Barons Rivale

KurzgeschichteRomanze / P12
Baron Haru Yoshioka
04.07.2014
04.07.2014
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Irgendwie ist bei mir gerade das Onehshotfieber ausgebrochen und ich kann nicht anders als zu schreiben, was mir in den Sinn kommt. Falls jemand von euch einen Wunsch hat oder eine Idee für einen neuen Oneshot oder ein Szenario, der kann sich gerne bei mir melden! Aufträge nehme ich gerne an :D


„BIEP BIEP BIEP.“ genervt schlug Haru auf ihren Wecker, der einer Kuh ähnelte und schaltete ihn aus. Sie gähnte und rieb sich ihre Augen, blinzelnd und etwas schläfrig streckte sie sich und sah aus dem Fenster. Die Sonne schien ihr entgegen und es versprach ein wunderschöner Tag zu werden. Sie lächelte als sie an den heutigen Tag dachte und krabbelte aus dem Bett. Sie kramte einen karierten Rock und eine weiße Bluse aus ihren Kleiderschrank und huschte ins Bad. Dort kleidete sie sich an und machte eine kurze Katzenwäsche. Dann bürstete sie sich durch ihre schulterlangen, braunen Haare und beschloss sie heute mal nicht zu einem Zopf zu binden. Nach einem letzten Blick in den Spiegel eilte sie gut gelaunt die Treppe hinunter, wo ihre Mutter bereits am Frühstückstisch saß. Überrascht sah sie von ihrer Zeitung auf und wandte sich ihrer inzwischen volljährigen Tochter zu.
„Was bist du denn schon heute so früh auf? Es ist Samstag Liebes.“
Haru setzte sich an den Tisch und schüttete sich etwas Tee ein. Dann nahm sie sich ein Brot und legte ein Ei darauf.
„Ich weiß, aber ich möchte heute gerne ein paar Freunde besuchen. Samstag tue ich das doch eigentlich immer, Mom.“
„Das stimmt, aber solltest du nicht den freien Tag in der Woche genießen? Wann warst du das letzte Mal mit Hiromi am Wochenende aus?“
„Hiromi und die Anderen sehe ich doch immer in der Woche und treffe mich mit ihnen. Das Wochenende benutze ich immer um mich mit anderen zu treffen.“
Ihre Mutter zog eine Augenbraue hoch und sah ihre Tochter fragend an.
„Was sind das für Freunde Haru?“
Die Angesprochene winkte ab und trank lächelnd von ihrem Tee.
„Ist schon gut, nicht so wichtig. Aber warum fragst du mit wem ich die Tage verbringe?“
„Du machst in wenigen Wochen deinen Abschluss Haru und dann wirst du deine Schulfreunde nicht mehr so oft sehen können.“
„Mach dir darüber keine Gedanken, wir werden uns sicherlich oft genug sehen.“
Sie aß den letzten Bissen von ihrem Brot und spülte den letzten Rest Tee hinunter. Sie stand auf und ging zur Garderobe, wo sie sich ihre Schuhe vornahm.
„Du willst jetzt schon los? Du hast noch nicht mal zu Ende gefrühstückt, Schatz.“
„Habe keinen großen Hunger, außerdem bin ich spät dran. Warte heute Abend nicht auf mich, werde spät zu Hause sein.“
Ihre Mutter seufzte und schüttelte den Kopf.
„In Ordnung, aber bitte versuche wenigstens nicht allzu spät nach Hause zu kommen. Ich kann dich ja doch nicht davon abbringen.“
„Richtig.“
Haru gab ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und stürmte in Richtung Tür.
