21 - Eine Reise durch die Welt der Gestaltwandler

GeschichteAllgemein / P16
02.07.2014
02.07.2014
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Kapitel 1: Enthüllungen
Abbot x Nuria


Über den weiten, grünen Wäldern des Yosemite Valley stieg die Morgendämmerung auf und um die Baumwipfel wanden sich Nebelschwaden, wie immer wenn der Herbst ins Land zog. Die Dunkelheit zog sich immer mehr zurück und machte dem seichten Licht der Dämmerung Platz. Auf einer Felsenklippe hoch über den Wipfel der Bäume stand eine dunkle Gestalt, die in Gedanken versunken dieses Schauspiel verfolgte. Abbot hatte diesen Platz entdeckt, als er mit seiner Leopardin im Wald unterwegs gewesen war, auf einem ihrer geheimen Treffen. Seit ihrem Zusammentreffen vor einem halben Jahr und der Entdeckung dieser für ihn neuen gegenseitigen Anziehung, ein anderes Wort fiel Abbot dafür nicht ein, hatten sie sich immer, wenn es für ihn möglich war, getroffen. Allerdings wusste der Pfeilgardist mit den tiefen, meerblauen Augen, dass es nur eine Frage der Zeit war bis Adens wachsamen Augen auch das auffallen würde. Dem Anführer der Garde entging so schnell nichts und Abbot konnte nur raten was mit ihm geschah sollte herauskommen… „Ja, was eigentlich? Was ist das alles?“ dachte er bei sich. Tief in ihm meldete sich eine Stimme, die ihm sagte dass sie seine Frau ist, doch er ignorierte das. Als nun die ersten Sonnenstrahlen des Tages seine Haut wärmten, wanderten seine Gedanken an den Tag zuvor und die Enthüllungen die stattfanden.

Er stand angelehnt an einen uralten Baum, wartend und seine meerblauen Augen suchten die Lichtung ab, als sich eine bekannte Gestalt aus den umliegenden Schatten löste. Ihre langen roten Haare wehten im Wind um ihr Gesicht und ihre leuchtenden blauen Augen blickten ihn direkt an. Das eindeutig weibliche und glückliche Lächeln galt nur ihm und auf einem tiefen, primitiven Level gefiel ihm dieser Gedanke. Doch Abbot ließ nicht zu, dass dieser Gedanke sich zu sehr festsetzte, schließlich gehörte er der Gruppe von gefährlichen Medialen an, für die Gefühle noch schädlicher waren als für den Rest. ‚Ein guter Medialer fühlt nichts, ein guter Gardist noch weniger‘, das hatte ihn Vasic gelehrt, einer seiner Mentoren bei den Gardisten. Doch auch diesen Gedanken schob Abbot für den Moment zur Seite. Er fokussierte sich vollkommen auf die Frau die auf ihn zukam und ging ihr die nächsten Schritte entgegen, nicht ohne die Gegend auf Gefahren und andere Lebewesen zu überprüfen. Etwas dass er sich angewohnt hatte, in den Monaten die sie sich jetzt trafen, denn seine Frau sollte sicher sein solange sie mit ihm zusammen war. „Abbot, du bist gekommen.“ Ihre Stimme lag voller Emotionen, etwas woran er sich sicher nie satt hören könnte. „Nuria, ich werde immer zu dir kommen, zu jeder Zeit der es mir möglich ist.“ Seine Stimme war ruhig und ohne speziellen Ausdruck von Gefühlen, so wie es von einem guten Medialen erwartet wurde. Doch für seine Leopardin war das gleichgültig, sie hatte gelernt zwischen den Zeilen seiner Aussagen zu lesen. In diesem Moment schlang sie ihre Arme um ihn und Abbot konnte fühlen wie sie tief Luft holte, etwas das sie in letzter Zeit öfters machte. „Du weißt, ich brauche das.“, sagte sie leise aber lächelnd. Vorsichtig, wie als hätte er Angst sie zu zerbrechen, legte er seine Arme um sie. Dann blickten ihre leuchtend blauen Augen zu ihm auf und ein amüsiertes Funkeln zeigte sich darin. „Du weißt doch, dass ich nicht zerbrechlich bin.“ Das Grinsen, das nun ihre vollen Lippen umspielte, hatte Abbot schon oft gesehen, aber noch nicht oft genug. „Diese Hände könnten dich auf so viele Arten verletzen, Nuria.“ Als sie vehement ihren Kopf schüttelte, bedachte er sie mit einem intensiven Blick aus seinen Augen, der sie kurz erschauern ließ. Aber nicht, weil sie Angst vor ihm hatte, diese Reaktion kam woanders her. „Du würdest mich nie verletzen.“ Das meinte sie voller Ernst und Sicherheit. „Du bist schließlich…. mein Gefährte.“

