Wer ist dein Lieblingszwerg?

von Capsuna
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
09.07.2014
09.07.2014
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Ralfie schob sich glücklich seine Zwergenmütze zurecht und wendete dann den Speisen vor sich auf dem Tisch seine Aufmerksamkeit zu. Er und die anderen Zwerge feierten gerade mit einem Festessen, dass er nach so langem Bemühen endlich in ihre Gruppe aufgenommen wurde. Alle Zwerge redeten wild durcheinander und lachten – na gut, bis auf Cloudy, aber wenn der lachen würde, hätten sie gleich einen zweiten Grund zum Feiern und Ralfie würde komplett die Show gestohlen werden. Tatsächlich hatte dieser gerade ziemlich schlechte Laune und stocherte nur lustlos in seinem Essen herum. „Also ich find, das ist eine prima Idee!“, antwortete Sunny auf Cookie's Vorschlag, das Haus wieder zu ent – renovieren, jetzt, wo Schneewittchen ausgezogen war und versuchte, seinen Bruder neben ihm zu ignorieren. Er konnte nicht verstehen, wie jemand bei einer Feier so schlechte Laune haben konnte. Na gut, er konnte generell nicht verstehen, wie jemand schlechte Laune haben konnte, aber bei einer Feier noch weniger. „Dann könnten wa auch die Bedden wieda rischtisch hinstellen“, pflichtete Speedy bei, „und müssten uns nischt mehr streiden, wer oben schläft.“ „Da hat Speedy ausnahmsweise mal Recht“, sagte auch Tschakko, „morgen wird das Haus umgebaut!“ Auf einmal schob Cloudy seinen Teller von sich, stand auf und verließ wortlos die fröhliche Runde in Richtung Wald. Überrascht und etwas verwirrt sahen ihm die anderen sechs Zwerge hinterher. „Tschüüüss!“, winkte Bubi ihm nach. „Wo will der denn jetz' hin?“, wunderte sich Speedy mit großen Augen. „Cloudy, wo gehst du hin?“, rief Cookie ihm hinterher, bekam aber keine Antwort. Der angesprochene Zwerg verschwand einfach im Wald. „Vielleicht will er Ralfie nicht dabei haben“, schlug Bubi vor. „Vielleicht schmeckt's ihm nicht“, Cookie sah voller Selbstzweifel auf die von ihm zubereiteten Speisen. „Männer!“, rief Tschakko, „hört auf, euch darüber Gedanken zu machen! Cloudy ist doch immer so! Jetzt wird weitergefeiert!“ „Ja!“, stimmten Ralfie, Bubi, Cookie und Speedy zu und wollten dann auch genau das tun, als Sunny sagte: „Nein, heute ist er irgendwie noch muffeliger drauf als sonst.“ „Du kannst das unterscheiden?“, Cookie sah ihn verwundert an. „Klar, ich kenn doch meinen Bruder! Irgendwas stimmt mit ihm nicht“, Sunny grinste und stand auf, „aber ich kann ihn bestimmt wieder aufmuntern!“ Damit verschwand der zweite Zwerg in dieselbe Richtung.