„Wiedersehen Mom.“
„Tschüss Haru.“

In einem zügigen Laufschritt lief Haru durch die Nachbarschaft und war auf dem direkten Wege zur großen Kreuzung. Die Vorfreunde hatte sie ergriffen und wie jede Woche hatte sie immer auf dem Samstag hingefiebert. Im Moment hatte sie viel für die Schule zu tun und konnte deshalb nur am Wochenende ihren Freunden aus dem Katzenbüro einen Besuch abstatten. Bald würde es schon ein Jahr her sein, seit sie damals in die Geschehnisse im Königreich der Katzen verwickelt gewesen war. Seitdem besuchte sie regelmäßig das Refugium und half ihren Freunden gelegentlich bei ihren Fällen. Fröhlich erreichte sie schließlich die Hauptstraße und betrat die große Kreuzung. Sie konnte Muta auf seinem Stammplatz auf einen der Stühle nicht erblicken, aber das störte sie nicht. Denn den Weg kannte sie mittlerweile im Schlaf und konnte ihn auch sehr gut alleine finden. Daher dauerte es nicht lange und sie war auf dem große Platz angekommen. Kaum hatte sie diesen betreten veränderte sich ihre Größe und passte sich der Umgebung an. Haru war gerade ein paar Schritte gelaufen, als ein schwarzer Pfeil über sie hinweg flog. Schmunzelnd duckte sie sich und lächelte dem Raben zu, der geschickt neben ihr landete. Sein schwarzes Federkleid war prächtig wie eh und je und seine Augen sahen sie vergnügt an.
„Toto! Wie schön dich zu sehen. Tolle Flugeinlage.“
Der Rabe lachte und berührte ihren Rücken sanft mit einem seiner gewaltigen Flügel.
„Hallo Haru. Ich hoffe ich habe dich nicht allzu sehr erschreckt.“
„Keine Sorge so leicht bin ich nicht zu erschrecken, ehrlich gesagt habe ich mit so etwas schon gerechnet. Wo sind die Anderen?“
„Im Haus und für heute hat sich Besuch angekündigt. Ein alter Freund von Muta wollte heute vorbeikommen, ich hoffe das macht dir nichts aus.“
Lächelnd schüttete Haru den Kopf und ging neben ihren Freund her.
„Warum sollte mir das etwas ausmachen? Ich freue mich einen alten Freund von Muta kennen zulernen.“
„Was anderes hätte ich auch nicht von dir erwartet Chicky.“, sagte ein vertraute Stimme und ein weißer, plumper Kater trat aus dem Katzenbüro.
„Hallo Muta, wie geht’s?“
„Gut und dir Kiddo?“
„Sehr gut danke. Was ist das denn für ein alter Freund? Ich muss zugeben, dass hat mich neugierig gemacht.“
„Wirst du schon selbst sehen, aber ich warne dich besser vor. Ravi kann etwas vorlaut und direkt sein, außerdem ist er nie einem ordentlichen Spaß nie abgeneigt.“
„Hört sich doch ganz gut an.“
„Das sagst du jetzt, aber warte bis er erst mal eingetroffen ist Chicky.“
„Muta wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du Haru nicht so nennen sollst. Das ziemt sich  gegenüber einer jungen Lady nicht.“
Auf Harus Gesicht schlich sich ein weiteres Lächeln und ihr Herzschlag schien sich bei dem Klang seiner Stimme zu beschleunigen. Ihr Blick traf seinen und sie versank wie so oft in seinen wunderschönen, grünen Augen, die Smaragde so ähnlich waren. Auch er lächelte ihr entgegen und zu gerne hätte sie gewusst, was er gerade dachte. Er trug seine rote Weste und seine weiße Hose und sein goldgelbes Fell strahlte wie eh und je. Sie liebte den Anblick von ihm und konnte sich nie an ihm satt sehen. Wenn es eine Steigerung von Perfektion wäre, dann würde er es ganz sicher sein.
„Hallo Baron. Ich freue mich dich wiederzusehen.“
„Es ist doch nur eine Woche vergangen.“ murmelte Muta, aber niemand der Anwesenden reagierte etwas auf seine Worte. Baron lächelte und nickte ihr zu.
„Guten Tag Haru, die Freude ist ganz auf meiner Seite.“
Sie sahen sich einander an und versanken in den Blick des Anderen. Toto grinste und Muta seufzte genervt auf.
„Das ihr diese Nummer auch jedes Mal abziehen müsst, kommt wieder zu euch. Das ist ja schlimmer als irgendein romantischer Kitschfilm.“
Augenblicklich kam Haru wieder zur Besinnung und errötete bis in die Haarspitzen. Oh Gott warum setzte ihr Gehirn immer in der Gegenwart von Baron aus? Sie brach den Blickkontakt ab und schaute verlegen zur Seite. Himmel, war das peinlich.
Baron erging es nicht anders und besann sich auf seine Manieren. Muta war einer seiner besten Freunde und er mochte ihn sehr, aber in diesem Moment hätte er ihn am Liebsten zum Mond gewünscht. Toto lachte leise, was die ganze Sache nicht besser machte.
