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Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Gen
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
48
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29.11.2015 1.782
 
Tsubaki seufzte schwer, während sie durch die Straßen Tokyos ging. Zum Glück hatten in Akita die Sommerferien bereits angefangen, während das in Tokyo erst in wenigen Tagen der Fall sein würde. Und deshalb würde sie den heutigen Tag nutzen, um ihr Vorhaben auch durchzuziehen. Sie wusste nicht, ob ihr Handeln irgendetwas bewirken würde oder vielleicht nur alles schlimmer machte. Doch eines wusste sie: Sie konnte nicht einfach ruhig bleiben und es zumindest versuchen.

Und so fand sie sich schon bald vor den Pforten der Kirisaki Daichi High wieder.

Mit klopfendem Herzen atmete sie einmal tief durch. Sie wusste nicht, wo Marie war und der Einzige von dem sie glaubte, der es wissen könnte, was dieser Makoto Hanamiya.

Einen besonders guten Ruf schien er ja nicht zu haben, um es mal nett auszudrücken. Zumindest sahen sie alle ziemlich entgeistert an, während sie über den Pausenhof ging, um Informationen über ihn zu sammeln. Darüber hinaus konnten einige bestätigen, dass eine gewisse Rothaarige manchmal nach dem Training in der Nähe der Sporthalle gesichtet wurde, die jedoch nicht auf diese Schule ging.

Mit dieser Information begab sie sich schließlich zur Sporthalle.

„Wer bist DU denn?“, fragte ein größeres Mädchen, das sie im Flur erwischte.

„Ich eh…“, setzte Tsubaki unsicher an. „Ich würde gerne mit… Hanamiya reden… ist er hier?“

Das Mädchen hatte lange, silberblonde Haare und eisblaue Augen, die alles zu durchdringen schienen. Eine wahre Schönheit, wie Tsubaki fand. Doch gleichzeitig hatte sie eine kalte Aura um sich herum. Sie musterte Tsubaki von oben herab, während sie auf ihrem Kaugummi herumkaute.   „Hanamiya?“, fragte sie amüsiert. Sie konnte einfach nicht glauben, was dieses kleine, reizlose Mädchen mit ihm zu besprechen hatte.

Tsubaki schluckte schwer, nickte dann aber.

„Na dann komm Mal mit“, lächelte die Blonde, doch es wirkte aufgesetzt.


„Hanamiya~“, trällerte sie, während sie durch die Sporthalle gingen. „Du hast Besuch. Leidest du neuerdings an Geschmacksverkalkung?“, kicherte sie und scherte sich nicht darum, dass Tsubaki neben ihr stand.

Hanamiya sah derweil beim Training seines Teams zu und schien sich zu langweilen. Als er die Blonde sah, seufzte er bloß. „Was willst du denn hier?“, zog er eine Augenbraue hoch. Dann sah er zu Tsubaki herüber und musterte sie. „Wer ist die Brillenschlange?“

„Keine Ahnung, sie wollte mit dir reden“, zuckte das Mädchen die Schultern.

„Eh, Entschuldigung“, krächzte Tsubaki, über deren Kopf hinweg gerade geredet wurde. „I-ich müsste wirklich dringend mit dir reden, Hanamiya-San“, stolperte sie über ihre eigenen Wörter. Von den beiden ging eine seltsame, düstere Aura aus. Es war nicht wie bei der Rakuzan, doch die Atmosphäre war mindestens genauso erdrückend. „Über Marie“, fügte sie hastig hinzu.

„Was? Du bist ne Freundin von dieser rothaarigen Bitch?“, fauchte die Blonde sie an, während Hanamiya eine abwerfende Handbewegung machte. „Hau ab, Sayuri“, seufzte er genervt. Die Blonde bedachte Tsubaki mit einem abwertenden Blick und schien zu bereuen, sie hierher gebracht zu haben. Genervt machte sie auf dem Absatz kehrt.

Tsubaki sah ihr verdattert nach, richtete ihren Blick dann aber wieder zu Hanamiya. Ihr lief ein Schauer über den Rücken, als sie bemerkte, wie er sie mit seinem Blick fixierte.

„Marie hat also Freunde?“, schmunzelte er sichtlich amüsiert.

Tsubaki blinzelte ein paar Mal. „Natürlich. Ich bin vom Yosen Team…Mein Name ist Tsubaki Ninohara Wir eh… hatten Streit und sie lässt sich seit da nicht mehr blicken. Ich hab mir Sorgen gemacht und mir gedacht, wenn jemand etwas über sie weiß, dann du“, redete sie hektisch, da seine Präsenz sie ziemlich einschüchterte. Dabei saß er bloß locker auf der Wartebank und hatte den Kopf zur Seite geneigt.