Eine Weile irrte Sunny zwischen den Bäumen umher, bis er nach kurzer Zeit an einen Bach kam und sich umsah. Seine Miene hellte sich auf, als er Cloudy sah, der ein paar Meter weiter am Ufer gegen einen Baum gelehnt saß und nachdenklich kleine Steinchen ins Wasser warf. „Cloudy!“, rief er, erfreut, dass er ihn so schnell gefunden hatte. Dieser drehte sich zu ihm um und rollte genervt mit den Augen: „Was willst du?“ „Was machst du hier?“ „Das, was ich da hinten nicht kann: Allein sein.“ „Oh, das ist 'ne gute Idee! Da mach ich mit!“, entschlossen lief er auf ihn zu und setzte sich neben ihn. Cloudy stöhnte zwar genervt auf und schüttelte den Kopf, sagte aber nichts. Eine Weile herrschte Schweigen, in dem man nur die Vögel zwitschern und Cloudy's Steine leise 'platsch' machen hörte. Irgendwann wurde Sunny das zu langweilig, weswegen er fragte: „Woran denkst du gerade?“ „Daran, dass ich gehen will.“ „Was?“ „Ja. Ganz weg. Ein neues Kapitel in meinem Leben anfangen.“ Sunny sah ihn geschockt an: „Du willst uns verlassen?“ „Ja.“ „Aber … das geht nicht! Dann sind wir ja gar keine sieben mehr!“ Und Sunny ganz alleine. Nun ja, nicht direkt alleine, aber ohne seinen Bruder - und auch, wenn die beiden sich nicht immer verstanden hatten, musste Sunny zugeben, dass er noch nie irgendwo ohne Cloudy gewesen war und nicht wusste, ob er das überhaupt schaffen würde. „Sucht euch doch jemand anderes.“ Er wollte aber keinen anderen Bruder! „Aber ich glaub nicht, dass das so ein guter Plan ist. Die anderen Zwerge würden dich bestimmt vermissen! Und denk an Schneewittchen!“ Cloudy schnaubte: „Weiber. Und den anderen wär das egal. Die wären doch froh darüber.“ „Das stimmt doch gar nicht!“ „Ach ja? Und was war gerade eben?“

*Flashback *
Ein paar Minuten, bevor diese Geschichte begann, deckten die Zwerge gemeinsam den Tisch, indem sie abwechselnd zu Cookie in die Küche liefen und mit schon fertigem Essen oder Besteck wieder den Tisch ansteuerten. „Also ich find's toll, dass Ralfie jetzt dabei ist!“, strahlte Sunny und Ralfie lächelte zurück, „ich fand schon immer, dass er total gut zu uns passt!“ „Aba mit Brummboss waren wa doch schon sieben“, sagte Speedy, „wen hädden wa denn da rausschmeisen sollen?“ Cloudy kam mit einem frisch gemachten Salat in den Händen durch den Türrahmen. „Cloudy!“, antwortete Bubi unschuldig, der mit dem Rücken zum Haus saß und kicherte. Er erntete warnende Blicke von den anderen Zwergen, was er aber durch sein Kichern nicht bemerkte: „Ohne diesen Miesepeter ist's doch eh viel lustiger!“ Cloudy stand inzwischen direkt hinter Bubi und stellte die Salatschüssel demonstrativ genau vor seine Nase. Bubi zuckte zusammen, als auf einmal genau vor seinen Augen der Salat auftauchte und sah dann hinter sich, um zu schauen, von wem er eigentlich kam: „Oh, Cloudy! Wie lustig, ich hab gerade eben noch von dir gesprochen!“
*Flashback Ende *

„Ach, das hat er bestimmt nicht so gemeint!“, behauptete Sunny. Cloudy schnaubte: „Oder der Tag, an dem wir eine Überraschungsparty für Schneewittchen machen wollten?“

