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Überfall auf ein Zeltlager

von Jeanmarie
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
30.06.2014
30.07.2016
9
17.981
 
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30.06.2014 1.241
 
Am nächsten Morgen frug Steven Kleene beim Frühstück, ob sie immer noch bereit wäre, mitzumachen. „Ja sicher, ist doch ein Riesen-Spass.“ „Aber wie gesagt: wahrscheinlich bist Du hinterher  total dreckig oder klitschnass oder gar beides.“

Für eine Sekunde war Kleene ruhig. Dann lächelte sie etwas. „Das hast Du in den letzten Jahren doch auch riskiert.“ „Ja, und meistens bin ich auch dreckig und nass dabei geworden.“ Obwohl Steven ihr am Vorabend ähnliches schon gesagt hatte, war Kleene jetzt für einen Augenblick verunsichert.

„Besteht dann auf dem Lagerplatz Gelegenheit, sich hinterher zu waschen und andere Klamotten anzuziehen?“ „Ja, sicher“, beruhigte er sie. „Wir nehmen saubere Klamotten mit, und duschen können wir auch.“

„Dann ist doch alles machbar. Wieso soll ich da nicht mitmachen? Du bist doch auch dabei“, antwortete Kleene. „Gut, ich schick heute abend ein Mail an Marc und Roger, damit die wissen, dass Du auch mitmachst. Wird jetzt zu knapp. Hab Dich lieb, “ schloss Steven, denn er musste bald zur Arbeit los.

„Ich Dich auch, “ antwortete Kleene. „Soll ich denn schon mal mit Charlie reden wegen der Klamotten für Dich?“ „Ich kann sie auch selbst anrufen.“ „Okay, mach das.“

Nachdem Steven nun zur Arbeit aufgebrochen war, war Kleene allein zu Hause. Erst erledigte sie ihre Hausfrauen-Pflichten.

Kleene hatte es sich angewöhnt, dann am frühen Vormittag ein wenig zu joggen. Entsprechend zog sie sich Laufsachen und Joggingschuhe an und drehte dann ihre Runde: erst ein Stück durch das Dorf, dann weiter über asphaltierte Feldwege, bis sie schließlich von der anderen Seite wieder zurück ins Dorf kam.  Wieder zu Hause, war sie vom Joggen erst etwas erschöpft, aber nachdem sie unter der Dusche war, ging es ihr wieder gut. Irgendwie war das Joggen doch eine gute Idee, auf die sie Steven gebracht hatte.

Nach dem Mittagessen wollte sie es sich zunächst etwas gemütlich machen. Da  fiel ihr ein, dass sie am Vorabend selbst vorgeschlagen, zum Zeltlager-Überfall eine alte Jeans anzuziehen. Sie hatte da an ein ganz bestimmtes Exemplar gedacht. Wo war diese? Ein paar Kartons mit alten Sachen hatte sie, seitdem sie bei Steven eingezogen war, gar nicht ausgepackt. Zum Teil, weil es Wintersachen waren, die sie noch nicht brauchte; zum Teil weil es schon etwas alte Klamotten waren, wo sie schon überlegt hatte, sie wegzuwerfen, weil abgetragen oder ähnliches.

Sie kletterte auf den Speicher. Nach etwas Suche hatte sie die Jeans gefunden. Zwischen den Beinen war sie schon arg dünn und auch an den Knien schon gut abgenutzt, dass sie da mehr weiss als blau war.  Dazu war sie auch an den Oberschenkel mittlerweile gut ausgeblichen und an den Taschen war sie schon durchwetzt.  Wenn diese Jeans bei der Aktion Schaden nahm, war das nicht schlimm. Die konnte sie ruhigen Gewissens dann wegwerfen.

Um diese Jeans abends Steven zeigen zu können, nahm Kleene sie vom Speicher mitrunter.

In ihrem Zimmer schaute sie sich die Jeans bei besserem Licht noch mal an. Es blieb dabei,  diese Jeans hatte bessere Tage gesehen, und wenn sie nach dem Überfall die Hose wegwerfen musste, war es nicht schade drum. Sie fragte sich nur, ob sie in der Nacht in der mittlerweile (hell)blauen Jeans nicht wesentlich mehr auffiel als die anderen in ihren Tarnzeug.

Sollte sie nicht  doch besser Charlie anrufen, ob die eventuell Tarnsachen für sie hätte. Andererseits konnte sie sich so recht nicht vorstellen, dass Charlie Tarnsachen übrig hatte. Selbst wenn sie eine Tarnhose bekommen würde, wo sollte sie Springerstiefel herbekommen. Ach, sie sollte am Abend mit Steven noch mal darüber reden und ihm die alte Jeans zeigen.

Im Laufe des Nachmittages überlegte sie nebenbei schon mal ein bisschen, was sie den Wachen als Story erzählen konnte. Je besser, desto eher würden sie es ihr glaube.

