Der Herr der Julzeit

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
Krampus OC (Own Character) Perchta Santa Claus
29.06.2014
19.03.2019
64
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Krampusnacht.


Please allow me to introduce myself
I'm a man of wealth and taste
I've been around for a long, long year
Stole many a man's soul to waste.

The Rolling Stones - Sympathy For The Devil





Es war der 05. Dezember, 23:11 Uhr, und somit die Nacht vor Nikolaus.
Ein zierliches Mädchen von 8 Jahren lag wach in ihrem Bett und lauschte in die Stille der Nacht hinaus.

Sie musste an den Vormittag in der Schule denken, sie hatte sich mit ihrer Freundin Lizzy gestritten. Lizzy hatte behauptet, dass es den Nikolaus nicht gab und nur Babys an ihn glaubten.
„Blöde Kuh“, dachte sich das Mädchen und schnaubte verächtlich. „Was weiß die denn schon!“
Mary glaubte fest an den Nikolaus und hoffte, dass er in diesem Jahr einen weiten Bogen um das Haus ihrer Freundin machen würde.

Während Mary in ihrem Bett lag und sich das dumme Gesicht von Lizzy vorstellte, hörte sie ein Geräusch im unteren Stockwerk des Hauses.
Ein Geräusch, welches nicht in die übliche Geräuschkulisse passte.
Es polterte kurz und sie hörte, wie unten etwas klirrend zerbrach.
„Der Nikolaus“, dachte die 8jährige aufgeregt und spürte wie ihr Herz anfing eifrig zu schlagen.
Sie schlug die warme Daunenbettdecke zur Seite, zog ihre gestreiften Wollsocken an und stieg aus dem Bett. Leise schlich Mary zu ihrer Zimmertüre und öffnete diese vorsichtig einen winzigen Spalt. Im Flur herrschte völlige Dunkelheit, anscheinend hatten ihre Eltern nichts gehört und schliefen weiterhin friedlich.

Das Mädchen tapste die Treppe hinunter und fuhr sich nervös durch das lange, dunkelbraune Haar.
Da war kein Nikolaus.
Stattdessen stand ihr ein mindestens zwei Meter großes Wesen, welches hauptsächlich aus drahtigen Muskeln, Adern, dunkler Haut und tintenschwarzem Fell zu bestehen schien, gegenüber und starrte Mary aus glühenden Augen überrascht an. Aus der wilden Mähne sprossen gewundene Hörner und es trug einen eigenartigen, pechschwarzen Sack über der Schulter.
Die erschrockene Miene des Mädchens entlockte dem Teufel ein Grinsen und ließ seinen Schwanz aufgeregt zucken.
„Wer bist du?“, fragte Mary.
Der Teufel lachte verzückt auf. „Ich bin Krampus, der Herr der Julzeit.“
Sein Blick fiel auf den prall mit allerlei Leckereien gefüllten Nikolausstiefel auf der Treppe und er verzog seinen Mund zu einer missbilligenden Schnute.
Die 8jährige bemerkte die Miene des Teufels und fühlte sich schlecht. Da hatte sie für den Nikolaus einen Stiefel randvoll mit Süßigkeiten herausgestellt und dieses arme Wesen total vergessen.
Er tat ihr wahrhaftig leid und mit einer Selbstverständlichkeit, die nur ein Kind aufbringen konnte, ging sie auf den Gehörnten zu.
„Wenn du magst, dann kannst du dir die Süßigkeiten nehmen“, sagte Mary. „Ich glaube nicht, dass der Nikolaus etwas dagegen hat.“
Die Erwähnung des Heiligen ließ ihn aufhorchen. Er ging vor dem Mädchen in die Hocke.
„Wie lautet dein Name, mein liebes Kind?“
„Mary“, erwiderte die Braunhaarige und lächelte dem Herrn der Julzeit aus grauen Augen aufmerksam entgegen.
„Merk dir das Folgende gut, kleine Mary“, grinste der Teufel. „Ich bin Krampus, der Herr und Gebieter über die Julzeit. Ich belohne all jene, die sich an mich erinnern und mir die angemessene Ehre erweisen. Und ich bestrafe die, die das nicht tun. Also, denkst du, du wirst es schaffen mir nächstes Jahr eine kleine Gabe zu erweisen?“
Die Kleine nickte.
Das teuflische Grinsen auf Krampus Gesicht wurde noch breiter, er schloss die Augen und griff in den schwarzen Sack. Heraus zauberte er zwei dreieckige Goldmünzen. Ein erstaunter Ausdruck legte sich auf Marys Gesicht, während ihre Augen gebannt auf die Münzen starrten.
„Ein frohes Julfest“, sagte der Gehörnte und ließ die Goldmünzen in die geöffnete Hand des Mädchens fallen.
Er drehte sich um und schickte sich an zu gehen.
„Danke“, erwiderte Mary. „Und ein schönes Julfest!“
Krampus drehte sich nochmal um, winkte dem freudestrahlendem Kind ein letztes Mal zu und verschwand aus dem angelehnten Fenster.

Krampus hüpfte zufrieden zu seinem grünen Schlitten, vor welchem zwei mächtige Julböcke gespannt waren. Er streichelte Tanngnost und Tanngrisnir beinahe liebevoll über die Köpfe und stellte sich auf die Vorderbank.
„Zeit, schrecklich zu sein!“, flüsterte der Teufel und flog in den sternlosen Nachthimmel.



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So, ihr Lieben.
Meine erste kleine Geschichte.
Vielleicht kommt da irgendwann nochmal ein weiteres Kapitel, deshalb ist sie auf "in Arbeit" gesetzt.
Ich danke Herr Brom für sein wundervolles Buch.
Inspiriert wurde ich durch "Krampus" von Brom, einen Traum und durch die tollen Arbeiten von seven devils, VoodooDolly und bonesbuddy.
Ich find euch klasse ♥.
Über Meinungen und Reviews freue ich mich natürlich, da es mein erstes Werk ist. Und wahrscheinlich vorerst auch bleiben wird.

"Ich vertrete die Meinung, dass eine gute Geschichte nicht viel braucht. Man kann mit Worten Bilder in den Köpfen der Leser malen, wenn man will. Dazu gehört nicht viel. Nur ein wenig Herzblut und Leidenschaft." (seven devils)
Danke, denn ohne diese Worte hätte ich mich bestimmt nicht getraut hier etwas hochzuladen.
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