Endlich

KurzgeschichteAllgemein / P12 Slash
14.07.2014
14.07.2014
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Titel: Endlich
Inhalt: Manchmal dauert es, bis man am Ziel seiner Träume ankommt. Bis man es aller Welt beweisen kann. Aber wenn diese Tage dann da sind, sind sie für die Ewigkeit. Deutschland ist Weltmeister. Bastian und Lukas sind es auch.
Altersangabe: PG-slash
Disclaimer: Natürlich gehören Bastian und Lukas nur sich selbst. Natürlich will ich hier keine Rechte verletzen. Ich interpretiere nur das, was die Beiden mir, so freundlich wie sie sind, unter die Nase halten.

~*~

Ihr Lieben - wir sind Weltmeister. Ich habe geheult wie ein kleines Kind, halb aus Freude, halb, weil ich am anderen Ende der Welt bin und nicht dabei sein kann, während ihr feiert und wenn unsere Jungs nach hause kommen.

Vor vier Jahren habe ich über die ohnmächtige Enttäuschung geschrieben, heute ist es das Gegenteil. Was geblieben ist, sind Bastian und Lukas. Ein paar kleine Gedanken, die einfach heraus mussten, selbst wenn es nicht gerade lang geworden ist.

Gewidmet - obwohl sie es vermutlich niemals lesen werden und ich nicht sicher bin, was sie davon hielten, WENN sie es tun würden - Bastian, Lukas und Philipp. Aus irgendeinem Grund sind die Drei seit 2006 "meine" Jungs, vielleicht, weil sie so alt sind wie ich, vielleicht, weil ich wegen ihnen meine wirkliche Leidenschaft für Fußball entdeckte. Aber das Warum spielt auch eigentlich keine Rolle. In meinem Herzen haben sie den Titel verdient wie niemand sonst.
Und Lida, die mich daran hat teilhaben lassen, was nach dem Spiel passiert ist und ohne die viele Details hier nicht stehen würden. Danke, Krümel :*


****

Endlich

~*~



Bastian starrte in den Spiegel vor sich, auf den kleinen Riss knapp unter seinem Auge, der irgendwann im Laufe der Nacht wieder zu bluten angefangen hatte. Wahrscheinlich, weil Kevin oder Jérôme oder Mario ihn erwischt hatten, als sie wie Derwische durch die Lounge ihres Hotels gewetzt waren. Ihm entfuhr ein ungläubiges Lachen, als er sich selbst dabei beobachten konnte, wie sich dieses Grinsen wieder auf seinem Gesicht ausbreitete. Immer noch fassunglos, immer noch so verdammt ... sprachlos.

Weltmeister.

Die Journalisten hatten ihn gefragt, wie es sich anfühlte, natürlich hatten sie das. Er hatte geantwortet, was man eben antwortete in diesem Moment, wenn man eigentlich keine Worte hatte für das, was man empfand. Und Bastian hatte sie immer noch nicht. Auch nicht nach diesen paar Stunden, in denen sie gefeiert und gelacht und getanzt hatten, als gäbe es kein Morgen mehr. In denen sie den WM-Pokal immer und immer wieder durch ihre Reihen hatten laufen lassen, ihn ungläubig betastet, geküsst und fotografiert hatten.

Er konnte dieses Gefühl in sich nicht beschreiben. Diesen Rausch aus unfassbarer Freude und dem Wunsch, zu feiern bis man nicht mehr konnte, aus Erleichterung, Erschöpfung und Dankbarkeit. Und Ruhe. Zum ersten Mal seit Monaten, vielleicht seit Jahren war Bastian - ruhig. Aufgedreht, ja, aufgeputscht, immer noch, und das würde sich auch so schnell nicht ändern. Aber gleichzeitig unglaublich ... ruhig. Angekommen.

Arme schlangen sich plötzlich um seine Mitte, ein warmer, kräftiger Körper schmiegte sich gegen seinen Rücken und Lippen tanzten zärtlich über seinen Hals.

Bastian lächelte, legte seine Hände über die Finger, die sich vor seinem Bauch verschränkt hatten. "Glaub nur nicht, dass du heute noch was bekommst, das auch nur entfernt Ähnlichkeit mit Sex hat."

Er spürte Lukas' Grinsen an seinem Hals. "Nicht? Offenbar wirst du alt."

Bastian stieß Lukas strafend mit der Hüfte an, fühlte daraufhin Lukas' Lachen über seine Haut vibrieren und erschauerte. Im Spiegel fand er Lukas' Blick, diese pure, unverstellte Freude in den blauen Augen. Sie war nicht gespielt, nicht vorgetäuscht, obwohl Lukas den größten Teil dieser WM auf der Bank verbracht hatte. Sie war echt. Unverfälscht und ehrlich. Sie war so sehr Lukas, dass Bastian sich in Lukas' Armen umdrehte, sich gegen das Waschbecken lehnte und Lukas an sich zog, weil er ihn näher bei sich haben wollte.

"Wir sind Weltmeister", sagte er leise.

Lukas schaute ihn unverwandt an. Immer noch lächelnd. Seine Augen funkelten. "Ja."

Es war Wahnsinn. Es war nichts, das Bastian in diesen letzten paar Stunden wirklich realisiert hatte. Und wahrscheinlich würde es auch noch einige Tage dauern, bis  er nicht mehr jeden Morgen aufwachte und sich fragte, ob er träumte.

"Zehn Jahre."

