All-New X-Men: Days of Future Past

GeschichteDrama, Übernatürlich / P16
Beast / Henry "Hank" Philip McCoy Cyclops / Scott Summers Nightcrawler / Kurt Wagner Phoenix / (Doktor) Jean Elaine Grey Shadowcat / Kathrin "Kitty" Pryde White Queen / Emma Grace Frost
30.06.2014
09.06.2019
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Was ist das letzte, an das du dich erinnerst?
Ich habe in die Vergangenheit geblickt.


Der lange, blaue und gezackte Schweif des Dämonen wickelt sich um einen langen, schwarzen, hölzernen Gegenstand. Er scheint ihn regelrecht zu umklammern, als gäbe es in dieser Welt etwas, an dem man sich noch festhalten könnte. Als würde einem irgendetwas, irgendwo noch Halt geben können. Es dauert eine Weile, bis mir auffällt, dass es ein Kreuz ist.
Ich lese seine Gedanken jetzt seit einiger Zeit nicht mehr. Am Anfang war es wie Balsam für meine einsame und geschundene Seele. Wenn ich schon sonst keine Stimme hörte in dieser stillen, grausamen Welt, so konnte ich mich zumindest auf die Stimme seiner Gedanken verlassen. Die mich beruhigte. Die die Einsamkeit aus mir vertrieb, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Dafür musste ich nicht einmal immer genau verstehen, was er dachte. Er denkt erstaunlich oft auf Deutsch. Nein, es ging mir nur darum, die Stille zu verdrängen. Aber mittlerweile sind seine Gedanken so tieftraurig und durchzogen von Verzweiflung, Trauer und Wut, dass ich die Stille bevorzuge.
„Weißt du, Jean, ich habe in meinem Leben vor allem an zwei Dinge geglaubt.“
Seine Stimme ist heiser. Leise. Rau. Resigniert. Er wirft das Kreuz von seinem Schweif in die linke Hand und lässt es dann zwischen seinen Händen hin-und herwandern.
Mein Blick fällt auf die Wände der Kirche. Die Fensterscheiben sind zerschlagen. Die riesigen Steinsäulen sind mit Graffiti verschmiert. Die, Muties, Die. Ich beginne, mich zu fragen, wo genau wir sind.
„Das erste dieser Dinge war Gott. Unser Schöpfer. Unser Beschützer. Unser Herr.“
Er lacht jetzt fast ein bisschen. Ich bin nicht sicher, wie ich sein Lachen deuten sollte. Aber ich halte mich besser weiterhin aus seinen Gedanken fern.
„Ich war Zeit meines Lebens ein gläubiger Mensch. Ich habe immer vollstes Vertrauen in den Glauben gezeigt, und er hat mir in schwierigen Zeiten geholfen.“
Wenn ich mich nicht irre, könnten wir wieder an der Ostküste sein. Vielleicht ja sogar New York. Als hier vor einigen Wochen die Hölle losgebrochen ist, war es das wichtigste, so schnell wie irgend möglich von hier weg zu kommen. Aber mittlerweile ist Amerika für Menschen und Mutanten wohl überall gleich unsicher. Wer weiß. Vielleicht ist Kurt auf der Suche nach überlebenden. Wenn es irgendwo welche gibt, dann hier. In der Nähe von Westchester.
Aber eigentlich habe ich keine Ahnung, was er vorhat. Es ist nicht nur, dass ich mich jetzt aus seinem Kopf raus halte. Etwas, dass ich im übrigen nicht oft bei Menschen tue. Es ist auch so, dass er nicht viel redet. Das „Gespräch“, dass wir in diesem Augenblick führen, ist genau genommen das erste seit Tagen.
„Das zweite war ein junges Mädchen. Eine Zeitreisende mit roten Haaren, die dazu geboren wurde, das Volk der Mutanten zu retten.“
Für eine Sekunde denke ich, er redet über mich. Doch dann wird mir klar, um wen es hier tatsächlich geht.
„Hope Summers, der Messias der Mutanten. Mein Gott, ich habe so sehr daran geglaubt, dass sie die Rettung für uns alle ist, dass ich im Krieg gegen die Feinde der Mutanten für sie gestorben bin. Ich habe ihr das Leben gerettet, Jean. Weil es für mich das wichtigste war, die Mutanten zu retten. So sehr habe ich an sie geglaubt.“
Eine Träne rollt jetzt durch sein Gesicht. Ich kenne ihn nicht besonders lange. Oder gut. Aber ich fühle mich verpflichtet, eine Hand auf seine Schulter zu legen.
„Hope ist jetzt tot. Sie ist im Kampf gegen die Sentinels gestorben. Im Krieg gegen die Feinde der X-Men. Wieso musste es so weit kommen? Wieso durfte dieses Mädchen in ihrem Leben nichts anderes erleben als Krieg?“
Er vergräbt sein Gesicht in den drei-fingerigen Händen und wischt sich einige Tränen aus den Augenwinkeln. „Hope war unser Messias. Jetzt gibt es nichts, was uns noch retten kann.“
Er bleibt noch eine Weile so sitzen, dann schreit er auf und wirft das Kreuz wütend von sich.
„Und was Gott angeht...Ich hoffe wirklich, er hat einen Plan für uns. Oder das das hier eine Prüfung ist.“
Die Erde fängt wieder an, schwach zu beben. Von weitem hören wir Sirenen. Es ist wieder so weit. Sie kommen.
„Nimm meine Hand, Jean. Wir springen wieder.“
Es macht kurz Bampf!, dann verschwindet die Welt um uns herum.
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