Was bleibt ist die Erinnerung

GeschichteThriller, Übernatürlich / P16 Slash
Kohta Mayu Nana (Nr.7) Nyu/Lucy Yuka
27.06.2014
29.07.2015
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„Nyu, was machst du denn hier? Was ist passiert?“ Kohta drückt sanft Nyus Hände und sieht ihr besorgt in ihre tränenvernetzten Augen, die im Licht der Abendsonne glänzen. „Kohta…“, wispert Nyu wieder und senkt ihren Kopf, sodass ihr roter Pony über ihre Augen fällt. Kurz darauf reißt sie plötzlich ihre Augen auf und öffnet ihren Mund, als wolle sie schreien. Es kommt jedoch nur ein erstickter Laut heraus. Im selben Augenblick werden ihre Augen starr und glasig. Kohta kann nur noch dabei zusehen, wie sie in seine Arme kippt und er fängt sie auf, bevor sie auf den Boden aufschlagen kann. Leblos liegt sie nun in seinen Armen und seine Besorgnis treibt ihm Tränen in die Augen. Er kann nicht verhindern, dass sie ihm über die Wangen rinnen und auf Nyus Kleid tropfen.
„Nyu…was ist mit dir? Wach auf!“ Er rüttelt sie sanft, aber sie reagiert nicht mehr. „Nyu, bitte!“, fleht Kohta verzweifelt und streicht ihr mit einer Hand über den Kopf. An der Schläfe hält er inne und schiebt dort die Haare ein wenig beiseite. Dort prangt die Platzwunde und von der Wunde bis zum Kinn  zeichnet sich ein Rinnsal aus Blut. Kohta wird klar, dass Nyu geschlagen wurde. Dass Lucy geschlagen wurde...
Sie muss in Schwierigkeiten geraten sein, als sie ihn damals verließ. Lucy…
Kohta kneift die Augen zusammen, um nicht weinen zu müssen. Seine Selbstvorwürfe holen ihn wieder ein und lassen ihn so schuldig fühlen, wie schon lange nicht mehr. Aber gleichzeitig muss er wieder an Lucys Bitte denken, sie gehen zu lassen. Er hätte es so oder so nicht verhindern können.
Kohta versucht sich zu fassen bevor er Nyu ins Haus trägt. Er will unter keinen Umständen Yuka so unter die Augen treten. Sie würde sich nur wieder zu sehr aufregen, und Fragen will er keine beantworten müssen. Denn wie soll er Yuka zum Beispiel erklären können, warum er weinen musste, ohne dass sie wieder eifersüchtig wird und ihm später wieder vorwirft, er hätte nur Augen für Nyu.
Kurz fährt er sich mit seinem Ärmel über die Augen, dann hebt er Nyu behutsam hoch und trägt sie durch das Tor ins Haus. Wie vermutet steht Yuka, die Hände in die Hüften gestemmt und mit strengem Blick, bereits im Hausflur. Als sie aber Nyu auf seinen Armen erblickt, werden ihre Augen groß und jeder strenge Zug verschwindet aus ihrem Gesicht.
„Mein Gott, Kohta! Was ist mit ihr? Wo kommt sie her? Was ist passiert?“ Sie eilt auf ihn zu und Kohta setzt zu einer Antwort an, als er jäh von Mayu unterbrochen wird, die aufgeregt aus dem Speiseraum stürmt. „Lucy ist wieder da?“, fragt sie hoffnungsvoll und kommt neben Kohta zum Stehen. Als sie Yukas verwirrtem Blick begegnet, schlägt sich Mayu entsetzt die Hand vor den Mund.
Schließlich ist Yuka die einzige, die noch nicht mit der Sache von Lucy aufgeklärt wurde. Sie weiß nichts von der Sache der Diclonius und Kohta hat Mayu und Nana eindringlich darum gebeten es dabei zu belassen. Sie solle nicht wissen, dass Nyu eine gespaltene Persönlichkeit besitzt und in Wahrheit sich eine Mörderin in ihr verbirgt. Die Mörderin, die seinen Vater und Kanae auf dem Gewissen hat. Aber selbst das, wissen Mayu und Nana noch nicht und das ist auch besser so. Wenn ausgerechnet Yuka davon erfahren würde, dass Nyu in Wirklichkeit diejenige ist, die ihm das angetan hat, Gnade ihr Gott was sie mit Nyu anstellen würde.
„Nyu, ich meinte Nyu. Was ist mit ihr? Sie blutet ja!“ Mayu richtet ihre volle Aufmerksamkeit auf Kohta und der bewusstlosen Nyu. Yukas noch immer skeptischen Blick versucht sie so gut es geht zu ignorieren.