Ich soll das wissen? Wie kommst du darauf?“, lachte er leicht.

„Weil sie mir erzählt hat, dass du sie… quasi in deiner Hand hast“, seufzte Tsubaki. Sie musterte Hanamiya und fragte sich, ob man vielleicht doch mit ihm reden könnte. Sie musste es einfach versuchen. Dennoch spannte sie sich am ganzen Körper an.

„Du musst verstehen, dass sie uns sehr wichtig ist und ich glaube, sie macht sich viele Vorwürfe, wegen der Sache mit Kiysoshi-San. Aber wir brauchen sie. Sie gehört zum Team und ist eine wichtige Freundin für uns geworden.“

Nun nahm Tsubaki allen Mut zusammen. „Bitte, Hanamiya-San. Gib sie uns zurück…Lass sie frei…“

Als sie aufsah, blickte Hanamiya ihr immer noch mit neutralem Gesichtsausdruck entgegen.

„Sie scheint dir alles erzählt zu haben, huh?“, setzte er an. „Weißt du… sie macht sich wirklich Vorwürfe und ich weiß, dass ich an der Sache eine Mitschuld trage“, sprach er weiter. „Ich werde mit ihr reden und ihr sagen, dass du hier warst…“ Das alles sagte er mit betroffenem Gesichtsausdruck.

„Danke“, fiel Tsubaki ein Stein vom Herzen. Der erste Eindruck konnte also wirklich täuschen. Über die Erleichterung hinweg hatte sie gar nicht bemerkt, dass er aufgestanden war.

Er machte einen Schritt auf sie zu und dann, noch bevor Tsubaki verstehen konnte, was geschah, spürte sie plötzlich eiskaltes Wasser an sich herunterfließen. Hanamiya hatte den kompletten Inhalt seiner Wasserflasche über ihr ausgekippt. Sein besorgter Gesichtsausdruck änderte sich und nun umspielte ein Grinsen seine Lippen.

„Hast du den Mist jetzt wirklich geglaubt?“, fragte er amüsiert. „Dann bist du dümmer, als du aussiehst. Marie läuft mir freiwillig hinterher, schon Mal daran gedacht? Sie hat nur mich…“

Tsubaki sah ihn einfach nur aus weit aufgerissenen Augen heraus an. Ihr Gehirn versuchte das, was gerade geschehen war, zu verarbeiten.

„Also, Tsubaki Ninohara, sieh dir an, was für eine Sauerei du angerichtet hast“, seufzte er und deutete auf den nassen Boden. „Wie willst du das jetzt wieder gutmachen?“

Tsubaki wollte einen Schritt zurückmachen, rutschte aber auf dem nassen Boden aus.

Hanamiya packte sie grob am Handgelenk, sodass sie nicht zu Boden fiel.

„Irgendetwas an dir regt mich wirklich auf… Kommst her und faselst von Freundschaft. Da wird mir ja ganz schlecht“, sah er sie von oben herab an.

***

„Makoto! Was zum Henker!“, ertönte es plötzlich vom Eingang her. „Ach du Scheiße, Tsubaki!“, lief Marie auf sie zu, woraufhin Hanamiya sie losließ. „Wenn du nochmal herkommst, wirst du es bereuen“, wisperte er, bevor er zu Marie sah. „Bring mir doch ein neues Getränk mit, wenn du schon Mal unterwegs bist“, ordnete er an, während diese Tsubaki längst am Handgelenk gepackt und sie mit sich mitgezogen hatte.

Im Umkleideraum der Mädchen angekommen, seufzte die Rothaarige schwer.

„Er ist so ein Arsch. Verdammter Scheißkerl“, fluchte Marie, während sie Tsubaki ein Handtuch und ihr Hemd gab.

Tsubaki nahm es dankend an sich. Nachdem sie sich abgetrocknet und umgezogen hatte, sah sie Marie an, die still in der Ecke stand.

„Er ist ein schlechter Mensch… Marie, warum bleibst du bei ihm?“, fragte Tsubaki perplex, während sie ihre Brille abputzte. „Der nutzt dich nur aus und du machst das mit…“

Nun stand Tsubaki genau vor ihr, sodass Marie ihrem Blick nicht ausweichen konnte.

„Ich sag ja, ich bin dumm“, versuchte Marie zu scherzen, doch Tsubaki funkelte sie ernst an.

