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Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Gen
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
48
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Dieses Kapitel
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05.12.2015 2.281
 
Immer noch angeschlagen von der Aktion in der Kirisaki Daiichi High, schlenderte Tsubaki etwas später mit ihrem Gepäck langsam zur Bushaltestellte. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr, denn ihr Bus hatte Verspätung. Hoffentlich würde sie noch ihre Anschlussbahn bekommen.

Ein schwerer Seufzer entwich ihr, während sie auf die Straße vor ihr sah. Gerade, als sie ein Buch aus ihrer Tasche herausholen wollte, nahm sie eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahr.

„Hallo, Tsubaki-san“, sagte Kuroko, woraufhin die Braunhaarige sich lauthals erschreckte und panisch das Buch in die Luft warf, während sie von der Bank rutschte und unsanft auf dem Hintern landete.

Kuroko reagierte schnell genug und fing das Buch auf, um es vor Schaden zu bewahren. Dann hielt er ihr die Hand hin, um sie hochzuziehen.

„Tut mir leid, das wollte ich nicht“, sah er sie entschuldigend an.

Tsubaki ließ sich hochziehen, während sie mit der anderen Hand ihr wild klopfendes Herz hielt.

„Mein Herz hatte einen Moment lang ausgesetzt“, atmete sie schwer durch und nahm das Buch dankend an sich.

„Ich dachte, du hast mich bemerkt, als du dich neben mich gesetzt hattest“, erklärte Kuroko.

Tsubaki sah ihn verdattert an. „Du hast da schon vorher gesessen?“, kratzte sie sich irritiert am Kopf, woraufhin der Blauhaarige nur nickte.

„Du solltest Undercover-Spion werden“, murmelte Tsubaki, als habe sie ihre Seele verlassen. Dann seufzte sie abermals schwer.

„Du seufzt sehr viel, dabei sitzt du noch nicht lange hier“, fiel Kuroko auf. „Ist alles in Ordnung?“

Tsubaki sah auf und blickte in das regungslose Gesicht Kurokos. Interessierte es ihn wirklich oder fragte er nur aus Höflichkeit? Wie auch immer, schaden konnte es nicht und sie hatte auch das Bedürfnis sich jemand Außenstehendem anzuvertrauen.

Knapp fasste sie die Situation zusammen und ließ dabei kein Detail außen vor. Sie fing an, bei dem Spiel gegen Kaijo, dem Streit in der Gruppe und der Sache mit Hanamiya. Sie wusste, dass es vielleicht unangebracht war, einem flüchtigen Bekannten all das zu erzählen, doch gerade bei Kuroko verstärkte sich während des Gesprächs das Gefühl, dass sie mit ihren Sorgen bei ihm gut aufgehoben war.

Kuroko schwieg und hörte aufmerksam zu.

Nachdem Tsubaki fertig war, sagte niemand etwas. Bis schließlich Kuroko die Stille brach.

„Ich finde, dass es eine gute Idee war, dass du versucht hast, Marie zurückzuholen“, sagte er.

„Meinst du?“, raufte sich Tsubaki die Haare. „Ich hab das Gefühl, dass ich dieses Mal rein gar nichts ausrichten kann. Dass nichts was ich mache oder sage, etwas bringt“, seufzte sie schwer.  „Meine größte Angst ist, dass sich das Team auflöst.“

Kuroko bemerkte, wie ernst es ihr war und wie sehr es sie beschäftigte.

„Versuch alles, Tsubaki-San“, sagte er plötzlich und als sie aufsah, bemerkte sie, wie Kuroko in die Ferne blickte.

„Egal wie dumm du dir dabei vorkommst… oder wenn du glaubst, dass es nichts bringt. Versuch es weiter…Du darfst nur nicht schweigen und darauf hoffen, dass es sich von selbst auflöst. Du musst selbst handeln. Auch wenn du dich zum Narren machst und dir dumm vorkommst. Wenn du glaubst, dass es das wert ist, darfst du nicht aufgeben.“

Tsubaki blinzelte ihn verwundert von der Seite an. Sie war sich nicht sicher, ob sie hier nur von ihrer Situation sprachen, oder ob Kuroko noch etwas anderes, Persönliches, im Blick hatte, während er diese Worte äußerte.

„Warst du… in einer ähnlichen Lage…?“, fragte sie vorsichtig.

Kurokos Augen weiteten sich einen Moment lang, während er aus seinen Gedanken geworfen wurde.

„In einer ähnlichen Lage… ja, irgendwie schon“, murmelte er. „Und ich bereue es, dass ich nicht alles versucht habe… dass ich mich nicht mehr zum Narren gemacht habe.“

Tsubaki entging nicht, dass während er das sagte,  ein trauriges Lächeln auf seinen Lippen lag.

Plötzlich wurde ihr etwas klar. So wie Kuroko dreinblickte und auch Kise, als sie ihn kurz auf Akashi angesprochen hatte. Und so wie sich Atsushi verhalten hatte, als sie nachts in dieser Herberge auf dem Balkon waren… ja, natürlich. Sie litten alle darunter, dass sich ihr Team damals aufgelöst hatte. Sie glaubte, nun ein Stück weit mehr zu verstehen.

Tsubaki sah einen Moment lang traurig drein.

„Ich glaube, dass Atsushi deshalb auch traurig ist…“, wisperte sie leise. „Das ist ja das Schlimme, anschließend weiß man es besser aber wenn man in der Situation steckt, bedenkt man so vieles nicht, weil einen die Probleme zu überrollen drohen.“

Kuroko blinzelte ein paar Mal, bevor er leise seufzte. „Ich hab daran gedacht, dass alles vielleicht so kommen musste. Dass es gar keine andere Möglichkeit gab… Aber ich weiß nicht, ob ich mir das nicht nur wünsche. Um davon abzulenken, dass ich damals nicht genug getan habe, um mein Team zusammen zu halten.“

Tsubaki ließ sich seine Worte durch den Kopf gehen.

Als Kuroko dieses Mal die Augen schloss, hatte er das Bild der verheulten Ritsuka vor sich. „Mach doch endlich was, Tetsuya!“, hatte sie ihm entgegengeschrien.

„Ritsuka?“, fragte Tsubaki, doch dem Blauhaarigen war gar nicht aufgefallen, dass er den Namen der Rakuzan-Kapitänin gewispert hatte.

Langsam schüttelte er den Kopf. „Ich hab damals niemanden retten können. Das nimmt sie mir sicher immer noch übel“, murmelte er mehr zu sich selbst, als dass er mit Tsubaki sprach. Doch er verdrängte die Gedanken, bevor er die Brillenträgerin wieder ansah.

„Ich will nicht, dass du etwas zu bereuen hast, also kämpfe weiter“, schenkte er ihr ein leichtes Lächeln. Es wirkte  immer noch etwas traurig. Aber auch Aufmunterung war daraus zu lesen.

„Ich habe Arisa-san gestern gesehen. Sie saß ein wenig verloren da und auch sie schien das sehr zu beschäftigen“, erklärte er. „Ich glaube, dass sie bei Kagami-kun geblieben ist.“

Tsubakis Augen weiteten sich für einen Moment. Aber ja, das machte Sinn. Also war Arisa doch die Nacht über in Tokyo geblieben. Dass sich Arisa nicht bei ihr gemeldet hatte, nahm sie ihr aber nicht übel.

Tsubaki hatte eigentlich noch die ein oder andere Sache fragen wollen, doch wie es das Schicksal so wollte, fuhr gerade in diesem Moment ihr verspäteter Bus ein. Langsam erhob sie sich und bedachte den Blauhaarigen mit einem letzten Blick.

„Danke, Kuroko-kun“, lächelte sie leicht. „Danke, für deine ehrliche Meinung und dafür, dass du mir zugehört hast.“

Kuroko nickte ihr zum Abschied zu. „Ich bin sicher, dass alles gut wird“, sagte er und es war klar, dass er sich das für sie beide wünschte.

Tsubaki winkte ihm noch, bevor sie in den Bus stieg. Sie dachte noch eine Weile über seine Worte nach. Genug Zeit hatte sie ja, auf ihrem Rückweg nach Akita.

***

Tsubaki hatte sich am nächsten Tag wirklich gerne mit den anderen aussprechen wollen. Allerdings ging das schlecht, wenn keine von ihnen zum Training erschien.

Tsubaki seufzte schwer, während sie durch die leere Halle ging, denn die Jungs waren gerade im Inbegriff zu gehen. Diese hatten momentan  viel zu tun mit dem Training für die Interhigh.

