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Überfall auf ein Zeltlager

von Jeanmarie
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
30.06.2014
30.07.2016
9
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30.06.2014 1.728
 
Die folgenden zwei Tage hatte Kleene manches mal überlegt, ob sie eine bessere Idee hatte. Aber alle Überlegungen verwarf sie bald wieder, weil sie noch schlechter als die bisherige Idee der Landstreicherin waren.

Da Steven auch beruflich einiges zu tun hatte, hatten sie abends auch nicht mehr über das Thema gesprochen.

Samstag nach dem Mittagessen - sie hatten morgens die Einkäufe gemeinsam gemacht – kletterte diesmal Steven auf dem Speicher. Nach einiger Zeit kam er wieder runter, und kurz darauf rief er Kleene ins Wohnzimmer.

„Wie siehst Du denn aus?“ rief sie erstaunt, denn Steven trug Tarnhose, Tarnjacke und Springerstiefel. Tarnhose und –jacke waren mit unregelmässigen Flecken in verschiedenen grün- und braun-Töne gemustert. „Hey, Du hast ja Deine kompletten Überfallklamotten an,“ meinte Kleene. Sie konnte sich gut vorstellen, dass er bzw. sie alle in diesen dschungelfarbenen Tarnklamotten nachts gut getarnt waren.

„Kannst Du Dir vorstellen, nächstes Jahr auch so auszusehen?“ frug Steven. „Warum nicht?“ „Gut, schauen wir mal, wie der Überfall selbst Dir gefällt. Nicht, dass Du Dich hinterher darüber beklagst, dass Du dabei dreckig geworden bist.“ „Da brauchst Du keine Angst vor zu haben,“ antwortete Kleene.

Steven schaute zufrieden. „Ich wollte es Dir nur vorher sagen. Dann besorgen wir Dir im Laufe des Jahres auch Tarnklamotten und Springerstiefel. Muss ich halt ab und zu ins Internet schauen. Da gibt es schon mal Schnäppchen. Du würdest doch auch gebrauchte Stiefel anziehen?“ „Ja, sicher, für das eine Mal ist mir das egal.“

„Dann werden wir da eine nicht so teure Lösung finden.“ „Schön.“ Steven merkte aber, dass Kleene noch etwas auf dem Herzen lag. „Ganz glücklich bist Du aber nicht. Was ist los?“ „Hab immer noch keine rechte Idee, was ich bei dem Überfall erzählen soll. Und wenn ich als Landstreicherin gehe, hab ich für oben nichts zum Anziehen.“

„Mir fällt auch keine bessere Story ein. Muss mal ein bisschen rumfragen.“ Aber auch das ganze Wochenende über ergab sich nichts neues.

Montag morgen machte sich Kleene wieder für ihre Joggingrunde fertig, als sie von Leyla eine SMS bekam, „Kann ich heute morgen mit joggen? Lg Leyla“

Kleene rief sie sofort an. Leyla meldete sich, „Das ging aber schnell. Hab Dir doch eben erst die SMS geschickt.“ „Ja, und eben hat mein Handy für eine eingehende SMS geklingelt. Spass beiseite. Natürlich kannst Du mitjoggen. Wollte aber gleich los.“ „Dann komm ich in zehn Minuten.“ „Okay, muss mich auch noch zu Ende anziehen.“

Kleene zog noch ihre Joggingjacke über ihr T-Shirt, denn das Wetter draussen war kühl mit einem bedeckten Himmel. Gar nicht sommerlich. Nach ein paar Minuten Wartezeit kam auch schon Leyla.
Wenn man Leyla mit ihren schwarzen Haaren und dem ganzen Gesichtsausdruck sah, konnte man ihr schon ansehen, dass sie eine Türkin war. Aber von ihren Einstellungen her war sie eine moderne junge Frau, die Kleene zu einer guten Freundin geworden war. Da sie in Deutschland aufgewachsen war, sprach sie auch perfekt Deutsch. Auch ihre Kleidung war normal westlich ohne Kopftuch. Entsprechend war sie auch vollwertiges Mitglied der Clique.

