Was sich neckt, das liebt sich!

GeschichteRomanze / P16 Slash
Josef Kostan Mick St. John
07.07.2014
15.09.2014
6
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Hey Leute,
ich will euch gar nicht lange aufhalten, sondern euch nur noch schnell ein paar kleine Hintergrundinfos geben: Die Geschichte spielt irgendwann nach Coralines Tod, aber vor der ganzen Geschichte mit Beth, beziehungsweise kommt es in meiner Geschichte gar nicht erst dazu, dass Mick sie kennen lernt, aber findet es selbst heraus. :) Viel Spaß beim Lesen!
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„Wo bleibt der Kerl denn nur?“, dachte Josef Kostan und tippte ungeduldig mit seinen Fingernägeln auf die Arbeitsplatte in der Küche. Genauer gesagt in Micks Küche. Was er dort tat? Er wartete. Auf Mick. Allerdings schien es dieser nicht für nötig zu befinden, Josef mit seiner Anwesenheit zu beehren.
Josef seufzte theatralisch, lief einen Moment in der Küche auf und ab, ehe er beschloss, sich selbst einen Drink zu servieren. Als er das Glas an die Lippen hob und das Blut kostete verzog er das Gesicht. Er hasste Konservenblut. Für ihn war es unverständlich, wie Mick sich von so etwas Widerwärtigem ernähren konnte, gab es doch nicht Köstlicheres als frisches Blut aus einem lebendigen, pulsierenden Körper. Bei dem Gedanken begann sein Magen zu grummeln und widerstrebend nahm er noch einen Schluck. Und verzog das Gesicht erneut. Eigentlich war es unter seiner Würde, so etwas zu trinken, aber ihm war langweilig und er hatte Durst.

Verdammt noch mal, er hatte echt keine Lust mehr, auf Mick zu warten. Völlig entnervt ging er in Micks Wohnzimmer und ließ sich in einem der Sessel nieder. Der Grund für sein Erscheinen war reine Langeweile gewesen und er hatte gehofft, Mick für ein Wortgefecht begeistern zu können. Danach ging es ihm immer besser. Es machte einfach Spaß mit dem jüngeren Vampir zu streiten, vor allem, weil Josef wusste, dass er immer Recht hatte. Zu irgendetwas mussten seine 400 Jahre Lebenserfahrung ja schließlich gut sein.
Außerdem war sein Tag ziemlich enttäuschend gewesen, weshalb er jemanden benötigte, an dem er sich abreagieren konnte. Und Mick war dafür nun einmal perfekt geeignet. Wofür waren beste Freunde denn sonst da?

Insgeheim bewunderte Josef Mick dafür, dass er seine Launen aushielt und ihn immer wieder auf den Boden zurück holte, auch wenn er sich jedes Mal aufs Neue fragte, warum Mick nicht einfach akzeptieren konnte, dass er ein Vampir war und auch für immer einer bleiben würde.
Josef nahm einen weiteren Schluck seines nicht erfüllenden Getränks und stellte das Glas dann auf dem Couchtisch an. Jetzt wieder relativ gelassen lehnte er sich zurück und legte die Fingerspitzen aneinander. Er hatte inzwischen so lange gewartet, dass es ihm auf die paar Minuten auch nicht mehr ankam. Mittlerweile war er sich nämlich ziemlich sicher, dass Mick bald auftauchen würde. Und dann würde sein Tag endlich eine Wendung nehmen, an der er Gefallen finden würde.
Keine zehn Minuten später hörte Josef tatsächlich Schritte auf dem Flur, die ihm mehr als bekannt waren. Er kannte Mick so gut, dass er ihn jedes Mal, wenn er sich ihm näherte, sofort erkannte. Und sei es an seiner Art zu gehen oder sogar zu atmen.