„Muta du hast die Zwei ganz schön in Verlegenheit gebracht.“, kicherte Toto und Muta grinste amüsiert.
„Wenn es doch die Wahrheit ist, wann kommt...“
„Haru möchtest du etwas Tee? Ich bin mir sicher eine Tasse würde uns allen gut tun.“ , sagte Baron und gab seinem Freund zu verstehen nicht weiter zu reden, damit es nicht noch unangenehmer wurde. Haru nickte und schien sichtlich erleichtert zu wirken.
„Sehr gerne Baron.“
Wenige Minuten später saßen die Drei im gemütlichen Wohnzimmer des Katzenbüros, während Toto sich auf dem Fensterbrett niedergelassenen hatte. Haru genoss die Spezialmischung ihres Freundes, die mal wieder fantastisch war.
„Dein Tee ist dir wieder heute sehr geglückt Baron.“
Baron schmunzelte und nickte seiner Freundin zu.
„Dann hast du wie immer Glück. Du weißt ja das meine Mischung auch mal daneben gehen kann.“
„Wem sagst du das, einer hat mal geschmeckt wie vergammelte Schuhe.“ , murrte Muta und Haru lachte leise.
„Na das stelle ich mir lieber nicht vor. Und sonst? Ist irgendetwas in der Woche passiert? Oder alles so wie immer?“
„Soweit wüsste ich nicht das irgendetwas anders gewesen wäre, eigentlich alles wie gewöhnlich. Und wie ist es bei dir in der Schule Haru?“
„Stressig wie eh und je, aber das hat glücklicherweise bald ein Ende. Dann bin ich endlich mit der Schule fertig und habe erst einmal Ruhe.“
„Hast du denn schon Pläne für die Zeit danach?“ , erkundigte Baron sich interessiert und versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Er hoffte inständig, dass sie nicht vor hatte in baldiger Zeit in eine andere Stadt umzuziehen. Gerade als Haru antworten wollte klopfte es an der Tür und alle Anwesenden schauten dorthin. Als Herr seines Hauses wollte sich Baron erheben und den Besucher begrüßen, als Muta ihm das abnahm und grinsend öffnete. Draußen stand ein pechschwarzer Kater, gekleidet mit einem weißen Umhang und einem freundlichen Lächeln im Gesicht. Er hatte einen weißen Fleck über sein rechtes Auge, dessen Farben einen hübschen dunklen Ton besaßen. Muta und er umarmten sich kumpelhaft und klopften sich mit den Pfoten auf die Schultern.
„Ravi es ist eine lange Zeit her.“
„Und du hast dich immer noch keinen Deut verändert, derselbe Ronaldo Moon der du schon immer warst. Ich freue mich dich wiederzusehen alter Freund.“
„Und du bist noch immer derselbe Ravi, eine Quasselstrippe wie eh und je und immer für einen Spaß zu haben.“ , feixte Muta und gab seinem Freund einen Schlag gegen die Schulter.
„Ravi wir hoffen du hattest eine gute Anreise. Es ist schön dich wiederzusehen. Fühle dich im Katzenbüro ganz wie zu Hause.“
Der Baron hatte sich erhoben und begrüßte ihn mit einem freundlichen Händedruck.
„Ein Gentleman wie er im Buche steht, ich freue mich ebenfalls dich zu sehen Baron.“
„Toto kennst du ja schon von deinem letzten Besuch.“, fuhr Baron fort und der Rabe nickte zur Begrüßung.
Haru war ebenfalls aufgestanden und hatte sich zu ihren Freunden gesellt.
„Und bevor ich es vergesse das ist...“
„Ich bin Haru Yoshioka, es freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen Sir.“
Ravi lachte und gab Haru einen Handkuss auf die Hand.
„Es ist mir eine Freude euch kennen zulernen Lady Haru. Ich habe schon viel von euch gehört. Bitte nennt mich einfach Ravi, dass genügt vollkommen.“
Haru kicherte und errötete etwas im Gesicht, diese ganzen Förmlichkeiten mochte sie nicht besonders und waren ihr unangenehm.
