Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
48
Alle Kapitel
239 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
29.12.2015 2.036
 
In der Pause nach der Hälfte des Spiels, war es schwer, noch einen klaren Gedanken zu fassen.

„Das soll ein Unfall gewesen sein? Wo hat der Schiedsrichter seine Augen?“, knurrte Arisa.

„Ich verstehe das nicht. Wir haben ihnen nichts getan“, biss sich Kato auf die Unterlippe.

„Leute, beruhigt euch“, sagte Sato plötzlich, die sich in ihrer Liege aufsetzte. „Mein Arm ist bloß verstaucht, nichts gebrochen“, lächelte sie schief. „Wenn ihr jetzt so aufgebracht seid, könnt ihr euch gleich gar nicht mehr konzentrieren.“

„Sie hat recht“, seufzte Aika leise. „Das ist doch genau DAS, was sie wollen. Sie haben zuerst auf eine günstige Gelegenheit gewartet, um zuzuschlagen und nun wollen sie unsere Aufgebrachtheit nutzen, um uns zu überwältigen. Wir müssen uns sammeln und einen kühlen Kopf gewahren.“

Rika sah zur Seite. „Außerdem haben wir noch ein anderes Problem. Satos Ersatzspielern“, setzte sie an und legte ihre Hand auf Tsubakis Schulter, die daraufhin aus ihren Gedanken geworfen wurde.

„Du packst das oder?“, lächelte Rika leicht.

Tsubaki blinzelte sie ein paar Mal an. Dann atmete sie einmal tief durch. „K-klar, dafür haben wir doch bis jetzt trainiert.“ Im nächsten Moment sprang sie auf. „Ich muss nur Mal kurz auf Klo“, zischte sie los.

„Sie ist ziemlich aufgeregt“, sprach Rika das aus, was ohnehin schon klar war.

Aika atmete tief durch. „Ich würde diesen Weibern am liebsten allesamt in den Arsch treten. Aber das ist leider gegen die Regel“, lächelte sie verbittert. „Wir müssen ruhig bleiben, auch, um Tsubaki nicht nervöser zu machen, als sie es ohnehin schon ist.“

„Ich glaub an sie“, lächelte Sato, die sich wieder hingelegt hatte. „In ihr steckt mehr, als sie selbst  glaubt. Und ihr, ihr müsst für mich mit gewinnen okay?“, sah sie jeden Einzelnen an.


Tsubaki wusch ihr Gesicht derweil mit kaltem Wasser. Es war eine Untertreibung zu sagen, dass sie bloß nervös war. Sie hatte es doch bedacht, dass irgendwann so ein Fall eintreten würde, in dem sie selbst einspringen musste. Doch hatte sie weder erwartet, dass es im Wintercup mitten im Spiel eintreten würde, noch, dass sie in ihrem ersten Spiel gegen so ein furchtbares Team antreten müsste.


„Na, aufgeregt?“, hörte sie es plötzlich hinter sich. Erst da registrierte sie, dass Ritsuka den Raum betreten hatte.

„Ritsuka…“, setzte sie an, doch prompt bekam sie ein Haargummi gereicht.

„Hier, ist ein Glückshaargummi“, lächelte die Türkishaarige leicht. „Damit kannst du gar nicht verlieren…“

Tsubaki stutzte, nahm es dann aber doch an sich und band sich die Haare zusammen.

„Danke…“, dann sah sie auf ihre Hände, die zitterten. „Verdammt, ich kann nichts gegen das Zittern machen“, zischte sie. Im nächsten Moment umschloss Rika ihre Hände mit ihren und drückte sie leicht.

„Hey, ich dachte, dass ihr gegen uns im Finale spielen wollt?“, fragte sie herausfordernd.

Als Tsubaki aufsah, wurde sie mit einem Mal ganz ruhig. Ritsukas entschlossener Blick und ihre Ausstrahlung färbten auf Tsubaki ab.

„Ja, das stimmt. Wir wollten euch schlagen…“, wisperte Tsubaki.