„Das stimmt nicht, was er gesagt hat… dass du nur ihn hast… wir vermissen dich“, sagte Tsubaki. „Wir alle vermissen dich! Aika ist total unkonzentriert. Wir haben das Spiel gegen Kaijo verloren und danach haben sie und Arisa sich dermaßen gestritten…“, seufzte sie schwer, schüttelte aber den Kopf. „Wir brauchen dich. Ohne dich sind wir nicht komplett.“

Kaum hatte sie ausgesprochen, da hatte Marie sie prompt umarmt.

„Du bist ein liebes Mädchen, Tsubaki“, wisperte Marie und Tsubaki hörte, dass sie auf einmal weinerlich klang. „Aber ich bin schon eine Weile nicht mehr an der Schule gemeldet. Durch die ganzen Fehltage ist das nicht verwunderlich…“ Marie atmete tief durch. „Ich kann nicht mehr zurück…“

Nun war es an Tsubaki, die Umarmung zu erwidern. „Das ist nicht fair, Marie. Dass du einfach gegangen bist, ohne was zu sagen…“

„Tut mir leid… ich bin auch ein ziemlich kaputter Mensch… irgendwie hätte ich nicht gedacht, dass mich nach der Aktion überhaupt jemand vermissen würde“, lächelte sie leicht.

Als sie sich voneinander lösten, hatten beide Tränen in den Augen.

„Und dieser Hanamiya?“, schüttelte Tsubaki fassungslos den Kopf.

„Ist mindestens genauso kaputt wie ich“, lächelte Marie leicht.

Schon wieder eine Sache, die Tsubaki überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Schon damals, als Marie ihr ihre Geschichte erzählt hatte, war es schwer, das zu glauben. Und nun, wo sie wusste, was für ein Typ das war, verstand sie es nur noch weniger.

„Ich hab mir eine Arbeit hier in der Nähe gesucht. Bis die Ausbildung anfängt, jobbe ich morgens und bin manchmal hier um beim Training zuzugucken“, sprach Marie weiter. „Und ich wohne wieder bei meiner  Großmutter. Da sie nun das Apartment in Akita nicht mehr bezahlen muss, ist das auch eine Entlastung für sie.“

Tsubaki nickte, als ob sie verstehen würde. Warum sie nicht bei ihren Eltern wohnte, fragte sie besser nicht. Dafür musste es triftige Gründe geben.

„Danke“, kam es aufrichtig von Marie. „Dass du hergekommen bist…“

Tsubaki nickte abermals und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

„Trotzdem konnte ich dich nicht wieder zurückbringen…“

„Wer ist eingesprungen? Sag bloß, die Zicke Rika?“, lächelte Marie und als Tsubaki ihre Vermutung bejahte, musste sie kichern.

„Das ist sicher lustig und chaotisch…“, seufzte sie schwer. „Tsubaki, ich hoffe, dass ihr wisst, dass es nicht an euch liegt, dass ich nicht mehr auf die Schule gehe…die Fehltage habe ich mir vorher schon eingehandelt… Und ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust mehr auf Schule und will lieber arbeiten…auch wenn es lustig war mit euch…“

Tsubaki kaute auf ihrer Unterlippe herum.

„Du machst das schon. Das Team wieder zusammenführen und so“, tätschelte Marie ihr den Oberarm. „Und wenn du in Tokyo bist dann… können wir uns vielleicht Mal wieder treffen?“, fragte sie und Tsubaki hörte zum ersten Mal Unsicherheit in ihrer Tonlage.

Kurz blieb ihr die Luft weg. „Natürlich können wir uns sehen“, pflichtete Tsubaki ihr bei. „Aber… glaubst du nicht, dass du dich von ihm lösen solltest?“, fragte sie vorsichtig hinterher.

Marie kicherte leicht. „Ja, klar. Mein Kopf weiß längst, dass er mir nicht guttut. Aber mein Herz sieht das wohl anders…“, lächelte sie traurig.

Tsubaki seufzte leicht. Dass von allen gerade Marie solch einem Kerl hinterherlief… Doch andererseits war es ihre Entscheidung. Sie hoffte einfach, dass Marie irgendwann die Kraft aufbringen würde, um sich von ihm zu befreien.

„Also, halt da die Stellung. Ohne dich sind sie aufgeschmissen“, sagte Marie, bevor sie sich noch einmal zum Abschied umarmten.

Als Tsubaki wieder draußen war, ließ sie noch einmal einen letzten Blick nach hinten über die Schulter wandern. Nein, sie wollte nicht daran glauben, dass sie umsonst hergekommen war. Selbst wenn sie nicht das gewünschte Ziel erreicht hatte, so hoffte sie, dass sie wenigstens eine Freundschaft retten und Marie klarmachen konnte, dass sie nicht alleine war.

Mit diesen Gedanken in ihrem Herzen bewahrend, machte sie sich auf den Weg nachhause.
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