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Lord Shen - The Reign of Gongmen City

von Chaohrem
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Lord Shen Po Shifu Tigress Wahrsagerin
24.06.2014
16.04.2016
7
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Es war ein langer, beschwerlicher Weg; jedenfalls kam es Shen so vor. Die Nacht schien sich unendlich lang zu ziehen, doch der helle Mond gab ihm Kraft, nicht aufzugeben… Oder war es doch der Blick Farroks? Als würde er sich  gleich auf Shen stürzen und ihn erbarmungslos auseinandernehmen, wie ein willenloses, ihm ausgeliefertes Opfer… Diese funkelnden Augen… Zugegeben, Shen zeugte Respekt vor ihm. Mit erhobenem Haupte führte der Greifvogel ihn immer weiter, durch dicht bewachsene Wälder, an Felsvorsprüngen vorbei und Shen hätte schon fast geglaubt dieser Farrok würde ihn doch in die Irre führen und nur ein Spiel mit ihm spielen… Vielleicht testen, wie lange er noch durchhalten würde? Shen setzte Mühsam ein Bein vor das andere, wollte er nicht vor dieser Krähe seine Ehre bewahren; Shen wäre schon längst zusammengebrochen.
Doch mit einem Mal blieb Farrok stehen, seine blitzenden Augen auf den Pfau gerichtet. Mit einer Flügelbewegung bedeutete er Shen, dass sie angekommen waren. Farrok trat einige Schritte nach rechts und vor Shen tat sich ein großer Eingang zu einer Höhle auf. Wie das Tor zu einer längst vergessenen Welt, alt und doch noch voller Magie. Um den Eingang waren seltsame Zeichen in den Felsen gehauen, welche, wenn man genauer hinsah, im Sonnenlicht schimmerten.
Shen wollte keine Zeit verschwenden, er hatte im Moment keinen Sinn für solche Dinge. Er war müde, endgültig entkräftet und wollte endlich, dass Farrok sein Versprechen einlöste. Macht! Nur dafür war er überhaupt hier. Übersinnliche Fähigkeiten, die sein Leiden für immer beenden werden! Shens Hoffnung übermannte ihn und die Gedanken von Lug, Betrug und Verrat gerieten immer mehr in den Schatten.
Macht! Herrschaft! All das könnte bald ihm gehören…

„Lord Shen! Tretet ein.“

Shens Aufmerksamkeit richtete sich nun vollends auf die Höhle. Um ihn herum schien alles zu verblassen, sich regelrecht aufzulösen. Sein Körper nahm eine starre Haltung ein und Shens Blick konnte sich nicht mehr von dem Eingang Lösen, er war fast wie gelähmt. Und dieses Gefühl? Ein unbändiger Drang, die Höhle betreten zu müssen… Shen fühlte sich so leer, nur noch der Gedanke an die Höhle trieb ihn langsamen Schrittes voran; er konnte es gar nicht beeinflussen. Die Umgebung verschwand immer mehr… Nur noch diese leuchtenden Augen, die aus der immer näher kommenden Dunkelheit funkelten. Der violette Schimmer darin verlor sich in einem immer zunehmend weißeren Schein… So mystisch… So geheimnisvoll; so anziehend… Weiter nach vorne schreitend verlor sich Shen mehr und mehr in diesen Augen, mit jedem Schritt…  bis seine Außenwelt komplett verschwand und er selbst sich nur noch in einem schwarzen Schleier und aufkommender Kälte wiederfand.