Sie seufzte schwer. Es blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als für sich alleine zu trainieren. Also lief sie sich warm, bevor sie sich daran machte, ein paar Körbe zu werfen.

Und mal wieder wollte kein einziger Ball durchs Netz.

„Tsu-chin~“, ertönte es von den Bänken, woraufhin sie einen Satz nach vorne stolperte.

Grummelnd sah sie in die Richtung des Lilahaarigen. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass er sich da hingesetzt hatte. „Der wär‘ reingegangen, hättest du nicht gestört“, fauchte sie mit hochrotem Kopf, weil ihr das so peinlich war.

„Aber klar doch~“, gab er langgezogen von sich und sie verstand schon, dass er ihr kein Wort glaubte. Sie, wenn sie ehrlich war, aber auch nicht.

„Lass uns zum neuen Süßigkeiten-Laden gehen“, schlug er vor.

Tsubaki bedachte ihn mit einem kurzen Blick. Sie hatten sich die letzten Tage wirklich viel zu selten gesehen. Er war durchgehend fürs Training eingespannt, seit seine Schulter wieder richtig verheilt war. Dennoch würde Araki ihn nicht in die Startaufstellung lassen, da sie sich seine Fähigkeiten für den Wintercup aufheben wollte. Kurz war sie gewillt, ihm einfach zuzusagen, weil das ziemlich deprimierend war, hier alleine zu üben, während der Rest des Teams in alle Winde verstreut war.

Dennoch schüttelte sie den Kopf. „Das geht jetzt nicht. Ich muss besser werden“, sagte sie verbissen und musterte den Ball. Wenn sie eine vernünftige Ersatzspielerin abgeben wollte, dann musste sie weiterhin hart an sich arbeiten. Vor allem an ihrem größten Problem: Körbewerfen.

Atsushi seufzte enttäuscht.

„Tsu-chin will nichts mit mir machen“, schmollte er drauf los.

Tsubaki seufzte. „So kann ich mich nicht konzentrieren. Und du weißt, dass das nicht stimmt“, schenkte sie ihm ein leichtes Lächeln. Sie wirkte aufgekratzt, doch wollte sie das nicht an ihm auslassen. Zumal sie glaubte, dass er ihr sowieso nicht weiterhelfen könnte.

Atsushi sah sie unbeeindruckt an und erhob sich schließlich, bevor er die Halle verließ.

***

Sie konnte nicht sagen, wie lange sie schon trainierte, doch irgendwann fielen ihr fast die Arme ab. Und doch hatte sie in der Zeit gerade Mal einen einzigen Korb geschafft. Sie hatte versucht, sich an die Technik zu erinnern, doch dabei fand sie schnell heraus, dass es sich bloß um einen Glückstreffer gehandelt haben musste.

Keins der Mädchen hatte sich blicken lassen und so musste Tsubaki sich unweigerlich fragen, ob nun das Training komplett entfallen würde. Ob sie überhaupt je wieder so beieinandersitzen und miteinander scherzen konnten wie früher? Oder ging jetzt jeder seinen eigenen Weg?

Tsubaki sah den Ball und dann den Korb an. Noch ein letzter Wurf. Dann würde sie auch nachhause gehen.

Doch gerade, als sie zum Wurf ansetzte, bemerkte sie, wie sich der Korb ihr wie von Zauberhand näherte. Nein, sie näherte sich ihm und zwar ohne, dass sie etwas machte. Ihre Füße schwebten über dem Boden und da erst nahm sie wahr, dass sie hochgehoben wurde.

Stutzig warf sie einen Blick nach hinten über die Schulter und sah zu Atsushi, der einen Lolli im Mund hatte und sie ansah. „So sollte es gehen, Tsu-chin“, sah er zum Korb. „Aber guck nicht so, als ob du gleich weinst…“

Tatsächlich führten die Worte genau zur gegenteiligen Reaktion bei ihr, denn sie war von der Geste so gerührt, dass ihr Tränen in die Augen stiegen. Mit einem schiefen Lächeln versenkte sie schließlich den Ball im Korb und nachdem Atsushi sie wieder auf dem Boden abgesetzt hatte, fiel sie ihm in seine Arme.

Es war so, als ob nun alles auf einmal hochkommen würde. In seinen Armen fühlte sie sich dabei so beschützt, dass sie ihren Tränen freien Lauf ließ.

