Corpse Party - Bloody Restart

GeschichteAngst, Horror / P18
12.07.2014
07.09.2014
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Prolog
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Kage Azinawa

Eiligen Schrittes ging ich den Weg an der Wiese entlang, der mich zur Schule führen sollte. Ich hatte meine Schultasche lässig über meine Schulter geworfen und meine braunen Haare wehten leicht im Wind. Sie waren nicht sonderlich lang und gingen mir bis zum Nacken, dennoch fielen mir einige Strähnen meines eher wirren Haars ins Gesicht. Ich trug typische Schulkleidung, wie es für einen achtzehnjährigen im letzten Jahr der Schule üblich war.
Der Herbst war eingebrochen und die Bäume verloren langsam ihre Blätter. Goldene Flecken schienen den Boden zu betupfen und das seichte Laub knirschte unter meinen Sohlen. Auch die Wiese war betupft worden und der leichte Morgentau ließ sie unter den schönen Strahlen der Sonne in einem anmutigem Gold strahlen.
Ich widerstand der Versuchung stehen zu bleiben und lief flotten Schrittes weiter, bis ich schließlich die Schule sehen konnte. Nur noch wenige Minuten, die ich die Schönheit der Natur genießen konnte... ehe ich mich dem Schwarm Mädchen entgegen warf, die nur so um mich buhlten. Vermutlich lag es an meinem Gesicht, denn wenn ich morgens in den Spiegel sah, blickte mich ein reines, sonnenähnliches Gesicht mit hübschen grünen Augen an. Hach ja.
„Ah, Kage. Hast du dich heute doch noch dazu entschlossen dem Unterricht beizuwohnen?“, fragte mein Leher, Ikawa-Sensei mich argwöhnisch. Ich hob eine Augenbraue, als ich schweigend zu meinem Platz ging. Kurz bevor ich mich setzte, drehte ich mich noch einmal zu ihm um und sagte: „Wenn ich mich richtig erinnere waren es Sie, der beinahe gefeuert worden wäre, weil Sie es nie rechtzeitig geschafft hatten, bei uns Schülern zu sein. Da kann ich es mir wohl eher erlauben einen Tag zu fehlen, bei mir steht ja kein Job auf dem Spiel.“
„Aber deine Zukunft, Kage.“ Ich sah neben mich. Meine Klassenkameradin Shizuka saß wie immer auf ihrem Platz direkt neben meinem und sie starrte mich aus den Augenwinkeln heraus gelangweilt an. Ich blickte noch einmal zu Ikawa-Sensei, bei dem sich eine Zornesfalte auf der Stirn gebildet hatte und fügte noch einmal grinsend hinzu: „Es tut Ihrem Aussehen nicht gut, wenn Sie sauer werden. Vielleicht sollten Sie mal einen Schönheitschirurgen aufsuchen.“ Eine weitere Zornesfalte? Super, hatte ja geklappt.
Ich setzte mich nun endgültig und grinste vor mich hin, während ich die neidischen Blicke mancher Jungs und vieler Mädchen auf mir spürte. Weshalb wohl? War es mein selbstsicheres Auftreten? Mein Mut einfach mal in der Schule zu fehlen, was Andere nie wagen würden? Oder war es meine Schönheit, die andere hübsche Mädchen einfach in den Bann zogen? Nein, es war definitiv alles zusammen. Ein Geschenk der Götter.
„Wenn du einen Spiegel hättest würdest du dich wohl die ganze Zeit über selbst beobachten, oder?“, fragte Shizuka neben mir und sah mich nun direkt an. Kurz schreckte ich auf, als ich die Kälte in ihren bernsteinfarbenen Augen sah, die von einer prächtigen, schwarzen Mähne umrahmt war. Dann lachte ich leise: „Ach was, so eingebildet bin ich dann doch nicht.“ Sie sah mich kurz zweifelnd an, ehe sie leicht lächelte und mit meiner Antwort zufrieden schien.
„Wie du meinst.“ Den Rest des Unterrichts schwieg sie, sie zuckte nur einmal zusammen, als ich sie mit einer Papierkugel abwarf. Als es nicht den gewünschten Zweck erzielte beließ ich es bei einem Schulterzucken, sah wieder nach vorne und versuchte einzuschlafen.
Erst die Klingel der Schule, die befreiend das Ende der Stunde ankündige. Der sechsten. Früher hatte ich mich nicht blicken lassen. Die Schüler sprangen, mich eingeschlossen, von ihren Plätzen und hetzten aus dem Raum in den bereits viel zu überfüllten Flur. Plötzlich spürte ich eine zärtliche Hand auf meiner Schulter und drehte mich zu Shizuka um, die mich aus ihren bernsteinfarbenen Augen heraus ansah.