„Dann bin ich nur Haru für dich Ravi.“
Sie lächelte ihn an und Baron nahm das mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Ravi war für gewöhnlich kein Kavalier, warum versuchte er also Haru den Hof zu machen? Oder bildete er sich das nur ein?
„Einen Tee Ravi? Ich habe eben bereits eine frische Kanne zubereitet.“
„Ich nehme gerne an Baron, ist deine Mischung heute geglückt?“
„Sie ist exzellent.“ , antwortete Haru und die Anwesenden nahmen erneut platz. Der Baron reichte dem Besucher eine Tasse und setzte sich dann selbst.

„Also du hast schon von Haru gehört?“, fragte er nach und versuchte seine Neugier zurückzuhalten. Muta warf ihm einen fragenden Blick zu, aber entgegnete nichts darauf.
Ravi nickte und trank etwas von seinem Tee.
„Natürlich sie ist im ganzen Königreich bekannt und noch darüber hinaus. Ein Menschenmädchen was ihr Leben für eine Katze riskiert gibt es nicht häufig. Vor allem wenn es sich dabei um eine so hübsche, junge Dame handelt.“
Haru errötete erneut und nahm hastig etwas von ihrem Tee, während Ravi ihr ein strahlendes Lächeln schenkte.
„Ach das war doch nicht der Rede wert, ich dachte das wäre längst vergessen.“
„Haru niemand im Königreich wird eure Heldentat je vergessen und zudem habt ihr auch das Leben der Königin gerettet. Eure Person wird im Königreich noch stets verehrt und erfreut sich aller größter Beliebtheit. Von eurer Schönheit habe ich schon gehört, aber das ihr auch noch so bescheiden seit ist wahrlich ehrenhaft.“
Die Angesprochene erwiderte nichts darauf und vermied den Blickkontakt zu Ravi, der ihr erneut einen koketten Blick schenkte. Dies bemerkte auch Baron und spürte eine Unzufriedenheit in seinem Inneren. Täuschte er sich oder flirtete Ravi gerade heftig mit seiner Haru? Moment hatte er gerade seine Haru gedacht?
„Lassen wir das Thema mal, was hast du so in der vergangenen Zeit getrieben Ravi?“, fragte Mute seinen Freund.
„Ich habe mal hier mal dort gelebt und unterschiedliche Arbeiten verrichtet. Du weißt doch mich hält es nie lange an einem Ort.“
„Und warum nicht? Hast du kein eigenes Heim, wo du lebst?“
Ravi lachte auf und schüttelte den Kopf.
„Deine Neugier gefällt mir Haru. Aber nein, ich habe kein eigenes Haus da ich es bevorzuge zu reisen und Dinge zu sehen. Es gibt so vieles was man noch entdecken könnte und die Welt steckt voller Wunder, selbst für eine Katze.“
„Das hört sich schön an, dorthin zu reisen wo man gerade hin will.“
„Es hat durchaus seine Vorteile, da gebe ich dir Recht Haru.“
„Woher kennen Muta und du sich eigentlich?“
„Ronaldo und ich waren seit unserer jüngsten Kindheit miteinander befreundet und haben sämtlichen Schabernack getrieben. Niemand war vor uns oder unseren Streichen sicher.“
„Ich erinnere mich, es gab niemanden den wir nicht erwischt hatten.“, lachte Muta und Haru stimmte in sein Lachen mitein.
„Typisch Muta, aber irgendwie hätte ich es auch nicht erwartet. Auch mit Toto treibt er immer seine Streiche.“
„Aber er ist meistens derjenige, der damit beginnt.“ , meldete sich der Rabe zu Wort und es begannen alle erneut zu lachen.
„Heute ist so ein wunderschönes Wetter, wie wärs wenn wir unsere Plauderei nach draußen verlegen. Ich bin mir sicher ein kleiner Spaziergang würde uns allen gut tun.“ , schlug Ravi vor und lächelte Haru zu. Diese nickte langsam und lächelte ebenfalls in die Runde.
„Warum nicht? Die Sonne sieht man so selten in den letzten Tagen.“
Baron stimmte ebenfalls zu, aber ein Gefühl ließ nicht nach. Wie Ravi Haru ansah und ihr Komplimente machte gefiel ihm überhaupt nicht. Muta und Toto stimmten ebenfalls zu und alle Anwesenden begaben sich nach draußen. Ravi erzählte von einem seiner Reisen, Muta und zum Leid des Barons auch Haru hörten aufmerksam zu. Baron und Toto liefen ein Stück hinter den Dreien und der schwarze Rabe bemerkte die nachdenkliche Miene seines Freundes.