Leyla trug einen grauen Adidas-Jogginganzug; auf dem Jacke war vorne ein grosses blaues Adidas-Logo drauf und auch auf der Hose stand auf einem Hosenbein gross in blau „Adidas“. Kleene trug dagegen einen grünen No-Name-Jogginganzug mit einem weissen Längsstreifen an beiden Beinen. Sie stand nicht so sehr auf grosse Herstellerlogos. „Okay, sollen wir losjoggen,“ wurde Leyla von Kleene gefragt. „Ja, welche Strecke laufen wir?“

Sie einigten sich auf eine Runde aus dem Dorf raus und dann weiter durch den Wald, am Waldsportplatz vorbei und dann auf anderen Wegen durch den Wald zum Dorf wieder zurück.
Sie liefen schon im Wald, als Kleene meinte, mehrfach Regenspritzer gespürt zu haben. Vom Joggen etwas atemlos, frug sie Leyla, „Regnet das?“ „Sieht so aus,“ antwortete Leyla. Sie war doch etwas mehr trainiert als Kleene und entsprechend besser bei Luft. „Aber nicht viel. Und so schlimm ist das auch nicht, wenn wir nass werden.“ „Hast wahrscheinlich recht.“

Am Wald-Sportplatz rückten die Bäume etwas vom Weg zurück, so dass insgesamt quasi eine Lichtung entstand, in deren Mittelpunkt der Wald-Sportplatz lag. Als sie sich nun dem Wald-Sportplatz näherten, war der Weg nicht mehr von Bäumen überdacht. Sie spürten, dass der Regen doch stärker war, als bisher von ihnen angenommen.

Kleene frug Leyla, „Sollen wir umkehren?“ Leyla schüttelte den Kopf, „Nützt nichts. Wir sind etwa an der Hälfte des Weges. Aber bist…?“ Sie musste zwischendurch Luft holen. „… aus Zucker?“ Kleene überlegte, was sie antworten sollte. Ihre Joggingjacke war mittlerweile gut feucht.

Sie blickte rüber zu Leyla. Bei ihrem grauen Jogginganzug war es nicht so gut zu sehen, ob er nass war. „Nein. Jetzt ziehen wir’s durch.“

So joggten sie weiter. Da die Bäume jetzt wieder dichter waren, waren sie erstmal etwas besser vor dem Regen geschützt. Es tröpfelte nur durch. Dann waren aber das Blattwerk mit Feuchtigkeit gesättigt, und der weitere Regen ging durch.

Entsprechend waren beide, als sie wieder am Waldesrand ankamen, gut durchgenässt. Da nützte es auch nichts mehr, dass es auf dem restlichen Weg zwischen Waldesrand und Dorf nur noch nieselte.
Zum Glück fror sie nicht, obwohl es doch relativ kühl war, als sie losgelaufen waren. Allmählich hörte es auch auf zu regnen. Toll, da hatte sie sich die richtige Zeit zum Joggen ausgesucht. Andererseits war dies ihre übliche Joggingzeit.

Schließlich näherten sie sich der Stelle im Dorf , wo sich die direkten Wege zu ihren jeweiligen zu Hause trennten. Die letzten 200 Meter dahin machten sie nach einer ungesprochenen Vereinbarung einen Endspurt.

Etwas ausser Atem beendeten sie dort ihr Jogging. Leyla kam zuerst wieder Luft. Sie schaute erst sich, dann Kleene an. Ihre beiden Jogginganzüge war mittlerweile gut nass; die Jacken naturgemäss schlimmer als die Hosen. Leyla wandte sich an Kleene, „Alles okay?“ Kleene holte noch mal Luft, „Ja, wenn auch gut nass.“ „Bin ja auch.“ „Schikane, dass es jetzt aufgehört hat.“

Leyla lachte. „Sommerregen macht schön.“ „Danke für die Blumen.“ Leyla strich sich durch ihr nasses Haar. „Was meinst Du, wie oft ich beim Joggen schon nass wurde, und Du siehst, es hat gewirkt.“
Jetzt war es an Kleene zu lachen. „Sei froh, dass ich hier nirgendwo Wasser habe. Sonst würdest Du noch schöner.“ Leyla schüttelte den Kopf, „Gilt nur für Sommerregen. Aber jetzt Spass beiseite: ab nach Hause, die nassen Klamotten aus und dann warm duschen. Ich ruf Dich heute abend an. Nach dem Duschen wird es da zu knapp für. Muss ja heute nachmittag noch arbeiten.“ „Ja. Ist okay. Pass auf Dich auf," verabschiedete sich Kleene.

Da sie allmählich die nassen Klamotten als unangenehm empfand, verloren sie nicht viel weitere Worte, bevor sie sich trennten.

Während Leyla auf dem restlichen Weg nach Hause wieder ins Joggen fiel, konnte sich Kleene nicht überwinden, wieder zu joggen. Entsprechend war sie schon etwas kalt, als sie zu Hause ankam, weil ihr die Bewegung fehlte.

