Treffen und Abschied

OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Hao Asakura Matamune
13.07.2014
13.07.2014
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Hallöchen liebe Leser,
dieser Oneshot ist das Ergebnis einer kleinen Advents-Überraschung des letzten Jahres und der lieben Grape-chan gewidmet. Sie hat sich eine Geschichte über Matamune gewünscht.
Ich hoffe meine Umsetzung gefällt dir :D

Kursiv gedruckt sind Zitate aus den Shaman King Manga Bänden 19 & 20 von Hiroyuki Takei - Deutsche Ausgabe Carlsen Verlag 2007


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Für Grape-chan


Und
für Matamune.

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‚Ganz gleich, wie sehr man verraten wurde,
solange man dem Anderen vertraut, an ihn glaubt, nicht sein Feind ist…
ist es für das eigene Wohl am Besten, keinen Zweifel zu hegen!

In gewisser Weise könnte man das Liebe nennen!’


Mein Herz kannte keinen Zweifel.
Ich, der dem Tode geweiht war, und dennoch lebte. Aller Widrigkeiten zum Trotz.
Und du, der du lebtest und lieber doch nicht unter deinesgleichen weilen wolltest.
Ich verspürte keine Angst, als ich dich traf. Zu stolz. Zu stur.

Mutig, nanntest du mich.
Dein Lächeln war gütig und wohlwollend.
‚Wie könnte ich dich im Stich lassen?’

Damals verstand ich nicht, dass du nicht der Einzige warst, der im Herzen eines Anderen las.
All die Dinge, die du über mich wusstest, mit nur einem Blick. Es war beängstigend. Doch ich fürchtete mich nicht.
‚Komm…zu mir!’, batst du mich und strecktest die Hand nach mir aus.
Und da sah ich es. Die Einsamkeit in deinem eigenen Herzen, den Tod, dem du genauso wenig zu entkommen wusstest wie ich. Dinge, in denen wir uns ähnlich waren.
Also kam ich. Zu dir!

Ein erstes Treffen vergisst man nie, so heißt es.
Du rettetest mich.
Und ich wurde zu deinem Verderben.

Auch das kann ich nicht vergessen.

‚Es gab einmal jemanden, den ich beschützen wollte.
Aber mit dem Tag, als ich das Vertrauen in ihn verlor…
begannen tausend Jahre der Reue.’


Mein Herz fürchtete sich nicht vor dieser Strafe.
Es war nur gerecht deinen Schmerz zu teilen, nachdem ich an deiner Güte teilhaben durfte.
Auch das könnte man in gewisser Weise Liebe nennen.

Denn…
Liebe ist wie Treffen und Abschied.

Und fortan sollte jedes unserer Treffen in einem neuen Abschied enden.
Mut meiner Seele. Tapferkeit des Herzens.
Du täuschtest dich.
Meine Wenigkeit war zu schwach, um dich zu retten.
Deine Güte zu groß, um dein Herz vor den Gräueln dieser Welt abzuschotten.

‚Das geschah nicht aus Herzensgüte…sondern aus Schwäche.
Gewiss war diese unvorstellbare Finsternis der Grund dafür.
Aber es ändert nichts daran, dass Hao gegen seine eigene schwache Seele verloren hat.’


Eine schwache Seele.
Das war es doch, was wir in Wahrheit gemeinsam hatten, nicht wahr.
Und darum konnte ich auch nicht wählen, was wirklich wichtig war.
Ich brach das Versprechen, das ich dir gab. Und mit ihm das Vertrauen in dich.

Ob es nun gerecht ist, weiß ich nicht.
Denn auch nach tausend Jahren der Reue hört mein Herz nicht auf, dich zu lieben.

Ich wünschte, ich könnte noch in deinem lesen.
Doch es schlägt schon längst nicht mehr, als auch das vierte Treffen in einem Abschied endet.

Yoh hat es nicht geschafft.

‚…ein Herz voller Glauben und Vertrauen, das nicht von der Wirklichkeit erschüttert wird, die die Augen sehen.’

Und doch war es wieder nicht genug, um dich zu retten.
Die Wirklichkeit vor meinen Augen ist dieselbe wie immer.

Ich wanke, als ich auf dich zu gehe. Ein Treffen, das gleichzeitig Abschied ist.
Du kannst die Tränen nicht mehr sehen, die ich weine, also erlaube ich sie mir. Ich warte darauf, dass meine Seele unter der Qual zerspringt, dich erneut verraten zu haben.
Sie tut es nicht.

Ich sehe zu Yoh. Seine Hände haben Harusame fallen gelassen und greifen stattdessen nach der Bärenklauenkette um seinen Hals.
Vielleicht will er sie wegwerfen?
Nein. Er hält sich daran fest. An dem Versprechen, das schon wieder gebrochen ist und ich weiß, dass ich noch nicht gehen kann. Er braucht mich jetzt. Es soll nicht noch eine Seele an ihrer Schuld zu Grunde gehen.
Und du…
du brauchst mich auch.

‚Die schwache Seele meiner Wenigkeit
befreit sich endlich aus ihrem engen Gefängnis.
Selbst, wenn es kein Grab für mich gibt.
Selbst, wenn es kein Grab für mich gibt.’


Ich warte.
Darauf, dass eines unserer Treffen nicht in einem Abschied endet.
Darauf, wann es wohl endlich ein echtes Wiedersehen gibt.

Als es kommt, ist es so beängstigend wie der Augenblick unserer ersten Begegnung.
Zweifel, Furcht. Und Reue.
Mein Herz braucht lange, um zu begreifen, dass es nicht allein meine Gefühle sind.
Sie kommen von dir und ich kann sie lesen. Dinge, in denen wir uns ähnlich sind.

Du weißt nicht, was du tun sollst.
Ob es nun Gerechtigkeit ist.
Güte.
Oder Schwäche.

‚Obwohl ich nicht würdig bin,
so bin ich doch dieses eine Mal von Glück erfüllt.
Ist es auch vergänglich,
ist es auch grausam,
es ist mir ganz gleich.
Nur ein Lächeln wünsche ich mir von dir.’


‚Komm…’, bittest du mich und dann tust du es.
Streckst die Hand nach mir aus und lächelst.

Verzeihen.
In gewisser Weise ist auch das Liebe.

Also komme ich. Zu dir.

‚Liebe ist wie Treffen und Abschied’

Der Stoff deines Kimonos raschelt zart, als du mich in deine Arme hebst.

‚…und hauchdünne Seide.’
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