Josef setzte ein zufriedenes Lächeln auf, als sich der Schlüssel im Schloss drehte und die Tür sich öffnete, doch als sein Blick zum ersten Mal auf Mick fiel, wusste er sofort, dass etwas nicht stimmte.
Der Geruch von Blut hing schwer in der Luft und Josef brauchte nur eins und eins zusammenzuzählen, um zu wissen, zu wem es gehörte. Das erklärte nämlich auch die Tatsache, dass Mick sich in einer leicht gekrümmten Haltung fortbewegte.
Josef versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, dass sich Sorge um seinen Freund in ihm regte, was ihm natürlich mühelos gelang. „Mick St. John, wo hast du sich denn nun schon wieder herumgetrieben?“, tadelte er seinen Freund und warf ihm einen durchdringenden Blick zu. Die Tür fiel hinter Mick ins Schloss und es schien, als hätte er Josef erst bemerkt, als sich dieser zu Wort gemeldet hatte.
„Was willst du hier, Josef?“, brachte Mick gepresst hervor. Josef legte den Kopf schief und musterte seinen Freund, ohne zu antworten. Mick sah furchtbar aus. Seine Haare waren zerzaust, seine Kleidung zerrissen und in seinen Augen lag ein gehetzter Blick. „Und ich habe mich nicht herum getrieben“, ergänzte Mick nach einem kurzen Schweigen. Es schien ihm Mühe zu machen, zu sprechen.

Langsam erhob Josef sich und wollte auf seinen Freund zugehen, doch dieser mied ihn und verzog sich leicht taumelnd in die Küche. „Erklär mir das“, forderte Josef und deutete auf das Blut, das in regelmäßigen Abständen auf den Boden tropfte. „Verzieh dich, Josef“, fauchte Mick, der sich mit hastigen Bewegungen an seinem Geheimfach, in dem er seine Blutreserven aufbewahrte, zu schaffen machte.
Josef gab ein „Tse, tse, tse“ von sich und beobachtete Mick dabei, wie dieser gierig ein der mit Blut gefüllten Beutel aufriss und sich den Inhalt einverleibte. Mick machte sich nicht die Mühe, darauf zu achten, wo er das Blut überall verteilte. Dafür waren die Schmerzen einfach zu groß. Er konnte nicht mehr. Das Silber in seinem Körper setzte ihm erheblich zu und er fragte sich, wie weit er wohl von einem Ohnmachtsanfall entfernt war.

„Ich warte immer noch auf eine Erklärung“, erinnerte ihn Josef und Mick sah im zum ersten Mal in dieser Nacht in die Augen. Zwar behielt Josef seine Maske der Gleichgültigkeit und Arroganz aufrecht, doch Mick konnte in seinen Augen sehen, dass er sich Sorgen machte. Josef hingegen konnte in Micks Augen nichts lesen. Dessen Augen funkelten ihn nur weiß an. Micks Eckzähne waren noch immer ausgefahren und er vermittelte noch immer den Eindruck eines gehetzten Tieres.
„Ich habe keine Lust, mich mit dir rumschlagen zu müssen, ich habe meine eigenen Probleme“, brachte Mick gepresst hervor und wischte sich mit dem Ärmel über den noch immer blutverschmierten Mund.
Genervt verdrehte Josef die Augen. Dass Mick auch immer aus einer Mücke einen Elefanten machen musste! „Es geht hier doch gerade gar nicht um mich, sondern um dich, du genialer Detektiv. Und jetzt rück endlich heraus mit der Sprache“, forderte Josef mit ruhiger Stimme.
Mick schwieg eine Weile, dann seufzte er und gab nach. Er hatte nicht mehr die Kraft, um sich mit Josef zu streiten. „Ich habe da so einen Fall. Ich habe dir schon davon erzählt, erinnerst du dich?“ Mick bekam einen Hustenanfall und musste sich für einen Augenblick unterbrechen, doch Josef wartete geduldig, bis sich der andere Vampir wieder gefangen hatte und mit seinem Bericht fortfuhr.
„Jedenfalls ist heute gehörig was schief gelaufen. Es war eine Art Falle. Sie haben mich überrumpelt und naja…“, Mick machte eine theatralische Pause, „mich angegriffen“. Josef nickte bedächtig und nahm seinen Freund noch einmal genauer in Augenschein. Angesehen davon, dass er noch blasser als sonst war, lief ihm Schweiß über die Stirn und noch immer tropfte Blut auf den Boden. Mick machte einen sehr erschöpften Eindruck und Josef fragte sich, ob er wohl in den nächsten Minuten umkippen und das Bewusstsein verlieren würde.

„Silber?“, hakte Josef nach. Sein Gegenüber nickte geschwächt. „Sie haben mir in den Rücken geschossen, als ich gehen wollte. Dann haben sie mich durch ein Glasfenster aus dem Gebäude nach draußen befördert.“ Mick zuckte bei der Erinnerung daran zusammen. „Das hört sich sehr schmerzhaft an“, kommentierte Josef, der noch immer versuchte, seine unbewegte Miene aufrecht zu erhalten. „War es auch“, murrte der andere Vampir und stütze sich an der Küchenzeile ab, um dich umzufallen.
Dann gab Josef sich einen Ruck. Mick brauchte ihn! Sein Freund hatte ihm schon oft aus der Patsche geholfen und umgekehrt und jetzt war es an Josef, seinem Freund zu helfen. Außerdem machte ihn das ganze krank vor Sorge. Mick war die einzige Person, der einzige Vampir, der ihm wirklich etwas bedeutete. Da konnte er ihn doch nicht einfach hängen lassen.
„Zieh deine Jacke aus“, forderte Josef Mick auf, der ihn nur verständnislos anstarrte. Josef seufzte und rollte erneut mit den Augen. „Jetzt mach schon“, sagte er nachdrücklich. Zögerlich pellte Mick sich aus seiner Jacke und legte sie auf die Arbeitsplatte neben ihm. Er warf Josef einen Blick zu, der so viel wie „Und was jetzt?“ bedeuten sollte.

„Das Shirt auch“, ergänzte Josef, doch Mick machte keine Anstalten, seiner Aufforderung nachzukommen. „Jetzt stell dich nicht so an, Mick“, sagte Josef genervt und warf Mick einen durchdringenden Blick zu. „Oder willst du dir die Kugeln selber aus dem Rücken pulen? Na dann viel Spaß!“ Josef drehte sich um und tat so, als würde er gehen wollen. „Ist ja gut“, konnte er Mick murmeln hören. Mit einem Lächeln auf den Lippen wandte sich Josef wieder seinem Freund zu. „Na also“, kommentierte er mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Dass er sich ernsthaft um Mick sorgte, ließ er ihn nicht spüren.
Josef sah mit hochgezogenen Augenbrauen dabei zu, wie Mick versuchte, sich das Shirt über den Kopf zu ziehen, dann jedoch vor Schmerz zusammenzuckte und innehielt. „Das kann sich ja niemand mit ansehen“, bemerkte der ältere Vampir und ging zu seinem Freund hinüber. Ohne Vorwarnung packte er Micks Oberteil und riss es in zwei Hälften, sodass dieser nun mit nacktem Oberkörper vor ihm stand. Josef musste sich selbst eingestehen, dass Mick für einen 90jährigen Mann noch ziemlich gut aussah. Wenn nicht sogar heiß. Rasch schob er diesen Gedanken beiseite und widmete sich wieder seiner eigentlichen Aufgabe.

„Das Shirt war eh schon ruiniert“, erklärte Josef, als ihn der Jüngere böse anfunkelte. „Umdrehen“, befahl Josef nun, da er Micks Verletzungen in Augenschein nehmen wollte. Da Mick sich nicht rührte und ihn einfach nur anstarrte, packte der Ältere ihn an den Schultern und drehte ihn eigenhändig um. Als er einen Blick auf dessen geschundenen Rücken werfen konnte, sog er scharf die Luft ein. Mehrere Einschusslöcher, aus denen Blut sickerte, und große Glassplitter entstellten Micks Rücken. „Wenn du mich fragst, dann sieht das auch ziemlich schmerzhaft aus“, witzelte Josef, um die Situation aufzulockern. Scheinbar schien das jedoch nicht zu funktionieren, da Mick ein „Ich hab‘ dich aber nicht gefragt“, fauchte.
Josef fuhr sich mit einer Hand über die Augen. Manchmal konnte Mick echt kratzbürstig sein. „Leg dich da hin“, befahl Josef und deutete auf den glücklicherweise leeren Esszimmertisch. „Das werde“, setzte Mick an, doch er wurde von einem lauten Knurren seitens Josefs unterbrochen. Als Mick einen Blick über seine Schulter warf, konnte er die Augen seines Freundes weiß leuchten sehen. Scheinbar hatte Mick seine Geduld nun ausgereizt.
Ohne weiteren Widerstand ging Mick zu dem Tisch und legte sich hin. Jede seiner Bewegungen schmerzte und er musste die Zähne aufeinanderpressen, um nicht aufzustöhnen. Die Oberfläche des Tisches war kühl, doch Mick störte sich nicht daran. Eigentlich bekam sie ihm sogar gut.
Josef war in der Zwischenzeit in der Küche verschwunden und hatte die benötigten Utensilien zusammengesammelt. Mit eben diesen bewaffnet gesellte er sich zu Mick, der die Arme verschränkt und seinen Kopf auf sie gebettet hatte. Josef gefiel der Anblick, Mick halbnackt unter sich liegen zu sehen und… Moment! Was dachte er sich da überhaupt? Okay, ja er war über 400 Jahre alt und hatte natürlich sowohl mit Frauen, als auch mit Männern diverse Erfahrungen gemacht, aber Mick war sein bester Freund und nicht einfach irgendein dahergelaufener Gelegenheitsfick oder so etwas!
Josef schüttelte energisch den Kopf, um diese Gedanken zu verscheuchen. Er konnte es sich nicht erlauben, so etwas zu denken! Vor allem nicht jetzt. Während Josef noch einen Moment mit sich haderte und versuchte, einen klaren Kopf zu bekommen, kämpfte Mick darum, bei Bewusstsein zu bleiben.