Die Sonne stand nun halb am Horizont und wärmte ihn noch mehr auf, die Nächte in dieser Umgebung und im Herbst waren kühl und nass. Nach dieser Enthüllung am gestrigen Tag hatte sie ihn voller Gefühl geküsst und ihm in aller Geduld erklärt was es für sie beide bedeutete. Sein erster Gedanke, nachdem er das Ausmaß begriff, war sie zu verlassen um sie zu schützen, damit sie einen geeigneteren Gefährten finden konnte. Jemanden der nicht eine Unmenge an Blut an seinen Händen kleben hatte und der sie lieben konnte, so wie sie es verdiente. Abbots Überzeugung war, dass sie jemand Besseren verdiente, er war in seinen Augen gänzlich unwürdig um als geeigneter Partner durchzugehen. Doch aus einem gewissen Grund, den er nicht nachvollziehen konnte, war seine sture Leopardin anderer Meinung gewesen. Darum kam es für ihn nicht und niemals in Frage sie zu verlassen, denn er wusste mit Bestimmtheit dass es sie zerbrechen würde. Und das war für ihn nicht akzeptabel, auch wenn sein Verstand diese Reaktion als gänzlich unmedial einstufte
Im Wald unter ihm erwachte das Leben. Vögel zwitscherten und in den Büschen raschelte es, doch Abbot hatte dafür kaum Aufmerksamkeit übrig und stand immer noch an derselben Stelle wie bei Sonnenaufgang.

Sein Leben war voller Blut und Tod, die Pfeilgarde hatte unter der Führung von Ratsherr Ming LeBon viele Mediale und auch Angerhörige der anderen Rassen umgebracht und diesen Befehlen hatte Abbot blind gehorcht, darin war er immer schon gut gewesen. Die Zahl seiner Opfer konnte er schon nicht mal mehr genau benennen, irgendwann hört man auf zu zählen, das haben ihm auch andere Gardisten bestätigt. Bis zu jenem schicksalshaften Tag an dem ihm eine rothaarige, feurige Frau über den Weg gelaufen war, hatte er nichts hinterfragt, doch vieles veränderte sich im Leben. In diesem Moment bewegte sich Abbot das erste Mal so richtig, denn er fuhr sich mit der Hand durch die kurzgeschorenen, schwarzen Haare. Das war ein Zeichen dafür, dass ihn etwas beschäftigte. Ein Gedanke, der ihn die ganze Nacht nicht losgelassen und ihn gezwungen hatte, in den frühen Morgenstunden ihr gemeinsames Nachtlager zu verlassen, geisterte durch seinen Kopf. Er konnte nicht noch ein Leben auf seinem Gewissen haben und Nuria damit unter die Augen treten. Dieses Problem war seiner Meinung nach, ein großes, denn seine Loyalität galt der Pfeilgarde, seit er sich in der Vergangenheit bewusst für diese entschied. Doch Nurias Enthüllung von gestern änderte vieles. Plötzlich spürte er wie sich von hinten Arme um ihn legten. „Na, worüber brütet mein Pfeilgardist so früh am Morgen?“ Seine Leopardin hatte ihn gefunden, die Lösung des Problems würde warten müssen. Abbot drehte sich zu ihr um. „Du hast mich gefunden.“ Seine ruhige Stimme zauberte ihr ein breites Lächeln auf das Gesicht, denn obwohl er nun wusste dass er ihr Gefährte fürs Leben ist, war er nicht geflohen. Die Liebe zu ihrem Pfeilgardisten, dem Mann der so viel mehr war als er sehen wollte, wärmte ihr Herz mehr als es die heiße Herbstsonne jemals könnte. Sie tippte auf ihre Nase. „Immer, ich habe einen speziellen Sinn der dich immer aufspürt, ganz egal wo du bist.“ Abbot hörte ihr aufmerksam zu und begriff dass diese wunderbare Frau mit ihm spielte, doch dafür war auch später noch Zeit, denn jetzt beugte er sich zu ihr hinunter und küsste sie. Ein Kuss, der Nuria entflammte für mehr. Denn der Mann war einfach unmöglich und vor allem lernfähig. Nach einem Moment löste sie sich und trat einen Schritt zurück. „Abbot“ und damit bohrte sie ihm entschlossen einen Finger in die Brust, „du versuchst abzulenken. Rede mit mir, sag mir was los ist.“ Abbot verfolgte wie sie ihre Brauen zusammenzog und ihre Augen ihn wütend anfunkelten. Er kannte sie nun schon so lange um zu wissen, dass sie in diesem Stadium Unwahrheiten nicht gutheißen würde. Abbot ließ seinen Blick lange über die Landschaft unter ihnen schweifen, bevor er ansetzte zu reden, denn er wusste Nuria würde ihm diese Zeit geben. Als er sie wieder ansah, lag in seinen Augen ein kühler Unterton. „Meine Loyalität gilt der Pfeilgarde, meine Brüder mit denen ich gekämpft habe, ich habe nicht vor das zu ändern. Und doch..“ Sein Blick glitt zu ihr und blieb bei ihren Gesicht hängen. „… und doch hat sich mit dir einiges verändert.“ Die Entscheidung  mit Aden zu reden, war schon früher gefallen, doch als er sie nun behutsam in seine Arme nahm, wurde das zu Entschlossenheit. Nuria lächelte zu ihm auf und strich über seine Wange. „Ich liebe dich, mein Gefährte, wir werden für alles einen Weg finden.“ In diesem Moment, als sie ihn voller Gefühl küsste, beschloss sie, dass die andere Enthüllung noch etwas warten würde müssen bis ihr Pfeilgardist für die Wahrheit bereit sein würde.