*Flashback *
Cloudy lief durch den Wald und ließ seinen Blick schweifen. Nachdem Cookie klar gesagt hatte, dass er bei der Vorbereitung der Überraschungsparty für Schneewittchen nicht helfen wollte, hatten die übrigen fünf Zwerge die Aufgaben unter sich aufgeteilt. Sunny war für die Deko zuständig, Speedy und Tschakko für den Grill, Bubi sollte aufpassen, dass Brummboss nicht hereinplatzte und Cloudy sollte das Essen besorgen. Seine erste Idee war, etwas von Zuhause aus der Küche zu holen, aber dort angekommen war er auf Cookie gestoßen, der beleidigt mit verschränkten Armen und verletztem Blick nicht dazu bereit war, ihn in die Küche zu lassen. Deswegen lief er jetzt durch den Wald und schaute sich nach etwas Essbarem um, fand aber einfach nichts. Er wollte gerade umkehren und den anderen gestehen, dass das mit dem Festessen wohl nichts werden würde, als er aus dem Augenwinkel etwas rotes sah. Er drehte sich um und sah einen Tomatenstrauch mit großen, roten Tomaten, die in der Sonne glänzten und ihn förmlich anschrien. Sofort lief er zu dem Strauch und kniete sich hin, musste dann aber feststellen, dass die Tomaten von Nahem lange nicht so schön waren wie noch gerade eben. Kaum drehte er eine um, präsentierte sie ihre andere, von verschiedensten Tieren angefressene Seite, die er vom Waldweg aus nicht hatte sehen können. Die meisten Tomaten waren nur noch halb vorhanden, er fand lediglich eine Tomate, die noch ganz war. Und mit dieser Tomate machte er sich frustriert wieder auf den Rückweg.
Rasch näherte er sich seinem Ziel. Bubi saß auf seinem Wachposten – einem Baumstumpf – und war total darin vertieft, einen Zapfen in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen und dabei wie verrückt zu kichern. „Wo Cloudy wohl so lange bleibt?“, hörte er Speedy fragen. „Vielleicht verhandelt er mit Cookie um seine Vorratskammer“, Tschakko zuckte mit den Schultern, „der bewacht die schließlich wie ein Schießhund.“ „Vielleicht braucht er aber auch nur so lange, weil ihm die vielen Lebensmittel immer wieder runterfallen und er öfters gehen muss!“, rief Sunny optimistisch aus dem Hintergrund, wurde aber überhört. „Oder er hat sich verpisst“, beendete Tschakko seinen Satz knapp. Speedy zog die Augenbrauen hoch: „Warum sollde er das denn tun?“ „Denk doch mal nach! Cloudy! Und eine Überraschungsparty! Dass er sich nicht gleich zu Cookie gesetzt hat, grenzt doch schon an ein Wunder!“ „Eigentlisch passt er ja gar nich zu uns“, fiel jetzt auch Speedy auf, „ich frage mich … ich frage mich, warum er überhaupt ein Zwerg geworden ist..“ „Ich glaub, Sunny hat ihn gezwungen“, antwortete Tschakko mit einem Blick auf den kleinen Zwerg, der nicht weit entfernt verzweifelt versuchte, ein riesiges Schild aufzuhängen, „aber das ist ja auch egal. Eine große Hilfe ist er uns gerade jedenfalls nicht! Da wären wir besser ohne ihn dran! Und jetzt leg endlich das Holz in den Grill! Zack, zack!“
*Flashback Ende *

„Das haben die doch nur so gesagt“, sagte Sunny und versuchte, das möglichst glaubhaft rüberzubringen, „war bestimmt nicht ernst gemeint!“ Aber Cloudy ging nicht darauf ein:„Oder der Tag, an dem wir im Schloss den Sieg über die böse Königin gefeiert haben?“