~

„Dieser Möchtegern Lord ist noch viel schwächer als ich zu träumen wagte… Nuwa, sieh endlich ein, dass er…“
„… Genau der richtige ist, den ich brauche! Sieh nicht immer nur das, was sich dir vor den Schnabel wirft, Farrok! Sieh genauer hin! „
Farrok schnaubte verächtlich, er wollte keinerlei Zeit mehr mit Nuwas Gerede verschwenden. Sie hatte nun, was sie so sehnlichst wollte; einen schwachen, am Boden liegenden Pfau, welcher in seinen Augen kaum noch zu Leben verdiente. Für Farrok überliebten nur die Starken, die die es auch verdient hatten… Er kannte den Pfau nicht; hatte aber auch kein Bedürfnis daran, dies zu ändern.
„Ich werde nun meinen täglichen Pflichten nachgehen; es wird allmählich Zeit, der Tag hat bereits begonnen.“
Ohne auf eine Antwort zu warten, breitete Farrok würdevoll seine Flügel aus und erhob sich gemächlich. Wie ein schwarzer Schatten glitt er durch die Luft, bis er in der Ferne verschwand.
Nuwa schaute ihm nach, doch wandte sich nun vielmehr ihrem Besucher zu. Dieser lag seit vergangener Nacht noch immer auf dem Boden. Die Polarfüchsin betrachtete ihn nun genauer. Sein Atem war schwer, seine Federn verklebt von verkrustetem Blut. Sein Gewand war regelrecht zerrissen und viele Teilstoffe schienen sich jeden Moment vom ganzen zu lösen. Nuwa seufzte und schaute ihn mitleidig an. Sie erhob ihre Pfote und hielt sie sacht über Shens Gesicht, eine schier unscheinbare Macht ging von ihr aus. Shen öffnete langsam seine Augen, hob langsam den Kopf und schaute die Füchsin blinzelnd an.
„W-wer…“, versuchte er zu sprechen, doch seine Kehle fühlte sich so trocken an und schmerzte mit jedem Wort mehr.
„Steh auf. Ich weiß, dass du dich widersetzen kannst; so schwarz deine Seele auch ist, desto stärker und unbeeinflussbarer macht sie dich!“
Shen spürte mit einem Mal einen Widerstand; er hinderte ihn daran, aufzustehen; drang ihn immer wieder zu Boden… War das das Werk der Füchsin? Von…. Nuwa? Oder wie auch immer Farrok am gestrigen Abend zu sagen vermochte…
„Kämpfe dagegen an, Shen! Du hast die Macht, das weiß ich…“ Nuwa wirkte etwas enttäuscht; in Gedanken fügte sie hinzu: „Es muss so sein… Ich kann mich nicht geirrt haben… Darf es nicht. Es war nahezu perfekt; Shen wäre perfekt. Er ist das letzte Stück zu meinem Plan; sein Wahnsinn, seine Besessenheit…Diese Perfektion!  Wer sonst könnte so viel Stärke und zugleich auch so viel Schwäche aufbringen?  Wer sonst würde sich als so würdig erweisen?“

Shen blinzelte, so stark er auch gegen diese Macht anzukommen versuchte, so schaffte er es nicht.

„Du bist stark, das weiß ich. Du hast den Willen; mit einem starken, unbändigen Willen kannst du dich dieser Magie entziehen. Beweise mir, dass du nicht so gebrochen bist, wie du aussiehst!“

Was wollte diese Nuwa von Shen? Ein plötzlicher Schmerz durchfuhr ihn, schien seinen Körper zu lähmen.

