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Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Gen
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
48
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22.11.2015 1.881
 
Tsubaki konnte nicht sagen, was der Hauptgrund dafür war, dass ihr Team mit so großem Abstand verlor. Sie glaubte, dass es auf der einen Seite daran lag, dass Naomi so eine gewaltige Präsenz und Technik an den Tag legte, wie sie sie bisher noch nie gesehen hatte. Auch Ritsuka war gut gewesen, doch Naomis Teammitglieder waren nicht so stark wie die der Rakuzan, sodass Naomi mehrere Dinge gleichzeitig machen musste und so noch mehr herausstach als die kleine, zierliche Ritsuka.

Andererseits lag es sicher auch daran, dass die neue Konstellation mit Rika so ungewohnt war und die Mädchen nicht aufeinander abgespielt waren. Auch Rikas Kondition hatte in der letzten Hälfte nachgelassen, was nicht verwunderlich war, war sie doch so kurzfristig eingesprungen und hatte so lange schon nicht mehr trainiert.

Mit Marie waren sie eingespielt gewesen und Tsubaki glaubte vernommen zu haben, wie Aika unbewusst nach der Rothaarigen gesucht hatte, zu der die Kapitänin häufig passte, sobald sie den Rebound bekommen hatte. Sie schien zwischenzeitlich irritiert, was sie wertvolle Sekunden gekostet hatte, die das gegnerische Team ausnutzte.

Doch was viel schlimmer war, war gar nicht die Niederlage. Es war die Tatsache, dass sich ihr Team hier an der Bahnhaltestelle zu streiten begann.


„Beruhigt euch doch Mal“, wollte Kato beschwichtigen, bekam aber einen bösen Blick von Arisa kassiert.

„Misch dich nicht ein, Kato! Ich hab Aika doch nur gesagt, dass wir wegen ihr eine gute Spielerin weniger haben und sie jetzt nicht verwundert sein soll, dass wir überhaupt nicht auf Rika eingespielt sind.“

„Das ist doch nicht dein Ernst!“, schnaubte Aika. „Du hattest also etwas gegen die Entscheidung einzuwenden? Warum hast du es dann nicht vorher gesagt? Warum jetzt?“, fragte sie aufgebracht und es war klar, wie sehr sich die beiden Asse gerade hineinsteigerten.

„Weil du zickig wirst, wenn es nicht nach deiner Nase läuft! Man hat schon Angst dir zu widersprechen! Stimmt doch, oder Tsubaki?“, fragte Arisa plötzlich.

Tsubaki sah Arisa sprachlos an, da sie die Frage unvorbereitet getroffen hatte. Dann sah sie zu Aika, die sie ungläubig ansah.

„Stimmt das, Tsubaki? Warum hast du nichts gesagt?“, fragte Aika fassungslos.

„I-ich…“, setzte Tsubaki ein, doch da schnitt Arisa ihr prompt das Wort ab.

„Siehst du? Du schüchterst alle nur ein. Kein Wunder, dass Marie sich nicht Mal mehr in der Schule blicken lässt!“

Aikas Mund blieb offen stehen. Hätte Arisa ihr eine Schelle verpasst, das wäre vermutlich weniger schmerzhaft gewesen.

„Das ist nicht wahr…“, setzte sie an und bekämpfte die Tränen zurück, die sich gerade einen Weg an die Oberfläche bahnen wollten. „Dann hau doch ab!“, brüllte sie prompt. „Wenn’s dir nicht passt, dann geh!“, schrie sie ihr entgegen.

„Fein, vielleicht mach ich das auch!“, zischte Arisa zurück. „Ich hab kein Bock im gleichen Zug mit dir zu fahren!“, machte sie plötzlich auf dem Absatz kehrt und verschwand.

Aika schnalzte abfällig mit der Zunge, während sich die Fingernägel in die Handflächen rammte, um das Zittern in ihren Händen zu unterdrücken.


Sato hatte derweil ein kaltes Getränk für Rika geholt, die sich so verausgabt hatte, dass ihr schwindelig geworden war.

„Nicht schlecht“, setzte sie an. „Du bist nicht nur Miss Yosen, du kannst dich auch richtig anstrengen“, nickte sie ihr anerkennend zu.

„Danke“, murmelte Rika zurück und hielt sich die kalte Dose an die Stirn. „Ich hasse es eigentlich zu schwitzen…aber für Basketball zählt das nicht“, lächelte sie leicht. „Leider hat es nichts gebracht… Und was passiert jetzt?“, fragte sie Sato.

„Ich weiß nicht“, sagte sie ehrlich und sah traurig drein. „Kato und ich, wir sind eigentlich nur zufällig dabei, weil wir vorher nie Basketball gespielt haben und auch nicht vorhaben, es je professionell zu machen. Aika und Arisa sind anders. Sie sind beide Alphaweibchen und da ist das nicht immer ganz einfach.“

Rika nickte nur, während ihr die Augen zufielen. Sie war dankbar, als Sato ihr anbot, sich an ihrer Schulter anzulehnen.