*Flashback *
Brummboss, Schneewittchen, ihr Mann, Spliss und die restlichen sechs Zwerge saßen im Thronsaal um eine reich gedeckte Tafel und … nein, das stimmt gar nicht, ein Platz war gerade frei, weil Cloudy mal für kleine Zwerge musste, aber der Rest saß um eine reich gedeckte Tafel und feierte ihren Sieg über die Königin. Wenn es etwas zu feiern gibt, wird halt traditionell immer gegessen. Alle redeten wild durcheinander, bis auf Bubi, der, so schnell wie er konnte, möglichst viel Essen in sich hineinschaufelte. Brummboss sah zu Schneewittchen und dem Pagen hinüber, die sich verliebt anlächelten. Als der Ex-Narr von Tschakko in ein Gespräch verwickelt wurde, ergriff der ehemalige Zwergenanführer die Chance und sprach Schneewittchen an: „Bist du glücklich mit ihm?“ „Ja!“, antwortete sie, ohne zu überlegen, „endlich habe ich meinen Traumprinzen gefunden!“ „Das freut mich“, lächelte er und sah in die Runde, „obwohl die Zwerge – ganz gleich, welcher – auch keine schlechte Wahl gewesen wären.“ Speedy sah auf. „Ja, natürlich, aber ich habe mich für jemand anderen entschieden“, war Schneewittchens höfliche Antwort darauf. „Für wen häddest du disch denn entschieden, wenn du deinem Draumprinzen nich begegnet wärs'?“, fragte Speedy. „Speedy!!“, riefen daraufhin alle anderen Zwerge entrüstet und schüttelten verständnislos die Köpfe. „Ach, naja, also … darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht“, Schneewittchen versuchte, auszuweichen, um niemanden zu verletzen, „ihr seid alle toll ... da könnte ich mich wahrscheinlich gar nicht entscheiden.“ Hilfesuchend starrte sie ihren Vater an. Doch bevor dieser das Thema wechseln oder auch nur irgendwas erwidern konnte, fragte Bubi vom anderen Ende der Tafel mit einem engelsgleichen Gesichtsausdruck: „Wer ist denn dein Lieblingszwerg?“ Tschakko sah kurz zu ihm rüber und merkte, dass Cloudy, der zwischen Bubi und Sunny gesessen hatte, immer noch nicht zurückgekehrt war – vielleicht hatte er sich in den vielen Gängen des Schlosses verlaufen – und ihm somit nicht aushelfen konnte. Entschlossen stand er also auf, ging um den halben Tisch herum, schlug Bubi auf den Hinterkopf und ging zu seinem Platz zurück. Bubi kicherte kurz und schaute Schneewittchen dann weiter fragend an. „Ach, wie gesagt, ich mag jeden von euch! Ich könnte gar nicht sagen, wen ich am liebsten habe oder für wen ich mich entschieden hätte … ich bin sicher, in jedem von euch steckt ein Traumprinz.“ „Naja, außer in dem Kleinen mit der dauerhaft schlechten Laune“, meinte ihr auserwählter Traumprinz mit einem Grinsen, „mit dem hält's doch keine Perle auch nur drei Tage aus, da wird die doch depressiv, da wette ich drauf!“ Einstimmiges Lachen bekam er als Antwort. „Datt kannste mir nich erzählen, dass der dein Lieblingszwerg ist!“ Schneewittchen lachte: „Nein, da hast du Recht!“ „Eher ein … Anti – Lieblingszwerg!“, sagte Speedy, worauf ihm die anderen zustimmten. „Aber er gehört trotzdem zu uns“, sagte Cookie und hob sein Glas, „auf Cloudy!“ „Auf Cloudy!“, riefen die anderen, hoben ebenfalls ihre Gläser und hielten auf einmal inne, als sich Cloudy, der unbemerkt wieder hereingekommen war, in seinen Stuhl fallen ließ.
*Flashback Ende *

Cloudy verschränkte die Arme. „Ach, komm schon, das war doch nur Spaß!“, rief Sunny mit einem aufgesetzten Grinsen, „jetzt lass uns endlich zurück zu den anderen gehen!“ Er stand auf, aber Cloudy rührte sich nicht. Sunny seufzte und kniete sich wieder hin: „Ist doch egal, was die anderen denken. Dafür … bist du mein Lieblingszwerg!“ Cloudy sah ihn an und Sunny meinte, den Anflug eines leichten Lächelns erkennen zu können. Er strahlte: „Und jetzt komm! Sonst feiern die noch ohne uns!“ Er packte ihn am Arm und machte Anstalten, ihn wegzuziehen. Schließlich gab Cloudy nach, stand auf und wurde von seinem Bruder zurück zum Zwergenhaus geschleift.
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Und das war's auch schon :) Die Idee wollte mich einfach nicht wieder loslassen, wie das halt so ist, wenn man FFs schreibt ;)
Das ist übrigens so gut wie meine erste Zwergen-FF und generell meine erste FF im Bereich 'Kinofilme', also wär ich über Feedback und konstruktive Kritik sehr dankbar :)
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