Daher ging sie direkt ins Badezimmer. Dort hatte sie zum Glück vor dem Joggen Handtücher und einen neuen Satz Anziehsachen hingelegt, so dass sie jetzt zuerst die Joggingschuhe und dann den nassen Jogginganzug ausziehen konnte. Das T-Shirt drunter war auch gut durchfeuchtet. Kleene zog sie komplett aus. Die nassen Sachen warf sie erstmal in eine Ecke. Musste sie sich nachher drum kümmern. Aber erstmal unter eine warme Dusche.

Die Dusche tat ihr richtig gut. Hinterher warf sie ihren Jogginganzug direkt in die Waschmaschine. So nass er war, wollte sie ihn nicht in den Schmutzwäsche-Kiste werden.

Im Laufe des Nachmittags fiel ihr wieder ein, dass sie noch keine endgültige Idee für den Überfall hatte. Vielleicht sollte sie am Abend mit Leyla mal drüber reden.

Es war schon kurz vor neun Uhr am Abend, als Leyla anrief. „Darf ich noch stören? Ich weiss, es ist schon spät. Aber mit meiner Schicht bin ich nicht eher dazu gekommen.“ „Doch, ist okay. Schlafe ja noch nicht.“

„Wie ist Dir das Joggen im Regen bekommen?“ wollte Leyla wissen. „Och, eigentlich bis jetzt ganz gut. Aber sollen wir nicht das nächste Mal bei so unsicheren Wetter eine Regenjacke mitnehmen?“ „Nur wenn Du statt nass zu werden, Dich lieber totschwitzt. Und vorher die Jacke auch noch als Ballast hast.“

Kleene gab nicht auf, „ich hab eine Regenjacke, die man ich in eine Gürteltasche zusammenfalten.“ Aber auch Leyla blieb bei ihrem Standpunkt, „na ja, in einer Gürteltasche kann man sie einigermassen ohne Probleme dabei haben. Da taugt so eine Regenjacke zum Spazierengehen, aber beim Joggen kannst Du jede Regenjacke vergessen.“

„Okay, ich hab es verstanden,“ antwortete Kleene etwas enttäuscht. „Man muss sich also nass regnen lassen.“ „Na ja, so schlimm ist nass bei diesen Temperaturen auch nicht, oder?“ antwortete Leyla. „Und wenn es kälter ist?“ wollte Kleene wissen. „Wenn es kälter ist, kann man auch joggen.“ „Und wenn es da regnet?“ „Na ja, dann gibt es irgendwann Grenzen, wo ich auch nicht mehr jogge,“ gab Leyla zu, „aber heute war es auf jeden Fall warm genug. Hab gehört, Du willst beim Lagerüberfall mitmachen? Da kannst Du auch richtig nass bei werden.“

Kleene protestierte, „Das ist doch ein Unterschied. Da hab ich alte Klamotten an...“ Leyla fiel ihr ins Wort, „eben, da hast Du wie beim Joggen Sachen an, die Du hinterher ausziehst und trockene anziehst...“ „Sind da aber alte Sachen und kein Jogginganzug.“ „Ja, weil ein Jogginganzug für den Überfall nicht gerade praktisch ist. Aber prinzipiell sind das alles Sachen, die man nicht lange mehr anhat, nachdem sie nass wurden. Oder machst Du doch nicht mit? Noch kannst Du es Dir überlegen.“

Kleene schüttelte den Kopf, auch wenn Leyla das am Telefon nicht sehen konnte. „Natürlich mach ich mit. Wenn ich auch noch nicht richtig weiss, was ich anziehen soll. Unten könnte ich ja eine alte Jeans anziehen. Tarnklamotten hab ich keine, oder noch keine. Aber oben weiss ich noch nicht so recht.“
Leyla kam in ihr Element, „Du, ich überleg mal. Hab da eventuell eine Idee. Ich komm morgen früh mal zu Dir. Hab ja auch morgen nachmittags Schicht. Sagen wir die selbe Zeit wie heute.“

Kleene verstand noch nicht so recht, „Willst Du morgen früh wieder joggen?“ „Nee, ich bring paar Klamotten mit und dann schauen wir mal, ob Dir Dich als Überfallerin perfekt anziehen können.“ „Toll. Freue mich drauf, dass Du mir hilfst. Mir fällt da ein Stein vom Herzen.“

Den Rest des Abends merkte Steven, dass Kleene damit einen guten Schritt weitergekommen war, auch wenn er nicht genau wusste, wie Leylas Idee  aussah.

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