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MJ & Peter

von Kaee
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P6 / Gen
Peter Parker / Spiderman
07.07.2014
07.07.2014
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618
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07.07.2014 618
 
Ich lag auf dem Bett und zwirbelte eine rote Haarsträhne meiner Freundin um den Finger. MJ hockte neben mir, hatte die Beine an den Körper gezogen und das Kinn auf die Knie gelegt. Sie musterte mich mit einem Blick, den ich nicht ganz einordnen konnte. Ich wich ihr aus und starrte stattdessen an die Decke.

Ich spürte, wie sie durch meine Haare strich. „Du bist traurig“, stellte sie fest. Es brachte eh nichts, es zu leugnen, also seufzte ich und sagte: „Es ist nur – ich hätte es verhindern können!“ Da war wieder dieser Kloß aus Schuldgefühlen, den ich seit dem Vorfall auf der Brücke in meinem Inneren hin und her bewegte – und seitdem war er nicht leichter geworden.
Sie nahm die Hand aus meinen Haaren und schüttelte entschlossen den Kopf. „Sag das nicht“, sagte sie. „Du hast getan, was du konntest. Du hättest den Jungen nicht retten können.“

Nein, hätte ich nicht. Ich kniff die Augen zusammen und da kam es wieder: Dieses schreckliche Bild. Der kleine Junge, der dem Wasser entgegen fiel … meine Netze, wie ihm viel zu spät entgegenflogen … und dann dieser schreckliche Aufschlag auf dem Wasser … einen Moment lang fehlte mir die Luft zum Atmen.
Ich machte die Augen auf und die Szene wich dem Gesicht von MJ. „...wäre ich nur schneller gewesen.“, murmelte ich leise und lehnte meinen Kopf an ihr Bein. Sie schüttelte den Kopf.
„Peter“, sagte sie sanft. „Du bist … du bist nur ein Mensch.“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, nein.“, sagte ich. „Ich hätte es schaffen können. Ich hatte die … die Chance ihn zu retten. Aber ich war zu spät.“

Dieses Gefühl der Ungerechtigkeit, die Schuld – sie bäumte sich in mir auf wie eine riesige Welle. Ich setzte mich auf und fuhr mir mit den Händen übers Gesicht.
Wie konnte ich nur noch hier sitzen? Wie konnte ich es ertragen? Es war meine Schuld.
MJ rückte auf dem Bett ein bisschen hin und her. Ich spürte, dass sie nicht wusste, was sie tun sollte. Sie strich über meinen Arm, doch sie zog die Hand schnell weg. Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen schossen. Meine Augen brannten und mein Gesicht wurde heiß.
„Wie kann ich das nur wieder gutmachen?“, fragte ich leise. MJ drückte mein Handgelenk. Ich löste meine Hand, die ich unbewusst in meinen Haaren vergraben hatte und ließ ihre Hand in meine gleiten.

„Peter, hey. Sieh mich an“, verlangte sie. Ich hob den Kopf und blickte ihr ins Gesicht. Sie hatte ihre Augenbrauen zusammengezogen. „Das ist nicht deine Schuld“, sagte sie. „Menschen sterben. Jeden Tag. Du kannst sie nicht alle retten.“ „Wenn nicht ich, wer dann?“, erwiderte ich. „Niemand“, antwortete sie mit Nachdruck. „Niemand kann das.“
Ich löste meine andere Hand vom Bein und ergriff ihre zweite Hand. So saßen wir uns schließlich gegenüber, jeder hielt die Hände des anderen, während MJ fortfuhr: „Peter, du hast schon so viele Leben gerettet.“

Sie hielt kurz inne. „Der Junge – er war einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Vielleicht hättest du ihn retten können. Vielleicht. Aber stattdessen hast du hunderten von anderen Menschen das Leben geretten.“
Ich spürte, wie dieses schreckliche Kribbeln unter meiner Haut langsam wich. MJ hatte Recht. Ich habe heute viele Menschen gerettet. Tatsächlich war der Tod des Jungen nicht wirklich meine Schuld.

Rhino hatte die Brücke zerstört, nicht ich.
Es war seine Schuld. Und er würde dafür bezahlen.
Ich strich mit dem Daumen über MJs schmale Hand. Sie lächelte mich an. Dann rückte sie näher und kuschelte sich an meine Schulter. Wir ließen uns gleichzeitig nach hinten auf ihr Bett fallen und ich zog sie näher an mich heran.
Eins nach dem anderen. Und MJ würde für mich vor allem anderen kommen – immer.
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