Sonne am Winterhimmel

von cmc
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
06.07.2014
14.09.2014
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Dieses Kapitel
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Hallo Ihr Lieben,

heute startet die Geschichte „Winterhimmel“ aus der Sicht von Nils. Eines kann ich euch versprechen: Der TaTü-Verbrauch wird deutlich geringer sein als bei „Winterhimmel“. Updates wird es wie bisher – soweit es mein Zeitplan zulässt – jeden Sonntag geben.

Für alle neuen Leser: Die abgeschlossene Story „Winterhimmel“ erzählt die Liebesgeschichte aus der Sicht des anderen Protagonisten, Jan.

Wie immer freue ich mich riesig über Reviews, auch über Kritik, über Favoriteneinträge und Mails. Für alle, die einen Account bei BookRix haben: Auch dort geht die Geschichte heute noch online.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass Euch Nils' Geschichte gefällt.

Schönen Sonntag wünscht Euch

Chrissy

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„Nächste Woche dann wieder um die gewohnte Zeit am Freitagnachmittag. Schönes Wochenende, Hr. Carstensen.“ Die Sprechstundenhilfe lächelte Nils zu und er verabschiedete sich. Während er die Praxis seines Therapeuten verließ, war er in Gedanken schon bei den Dingen, die er heute noch erledigen wollte. Erst einmal kurz ins Büro, dann Einkaufen für seine Schwester Gabi. Den Rest des Tages, na mal sehen.

Nils bog um die Ecke zur Treppe und stieß gleich darauf mit jemandem zusammen. Die Person vor ihm geriet ins Schwanken und aus Reflex griff Nils zu, gerade rechtzeitig, um zu verhindern, dass der Mann rückwärts die Treppe hinunter fiel. Nils war so erschrocken, dass er erst einmal kein Wort herausbrachte.

„Ich… Das tut mir leid“, sagte eine weiche Stimme und der Mann hob den Kopf. Goldbraune Augen schauten Nils an. Der Fremde war offenbar genauso erschrocken.

„Schon gut, es ist ja zum Glück nichts passiert“, beruhigte er den Anderen und sich selbst. Da der Mann wieder einen festen Stand hatte, ließ Nils ihn los und nickte ihm kurz zu. Ein wirklich hübscher Kerl, ging es ihm kurz durch den Kopf, während er die Treppe des Ärztehauses hinunterlief. Nils war immer noch ziemlich erschrocken über den Zusammenstoß. Mann, wenn der Typ rückwärts die Treppe runter gefallen wäre... Das hätte wirklich böse enden können.

Das Läuten des Handys unterbrach seine Gedanken, gerade als er das Auto erreicht hatte. Nils lächelte, das war der Klingelton, den er für seine Schwester Gabi eingestellt hatte. Mit ihren 34 Jahren war sie zwei Jahre älter als er selbst, und sie verstanden sich wirklich gut. Er schloss den BMW auf, stieg ein und griff nach dem Handy. „Hallo, Schwesterchen“, nahm er das Gespräch entgegen.

„Hallo, Nils. Warst du schon einkaufen? Ich hab nämlich ein paar Sachen auf der Liste vergessen.“

„Kein Problem. Ich komme gerade von meinem wöchentlichen Termin bei Dr. Hartmann. Jetzt fahre ich noch kurz im Büro vorbei und gehe dann zum Einkaufen. Was brauchst du denn noch?“ Nils griff nach seinem Terminplaner, und holte schnell die Einkaufsliste und den Kugelschreiber hervor.

„Geht es dir gut?“ erkundigte sich Gabi leise, statt seine Frage zu beantworten.

„Ja, es geht mir gut.“ Überraschenderweise stimmte das sogar. „Wirklich“, setzt er hinzu, als Gabi nicht gleich antwortete.

„Okay. Das freut mich“, hörte er sie sagen. „Also, ich brauche unbedingt noch Babyshampoo, Parmesan, von der leckeren Pfeffersalami, Blumenkohl und Kopfsalat. Hab ich dir die Babynahrung aufgeschrieben?“

Nils grinste und las seiner Schwester die Liste vor. „Fehlt noch was?“

„Ich hoffe nicht. Du bist wirklich ein Schatz.“

„Ich mach das gern für dich, das weißt du doch.“

„Hab dich lieb. Bleibst du später zum Abendessen?“

„Hab dich auch lieb, und ich esse gern mit euch.“

Nils beendete das Gespräch und fuhr zum Büro. Eigentlich hatte er an diesem Tag frei, aber er wollte noch einige Dinge mit seinem Geschäftspartner besprechen. Lars war außerdem sein bester Freund, sie kannten sich schon seit der Grundschule. Die Eventagentur hatten sie vor einigen Jahren zusammen gegründet. Anfangs war es ein kleines Unternehmen gewesen, das sie beide kaum ernähren konnte. Aber inzwischen war die Agentur ziemlich angesagt, sogar bundesweit, und sie beschäftigten 12 Angestellte.