„Ich treffe mich gleich mit Neige und Taiyo in ihrem Klassenraum. Vielleicht magst du ja mitkommen, wir wollen etwas ausprobieren.“
„Und was genau wollt ihr ausprobieren?“
„Wirst du sehen, wenn du mitkommst.“ Ich sah sie kurz mit gerunzelter Stirn an, ehe ich mit den Schultern zuckte und lächelnd nickte. Konnte witzig werden, zumindest ein wenig. Shizuka nickte ebenfalls, ehe sie sich schwungartig umdrehte und davon ging. Ich folgte ihr mit ein paar Schritten Abstand zu dem Klassenraum von besagten Freunden.
„Oh, Kage ist wieder in der Schule“, schloss der dunkelbraun gelockte aus meinem Erscheinen und hob zum Gruß seine Hand. Ich drängte mich an Shizuka vorbei, welche vor Neige in der Tür stehen geblieben war, und stakste auf meinen Kumpel zu. Als ich bei ihm ankam legte ich meinen Arm um seinen Hals und drückte ihn zu mir, um ihm einmal kräftig über den Kopf zu rütteln.
„Was soll das denn heißen, mh?!“, fragte ich ihn, während er leise Schmerzenslaute von sich gab und ich ihn aus dem Schwitzkasten ließ. Er schaut mich an, richtete sich zur vollen Größe auf und starrte mich kurz wütend an. „Ist doch wahr! Vielleicht solltest du dich mal öfter hier blicken lassen, wenn du solche Kommentare nicht abkannst!“
„Jungs, hört auf zu streiten wie Kleinkinder“, sagte Neige und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich sah sie aus den Augenwinkeln heraus an, ehe ich Taiyos Kopf pattete.
„Ich kann auch pusten, wenn du willst.“
„Idiot.“
Ich grinste und schaffte es den gleichgroßen damit regelrecht anzustecken. Dümmlich vor sich hin grinsend lief er schließlich zu Neige und Shizuka, stellte sich hinter sie und drückte beide weiter zu sich. „Also, was war das, was ihr machen wolltet?“
„Wir wollten sicherlich nicht erdrückt werden“, grummelte Neige und zog sich aus der brüderlichen Umarmung zurück. Shizuka grinste bloß, ehe sie ihn freundschaftich in die Wange knuffte. Die dunkelblonde stellte sich neben mich und wühlte in ihrer Tasche herum, die auf dem Tisch lag. Schließlich hatte sie eine weiße Puppe aus Papier in der Hand und zeigte sie uns stolz. Shizuka, eben noch gut drauf, sprang erschrocken zurück.
„Neige! Ist das etwa eine Naho-Ever-After-Puppe?“, fragte sie vorsichtig und betrachtete nun wieder fasziniert die Puppe. Ich starrte das weiße Ding aus Papier ebenfalls an. Sah aus wie eine Art etwas fettleibiges Strichmännchen. Neige nickte auf Shizukas Frage hin grinsend und ich wandte mich dem nächsten Fenster zu.
„Genau! Nachdem der Sachiko-Ever-After so ein Desaster war, hat die AG für Paranormale Aktivitäten einen neuen rausgebracht. Er funktioniert genauso wie der Sachiko-Spruch, schickt einen aber nicht gleich aufs Silbertablett.“
Mh... Also, diese Wolke da draußen sah aber wirklich aus wie Zuckerwatte... Aber sie könnte definitiv eine pinke Färbung vertragen, damit sie noch viel zuckriger aussah.
„Cool! Lass uns das ausprobieren!“
Ob man Wolken wohl Färben konnte?
„Gut, sobald ich jetzt sage, sagt jeder in seinen Gedanken: Naho, wir bitten dich. Das fünf mal, vier mal für uns und einmal für Naho selbst.“
Vielleicht konnte man mit einem Flugzeug darüber fliegen und literweise Farbe darauf verteilen. Eine schöne Vorstellung, abgesehen von der Tatsache, dass es dann vielleicht pinken Regen geben würde.
„Okay, dann nimmt jeder jetzt ein Stück der Puppe... Kage, nimm ein Stück der Puppe!“
Ich wurde aus meinen Gedanken geschreckt, als Neige mir einmal auf den Rücken klopfte. Reflexartig nahm ich auch ein Stück der Puppe und grummelte kurz vor mich hin. Neige schaute jeden einmal an, als würde sie nun von jedem irgendetwas erwarten.
„Und los!“ Los womit? Vielleicht hätte ich doch aufpassen sollen... äh... mh... Ein Schnitzel wäre jetzt toll.
„... Jeder fertig?“, fragte Neige nun und jeder nickte, mich eingeschlossen, auch wenn ich keinen Plan von irgendetwas hatte. „Dann reißt jetzt an der Puppe.“ Jeder riss sich ein Stück raus und ich betrachtete meinen kleinen Fetzen. Und... was hatte das Ganze jetzt gebracht?
Plötzlich fing das Licht an zu Flackern. Nicht das das schlimm wäre, immerhin war helllichter Tag, nerven tat es mich trotzdem. Neige sah zweifelnd auf ihren Papierfetzen und dann an die Decke. Scheinbar nervte es also nicht nur mich. Vielleicht sollten wir mal zum Hausmeister gehen und ihm sagen das jemand die Lampen geschrottet hatte...