"Ja", erwiderte Lukas wieder nur schlicht und dann war da sein warmer Mund, der sich auf Bastians legte, und Bastian seufzte, öffnete die Lippen und genoss das Gefühl, wie Lukas' Zunge spielerisch gegen seine stupste.

Zehn Jahre, seit Lukas und er zusammen für Deutschland spielten, zehn Jahre, in denen dieser Traum sie begleitet hatte, in denen sie gekämpft und viel zu oft verloren hatten. Bis heute. Bis Philipp diesen verdammten Pokal in den Himmel über Rio gestreckt hatte. Bis sie es endlich der ganzen Welt bewiesen hatten. Lukas und er, Philipp, Miro, Per. Die goldene Generation, die jetzt endlich nicht mehr ungekrönt war. Die nicht mehr belächelt und getadelt wurde, weil außer großem Talent offenbar nichts vorzuweisen war.

"Hör auf, nachzudenken", wisperte Lukas da gegen seine Lippen, bevor er ihn wieder anschaute. Ein liebevolles Lächeln geisterte über sein Gesicht. "Und hör auf, zu heulen."

Bastian hatte noch nicht einmal gemerkt, dass ihm wieder die Tränen gekommen waren. Vorhin, auf dem Platz, da war es zu viel gewesen. Viel zu viel, das nach dem Schlusspfiff auf ihn eingeprasselt war, das er einfach nicht hatte kompensieren können. Es war surreal gewesen, wie durch einen Traum zu stolpern. Und das war es alles gewesen, die Siegerehrung, die Fotos, bis zu dem Moment, als Bastian mit Louis im 16er gestanden hatte. Bis er Louis mit Lukas' Medaille in der Hand gesehen hatte, mit dem kleinen Knirps gefachsimpelt hatte, ihm über den Kopf gestrichen und dabei Lukas in seinem Gesicht gesehen hatte. Da war es zum ersten Mal ... zumindest ein bisschen real gewesen.

"Du hast auch geheult", murrte Bastian halbherzig.

Hatte Lukas tatsächlich. Erbittert und herzergreifend wie ein kleines Kind, unter der Dusche, als alle anderen schon gegangen waren und Bastian ihn dort gefunden hatte. Festgehalten hatte. Und gewartet hatte, bis aus Lukas wieder Poldi geworden war. Der Poldi, der mit ihm Intervies gab, der scherzte und lachte und den Pokal in seinen Armen wog, der Köln zum Feiern animierte und Selfies mit der Bundeskanzlerin machte, der Bastian ausgelassene Luftküsse auf dem Spielfeld zuhauchte und Bastians Herz davonrasen ließ, obwohl doch niemand ahnte, wieviel Wahrheit hinter diesen Spielereien steckte. Der Poldi, ohne den Bastian sich sein Leben nicht vorstellen konnte und an den er sein Herz verloren hatte. Damals, vor zehn Jahren. Selbst, wenn es  heute Lukas war, den er liebte wie nichts anderes auf der Welt.

"Stimmt", erwiderte Lukas unbekümmert, während er Bastian sacht über die Seite strich. "Bett?"

"Bett", stimmte Bastian träge zu.

Kurze Zeit später hielt Lukas ihn in den Armen. Bastian spürte, wie Lukas die Nase an seinem Nacken vergrub, wie Lukas' Finger sacht über seinen Bauch streichelten.

"Wir haben Geschichte geschrieben", sagte Bastian in die Dunkelheit ihres Zimmers. Einfach, weil er es aussprechen musste. Weil die Gedanken in seinem Kopf rotierten und nicht zur Ruhe kamen. Weil er es nicht fassen konnte, immer noch nicht.

"Haben wir, ja", war Lukas' geraunte Antwort. Das und die weiche Berührung von Lippen auf seinem Hals. "Heißt aber nicht, dass wir das jetzt schon verstehen müssen." Lukas lachte leise. "Oder damit aufhören."

Bastian musste unwillkürlich grinsen. Wie gut hatte ihnen allen Lukas' Unbekümmertheit in den letzten Wochen getan. Dessen unerschütterliche gute Laune, Optimismus und Ehrgeiz.

"Ich liebe dich, weißt du?" Bastian griff nach Lukas' Hand auf seinem Bauch, verschränkte ihr Finger miteinander.

"Weiß ich", erwiderte Lukas und Bastian konnte das Schmunzeln förmlich in dessen Stimme hören. Dann zog Lukas ihn mit einem sanften Ruck noch näher zu sich. "Ich dich auch."

Und dann war es gut. Als Lukas ihn festhielt, Bastian dessen Wärme fühlte und sich einlullen ließ von den sanften Berührungen und von Lukas' Geruch, da hörten die Gedanken auf. Vielleicht würde er wenn er aufwachte nicht glauben können, dass er Weltmeister war. Vielleicht würde er fürchten, zu träumen und immer wieder ungläubig auflachen, wenn er sich bewusst wurde, dass es kein Traum war, sondern tatsächlich die Realität. Und vielleicht würde es ihm auch in den nächsten Wochen noch so gehen, dass die Realisation dessen, was ihnen hier passiert war, erst ganz langsam, Schritt für Schritt eintrat. Doch das spielte keine Rolle, oder?

Denn er würde niemals aufwachen und sich daran erinnern müssen, dass es nur ein Traum gewesen war.

Sie waren Weltmeister, keiner konnte ihnen das mehr wegnehmen.

Und hier, in Lukas' Armen, da fühlte Bastian sich nicht mehr länger nur euphorisch. Oder ruhig.

Nein, es war perfekt.
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