An der offenen Bürotür blieb Nils stehen. Lars telefonierte gerade, hatte ihn aber bemerkt und winkte ihn herein. Nils grinste, während er sich auf den bequemen Stuhl vor Lars' Schreibtisch fallen ließ und den Rest des Telefonats verfolgte.

„Ja, ich freu mich auch. Bis heute Abend dann, Oliver“, beendete Lars das Gespräch kurz darauf.

„Ein Neuer?“ fragte Nils neugierig.

„Ja, ich hab ihn vor einigen Tagen im Chat kennen gelernt. Netter Typ, ich hoffe, der Sex wird gut. Ich bin definitiv untervögelt.“ Lars warf seinem Freund einen forschenden Blick zu. „Ich weiß echt nicht, wie du -“

„Mann, nicht schon wieder! Ich weiß, du machst dir Sorgen, aber lass es einfach. Bitte.“ Nils seufzte. „Ich bin nicht an meinem freien Tag hier, um über mein Sexleben zu reden. Hast du was von den Berlinern gehört?“

Lars zögerte einen Moment, ließ sich dann aber auf den Themenwechsel ein. Sie besprachen die Neuigkeiten zum Berliner Projekt, das sie für eine große Kunstgalerie planten, und schnell war fast eine Stunde vorbei.

„Okay, das war es wohl für heute.“ Nils stand auf. „Wir sehen uns dann am Dienstag.“

„Du kannst nicht ewig so weitermachen.“ Nils wusste sofort, was sein Freund meinte. Lars' Worte zeigten deutlich, dass das Thema für ihn noch nicht abgehakt war.

„Nein, kann ich nicht. Aber für den Moment schon“, erwiderte Nils leicht verärgert. „Du bist mein bester Freund, und ich bin froh, dass du immer für mich da warst und es noch bist. Aber das geht dich nichts an, das ist meine Entscheidung. Oder willst du dich etwa anbieten?“

Verärgert schauten sie sich an, dann lachte Lars los, und auch Nils musste grinsen. „Ich schätze mal, die Zeiten sind längst vorbei, oder?“ brachte Lars schließlich hervor. „Damals war das in Ordnung, heute wäre es das nicht mehr. Du stehst mittlerweile auf Sex mit Gefühlen, ich mag es unverbindlich.“

„Bis du irgendwann auch den richtigen Mann triffst“, erwiderte Nils leise und nun wieder ernst. So war es bei ihm gewesen. Alex war für ihn der Richtige gewesen. Alex... Der tödliche Unfall war nun fast eineinhalb Jahre her, aber es tat immer noch sehr weh. Nils vermisste seinen Mann, Tag für Tag. Und ja, ihm fehlte auch der Sex. Aber er konnte sich nicht vorstellen, mit einem anderen als Alex zu schlafen.

Energisch schob er die Gedanken beiseite, verabschiedete sich von seinem Freund und machte sich auf den Weg. In dem großen Supermarkt am Stadtrand kaufte Nils gerne ein, weil er dort meistens alles bekommen konnte. Für einen Freitag war heute wenig Betrieb. Na ja, es war Monatsende. Viele warteten wohl auf den Lohn, nächste Woche würde es sicher wieder voller sein. Zum Glück waren für Nils die Zeiten, in denen er ständig Geldsorgen gehabt hatte, längst vorbei.

Er ließ sich Zeit, er hasste Hektik beim Einkaufen. Mit dem ziemlich voll beladenen Wagen kam er schließlich bei der Abteilung für frisches Obst und Gemüse an. Er ließ den Wagen stehen und ging ein paar Meter den Gang hinunter. Zuerst suchte er den Salat aus, klemmte die beiden Salatköpfe mit dem Arm fest und wandte sich dem Blumenkohl zu. Die Auswahl war groß, aber die Kohlköpfe sahen alle ziemlich mickrig aus.

Nils beschloss, beim Gemüsehändler in der Stadt vorbei zu fahren und legte den Blumenkohl, den er gerade inspiziert hatte, auf die schräge Ablage zurück. Der Kohlkopf kam ins Rutschen und Nils fluchte leise. Hastig griff er danach und verhinderte, dass der Kohl auf den Boden kullerte. Bei der hastigen Bewegung geriet dann allerdings der Kopfsalat in Schräglage. Für einen Außenstehenden sah es bestimmt lustig aus, wie Nils versuchte, den Salat festzuhalten, was jedoch vergeblich war.

In dem Versuch, wenigstens einen der beiden Salatköpfe noch im Fallen aufzufangen, machte Nils unbedacht zwei Schritte zurück und stieß mit jemandem zusammen. Wieder fluchte er leise, während er sich nach dem Salat bückte. „Hey, tut mir leid“, entschuldigte er sich.

„Nichts passiert“, erwiderte eine warme Männerstimme.