„Josef?“, fragte Mick leise, da er seit geraumer Zeit kein Geräusch des Anderen mehr wahrgenommen hatte und um sich zu vergewissern, dass er noch da war. „Ja?“, kam die Antwort kurz darauf. Mick überlegte einen Augenblick, was er jetzt sagen sollte. Sein Verstand war vernebelt vor Schmerz und natürlich trug auch das Silber in seinem Körper dazu bei. Er konnte nicht mehr klar denken. Er wollte nur, dass Josef bei ihm blieb. „Bitte, beeile dich“, keuchte Mick schließlich.
Da Mick sein Gesicht nicht sehen konnte, ließ Josef seine Maske fallen, da es ihn einige Anstrengung gekostet hatte, seine Emotionen vor Mick zu verbergen. Jetzt aber sah er voller Sorgen auf seinen Freund hinab, der immer weiter in Richtung Delirium driftete. Ohne noch länger zu zögern, griff Josef nach einer Pinzette und zog, ohne viel Aufhebens zu machen, einen der größeren Glassplitter aus Micks Rücken. Dieser schien noch nicht so umnachtet zu sein, wie Josef angenommen hatte, denn er knurrte und versuchte, sich Josefs Reichweite zu entziehen.

Josef fauchte gebieterisch und packte Mick am Arm. Er hatte keine Lust mehr auf Spielchen. Das hier war eine ernstzunehmende Situation, in der er es überhaupt nicht gebrauchen konnte, wenn Mick sich ihm widersetzte. „Halt verdammt noch mal still, oder ich binde dich am Tisch fest“, knurrte er und das schien tatsächlich zu sitzen, denn Mick verstummte und hörte auf, sich zu wehren.
Eigentlich fand Josef den Gedanken, Mick an den Tisch zu fesseln sehr verführerisch… Am liebsten hätte er sich für diesen Gedanken selbst geohrfeigt. Das gehörte wirklich nicht hier her! Und dennoch… Um sich nicht in seinen Hirngespinsten zu verlieren, widmete sich Josef wieder seinem Patienten. Diesmal hatte er vor, eine der Silberkugeln zu entfernen. „Schön die Zähne zusammenbeißen“, riet Josef ihm noch, ehe er unbarmherzig begann, in der Wunde herumzustochern, um schließlich triumphierend die Kugel ans Licht zu befördern. Mick stöhne auf vor Schmerz kniff die Augen zusammen. Seine Atmung kam nur stoßweise und gepresst.
Ihm war fast so, als würde Josefs Hand sanft über seinen Rücken streichen, doch das entsprach wohl kaum den Tatsachen. Schließlich schrieb Mick diese „Halluzination“ seinem schlechten Gesundheitszustand zu. „Es ist bald vorbei“, konnte er Josef flüstern hören, ehe ihn eine weitere Welle des Schmerzes erfasste, als der ältere Vampir sich wieder seinen Wunden widmete. Alles in ihm war aufgewühlt und er hatte Angst. Wovor wusste er selber nicht so genau. „Josef“, hauchte er, dann sank er endgültig in die Bewusstlosigkeit hinab, umgeben von unerträglichen Schmerzen.
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