„Ich weiß nicht… Ich habe sie weinend vor dem Tor gefunden und als ich sie fragte, was passiert ist, ist sie in meinen Armen zusammengebrochen…“ Kohta blickt schweren Herzens wieder in Nyus Gesicht. Erneut rinnt ihm eine Träne über die Wange. Aus dem Augenwinkel kann er sehen, dass Yuka ihn beobachtet und beinahe wieder vor Eifersucht platzt. Er seufzt tief.
„Ich bringe sie hoch zu mir und schaue, was ich für sie tun kann.“ Mit diesen Worten schlurft Kohta mit Nyu an Yuka vorbei, die Treppen zum ersten Stock hinauf. „Wenn sie wach wird, sagst du uns das, ja?“, ruft Mayu ihm hinterher und zieht Yuka, die sich sträubt, zurück in den Speiseraum. Kohta dankt Mayu im Stillen dafür, denn Yukas Eifersuchtsanfälle sind in diesen Augenblicken sehr unpassend. Manchmal fragt er sich, ob Yuka manchmal wirklich nur an sich selbst denkt. Zudem wenn es um Nyu geht, die bewusstlos in seinen Armen liegt.
„Was ist nur mit dir passiert, Nyu? Bitte öffne deine Augen.“ Er sieht sie wieder mit einem hoffnungsvollen Blick an, aber sie ist und bleibt regungslos.
Er erklimmt die letzten Treppenstufen und erreicht schließlich den ersten Stock. Doch kaum hat er einen Fuß in dessen Flur gesetzt, hält er inne, denn er vernimmt in einem Winkel des Flurs eine ruckartige Bewegung. Im dunkelsten Schatten des Winkels steht eine Person und dessen Hörner reflektieren das Sonnenlicht, das durch die Fenster dringt.
„Nana, bist du das?“ Kohta nähert sich vorsichtig der Person und findet tatsächlich Nana starr in der Ecke stehen. Ihr stehen Schweißperlen auf der Stirn und ihre großen roten Augen haben einen durchdringenden Glanz angenommen. Sie zittert am ganzen Leib und beißt krampfhaft ihre Zähne zusammen. „Nana, was…?“, setzt Kohta an, als sich Nana plötzlich gegen die Wand presst und einen spitzen Schrei ausstößt. Einen Moment verharrt sie so, dann vergräbt sie ihr Gesicht in ihren Händen und rutscht kraftlos zu Boden.
„Nana?“, flüstert Kohta, drückt Nyu an sich und geht vor Nana in die Hocke. „Was geht hier vor sich? Was ist los mit dir?“ Nana lässt ihre Hände sinken und schaut zögernd zu Kohta auf. Aus ihrem Augenwinkel rinnt eine Träne.
„Das war Lucy…“
Kohta schreckt entsetzt zurück. „Kohta, obwohl Nyu bewusstlos ist, hat sie von dem Moment an, als ihr den ersten Stock erreicht habt, ihre Vektoren benutzt. Sie tanzten zunächst total wirr und verschreckt im Stockwerk herum, aber als ich eben mein Zimmer verließ, hielten sie inne und schwebten ziemlich drohend auf mich zu. Danach haben sie mich an die Wand gedrückt. Nyu würde so etwas nie tun, da bin ich mir sicher. Es muss Lucy gewesen sein. Aber was mich verwirrt ist, dass ihre Vektoren eben so aufgeregt waren. Als mich eine an die Wand drückte, formten die anderen Vektoren eine Art Botschaft vor mir…“
Kohtas Blick wird finster. „Eine Botschaft?“ Nana nickt langsam und stemmt sich an der Wand hoch. „Ich glaube, dass Lucy in ernsthafte Schwierigkeiten geraten ist, als sie ging und nun etwas Schlimmes passiert ist.“ „Warum denn? Warum glaubst du das, Nana?!“ Kohtas Sorge um Nyu vermischt sich nun mit seiner Ungeduld und das aufkommende Gefühl zerreißt ihn fast. Am liebsten würde er Nana an den Schultern packen und schütteln, damit sie mit der Sprache herausrückt.
Plötzlich aber regt sich etwas in seinen Armen und Nyu stößt ein schwaches Stöhnen hervor, als sie langsam ihre Augen öffnet. Ihr müder Blick richtet sich auf Kohta und sie sieht ihm direkt in die Augen. „Kohta…“, flüstert sie schwach und lehnt ihren Kopf an seine Brust. Es klang traurig.
„Nana“, wispert Kohta eindringlich. „Was war Lucys Botschaft?“ Nana betrachtet zunächst Nyu in seinen Armen, dann lässt sie ihren Kopf sinken.
„S.O.S. … Es war S.O.S …“
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