„Na also, dann könnt ihr euch doch nicht jetzt schon rauskicken lassen? Vor allem nicht von so einem Team“, seufzte Ritsuka und ließ ihre Hände los. Eine Hand legte sie sich über ihr rechtes Auge. „Meine Verletzung… Einige Mädchen aus dem Team sind nicht ganz unschuldig daran“, gestand sie plötzlich, was Tsubaki verblüfft dreinblicken ließ.

„Mach sie fertig, auch für mich“, lächelte sie schwach. „Ich glaub an dich“, sagte sie abschließend. „Und morgen früh sehen wir uns im Finale.“

Tsubaki sah ihr einen Moment lang nach. So viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Und nur verzögert nahm sie wahr, dass ihre Hände gar nicht mehr zitterten.

***

„Du bist ganz schön ruhig, dafür was gerade passiert ist“, hörte Aika eine bekannte Stimme sagen, als sie gerade draußen stand, um frische Luft zu schnappen. Sie sah auf und erblickte die ihr so bekannten roten Haare. Marie hatte ein leichtes Lächeln auf den Lippen, als sie sich ihr näherte.

„Ich dachte, du würdest toben und bräuchtest jemanden, der stark genug ist, um dich zurückzuhalten“, lächelte sie.

„Du und stark genug?“, zog Aika eine Augenbraue hoch. Dann atmete sie tief durch. „Nein. Ich glaube, ich habe mittlerweile gelernt, nicht sofort auszuflippen und einen kühlen Kopf zu bewahren, bevor ich handle.“

Marie legte den Kopf schief. „Bist du noch die Aika, die ich kenne?“, fragte sie im Scherz.

„Weiß nicht, schätze schon“, lachte Aika, bevor sie still wurde. „Marie…das, was passiert ist… also…“, setzte sie an, doch Marie schüttelte bloß den Kopf.

„Ich bin nicht deswegen hier rausgekommen, um über alte Geschichten zu reden… Der Grund dafür war der, dass ich einer guten Freundin viel Glück wünschen wollte“, lächelte sie aufrichtig.

Aikas Lächeln wurde breiter. „Danke… und wenn das hier vorbei ist…“

„Dann gehen wir einen saufen“, grinste Marie.

***

Sayuri hatte sich einen geschickten Plan zurechtgelegt, doch als sie die Entschlossenheit in den Augen der Yosen-Mädchen sah, stand für den Bruchteil einer Sekunde Verblüffung in ihrem Gesicht geschrieben. Dennoch verflog diese schnell. Sie konnten es sich nicht leisten, bei den ganzen Kameras weiter unfair zu spielen. Ihr Ziel war es, dass das Yosen-Team nun unkonzentrierter war, doch  in dem dritten Viertel sollte sich herausstellen, dass ihr Plan nicht aufging.

Sie schienen sogar noch konzentrierter als vorher, wobei Sayuri schnell merkte, dass von Tsubaki keinerlei Gefahr ausging. Es dauerte nicht lange, bis die Kirisaki Daiichi High sich einen Punktevorsprung eingeholt hatten.


Tsubaki versuchte sich so gut es ging zu konzentrieren, in Wahrheit aber, kam die Aufgeregtheit immer Mal wieder in ihr hoch. Auch so frontal vor einer riesigen Gegenspielerin zu stehen, war eine neue Erfahrung. In diesem Moment bereute sie es, dass sie bisher bloß gegen ihre eigenen Teamkameradinnen angetreten war, jedoch nie in einem richtigen Spiel mitgemacht hatte.

Doch sie versuchte sich so gut es ging zusammenzureißen, um den anderen wenigstens kein Klotz am Bein zu sein. Gleichzeitig analysierte sie die Situation, denn während sie selbst im Spiel war, erschlossen ihr sich noch einmal ganz andere Informationen, als wenn sie nur auf der Bank saß.


Und das war auch wohl der Grund, weshalb Tsubaki im letzten Viertel auf einen Plan kam, der ihre Kameradinnen stutzen ließ. Und gerade deshalb glaubte sie, dass auch das Gegnerteam nicht damit rechnen würde.


Tsubaki selbst hatte sich mittlerweile auch beruhigt und obwohl sie vieles falsch gemacht und so manchen Ball hindurchgelassen hatte, hatte ihr Team ihre Patzer irgendwie immer gerade gebogen oder ausgeglichen. Nichtsdestotrotz hatten ihre Fehler dazu geführt, dass es nun 89 zu 88 für die Kirisaki Daiichi High stand.


Es war ein Hin und Her und keiner schenkte dem anderen was, sodass sich die Mädchen kurze Zeit später einen Kampf unter dem Korb lieferten.


Tsubaki blickte um sich herum. Die fünf Mädchen des Gegnerteams deckten gerade ihre anderen vier Kameradinnen. Ja, sie hatte sich sehr viele Fehler geleistet. Zu viele.

So war es kaum verwunderlich, dass sie gar nicht mehr beachtet wurde. Dass sie nicht mehr ernst genommen wurde.

Und genau deshalb würden sie nicht damit rechnen.

Dass Arisa, die hauptsächlich für die Körbe verantwortlich war, mit einem mal nach hinten warf.

Perplex folgten die anderen dem Ball, wie dieser geradewegs auf Tsubaki zuflog.

Sie sprang und packte den Ball. Noch bevor sie auf dem Boden aufkam, dachte sie daran, dass sie Körbewerfen bis zum Erbrechen geübt hatte. Ihre Trefferquote war zwar immer noch verdammt gering und ihre Ausdauer war bereits bis zur Grenze und darüber hinaus gekommen, doch sie musste sich noch die letzten Sekunden konzentrieren. Wenn sie noch einmal in Gedanken das Spielfeld abging, kam sie nur erneut zu demselben Schluss. Dass dieser Punkt hier rechts hinten der Wahrscheinlichste war, von wo aus sie einen Korb machen konnte.

Und dann…

…legte sie alles in ihren Wurf.


Aus weit aufgerissenen Augen folgten alle dem Ball, der in einem seltsamen Schlenker auf den Korb zugeflogen kam. Er traf den Ring und rollte langsam umher. Bis er schließlich doch im Netz versank.

Eine Weile lang sagte niemand etwas. Es brauchte einen Augenblick, bis jeder begriffen hatte, was geschehen war. Und ausnahmslos jeder begriff es, bevor Tsubaki es tat.

Mit lauten Jubelrufen und Freudentränen kamen ihre Kameradinnen auf sie zugelaufen und umarmten sie oder wuschelten ihr über den Kopf, bevor Tsubakis Beine nachgaben und sie vor Erleichterung auf den Boden sank.


Das Gegnerteam stand unschlüssig da, während Sayuri sich fragte, warum ihr Plan zum ersten Mal nicht aufgegangen war. Sie ließ ihren Kopf nicht sinken, sondern bewahrte sich ihren Stolz, während sich die Teams voneinander verabschiedeten, bevor sie erhobenen Hauptes an der Seite ihres Teams von dannen schritt.


Die Mädchen der Yosen-High kamen derweil gar nicht mehr aus dem Jubeln heraus, sodass sie auch auf ihrem Hotelzimmer weiterfeierten. Doch lange ging das nicht mehr, denn alle waren so erschöpft, dass sie kurze Zeit später einschliefen. Das war auch gar nicht so verkehrt. Denn sie brauchten die Energie für den morgigen Tag. Für das finale Spiel gegen Rakuzan.


***

Viel zu schnell brach der nächste Tag an. Als sie sich zur Halle aufmachten, war jeder in seinen Gedanken versunken. Doch sie alle kreisten darum, dass sie nun tatsächlich im Finale standen.

„Ich bin sprachlos… das gestrige Match war hart und heute wird es nochmal viel schwieriger“, setzte Arisa an.

„Diesmal haben wir aber Gegner, die mit ihrem Können überzeugen und nicht durch schmutzige Tricks“, sagte Aika.

„Ihr müsst das dieses Mal leider ohne mich machen“, seufzte Sato und sah zu Tsubaki. „Ein ganzes Spiel auf dem Feld zu stehen, wird sicher nicht leicht für dich.“

Tsubaki nickte knapp. Sie wusste selbst, wo ihre Grenzen lagen, dennoch wollte sie sich von dem Gedanken nicht runterziehen lassen.

„Ich werde mein Bestes geben… mehr kann ich nicht tun“, lächelte die Brillenträgerin leicht. „Außerdem“, setzte sie an und sah dabei jeden einzelnen an. „Bin ich so unheimlich stolz auf uns alle. Dass wir so weit gekommen sind und nun stehen wir hier“, sprach sie weiter, doch plötzlich traten ihr Tränen in die Augen, die sie hastig wegwischte.

„Och, Tsubaki wird ganz rührselig“, legte Arisa ihr einen Arm um die Schultern. „Du hast Recht, wir können ganz schön stolz auf uns sein.“

Aika nickte und pflichtete ihnen somit bei. „Deswegen… lasst uns heute noch einmal alles geben. Damit wir uns nachher nichts vorzuwerfen haben.“

Tsubaki nickte. „Egal, wie das heute ausgeht. Wir sind weit gekommen.“

„Kommt jetzt wieder der Moment, indem wir unsere Hände zusammenlegen?“, fragte Rika erneut in peinlich berührtem Unterton.

„Wir wissen doch, dass du nur darauf wartest“, lachte Arisa, bevor sie genau das taten und sich schworen, noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren.

***

Tsubaki wusste nicht, ob sie es sich bloß einbildete oder nicht, doch selbst die Luft um sie herum schien heute eine ganz andere zu sein, als gestern. Es war merkwürdig, denn es kam ihr schon so lange her vor, fast wie aus einem anderen Leben, als sie das letzte Mal dem Mädchenteam der Rakuzan gegenüberstanden.

Ritsuka lächelte leicht, doch als Tsubaki ihr das Haargummi zurückgeben wollte, schüttelte sie nur den Kopf.

„Du wirst heute mehr Glück brauchen als ich.“

Tsubaki blinzelte ein paar Mal. „Na dann, beschwer dich am Ende nicht“, erwiderte sie das herausfordernde Lächeln Ritsukas.

„Du hast dich verändert“, kam es von Ritsuka.

Tsubaki verlagerte ihr Gewicht vom einen Bein aufs andere. „Ja, ich schätze ein wenig…“

Ritsuka nickte leicht. „Und ich bin froh, dass wir eurem Team gegenüberstehen und nicht der Kirisaki Daiichi… Mit denen darf die Shutoku nun um den dritten Platz kämpfen.“

Tsubaki schloss kurz die Augen und sammelte sich, bevor sie aufsah. „Und wir um den Ersten.“


Noch ein letzter Blickwechsel zwischen den beiden, bevor sie sich zu ihren Teams begaben.

Und nachdem angepfiffen wurde, wurde sehr schnell klar, dass es anders war. Anders als alles, was sowohl die Mädchen der Yosen, aber auch die der Rakuzan je erlebt hatten.

Noch nie hatten sich beide Teams so reinhängen müssen.

Und noch nie hatte es allen so viel Spaß gemacht.

Ja, natürlich hatten sie den Sieg im Kopf.

Doch darüber hinaus, war da mehr…

Wer auch immer aus diesem Match als Sieger hervorkam…

Die Erfahrungen, die sie hier mitnehmen würden, waren so kostbar, so unvergleichlich, dass sie alle für einen kurzen Augenblick vergaßen, dass es um einen Pokal und um den Titel ging.

Sie spielten einfach mit allem, was sie hatten.

So, als gäbe es kein Morgen~
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast