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Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
48
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23.12.2015 2.007
 
Die Wochen und Monate bis zum Wintercup waren wie im Nu vergangen, sodass sich das Mädchenteam der Yosenhigh schon recht bald im Zug nach Tokyo wiederfand. Draußen war in Akita bereits alles zugeschneit und es war nicht gerade einfach, aus diesem verschneiten Örtchen herauszukommen, da viele Züge ausfielen oder Verspätung hatten.

Tsubaki hatte daran gedacht, früh genug die Tickets zu buchen, dennoch konnte man nichts gegen das Wetter machen, sodass sie bereits seit einer Stunde festsaßen und nicht von der Stelle kamen. Araki war mit den Jungs bereits vor ein paar Tagen losgefahren, da es bei ihnen mehr Teams gab und sie dementsprechend früher mit dem Turnier anfangen mussten.

Sie und ihr Team wiederum hatten vorgestern noch das letzte Spiel gehabt, bevor sie sich endgültig für das Viertelfinale qualifiziert hatten. Es war ein langer, steiniger Weg gewesen, den sie aber schlussendlich gemeistert hatten und das lag nicht zu Letzt an Arakis Trainingsmethoden, von denen Tsubaki sich das ein oder andere abgeguckt hatte.

Sie selbst konnte es ja selbst kaum glauben, was sie in dem knappen Jahr geleistet hatten und sie sah die anderen mit einem so stolzen Blick wie eine Mutter ihre Kinder an.

Arisa beklagte sich, dass sie wahrscheinlich einen ganzen Tag hier im Zug stecken würden und dann zu spät zum morgigen Match kämen.

Doch tatsächlich fuhr der Zug eine Dreiviertelstunde  später weiter, sodass sie noch am späten Abend ankamen und noch genug Schlaf für das morgige Spiel blieb.

***

Tsubaki wusste nicht, was genau sie erwartet hatte, doch dass die Halle, in der der Wintercup stattfand so riesig und pompös war, war dann doch eine große Überraschung. Auch die anderen Mädchen staunten nicht schlecht, während sie durch die Flure gingen.

„Die Spiele der Mädchenmannschaften findet zwischen denen der Jungs statt“, sagte Tsubaki, während sie auf ihren Planer sah.  Dann hielt sie inne, als sie zwei Reporter auf sie zukommen sah.

Schnell erklärten die beiden, dass sie von einer Basketballzeitschrift kamen und nun auch separat eine Zeitschrift für den Frauenbasketball der Hochschulen herausbringen wollten. Sie baten um ein kleines Interview, da die Yosen-Mannschaft schließlich eine der wenigen acht war, die die Qualifikation bekommen hatte.

Tsubaki war froh, dass Aika und Arisa die Sache übernahmen, denn sie war mental gar nicht darauf vorbereitet, dass sie ein Interview führen musste. Allerdings schafften die beiden anderen es, in wenigen Sätzen alles auf den Punkt zu bringen.

Was Tsubaki allerdings freute, war das anschließende Gruppenfoto, das von ihnen geschossen wurde und von dem jede reinen Abzug bekam. Erst da war ihr aufgefallen, dass sie noch nie ein Foto von der ganzen Mannschaft geschossen hatten. Und das hier würde sie sich ganz bestimmt einrahmen.


Nachdem auch das erledigt war, machten sie sich auf den Weg zu den Umkleiden.

„Tsubaki, das Team, gegen das wir als erstes spielen…“, setzte Sato an, woraufhin die Braunhaarige hörbar ausatmete.

„Ja, ich hätte auch nicht gedacht, dass wir nun wieder so schnell auf sie treffen würden… Kaijou High“, murmelte sie nachdenklich. „Wir haben noch etwas Zeit, also würde ich gerne unser letztes Spiel gegen sie noch einmal mit euch gemeinsam analysieren.“

„Huh, ich krieg Gänsehaut, wenn du so ernst wirst“, schmunzelte Sato.

„Ich nehme das sogar sehr ernst“, erwiderte Tsubaki. „Ich möchte alles daran setzen, dass wir gewinnen.“

Als sie in die entschlossenen Gesichter der anderen sah, spornte sie das nur noch mehr an. Und so überbrückten sie die Zeit damit, dass sie das Freundschaftsspiel von damals noch einmal haargenau durchgingen.

***

Als sie auf die gegnerische Mannschaft trafen, war es kaum verwunderlich, dass sich die Mädchenband pudelwohl im Zentrum der Aufmerksamkeit fühlte. Viele waren wahrscheinlich nur hier, um die Band beim Spielen zu sehen. Und auch, weil es abschließend ein kleines Konzert geben würde.

Naomi wiederum schien noch mehr unter den Reportern und Fotografen zu leiden als Tsubaki.

„S-so sieht man sich wieder“, schüttelte sich die Schwarzhaarige und nickte den Yosen Mädchen zu.

Nachdem sie sich gegrüßt hatte, blieben nur wenige Momente, bis das Spiel losging.


„Gebt direkt alles, von Anfang an“, sagte Tsubaki ernst. „Es ist vielleicht keine besonders ehrenvolle Taktik, doch da Naomi sich gerade so unwohl fühlt und bestimmt ihre Zeit braucht, bis sie voll dabei ist, solltet ihr von Anfang an punkten. Wir müssen den Abstand so gut es geht vergrößern.“

Sie sah die anderen an. „Aika und Rika, ihr seid jetzt viel besser aufeinander eingespielt, das heißt, dass uns solche Patzer wie damals nicht mehr passieren sollten.“

Die beiden nickten und sahen sich kurz an.

„Kato, Sato, ihr konzentriert euch nicht auf Naomi, lasst sie einfach vorbei und habt die anderen im Blick. Arisa wird Naomi decken.“ Tsubaki sah Arisa an. „Du hattest den meisten direkten Kontakt zu ihr im letzten Spiel. Du bist viel eingespielter auf sie.“

Arisa nickte entschlossen. „Ich pack das schon. Das letzte Mal hat sie mich kalt erwischt, weil ich sie unterschätzt habe, aber das wird mir nicht nochmal passieren.“

„Alles klar, ich glaub an euch!“, ballte Tsubaki die Hand zur Faust.

„Eh, machen wir jetzt etwa sowas Peinliches, wie die Hände in die Mitte legen oder so?“, seufzte Rika.

„Du hast es erfasst“, klatschte Arisa ihr gegen den Oberarm.

Doch eigentlich fand Rika das gar nicht Mal so peinlich. Es gefiel ihr, Teil des Teams zu sein und sie hatte genauso, wenn nicht gar härter an sich gearbeitet als die anderen, um ihren Rückstand aufzuholen.


Und endlich schien sich die harte Arbeit auszuzahlen.


Wie Tsubaki es vermutet hatte, hatte Naomi im ersten Viertel etwas länger gebraucht, um sich einzufinden. Dennoch gab Naomi im zweiten Viertel alles und da sie noch versteckte Energiereserven hatte, war es Tsubakis größte Sorge, dass ihnen am Ende die Luft ausging, wie bei ihrem ersten Spiel gegen sie.

Doch tatsächlich schaffte es Arisa, Naomis Bewegungen zu durchschauen und im letzten Viertel noch einmal ihre gesamte Kraft aufzubringen. Kurz machte Tsubaki sich Sorgen, da ihr Team anschließend direkt das nächste Spiel erwartete, doch weder Arisa noch nie anderen wollten daran denken, was danach kam. Sie wollten in diesem Moment leben und ihr Bestes geben um Kaijo zu schlagen.

Naomi war wirklich ein Monster auf dem Spielfeld und wären ihre Kameradinnen nur ansatzweise so gut wie sie, hätte die Yosen High keine Chance gehabt. Doch indem sie ihre Energie effizient aufteilten, schafften sie es am Ende, zu siegen und das mit dem stolzen Punktestand von 83 zu 77.

Beide Teams hatten ihr Bestes gegeben und auch, wenn die Kaijo Mädels enttäuscht waren, verbeugten sie sich mit einem Lächeln voneinander.

„Holt euch den Sieg für uns mit“, sagte Naomi, während sie und Arisa sich die Hand reichten.

„Darauf kannst du einen lassen!“, grinste die Blonde, bevor sie sich voneinander verabschiedeten.

***

Viel Zeit zum Jubeln blieb nicht, auch wenn sie ziemlich stolz auf sich sein konnten, denn sie mussten sich beeilen, um noch einen Blick auf ihr nächstes Gegnerteam zu erhaschen, das gerade in der Nebenhalle spielte.

„Ich bin echt gespannt. Wir haben weder gegen Too High noch gegen die Kirisaki Daiichi High gespielt“, setzte Arisa an. „Mal sehen, gegen wen wir antreten müssen.“

Tsubaki lief es eiskalt den Rücken runter, als sie an ihren letzten Besuch bei der Kirisaki Daiichi High zurückdenken musste. Und als sie die Halle betraten, in der gerade das Spiel zu Ende war, verschlug es ihr die Sprache, als sie Sayuri erblickte. Das Mädchen mit den silberblonden Haaren und den eisblauen Augen, die ihre Antipathie ihr gegenüber sie deutlich spüren gelassen hatte.

Aber was sie viel mehr schockierte als dass sie Sayuri wiedersah, war das Mädchenteam der Too High. Ausnahmslos alle sahen irgendwie verstört drein und schienen nicht verarbeiten zu können, was da um sie herum geschehen war.

Ein Blick zur Punktetafel zeigte, dass Kirisaki mit 84 – 31 mehr als doppelt so viele Punkte hatte. Ein Streit brach los, in dem sich die Mädchen des Too-Teams gegenseitig beschuldigten.

„Was zum Henker?“, entfuhr es Arisa.

Unschöne Worte wurden gerufen, während der Kapitänin der Too High vorgeworfen wurde, dass sie absichtlich schlecht gespielt hätte.


Tsubaki verstand nicht, was da geschah, doch als sie zu Sayuri sah, verschlug es ihr die Sprache, bei ihrem amüsierten Blick.

Als hätte sie das alles geplant.

Als Sayuri bemerkte, dass sie angestarrt wurde und sich ihre Blicke trafen, kam es Tsubaki fast so vor, als würde sie sie mit ihrem eiskalten Blick durchbohren, bevor ein aufgesetztes Lächeln ihre Lippen umspielte.

„Na wen haben wir denn da? So sieht man sich wieder“, machte sie sich schwungvoll auf zum Yosen-Team herüber. „Ich hätte nicht gedacht dass ausgerechnet DU spielen würdest“, lachte sie.

Tsubaki ignorierte den provokativen Unterton in ihrer Stimme.

„Ich bin der Coach und Ersatzspielerin…“

Verblüfft blinzelte Sayuri sie an. „Ersatz? Na wenn der Coach gleichzeitig Ersatzspieler sein muss, habt ihr ja wohl nicht sonderlich viele“, murmelte sie, während sie den Blick prüfend über das Team schwenken ließ. „Sag bloß, du bist die einzige Ersatzspielerin?“, fiel es ihr schließlich auf.

Dann umspielte ein verschwörerisches Schmunzeln ihre Lippen.

„Dann hoffen wir Mal, dass kein Unglück geschieht. Bis später“, winkte sie, bevor sie auf dem Absatz kehrtmachte und zu ihrem Team aufschloss.


„Da stimmt doch was nicht“, rümpfte Rika die Nase.

„Ich hab’s mir doch gedacht“, zischte Aika, die gerade vom Too-Team zurückkam. „Die Weiber sind auch nicht besser als die Kerle“, knurrte sie, während sie an das Spiel von Kirisaki Daiichi gegen Seirin zurückdachte. „Aus dem Team haben sich zwei Mädchen verletzt und offenbar hatten sie die Kapitänin im Griff, sodass sie das Spiel manipuliert hatte“, seufzte sie.

„Wir müssen uns vorsehen“, murmelte Tsubaki traurig. „Ich verstehe das nicht. Wir sind doch hier, um zu spielen und nicht gegenseitig fertigzumachen…“

Arisa tätschelte ihr die Schulter. „Solche gibt’s nun mal. Sind nur auf Ärger aus und da kann man auch nichts ändern. Lasst uns trotzdem spielen, wie immer.“

„Ja, aber wir sollten auch besser aufpassen als sonst“, sagte Aika. „Sie wollen nicht nur gewinnen. Sie wollen so viel Schaden wie möglich anrichten.“ Sie seufzte schwer. „Diese Sayuri scharwenzelt immer um Hanamiya herum. Ich hatte mich mit einigen von ihnen angelegt damals… die kämpfen nicht fair und das in jederlei Hinsicht.“

Tsubaki sah Aika an, bevor sie tief durchatmete. „Lasst uns erstmal unsere Pause machen. Wir müssen unsere Energiereserven auffüllen, bevor es heute Abend ans Spiel geht.“

Die anderen ließen es ebenfalls auf sich beruhen. Dennoch verspürte jede einzelne von ihnen ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, was das kommende Spiel betraf.

***

Es war merkwürdig, dass, nachdem das Spiel angepfiffen wurde, nichts geschah.

Zumindest nichts, was gegen die Regeln war.

Tsubaki hatte ihnen zwar angeordnet, so konzentriert wie möglich zu spielen. Doch da sie quasi die ganze Zeit über damit rechneten, dass das gegnerische Team ein krummes Ding drehte, waren sie im ersten Viertel ein wenig abgelenkt und verpassten die ein oder andere Gelegenheit, sodass Kirisaki Daiichi in Führung ging.

Diese Fehler holten die Yosen-Mädels aber im zweiten Viertel wieder auf, sodass sie nun fünf Punkte im Vorsprung waren.

Es machte sie stutzig, wie fair das gegnerische Team spielte, hatten sie doch durch Gerüchte gehört, wie sie den Too-Mädels zugesetzt hatten.

Und vielleicht war das ja der Grund dafür, dass sie gegen Ende des zweiten Viertels überhaupt nicht mehr damit rechneten, dass noch etwas geschah.

Doch wenn sie auch nur für einen Moment glaubten, dass ihre Gegner fair sein würden, so hatten sie sich geschnitten. Es war vielmehr so, dass Sayuri und ihr Team genau den Zeitpunkt abgewartet hatten, indem Yosen ihre Deckung vernachlässigten. Und dann schlugen sie zu.

Es ging alles viel zu schnell, sodass Tsubaki nur verzögert wahrnahm, was da gerade geschehen war.

Sato war gestolpert und war ungünstig auf dem Boden aufgekommen. Und ebenso ungünstig war ein anderes Mädchen aus dem Gegnerteam auf ihren Unterarm gefallen… So hieß zumindest das offizielle Urteil des Schiedsrichters.

Tsubaki und die anderen verstanden die Welt nicht mehr. Sie wussten alle, dass es kein Zufall war. Sie wussten es einfach, doch sie konnten es nicht beweisen. Generell hatte es ihnen die Sprache verschlagen.

Denn viel zu verstörend war der Anblick Satos, die sich schmerzverzerrt den Arm hielt und nicht mehr hochkam.
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