Nils richtete sich auf und starrte sein Gegenüber verblüfft an. Es war der Mann aus dem Treppenhaus. Das gab es doch wohl nicht, dass er gleich zweimal mit diesem Mann zusammen stieß!
Ihm wurde bewusst, dass er den anderen Mann einfach nur anstarrte. Na ja, da gab es auch so einiges zum Anstarren. Der Fremde war etwas kleiner als er selbst, und schlank. Der Kerl war wirklich hübsch. Die goldbraunen Augen blitzen, das hellbraune Haar hatte ebenfalls einen schönen Goldstich. Etwas zu lang, aber herrlich verwuschelt. Genau richtig, um mit den Händen hindurch zu fahren. Die schmale Nase war vielleicht einen Tick zu kurz, aber das störte das mehr als angenehme Gesamtbild gar nicht.

Sag endlich was! forderte Nils sich selbst auf. „Damit wären wir dann wohl quitt“, brachte er hervor. Boah, was für ein dummer Spruch! Mehr fiel ihm nicht ein? Dennoch musste er grinsen, und der andere Mann lächelte zurück. „Das gibt doch dem Sprichwort recht, dass man sich immer zweimal trifft“, fügte Nils etwas unbeholfen hinzu.

Der andere Mann lachte kurz auf. Ja, an seiner Stelle hätte Nils jetzt wahrscheinlich auch gelacht. Er war total aus der Übung, und... Stopp! Aus der Übung? Er dachte wohl nicht im Ernst darüber nach, mit dem Mann zu flirten, oder? Doch, tat er. Aber so wurde das sicher nichts.

„Sieht so aus“, erwiderte der Fremde belustigt. Um seinen festen Mund lag ein breites Lächeln, und Nils fragte sich unwillkürlich, wie sich dieser Mund wohl auf seinem anfühlen würde. Oder auf seinem Körper, der sofort in eindeutiger Weise auf den Gedanken reagierte.

Himmel nochmal, er stand mitten in einem großen Supermarkt und bekam einen Steifen, weil ein Fremder ihm zulächelte? Plötzlich wollte Nils so schnell wie möglich weg. Das fehlte ihm gerade noch, dass er sich hier total lächerlich machte. Er schaffte es, ein unverbindliches Lächeln aufzusetzen. „Dann noch einen schönen Tag, ohne weitere Zusammenstöße“, gab er zurück und nickte dem Anderen zu. Schon besser, das wirkte deutlich souveräner.

„Ihnen auch“, kam es zurück.

Nils wandte sich ab und ging betont ruhig zu seinem Einkaufswagen. Er hatte das Gefühl, dass der andere Mann ihm nachsah, aber er drehte sich nicht um. Scheinbar gelassen legte er den Salat zu den restlichen Einkäufen, griff nach dem Wagen und schob ihn vom Gemüsestand weg. Erst bevor er in den nächsten Gang abbog, wagte er einen Blick zurück. Der Mann hatte sich längst wieder dem Obst zugewandt und suchte einige Äpfel aus. Was auch sonst? Mit der Nummer hatte Nils sicher keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, und falls doch, bestimmt nicht im positiven Sinn.

***


„Okay, was ist mit dir los?“ fragte Gabi, nachdem ihr Mann Peter mit den Kindern nach oben gegangen war, um die kleinen Racker ins Bett zu bringen.

„Ich weiß nicht, was du meinst“, murmelte Nils und fluchte innerlich. Er bekam den Fremden aus dem Supermarkt einfach nicht aus dem Kopf, auch nicht seine Reaktion auf den Mann. Nils war nicht klar gewesen, dass es so offensichtlich war, dass ihn etwas beschäftigte. Andererseits sollte es ihn nicht wundern, dass Gabi etwas bemerkt hatte. Sie hatten sich schon immer nahe gestanden, und seit Alex' Tod war das Band zwischen den Geschwistern noch enger geworden.

„Nils... Verkauf mich nicht für dumm. Nun sag schon.“

Er seufzte, zögerte einen Moment und fing dann an zu reden. Na super, seiner älteren Schwester zu gestehen, dass er mitten im Supermarkt wie ein Teenager auf einen hübschen Mann reagiert hatte, das war wohl wirklich das Highlight des Tages! Dass es um Gabis Mund amüsiert zuckte, machte es nicht besser.

„Klar, lach mich nur aus!“ brummelte Nils verlegen.

Gabi lachte auf, hatte sich aber sofort wieder im Griff. „Entschuldige, aber wundert dich das wirklich? So was musste doch irgendwann passieren. Mensch Nils, du bist ein gesunder junger Mann und hattest seit eineinhalb Jahren keinen richtigen Sex mehr! Da ist es doch echt kein Wunder, dass du so auf einen gutaussehenden Kerl reagierst.“

Seine Schwester wurde ganz ernst und legte die Hand auf seine. „Nils, du brauchst wieder jemanden in deinem Leben. Rede doch endlich mal mit Dr. Hartmann darüber, wenn du schon mit deinen Freunden oder mir nicht reden willst.“

Nils seufzte wieder. „Ich will keinen anderen Mann.“

Sanft drückte Gabi seine Hand. „Ich weiß. Aber das ändert nichts an den Tatsachen. Denk mal darüber nach.“