Ihr fielen da auch ein paar Sprüche ein. Aber das besprach sie am besten mit Steven und den anderen, was da am glaubwürdigsten war. Die kannten die Pfadfinder schließlich besser als sie. Am besten sie schrieb sich die Sprüche auf, bevor sie sie wieder vergas.

Während sie das Abendessen kochte,  kam Steven zu ihr in die Küche. Er war etwa eine halbe Stunde zuvor von der Arbeit heim gekommen. Nachdem er etwas mit Kleene gesprochen hatte, hatte er sich  in seinem Arbeitszimmer an seinen Laptop gesetzt und geschaut, was für neue Mails er bekommen hat. Nachdem er ihr von den neuesten Supermarkt-Angeboten, die er mittels Mail-Newsletter erhalten hatte, erzählt hatte, kam er wieder zum Thema Überfall. „Hey, ich hab Marc und Roger ein Mail geschickt, dass Du mitmachst.“ „Gut. Ich hab meine alte Jeans gefunden. Zeig ich Dir nach dem Abendessen.“

So geschah es auch. Steven war ebenso der Meinung, dass sie die Jeans ruhig zum Überfall anziehen konnte. „Soll ich nicht besser eine Tarnhose tragen?“ frug Kleene ihn. Steven überlegte, „Musst Du wissen. Hast Du denn mit Charlie deshalb gesprochen?“ „Nein, noch nicht. Wollte erst wissen, was Du von der Jeans hält.“

„Die kannst Du ruhig anziehen. Die kann man schon jetzt nicht mehr retten.“ „Also, was soll ich anziehen: Jeans oder Tarnhose?“ „Das musst Du wissen. Wenn Du Tarnsachen anziehst, denken wir uns schon was anderes aus, wie wir die Pfadfinder ablenken. Nur dann musst Du mit uns stürmen und die ganzen Kids jagen uns und versuchen uns, die Lebendbänder abzureissen. Ich weiss, Du bist für Action bereit, aber das ist ganz gewiss kein Spaziergang.“

Kleene wollte wissen, „und die Alternative?“ „Wenn Du die Landstreicherin…“ „Schäferin, ist mir heute nachmittag eingefallen.“ „Und wo hast Du dann die Schafe?“ Kleene überlegte. Aber dazu fiel ihr noch nichts ein.

„Also, wenn Du als Landstreicherin sie ablenkst, kann Du ganz normal auf den Platz gehen und mit den Wachen reden. Das ist doch die angenehmere Alternative, und Du hilfst allen dabei.“ „Du meinst, dass ich so wieder unbehelligt weggehen kann.“ Steven schüttelte den Kopf, „klingt ja ganz so, als wenn Du enttäuscht wärst, wenn Du nicht dreckig wirst.“ „Ach so ist das auch nicht. Fände das nur unfair, wenn ihr da alle dreckig werdet und ich nicht.“

Steven freute sich. Wo Kleene mitmachte, dachte sie immer an die Gruppe. Was auch ein Grund war, warum er sie liebte. „Muss Dich da enttäuschen. Irgendwann werden sie die Verlade begreifen, wenn sie nicht wirklich Schafe sind. Und dann werden sie Dich schon festhalten.“

Kleene überlegte. Dass sie als Finte am Zeltlager auftauchte, hatte schon was für sich. „Doch, das machen wir so. Nur die Landstreicherin gefällt mir nicht ganz. Da passt die Hose nicht ganz zu.“ „Wieso? Die ist doch richtig alt?“ „Und was zieh ich oben an?“ „Ein Sweatshirt?“ „Aber da hab ich nichts altes. Und dann passt wieder die Landstreicherin nicht?“

Steven überlegte. Aber spontan fiel ihm nichts ein. „Überleg morgen mal. Vielleicht fällt Dir eine bessere Story ein, oder frag morgen Charlie. Vielleicht hat sie was für oben.“ Okay, das erschien Kleene eher möglich, dass Charlie oder eine der anderen Freundinnen ein altes Sweatshirt oder ähnliches hatte als überzähliges Tarnzeug für Kleene.

Am nächsten Vormittag wählte sie eine andere Joggingstrecke.  Ihr Weg führte sie diesmal über andere Feldwege. Dabei sah sie auch neben dem Weg einen Acker mit grösseren Wasserflächen. Da sie über einen asphaltierten Weg joggte, war das für sie kein Hindernis. Aber ihr fielen dabei die Gummistiefel ein, die sie bei dem Zeltlager-Überfall tragen sollte. Konnte sie überhaupt die Jeans in die Stiefel stecken? Das sollte sie  mal ausprobieren, bevor sie am Überfall-Abend da vor einem Problem stand.

Sie versuchte es sich für zu Hause zu merken.
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