„Stimmt etwas nicht Baron?“
„Wie kommst du auf diesen Gedanken, Toto?“
„Nun du siehst etwas verstimmt aus, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf. Und diesen Blick, den du eben Ravi zugeworfen hast, kenne ich auch nicht von dir alter Freund.“ Baron seufzte und sah ein, dass sein geflügelter Freund Recht hatte. Wenn es sogar seinen Freunden auffiel, konnte er es auch nicht länger verleugnen.
„Vielleicht hast du Recht Toto, ich habe ein ganz eigenartiges Gefühl in mir. Es ist so seltsam, wie Ravi sich anscheinend um Harus Aufmerksamkeit bemüht.“
Der Angesprochenen lachte leise und sah seinen Freund vergnügt an.
„Das ich das mal erleben darf hätte ich auch nie gedacht. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, dass du eifersüchtig bist Baron.“
„Eifersüchtig? Du beliebst wohl zu Scherzen Toto, warum sollte ich....“
Baron brach ab und dachte noch einmal genau über alles nach. Das Verhalten von Ravi und das er Haru für sich einnahm fand er alles andere als gut und ein Bild tauchte in seinem Kopf auf. Er rief sich nochmals ins Gedächtnis, wie Ravi Haru vorhin angesehen hatte..und allein der kurze Moment ließ einen ungewöhnlichen Zorn in ihn auflodern. Er wollte das Haru ihn anlächelte und bei seinen Worten errötete. Er wollte sie beeindrucken und ihr etwas erzählen. Erschrocken hielt er inne und die Erkenntnis blitzte in ihn auf. War es wirklich möglich? Konnten seine Gefühle für Haru nicht nur freundschaftlicher Natur, sondern viel mehr sein? Allein ihr Anblick ließ sein Herz schneller schlagen und ihre Anwesenheit betörte ihn jedes Mal aufs Neue. Aber wenn er dies für sie empfand, wie war es dann bei ihr? Fühlte sie für ihn genauso oder mochte sie eher Ravi?“
„Deiner Miene nach zu urteilen hast du es ja endlich verstanden. Habe ich mir doch gedacht, dass es wahr ist. Obwohl ich geglaubt habe, dass du früher darauf kommen würdest....“
„Du wusstest es? Aber wie...“
„Beobachtung und reine Intuition Baron. Selbst ein Blinder sieht, dass ihr viel mehr füreinander empfindet, als ihr es euch bisher eingestanden habt.“
„Ich bin so ein Dummkopf gewesen, es lag alles auf der Hand! Warum habe ich es nicht schon früher gemerkt? Und nun...“
„Und nun wirst du es ihr endlich sagen und ihr zwei werdet doch noch zusammenkommen! Das du etwas langsam gebraucht hast, heißt nicht das es zu spät ist. Es ist niemals zu spät Baron.“
„Aber du vergisst, dass...“
„Baron, Toto wo bleibt ihr denn? Seit ihr auf einem kleinen Plausch hängen geblieben?“ , rief Haru fröhlich und ein Lächeln zierte ihr Gesicht. Baron konnte nicht anders als sie anzustarren...warum hatte er nicht früher bemerkt, dass sie so wunderschön war?
„Baron?“
„Mhm? Achso, wir kommen Haru.“
Baron und Toto schlossen zu den Anderen auf, aber der Erstere bemerkte deutlich, dass sich etwas in ihn verändert hatte. Er konnte seine Freundin nicht mehr ansehen ohne an Totos Worte zu denken.
„Wusstest du, dass ich eine neue Begabung entdeckt habe Ronaldo? Erst letztens habe ich festgestellt, dass ich ein guter Tänzer bin. Vorausgesetzt ich habe die richtige Partnerin.“
Er sah lächelnd zu Haru, die den Blick abwendete und etwas rot im Gesicht wurde. Baron beäugte seine Worte misstrauisch..würde er etwa?