Atsushi verwunderte es im ersten Moment, dass sie sich plötzlich so an ihn geklammert hatte. Irgendwie schien immer etwas mit ihr zu sein, sobald sie aus Tokyo zurückkam. Am besten würde er sie gar nicht mehr nach Tokyo lassen. Für immer festhalten, um sie vor allem zu beschützen, was sie traurig machte.

Sanft, so als ob er Angst hätte, sie sonst wirklich ausversehen zu zerquetschen, strich er ihr mit seiner großen Hand durchs Haar.

„Wir haben uns gestritten“, schniefte Tsubaki. „Und jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll.“

Unsicher sah sie zu Atsushi auf, der zu überlegen schien.

„Kauf doch ein paar Süßigkeiten…“, war die schlichte Antwort.

Tsubaki blinzelte ein paar Mal. Dann konnte sie sich ein Lachen nicht verkneifen. „Süßigkeiten sind nicht immer die Antwort auf alles…“, setzte sie an. Doch plötzlich fand sie die Idee gar nicht mal so schlecht. „Obwohl, vielleicht ist es das! Ich kauf einfach Süßigkeiten und vielleicht bekommen alle wieder gute Laune.“ Bei der Vorstellung wurde ihr Lächeln breiter. Dann strich sie sich mit dem Ärmel durchs Gesicht. „Hat gut getan, sich Mal auszuheulen“, lächelte sie schief.

Atsushi wusste nicht, ob er ihr da Recht geben konnte. Er sah sie nicht gerne weinen. Aber wenn sie jetzt wieder lächelte, hatte er alles richtig gemacht. Nun war es an ihm, ihr Lächeln zu erwidern und ihr aufmunternd über die Haare zu wuscheln.

***

Mit ihrem letzten Geld plünderte Tsubaki den nächstbesten Süßigkeiten-Laden. Mit den ganzen Sachen im Gepäck wollte sie gerade die anderen anrufen, als sie ein paar eingegangene Anrufe bemerkte. Da sie das Handy in der Umkleidekabine aufbewahrt hatte, hatte sie diese bis jetzt nicht bemerkt.

„Sato?“, fragte sie, als sie den einen grünhaarigen Zwilling zurückrief.

„Tsubaki? Warum bist du nicht drangegangen? Wir haben ausgemacht, dass wir heute draußen trainieren und irgendwie hat jeder gedacht, dass dir ein anderer Bescheid gegeben hat“, lachte sie leicht.

„Eh?“, zischte Tsubaki viel zu laut. „Das heißt, ich hab hier ganz umsonst alleine trainiert und Trübsal geblasen?“, schrie sie fast in den Hörer, woraufhin Sato diesen kurz vom Ohr weghalten musste.

„Sorry! Wie gesagt, ich dachte, Arisa hätte dir Bescheid gesagt und sie dachte, Kato hätte es getan und diese dachte wiederum“, plapperte sie munter darauf los.

„Schon gut!“, seufzte Tsubaki schwer. Dann fiel ihr etwas anderes ein. „Heißt das, wir trainieren wieder zusammen? Das Team löst sich nicht auf?“, klang sie fast weinerlich.

Sato lächelte. „Klar bleiben wir zusammen. Aika und Arisa sind gerade im Inbegriff sich zu vertragen…“

„Wie ist das denn gemeint?“

„Komm einfach her zum Übungsplatz hinter dem alten Kino.“


Tsubaki seufzte abermals, doch ihr fiel ein großer Stein vom Herzen. Prompt machte sie sich auf zum Übungsplatz und als sie angelaufen kam sah sie schon von weitem, wie Sato es gemeint hatte.

Aika und Arisa waren dabei, sich auf ihre Weise zu vertragen. In einem basketballspiel Eins gegen Eins.

„Wohoo, Tsubaki hat Süßkram mitgebracht!“, jubelte Sato, als die Brillenträgerin neben ihr Halt machte.

„Das heißt, sie verstehen sich wieder“, schlich sich ein leichtes Lächeln auf Tsubakis Lippen. Es war mehr eine Feststellung, als eine Frage. Denn an der Ausstrahlung und dem Funkeln in den Augen der beiden, war es klar, dass sie nicht aufgeben wollten.

Weder das Spiel, noch die Meisterschaft. Und erst recht nicht das Team.
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