Auf einmal fing es an zu beben und Shizuka rutschte aus, fiel gegen mich und riss mich mit gen Boden. Neige hielt sich den Kopf und duckte sich, fing an zu schreien, während Taiyo versuchte sich an einem Tisch festzuklammern. Mir selbst brummte von dem Sturz der Schädel und ich versuchte mich irgendwo festzuhalten, was nicht ganz klappte, da meine Arme wie Espenlaub zitterten.
„Ein Erdbeben? Wieso gerade jetzt?“, wimmerte Neige langsam und starrte den Boden an. Ich grummelte, als meine Sicht sich wieder etwas klärte.
„Kennt ihr Franzosen wohl nicht, huh? Ist nichts neues für Japan!“
„Kage, das ist nicht die Zeit für Witze!“, knurrte Neige mich daraufhin an und ich versuchte mich wieder aufzurichten. In dem Moment allerdings barst eine der Bodendielen, die meinem rechten Fuß halt geben sollte. Mit einem kurzen Aufschrei versank ich bis zur Hälfte mit dem Bein in dem dunklen Loch, ehe ich mich abstützen konnte. Ich versuchte mein Bein raus zuziehen, doch ich steckte irgendwo fest... auch wenn es unter einer Diele nichts geben sollte, wo man feststecken konnte.
Ich hob den Blick, die Gesichter der Anderen waren komplett bleich. Ein weiteres, berstendes Geräusch und Neige verlor das Gleichgewicht. Sie sprang gerade noch von der Stelle, die ihr Gewicht nicht mehr halten konnte, nur um direkt auf einer weiteren lockeren Stelle zu landen. Alles unter ihr brach zusammen, das Letzte was ich auf ihrem Gesicht sah war Angst in ihren Augen. Sie schrie auf und verschwand in der Dunkelheit.
„Neige, nein!“, schrie Shizuka und wollte hinterher, doch Taiyo packte ihr Bein, ehe sie hinterher fallen konnte. Das Beben ließ nach und ich schaffte es mein Bein zu befreien und mich aufzurichten. Ich taumelte zu der Stelle, die Neige verschluckt hatte. Doch anstelle des Flures unter uns war da nur gähnende Leere. Keine Neige. Kein Flur. Nur Leere.
Erschrocken ließ ich mich zurück fallen und landete erneut auf dem harten Boden, ehe ich das Loch weiter anstarren konnte. Shizuka krabbelte weiter von dem Loch weg, Tränen liefen ihr über das Gesicht und sie wimmerte hin und wieder Neiges Namen. Taiyo hielt noch immer ihr Bein umklammert, als wenn es sie ebenfalls noch in dieses Loch ziehen würde. Der Schock stand auch ihm ins Gesicht geschrieben.
„Was... was... wieso...?“, stammelte er vor sich hin, immer wieder wanderte sein Blick von mir zu dem Loch und zu Shizuka. Das Erdbeben war nun wieder ganz schwach, kaum spürbar, im Vergleich zu dem von gerade eben. Ich richtete mich auf, Taiyo ließ nun das Bein von der Schwarzhaarigen los. Ich stütze mich an einem der umgeworfenen Tische ab, ich fühlte mich wie Wackelpudding.
Auf einmal ein grelles Licht. Ein erneutes Beben, noch stärker als das erste. Es warf mich erneut von den Füßen, mit dem Kopf auf die Dielen, welche krachend zerbarsten. Doch anstatt irgendeinen Schmerz zu fühlen, da mein Kopf normalerweise nicht ausreichen sollte um Dielen kaputt zu bekommen, starrte ich in gähnende Leere, während ich spürte das alles unter mir ebenfalls zusammen zu brechen drohte. Ich stützte meine Hände neben meinem Kopf ab und zog ihn heraus, suchte nach den Augen von Shizuka und Taiyo. Doch ich sah nur wie mein Freund mit einem gellendem Schrei in dem Loch verschwand, dass zuvor Neige verschluckt hatte.
„Kage!“, schrie Shizuka mich an, unter ihr barsten ebenfalls die Dielen. Doch ehe ich sie warnen konnte, verstand ich weshalb sie meinen Namen gerufen hatte. Das Loch, welches ich irgendwie mit meinem Kopf verursacht hatte, breitete sich weiter aus, weitere Dielen splitterten unter meinem Gewicht und der sichere Halt unter meinen Beinen verschwand. Ich riss einen Arm hoch, wollte mich irgendwo festhalten, doch da verschwand auch schon das Letzte, was mein Gewicht noch hielt und ich fiel in tiefe, gähnende Leere, die jeglichen Sauerstoff aus meinen Lungen pumpte, meine Augen tränen ließ und mich in eine tiefe Ohnmacht geleitete. Bis zum Tod.
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