nickte, obwohl er genau merkte, wie die Unerschrockene andeutete, dass er mit Düsentrieb zusammen gewesen war. Er berichtigte sie nicht, denn es wollte selbst jetzt, wo seine Welt zusammengestürzt war, nicht, dass sie von seinen Gefühlen für sie erfuhr. Oder vielleicht wollte er genau das, wusste aber, dass Vanessa genau wie die anderen Kerle zu fest von ihrer Vermutung überzeugt war, um ihm einfach zu glauben.
Vanessa und Markus saßen noch lange im Baumhaus, doch irgendwann löste das Mädchen sich aus der Umarmung und fragte: "Gehts dir jetzt besser?" Obwohl der Zustand des Torwarts sich nur minimal gebessert hatte, nickte er. Vanessa nickte auch und murmelte dann etwas davon, dass sie jetzt gehen würde. Markus hielt sie am Handgelenk fest und rang mit sich. War jetzt wirklich der richtige Moment? Andererseits hatte er tatsächlich nichts zu verlieren und Düsentriebs plötzlicher Tod hatte ihm einiges gelehrt. Vorher waren diese ganzen 'Tu-alles-sobald-du-kannst-denn-morgen-könntest-du-tot-sein'-Sprüche eben nur Sprüche für ihn gewesen, aber jetzt sah er erstmals, wie wahr sie waren. Schnell beugte er sich vor und küsste Vanessa so, wie er schon lange hatte tun wollen. Es war ein wunderschönes Gefühl, schöner, als er es sich je hätte ausmalen können, aber nach wenigen kurzen Momenten stieß Vanessa ihn von sich. "Markus... Ich, ich hab einen Freund!" Markus sah ihr an, dass sie mit der Situation deutlich überfordert war, also lehnte er sich wieder zurück. "Schon klar.", er merkte, dass seine Stimme ungewohnt rau klang. Vanessa sprang auf. "Ehrlich Markus! Das hätte ich nie von dir gedacht! Deine Freundin ist vor einer Woche gestorben, du bist quasi Witwer, und dann das? Sorry, aber ich küsse aus Prinzip keine Typen, die sich so bald nach dem Tod ihrer Freundin eine Neue angeln wollen!"
Markus öffnete den Mund, aber er war zu geschockt, um auch nur einen Ton herauszubringen. Geschockt darüber, was er getan hatte und geschockt, dass Vanessa sowas von ihm denken konnte. Nach einigen Sekunden Schweigen stand auch er auf. Er sprach so leise, dass Vanessa sich anstrengen musste, ihn überhaupt zu verstehen. "Glaubst du wirklich, das würde ich tun, Vanessa? Wenn ja, dann bereue ich es nämlich, Jahre meines Lebens in Gedanken an dich verschwendet zu haben. Ich liebe dich, Vanessa, und das schon seit ich dich das erste Mal gesehen habe." Vanessa starrte Markus perplex an. "Was?", fragte sie dann. Ihr Gegenüber verdrehte die Augen. "Ich. Liebe. Dich. Aber auch egal. Ich bin nur froh, es endlich gesagt zu haben." Vanessa starrte ihn immer noch an. "Ich fand betrügen ja eigentlich immer scheiße, aber..." Und mit diesen Worten küsste die Unerschrockene den Unbezwingbaren ein zweites Mal und diesmal endete der Kuss nicht so bald.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast