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Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Gen
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
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19.12.2015 1.977
 
Tsubaki hatte wirklich nicht gewusst, worauf sie sich da eingelassen hatte und auch ihre Teamkolleginnen, wussten nicht, womit sie das verdient hatten. Araki hatte ihnen allen aufgetragen, nur das Nötigste für das einwöchige Trainingscamp mitzunehmen und sie fuhren auch recht bald los, da der Sommer in Akita nur sehr kurz war, bis auch schon der Herbst folgte und anschließend die Umgebung für lange Zeit unter Schnee begraben lag.

Jedenfalls hatten sie sich schon eine Woche nach der Interhigh aufgemacht. Zeitlich passte das ganz gut, denn nachdem sie zurück waren, würden auch die Qualifikationsspiele für die Mädchen losgehen und da es noch nicht an jeder Schule ein Mädchenteam gab, war die Regel, dass sich für den Wintercup der Mädchenmannschaften nur acht Teams qualifizieren konnten.

Und da sie nicht wissen konnten, womit sie es in den Vorrunden zu tun hatten, versuchte Tsubaki ihren Teammitgliedern klarzumachen, dass sie aus diesem Trainingscamp viel mitnehmen würden. Nichtsdestotrotz war Araki ganz der Höllen-Coach gewesen und hatte dem Busfahrer angeordnet, dass er sie auf halbem Wege rauslässt, sodass sie mit ihrem Gepäck den restlichen Weg zu Fuß antreten würden.

Und gerade als sie dachten, dass sie nun endlich am Dojo der Familie Araki angekommen waren, erstreckte sich eine riesige Steintreppe nach oben, deren Ende man gar nicht ausmachen konnte.

Prompt kam es allen Anwesenden vor, als würde ihnen die Seele entweichen, während die Senpais der Jungs-Mannschaft das wohl schon gewohnt waren und nicht lange zögerten, bevor sie die Treppe bestiegen.

„Rika-tan, wenn es dir zu schwer wird, sag mir Bescheid“, strahlte Okamura das zierliche Mädchen an. Er musste als Captain mit gutem Beispiel vorangehen und jetzt, wo Rika mit dabei war, würde das Camp um so einiges angenehmer werden.

„Aber das macht doch keinen Sinn“, seufzte die Blonde. „Unser Training hat doch schon angefangen und es wird nichts bringen, wenn ich dir meine Arbeit aufhalse.“

„Gut gesprochen. Man, du bist total enthusiastisch“, stieß ihr Arisa in die Seite. „Am Ende bist du womöglich noch die Motivierteste von uns allen!“

„Hör auf, dich über mich lustig zu machen“, murmelte Rika. „Die Motivierteste scheint jemand anderes zu sein“, sah sie zu Tsubaki.

Die klatschte sich gerade mit beiden Händen auf die Wangen. „Ich schaff das. Meine Kondition müsste nun besser sein, sodass ich euch kein Klotz am Bein bin!“, ging sie voraus.

„Das ist gut, dass du mit gutem Beispiel vorausgehst“, pflichtete Araki ihr bei und ging neben ihr her. Sie fingen an über Trainingspläne zu reden, aber auch viele andere Dinge, wie es Tsubaki in Akita gefiel und so weiter. Dabei merkte Tsubaki mal wieder, dass Araki keine typische Lehrerin war. Sie war locker, aufgeschlossen und freundlich, wenn man Mal hinter die strenge Fassade blickte. Ganz wie eine große Schwester.

***

Der Weg nach oben war lang und beschwerlich, sodass es allen nach dem langen Fußmarsch und dem Treppensteigen so vorkam, als ob ihnen die Beine abfallen würden.

Doch auch dieses Mal gestattete Araki ihnen keine Pause, sondern verdonnerte alle dazu, das Dojo zu putzen. In dem sie es reinigten, reinigten sie auch ihre Seele, so hatte sie es begründet.

„Von wegen, die will doch bloß nicht selbst putzen“, grummelte Fukui, kassierte allerdings einen Todesblick seines Coaches. Araki hatte ihre Ohren anscheinend überall.

Tsubaki und Sato machten derweil einen Wettbewerb daraus, wer schneller mit dem Wischen von der einen auf die andere Seite war.

Abends fielen alle erschöpft in ihr Bett, doch morgens ging es auch schon wieder los. Wasser musste besorgt werden und auch die Mahlzeiten, die gerade Mal so reichten und von denen Murasakibara nicht satt zu werden schien, mussten sie ebenfalls selbst zubereiten.

Das Training sah so aus, dass sie hier oben in den Bergen joggten, denn durch die Widerstände und Anhöhen gestaltete sich dies als nicht gerade einfach. Anschließend spielten sie Basketball in der riesigen Halle des Dojos, die locker sowohl für die Jungs als auch für die Mädchen reichte.


Und obwohl es am ersten Tag fast schon unvorstellbar war, wie sie das eine ganze Woche lang schaffen sollten, verflog die Zeit wie im Nu und es kam ihnen fast schon viel zu schnell vor, dass der letzte Abend des Trainingscamps so schnell über sie hereingebrochen war.


Für den letzten Abend hatte Araki sich etwas Besonderes überlegt und so saßen sie beieinander, grillten und zündeten Feuerwerke an.

Rika bekam gerade eine Wunderkerze von Okamura gereicht, während Tsubaki neben Murasakibara saß, der als Belohnung von Araki einen ganzen Haufen Süßigkeiten bekommen hatte und sich nun daran zu schaffen machte.

Nebenan streckte sich Arisa und sah kurz auf zum Sternenhimmel.

„Wenn wir nach diesem Höllen-Trainingscamp nicht den Wintercup rocken, dann weiß ich auch nicht.“ Anschließend fuhr sie sich mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck über den Nacken. „Mir tut alles weh.“

Tsubaki nickte, denn ihre Beine fühlten sich an wie Pudding. „Bis zu den Vorrunden, sollte alles wieder verheilt sein“, lächelte sie leicht.

„Wir können uns aber echt keine Vorwürfe machen“, sprach Arisa weiter. „Weißt du Tsubaki, das ist irgendwie  witzig. Zu Beginn wollte ich dir nur Mal den Club zeigen. Du hattest immer deine Bücher dabei und hast mit niemandem geredet. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass du eintrittst“, sprach sie weiter, bevor sie grinsen musste. „Und jetzt sieht dich an, du bist ein fester Bestandteil des Teams und ohne dich wären wir aufgeschmissen.“

Ein leichter Rotschimmer schlich sich auf Tsubakis Wangen. „Du übertreibst“, winkte sie ab. „Aber ja, ich hätte das irgendwie auch nicht gedacht, dass ich Mal freiwillig Sport machen würde. Tatsächlich hatte ich noch nie so viel Spaß wie mit euch und dem Club.“

„Scheint so, als hätte das aus uns allen einen anderen Menschen gemacht“, sagte Rika schnippisch, da sie sich das gerade zum ersten Mal eingestand. Mit einem Mal spürte sie so ein Frösteln und strich sich über die Oberarme, da sie nur ein Shirt trug. Prompt war Okamura zur Stelle und legte ihr seine Trainingsjacke über die Schultern.

„Nicht, dass du dich noch unterkühlst“, lächelte er.

Rika seufzte leicht und schüttelte über diesen unverbesserlichen Kerl den Kopf.

„Ach ja? Nachher wirst du auch noch krank. Ich hab meine Jacke drinnen vergessen.“

„Wird sofort geholt!“, salutierte Okamura, bevor er losging.

„Hey, so war das nicht gemeint!“, wollte Rika ihn aufholen, doch da stolperte sie über einen Stein.

Glücklicherweise reagierte Okamura schnell genug und fing sie auf, bevor sie auf die Nase fallen konnte.

Irritiert darüber, blickte Rika auf und stellte dann fest, dass sie in seinen Armen lag.

„Ich werde immer auf dich aufpassen, Rika-tan“, grinste er.

Was soll jetzt dieses Herzklopfen? Anscheinend hat mein Gehirn doch Schäden davongetragen, seitdem ich mit ihnen abhänge, seufzte Rika, die schnell wegsah, weil sie bemerkte, wie ihre Wangen glühten.

„Das war wieder voll die Stalker-Aussage“, murmelte sie verlegen.

***

„Das ist voll romantisch, wie bei Donkeykong und Prinzessin Peach“, schwärmte Sato, die gerade ein paar Meter weiter weg stand und das Bild in ihrem Zeichenblock einfing.

„Ich glaub’s echt nicht, dass er es geschafft hat“, schüttelte Fukui den Kopf.

„Klar, manche sind wie für einander gemacht. Das ist Schicksal“, schwärmte Sato. „Guck dir meine Schwester an, telefoniert seit Stunden mit Mitobe. Der Typ ist echt so ne Labertasche“, deutete sie nach hinten zu Kato, die ein paar Meter weiter weg stand. „Und unsere Kapitänin mit Kiyoshi. Also Mal echt, jeder hat jemanden. Ist das nicht niedlich, Ken-chan?“, grinste sie.

Fukui sah sie verdattert an. „Klar… Wenn du meinst…“, sann sah er umher. Er sah zu Himuro und Liu, die miteinander redeten. „Himuro ist noch Single, dabei ist er der Beliebteste“, zuckte er mit den Schultern. „Und außerdem hast du dich selbst vergessen.“

„WAS? Aber ich hab doch DICH Ken-chan“, sah sie ihn schmollend an, als hätte er sie gerade beleidigt.

Erneut entglitten ihm die Gesichtszüge. „Ich dachte, dass ich für dich nur sowas wie dein bester Freund bin.“

„Bist du doof?“, stellte sie sich ihm gegenüber. „Du raffst es nicht oder?“

Bevor er etwas sagen konnte, packte sie ihn am Kragen und zog ihn zu sich runter.

Fukui verstand gar nicht, wie ihm geschah, als sie ihm einen Kuss auf die Lippen drückte.

Nachdem sie sich von ihm gelöst hatte sah er sie perplex an.

Sato fing an zu lachen. „Das ist lustig, wenn du so guckst. Du bist für mich beides, mein bester Freund und auch das Andere“, strahlte sie. „Aber ich würde dich auch mit anderen Kerlen teilen, wenn du möchtest.“

Fukui seufzte schwer. Dieses Mädchen raubte ihm den letzten Nerv. Und da sich seine Gefühle für sie wohl nie ändern würden, schien es ihm wahrscheinlich auch noch zu gefallen. Nichtsdestotrotz würde er sie wohl wieder bestrafen müssen. Als Sato bemerkte, dass ihr eine Kitzel Attacke drohte, nahm sie Reißaus.


„Was für eine Stimmung… Wir sollten uns lieber auf den anstehenden Wintercup konzentrieren, als uns auf diese Weise abzulenken“, seufzte Himuro leicht, dem das alles irgendwie seltsam vorkam. „Findest du nicht auch, Liu?“, sah er den Chinesen an. Dieser tippte gerade etwas in sein Handy.

„Hm? Sorry, meine Freundin wollte, dass ich ihr ein Foto schicke. Hast du was gesagt?“, sah Liu auf.

„Eh? Also hast auch du eine…“, setzte Himuro perplex an, schüttelte aber dann den Kopf.

***

„Ich verzieh mich auch Mal“, zwinkerte Arisa Tsubaki verschwörerisch zu, bevor sie sich erhob.

„Hey, warte!“, zischte  Tsubaki, doch da war sie auch schon weg. Dann sah sie um sich herum. Aika und Kato waren auch abgedampft, und auch die anderen waren im Inbegriff zu gehen.

Dann sah sie zur Seite zu Atsushi, der immer noch dasaß und seine Süßigkeiten aß.

„Willst du auch schon gehen?“, fragte er irgendwann mit trauriger Stimme.

„Hm?“, fühlte sie sich ertappt. „N-nein“, murmelte sie. „Ich bin nur irgendwie nervös“, gestand sie ehrlich. „Hab ich doch schon gesagt, mit dir allein zu sein, macht mich nervös…“

„Ich glaub ich bin auch nervös…oder ich hab Hunger… eins von beiden“, überlegte er angeregt.

Tsubaki konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Du bist echt… was Besonderes…“

Murasakibara lächelte, als wäre das das schönste Kompliment, was sie ihm je gemacht hatte.

„Das Training war nicht schön, aber da Tsu-chin da war,  hat es mir gefallen.“

Tsubaki lief nur roter an. „S-sag Mal was ganz anderes… in dieser Herberge da…“, setzte sie an, doch weiter kam sie nicht, da er sie eindringlich mit seinem Blick ansah.

„Was?“, fragte er.

„Hast du mich da…?“, krächzte sie. „Geküsst?“, fragte sie und atmete schwer, weil es sie einen erheblichen Teil ihrer Lebensenergie kostete. So fühlte es sich zumindest an.

Murasakibara blinzelte überrascht.

„Ja“, war die simple Antwort.

Tsubaki blieb kurz der Mund offen stehen, bei dieser stumpfen Antwort.

Diesen Moment nutzte Atsushi und legte ihr eine Praline hinein.

Verdattert sah sie ihn an. Nachdem sie die Schokolade gekaut und heruntergeschluckt hatte, fasste sie immer noch nicht, wie locker er damit umging.

„Warum?“, murmelte sie irritiert.

„Weil du so süß aussahst“, sagte er traurig. „War das falsch?“

Dieser Hundeblick machte sie wahnsinnig. Da konnte sie ihm nichts übel nehmen.

„Das nicht aber… da müssen beide mit einverstanden sein…“, stotterte sie vor sich her.

„Warst du das nicht?“, wurde er nur noch trauriger, sodass sie panisch mit den Händen wedelte.

„Doch! Doch!“, erwiderte sie, bis ihr auffiel, was sie gerade sagte.

Prompt strahlte er wieder übers ganze Gesicht.

„Dann ist doch alles gut“, lächelte er vergnügt.

Seltsam wie er alles, was sie so kompliziert ansah, dermaßen locker anging.

Und als sie dieses Mal zu ihm hochsah, schien auf einmal alles zu stimmen.

Da waren weder Zweifel noch Sorge. Sie musste sich nichts mehr vormachen.

Es war so, als ob es einfach nicht anders sein könnte, dass sie zueinander gehörten.

Und als sie dieses Mal ihre Augen schloss, als sie bemerkte, wie er sich zu ihr herunterbeugte und sie seine Lippen auf den ihren spürte, fühlte es sich für sie erneut wie in einem schönen Traum an, aus dem sie am liebsten nie mehr erwachen wollte.
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