„Habt ihr zufällig Musik dar? Irgendwie habe ich gerade Lust zu tanzen.“
„Ich könnte dir einen alten Plattenspieler anbieten, wenn du willst.“ , gab Muta zu Protokoll und hatte wenige Sekunden später diese auch schon aufgetrieben. Er stimmte die Platte an und eine wunderbare Melodie hallte über den Platz. Ravi verbeugte sich galant vor Haru und sah ihr tief in die Augen.
„Würdet ihr mir die Ehre erweisen und mit mir diesen Tanz wagen, Lady Haru?“
Baron bemühte sich seine Fassung zu bewahren und konnte vor Zorn kein Wort herausbringen. Das hatte er nicht wirklich getan oder?
Hingegen Haru etwas verwundert die ausgestreckte, einladende Hand betrachtete und sich zurückhalten musste nicht zu Baron zu schauen. Sie wollte nicht mit Ravi tanzen, sondern nur mit ihrem ehemals maskierten Retter...Aber konnte sie so unhöflich sein und die Geste ablehnen, nachdem Ravi so aufmerksam und nett zu ihr gewesen war? Etwas zögerlich nickte sie und ergriff seine Hand.
„Ein Tanz kann ja wohl nicht schaden.“ sagte sie und nickte Ravi zu. Dieser lachte und fing beim ersten Takt an sie über den Platz zu führen. Es war ein klassischer Walzer, den einzigen Tanz den Haru konnte, aber auch nur bisher mit einer Person getanzt hatte. Sie fühlte sich unwohl mit Ravi zu tanzen und nicht von Baron geführt zu werden. Obwohl es total lächerlich klang, fühlte es sich irgendwie so an, als ob sie Baron damit hintergehen würde. Doch sie ließ sich nichts anmerken und tanzte lächelnd mit Ravi weiter.
Währenddessen beobachteten Muta und Toto ihren Freund und fragten sich, wann er endlich reagieren würde. Für sie war es klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis es Baron zu viel werden würde. Doch bisher sah es aus, als ob der Gentleman in ihm die Oberhand behalten w und Diskretion bewahren würde. Dennoch hofften sie, dass die Katzenpuppe nun endlich die Initiative ergreifen würde. Die Musik näherte sich langsam ihrem Ende und plötzlich blieben Ravi und Haru stehen. Sie waren sich nun ganz nah und ihre Gesichter waren nicht mehr weit voneinander entfernt.
„Du bist das wundervollste und hübscheste Mädchen, was ich je getroffen habe, Haru.“ , wisperte Ravi und bewegte seinen Kopf dem vom Haru entgegen. Die wusste gar nicht wie ihr geschah und wollte sich am Liebsten von ihm losreißen, doch ihre Beine versagten die Funktion. So schloss sie die Augen und hoffte, dass Baron ihr jemals vergeben würde...

„STOP! RAVI, HÖR SOFORT AUF DAMIT!“ , rief eine ihr nur zu gut vertraute Stimme und erleichtert und etwas verwirrt zugleich schlug sie ihre Augen wieder auf. Sie wandte ihren Kopf aus Ravis Hand und blickte zu dem Baron, der mit wütender Miene Ravi ansah. Seine Augen schienen zu blitzen und sie hatte ihn noch nie so zornig erlebt. Zu ihrer Verwunderung kicherte Ravi leise und entließ sie dann aus seinen Armen.
„Gibt es etwas Baron?“
„Lass Haru los und zwinge sie nicht zu etwas, was sie nicht will. Das gehört sich nicht für einen Gentleman und man verhält sich schon gar nicht so einer jungen Lady gegenüber!“
„Was ist wenn sie es aber in Wirklichkeit wollte? Wenn ihr Herz sich für jemand anderen entschieden hat?“
Baron schüttelte den Kopf und im selben Moment wusste er nicht, woher auf einmal seine Worte kamen.
„Ich fordere dich zum Duell heraus Ravi! Dann werden wir sehen, wer der Gunst von Lady Haru würdiger ist!“ , sprach er und Haru glaubte sich verhört zu haben. Wo waren sie denn hier im Mittelalter? Doch als sie ihren Freund ansah, wusste sie das es sein voller Ernst war. Also hielt sie sich daraus und grübelte lieber über den Grund, weshalb er sich auf einmal so seltsam verhielt. Sie sah wie Toto und Muta einen amüsierten Blick austauschten und sichtlich zufrieden wirkten. Baron hatte in der Zeit seinen Spazierstock in der Hand, während Ravi einen anderen in seiner Pfote hielt.
„Bist du bereit?“
Ravi nickte und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Sicher doch verehrter Freund.“
Sie begannen aufeinander zu zustürmen und gleich zu Anfang konnte man sehen, dass Baron deutlich die Oberhand hatte. Mit geschickten, schnellen Schritten wich er jedem Angriff aus und ging dann mehr in die Offensive. Es dauerte nicht lange und der Kampf endete damit, dass Ravi am Boden lag und Baron ihn niedergestreckt hatte. Seltsamerweise fing Ravi in diesem Moment laut an zu lachen und dann stimmten auch noch Muta und Toto mit ein. Baron und Haru sahen sich verwirrt an, hatten sie irgendwas verpasst?
„Fair geschlagen und sehr gut gekämpft, Baron. Ich bin beeindruckt und gebe mich ehrlich geschlagen.“, kicherte der Verlierer des Kampfes und Baron half ihm mit einem fragenden Gesichtsausdruck hoch.
„Was...?“
Doch weiter kam er nicht, denn Haru ging lächelnd auf ihn zu und blieb dicht vor ihm stehen.
„Du verdienst also meine Gunst?“
Baron lief knallrot an und begriff erst jetzt, wie das hatte ausgesehen haben musste. Oh Gott, wie konnten seine Gefühle ihn zu solch einer peinlichen Aktion verleiten?
„Haru, i-ich ich weiß nicht was in mich gefahren ist...Ich..“
Sie lachte und ihre Augen schienen ihn amüsiert entgegen zu blicken. Haru wischte alle Bedenken und Gedanken beiseite, sie wusste genau was das gerade gewesen war.
„Sei still und küss mich endlich, du eifersüchtiger Held.“
Barons Herz war schneller als sein Kopf und so kam es, dass er seine Lippen auf ihre legte. Sie erwiderte den Kuss so gefühlvoll, dass ihm beinahe die Luft wegblieb. Eine Wärme durchströmte beide, die sie nie zuvor gekannt hatten und ihr Kuss bereitete ihnen einen Schock, als ob sie vom Blitz getroffen gewesen waren. Zu schnell lösten sie sich beide wieder voneinander und nahmen dann das Gelächter von den anderen drei Anwesenden war. Verwirrt aber überglücklich wandten sie sich ihnen zu.
„Dürfte man fragen, was daran so lustig ist?“
„Endlich habt ihr mal euren Verstand eingeschaltet und gesteht euch eure Gefühle füreinander ein. Da hatte unser Puddinghirn mal einen guten Einfall.“
„Ich stimme dem Federvieh nur ungern zu, aber er hat Recht. Es war ja nicht mehr auszuhalten eure heimlichen Blicke und das ganze Zeug! Also mussten wie ein wenig nachhelfen, vor allem damit unser Baron mal die Dinge etwas genauer sieht.“
„Was soll das heißen?“ , fragte dieser und eine leichte Vorahnung beschlich ihn.
„Mein Besuch bei Ronaldo war kein bloßer Zufall Baron. Er hat mich in eurer kleines Geheimnis eingeweiht und  schmiedeten wir einen Plan, der euch zusammenführen sollte. Uns war wenig später klar das die Einzige Möglichkeit sein würde, dich dazu zu bringen deine Gefühle zu verstehen nur zwei Optionen waren. Entweder geriet deine Liebste in Gefahr und die Sorge um sie würde es dich endlich erkennen lassen oder die vielversprechendste Variante war dich eifersüchtig zu machen. Und mit diesem Part kam ich ins Spiel, was den Anschein nach hervorragend funktioniert hat.“
„Das heißt das ganze Spiel war inszeniert und alles war bis ins kleinste Detail geplant?“
„So kam man es sagen, ja.“
Baron stöhnte und Haru kicherte bei seinem Gesichtsausdruck. Offenbar war es ihm sehr unangenehm von seinen Freunden so hereingelegt zu werden.
„Ich hätte es wissen müssen.“
„Aber unser Plan hat perfekt funktioniert und ist genauso abgelaufen, wie wir es uns gedacht haben. Das ist doch mal ein zufriedenstellendes Ergebnis und lädt zu mehr ein, findest du nicht Ronaldo?“
„Natürlich, du weißt ich bin immer für jeden Spaß zu haben.“, lachte dieser und auch Baron konnte sein Schmunzeln nicht mehr länger verbergen. Dafür war er aber auch überglücklich und es war ihm, als ob ein Stein von seinem Herzen gefallen war. Er legte den Arm um Haru und diese schmiegte sich nicht weniger glücklich an ihn.
„Oh je heißt das es geht jetzt erst Recht mit eurem Liebesgeplänkel los?“
„Jetzt lass sie doch einmal in Ruhe Fellknäul.“ , gab Toto von sich und betrachtete lächelnd seine beiden Freunde, die nur noch Augen füreinander hatten.
„Ich glaube unsere Arbeit ist getan, Muta.“


Zwei Wochen später:
„Haru Yoshioka.“
Aufgeregt und mit prickelnden Gefühl im Bauch erhob sich Haru von ihrem Stuhl und ging geradewegs zum vorderen Podium. Sie hatte ein typisches, dunkelblaues Abschlussgewand an und trug ebenso den traditionellen Hut auf dem Kopf. Lächelnd schüttelte sie dem Direktor die Hand und nahm ihr Abschlusszeugnis entgegen. Als sie in das Publikum sah bemerkte sie ihre Mutter, die leise vor sich hin schluchzte und lächelte sie freundlich an. Dann gesellte sie sich zu Hiromi und Tsuge, die glücklich neben ihr standen und sich gegenseitig in den Arm nahmen.
„Haru wir haben es endlich geschafft!“ , rief ihre beste Freundin und leise kichernd nickte Haru, aber hatte ihre Augen auf das obere Fenster der Kathedrale gerichtet. Dort hatte sich Toto niedergelassen, mit Baron auf dem Rücken und Muta stand neben ihnen. Sie waren kaum zu sehen, aber doch konnte sie sie klar erkennen. Sie lächelte umarmte Hiromi und Tsuge zum Abschied und ging dann aus der Kirche heraus. Ihre Mutter wusste, dass sie sich wahrscheinlich nie wiedersehen würden und sie nun in einer anderen Welt leben würde, aber doch akzeptierte sie den Entschluss ihrer Tochter von Herzen und freute sich sehr für sie. Natürlich würde Haru sie vermissen, genau wie ihre Freunde und den Anderen, aber das war nun mal der Preis für ihr zukünftiges Leben. Sie hatte lange darüber nachgedacht und sich endgültig dafür entschieden. Kaum war sie einige Schritte vom Eingang entfernt, landete Toto vor ihr. Baron stieg ab und hielt ein Fläschchen in der Hand.
„Lune versicherte mir, dass die Wirkung unbegrenzt sei. Wenn du das jetzt tust gibt es kein zurück mehr...Willst du das wirklich Haru?“
Sie nahm das Getränk und nickte lächelnd.
„Ich will mit dir zusammen sein, Baron. Das ist für mich das Einzige was zählt.“ , sagte sie und führte die Flasche an ihre Lippen, schloss die Augen und trank. Als die Flasche leer war, fühlte sie ein Kribbeln über ihren ganzen Körper und ein Licht ging plötzlich von ihr aus. So schnell wie es gekommen war, war es auch wieder verschwunden. Haru, nun um einiges kleiner als bisher grinste ihre Freunde an.
„Und wie sehe ich aus?“
Baron ging auf seine Geliebte zu und nahm sie in seine Arme.
„Wunderschön, so wie du es immer warst.“
„Das genügt mir als Antwort.“, schmunzelte Haru. Genervt stöhnte Muta auf, aber niemand schien dies zu interessieren.
„Nun können wir endlich zusammen sein, für immer.“, flüsterte Baron und strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn.
„Dem steht nichts mehr im Wege, ich liebe dich Baron Humbert von Gikkingen.“
Baron umfasste mit der Hand ihre zarte Wange und blickte sie voller Liebe an.
„Ich liebe dich Haru.“
Ihre Lippen trafen aufeinander und beide hätten nicht glücklicher sein können. Haru hatte ihr menschliches Dasein hinter sich gelassen und war nun eine Katzenpuppe wie Baron geworden, nur in femininer Hinsicht. Endlich hatte sie die Hindernisse und Probleme überwunden und würden von nun an für immer zusammen sein.
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