„Widersetze dich! Zeige mir, dass meine Magie dir nichts anhaben kann!“

Die aufkommenden Schmerzen waren kaum zu ertragen, als würde ihm jemand von innen einige Rippen brechen. Der Pfau stöhnte laut auf. Wo war er hier denn gelandet? Sollte diese Nuwa ihm nicht Macht verleihen? Wut stieg in ihm auf. Farrok hatte ihn also doch in eine Falle gelockt, deshalb war er auch so schnell verschwunden…. Als wäre Shen nicht schon geschwächt genug. Doch sollte er sich wirklich so schnell ergeben? Wieder durchfuhr ihn diese Qual; als würde er von einem Blitz getroffen werden.
Nuwa starrte Shen grinsend an, mehr nicht…. Sie blickte ihm nur in die Augen. War das wirklich sie? Kam all diese Macht von ihr aus?
„Wohl doch nur ein verlorener, geschwächter, mickriger Pfau… Wie Farrok gesagt hat. Ein Niemand; nur ein Totgeweihter….“
Provozierend schaute die Füchsin Shen an.
Geschwächt vielleicht ja, doch keineswegs mickrig. Und noch weniger Totgeweiht. Diese Nuwa wusste nicht, wen sie vor sich hatte. Lord Shen, der, der einen Kampf mit dem Drachenkrieger überlebte; zukünftiger Herrscher über China und somit auch über Nuwa! Niemand entschied über Shen; niemand herrschte über ihn! Und niemand sollte es wagen, dies anzuzweifeln.
In Shens Augen wurde plötzlich ein Feuer entfacht, ein Feuer der Zerstörung; des Sieges!
„Nur ich allein bin Herrscher meiner selbst!“, rief Shen und richtete sich mühsam auf, jeder Muskel schmerzte, doch Shen verbot sich noch einmal wie ein willenloses Opfer zusammenzubrechen.
Nuwas Augen verengten sich zu schlitzen, das blau wandelte sich zu einem weiß, Shen spürte wieder, wie ihn die Kraft zu Boden ringen wollte, doch er kämpfte dagegen an. Er  kniff die Augen zusammen, starrte Nuwa feindselig an und richtete sich vollends majestätisch vor ihr auf. Er fühlte sich mit einmal mal so stark, als könnte er jeder Macht der Welt trotzen. Er spürte regelrecht, wie in seinem Körper ein Feuer loderte, welches ihn mit jeder Sekunde mehr erstarkte.
„Ich nehme an, unsere Füchsin ist jetzt zufriedengestellt?“ Shens Körper zitterte, seine Konzentration war vollends auf Nuwa gerichtet. Diese öffnete weit die Augen und starrte Shen ehrerbietig an. Dann verzog sich ihre Miene zu einem breiten Grinsen.
„Ich wusste, dass in dir das Feuer brennt. Ich habe mich nicht geirrt… Ich bin beeindruckt; du hast mir gezeigt, dass du doch  den Willen hast… Dich meiner Macht zu widersetzen… Du musst wirklich viel Leid in deinem Leben erfahren haben… Aber noch viel mehr Hoffnung und Ehrgeiz in deine Zukunft…“
„Erspar mir deine predigt! Ich bin nicht hier um mir dein Geschwätz anzuhören.“
„Nun, dieses Geschwätz ist jedoch von großer Bedeutung. Wenn du Macht besitzen willst, musst du sie verstehen; mit ihr Eins sein. Nur wenn du sie verstehst, kannst du sie kontrollieren. Oder sie wird dich letztlich noch vernichten…  Oder glaubtest du wirklich, es wäre so einfach? Ich verleihe dir Mächte, mit der du ganze Dynastien vernichten könntest? So töricht kannst nicht einmal du sein, Shen! Macht bedeutet auch Verantwortung; selbst wenn man sie für das Böse benutzt…“
Shen verdrehte nur die Augen.
„ Du wirst es noch verstehen….“ Sie ging auf Shen zu. Ihre Stimme war so ruhig, so geheimnisvoll. Etwas, was Shen irgendwie in einen Bann zog… Doch hatte er nicht viel übrig für ihre Worte; er wollte nur eins: Macht! Und die Vernichtung des Drachenkriegers!
„So wie du im Moment aussiehst, wirst du kaum jemanden in einem ernsten Kampf vernichten können.“ Nuwa kicherte sarkastisch, während sie einmal um den Pfau herum lief. Shen ließ sie nicht aus den Augen. Er war erstaunt und irritiert zugleich. Konnte sie etwa…
„Ja Shen, ich weiß genau, was in deinem Kopf vorgeht; und dafür muss ich nicht einmal deine Gedanken erfassen… Deine Augen verraten mir ebenso, was du fühlst; was du denkst! Gedulde dich, Shen. Der Tag der Rache wird kommen…“ Sie ließ von ihm ab. Shen schaute ihr nach. Doch eine Sache ließ ihn nicht los…
„Nuwa, wenn du doch so viel Macht hast, wieso verlässt du diese Höhle nicht?“
Nuwa antwortete nicht sofort. Langsam drehte sie den Kopf in seine Richtung. Mit behutsamer, geknickter Stimme antwortete sie ihm.
„Weil ich nicht kann… Ich bin an diesen Ort gebunden. Es ist ein Fluch, verstehst du? Meine Macht mag sich all die Jahre ausgedehnt haben, doch reicht sie bei langem nicht aus, um mich hier herauszuführen. Dafür brauche ich nämlich… nun… dich, Shen! Ich habe vorhin gesehen, welche Macht in dir ruht. Und du bist wahrlich stärker als ich zu Anfang glaubte. Sich meiner Magie zu widersetzen gelingt nur einem: Nämlich dem, der das Feuer des Yanma zur Verfügung steht. Durch unzähliges Leid entzündet; entfacht aber durch Hoffnung und dem Streben nach einem Neuanfang… Die Wiedergeburt… Du ahnst nicht, was für Mächte in dir ruhen. Ich kann sie wecken; dir meine Fähigkeiten geben.“
Shen starrte sie erwartungsvoll an. Endlich; auf diesen Moment hatte er so lange gewartet. Die Gier wurde unersättlich.
„Wir haben ein gemeinsames Ziel, Shen. Eine alte Rechnung zu begleichen… Lass uns zusammen kämpfen und du bekommst, wonach du so sehnlichst verlangst… Macht!   Lass uns Seite an Seite kämpfen, und die Herrschaft ist so gut wie uns…. Dein, Shen!“
Shen lachte düster. Geblendet von der Vorstellung, bald alles und jeden zu unterjochen. Alle würden ihm huldigen!
Der Pfau lächelte finster und Nuwa schaute ihn aus großen Augen an.
„Also bist du nicht abgeneigt?“
„Kann ich solch ein Angebot überhaupt ablehnen? Eine so reizende Fuchsdame und dazu noch die wohl stärkste Macht in den Händen, die man sich nur vorstellen kann?“
Nuwas Grinsen wurde breiter.
„Oh, Shen, es freut mich, dass ich endlich einen würdigen Verbündeten gefunden habe.“
Sie streckte ihre Arme aus, ihre Augen, welche zuvor wieder ihren normalen, violett-eisblauen Farbton angenommen hatten, verloren sich nun in einer Art Nebel… Türkis leuchtende Nebelschwaden bildeten sich in Nuwas  Pfoten, welche mehr zu wachsen schienen und durch den Raum zu schweben begannen. Sie umkreisten Shen… er spürte zunehmend, wie sie sich auf sein Federkleid legten, ihn umrahmten… und erstarken ließen! Jeder zuvor spürbare Schmerz schien sich in der Ferne zu verlieren. Ein warmes Gefühl durchströmte Shen. Er schloss lächelnd die Augen und genoss das Spektakel. Bald schon würde ihn niemand mehr aufhalten können. Der Drachenkrieger würde sterben und Shen endlich über alles regieren; Nuwa war nur ein gelegentlicher, unbedeutender Teil… Wenn er sie nicht mehr bräuchte, würde auch sie seiner immer größer werdenden Macht zum Opfer fallen. Shen genoss diese Gedanken des Triumphes, als er die Augen wieder öffnete, war das Farbenspektakel schon fast erloschen. Etwas war anders. Shens zerfetztes Gewand war verschwunden; stattdessen trug er nun ein prachtvolles, Schwarzes Gewand. Auch seine Federn schienen gestärkt, die Wunden waren geheilt… Shen blickte zu Nuwa, welche still schweigend vor ihm stand.
„Es wird einige Zeit dauern, bis du meine Magie beherrschst… doch ich werde dich alles lehren, was du wissen musst und…“
Shen unterbrach sie lachend.
„… Belehren? Du willst mich belehren? Ich weiß nicht, wer genau du bist, doch es interessiert mich im Grunde gar nicht. Nur eins zählt: Sofern ich deinen vorigen Worten richtig gelauscht habe, besitze ich etwas, was du dringend benötigst. Also bin ich dir nun doch weit überlegen! Ich mag deine Magie besitzen; doch ebenso das Feuer des Yanma, was mich weitaus mächtiger macht. Auch wenn ich noch keine Kontrolle darüber habe, so schlage ich dir vor, mir gegenüber mehr Respekt zu zeigen! Ich bin erfreut, dass du mit mir deine Magie teilst, ich schätze das, jedoch...“
Nuwa knurrte ihn erzürnt an.
„Du führst dich auf wie ein vom Gold geblendeter Bandit! Siehst nicht mehr das wahre vor Augen. Ich habe dir die Magie zuteilen werden lassen, genauso schnell kann ich sie dir wieder nehmen!“
„Beschränken wir uns aber zuerst auf Tatsachen. Ich bin der Schlüssel zu deiner  Freiheit, besitze das Feuer des Yanma und kann dir damit trotzen, wie schon zuvor. Mich dir widersetzen; wolltest du das denn nicht zu Anfang? Dass ich Willen zeige? So hast du mir doch tatsächlich schon  gelehrt, dass du mir nichts mehr anhaben kannst, ist das nicht witzig?  Unterschätze mich nicht, Nuwa! Ich kann dir die Freiheit geben; dafür gibst du mir die meine! Ich will nur Rache…“

„Ebenso wie ich… Aber, Shen! Hör zu…“

„Nein, du hörst zu!“ Shen kam langsam auf sie zu, fing ihren Blick ein und stellte sich vor, wie er sie somit in eine Art Starre versetzen konnte. Wie er jeden noch so kleinsten Muskel lähmen konnte… Nuwa starrte ihn fassungslos an.
„W-wie hast du… s-so schnell…“ Sie schluckte heftig und Shen erfreute dieser Anblick.
„Ich sagte es dir bereits: Unterschätze mich nicht!“
Nuwa grinste, Shen spürte, wie er ruckartig nach hinten gestoßen wurde und unsanft an eine Felswand prallte. Die Füchsin kam langsamen Schrittes auf ihn zu.
„Erstens: Unterschätze mich lieber nicht! Zweitens: Weite deine Fähigkeiten lieber noch etwas aus, bevor du sie gegen mich wendest, oder du wirst sie doppeltfach zurückbekommen. Du siehst; du bist wohl doch in gewissem Maße auf mich angewiesen… Hilf mir; stell dich auf meine Seite… Kämpfe mit mir und du wirst reich belohnt für deine Taten. Stellst du dich jedoch gegen mich, so wird der Tod deine einzige Belohnung sein! Denn unterschätze niemals, wirklich niemals, den Schatten der Nacht!“
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