„Ich hoffe nur, dass das Team jetzt nicht auseinanderbricht“, wisperte Sato leise.


„Was machen wir jetzt?“, fragte Tsubaki, die langsam wirklich den Tränen nahe war und kurz zu Aika sah, die sich demonstrativ weiter weggestellt hatte.

„Sie hat die Sache mit Marie immer noch nicht verdaut“, seufzte Kato schwer. „Da ist irgendetwas vorgefallen, als wir in Tokyo waren, aber sie wollte nicht darüber reden. Ich mache mir auch Sorgen um Arisa. Sie sind beide so verbohrt…“

Tsubaki lächelte leicht, als Kato ihr aufmunternd den Oberarm tätschelte.

„Ah, da kommt der Zug“, sagte Kato. „Ob Arisa einen Zug später nimmt?“, fragte sie sich. „Naja, wir müssen jedenfalls zurück“, setzte sie an, sah dann aber, dass Tsubaki sich nicht rührte.

„Ich bleib heute noch bei meinen Eltern“, sagte Tsubaki und sah auf ihr Gepäck, das sie hatte eigentlich nach Akita mitnehmen wollen. Doch sie wollte noch nicht fahren. Es gab etwas, was sie vorher noch erledigen musste. Hier in Tokyo.

„Bist du sicher?“, blinzelte Kato verwundert. „Dann muss ich also alleine auf die anderen aufpassen“, lächelte sie leicht.

„Du machst das schon, Kato. Aber ich kann  noch nicht zurückfahren“, sagte Tsubaki mit so einer für sie ungewohnten Entschlossenheit, dass Kato nickte.

„Wenn was ist, dann ruf an“, drückte Kato sie ein letztes Mal, bevor sie mit den anderen im Zug verschwand.

***

Ziellos streifte Arisa umher, um ein wenig den Kopf freizubekommen. Sie hatte impulsiv gehandelt, da sie wusste, dass es wahrscheinlich unschön geendet hätte, wenn Aika und sie ihre Auseinandersetzung im Zug fortgesetzt hätten. Warum musste Aika auch immer so stur sein?

Nachdem sie eine Stunde spazieren war, brachte sie ihr Hunger schließlich dazu, vor einem Imbiss Halt zu machen. Der köstliche Duft dieser ungesunden Gerichte zog sie geradezu an, sodass sie sich irgendwann im Laden wiederfand und sich an einen leeren Tisch setzte. Sie mümmelte an einem Burger, während sie ihren Blick nach draußen schweifen ließ.

„Hätte nicht erwartet, dich hier zu sehen“, hörte sie plötzlich eine vertraute Stimme und als sie aufsah, bestätigte sich ihre Vermutung. Kagami stand vor ihr mit einem Tablett, auf dem ein ganzer Haufen Burger gestapelt war. „Darf ich mich setzen?“, fragte er, woraufhin sie ihm ein Lächeln schenkte und damit zeigte, dass sie einverstanden war.

Es war seltsam gewesen, sie hatte ihn zwar nach Katos Drängen hin angerufen, doch irgendwie hatten sie sich nicht allzu viel zu sagen gehabt. Doch jetzt, wo er ihr gegenübersaß, bemerkte sie, dass sie sich mit einem Mal viel wohler fühlte.

„Was machst du hier? Du hättest sagen können, dass du herkommst“, kratzte sich Kagami über den Hinterkopf, bevor er sich an seinen ersten Burger machte.

Arisa sah ihm mit großen Augen dabei zu, wie er einen Burger nach dem anderen verschlang.

„Wir hatten ein Trainingsspiel gegen Kaijo… und haben verloren“, seufzte sie schließlich. „Eigentlich hatte ich vor, sofort wieder abzureisen, aber naja… es gab eine kleine Auseinandersetzung zwischen mir und unserer Kapitänin“, seufzte sie. „Aika ist so verdammt stur…“

„Bist du den vollkommen unschuldig daran?“, fragte Kagami, woraufhin sie ihn anfunkelte.

„Ich meine ja nur“, seufzte er. „Mädchen sind gruselig…“

Arisa blinzelte ein paar Mal.

Dann musste sie anfangen zu lachen, weil Kagami so unbeholfen auf sie wirkte.

Ein leichter Rotschimmer legte sich auf seine Wangen. Dass er hier von ihr ausgelacht wurde, war kein schönes Gefühl.

„Tut mir Leid. Ich war die ganze Zeit so angespannt und jetzt… kommt mir alles so dumm vor“, seufzte sie.

„Streit passiert nun Mal. Ihr solltet euch einfach wieder vertragen“, zuckte Kagami mit den Schultern.

„Oh ja, wenn das so einfach wäre“, murmelte Arisa und zog an ihrem Milchshake. „Ihre Sturheit wird noch ein großes Problem für uns werden“, setzte sie hinterher. Eine Weile beobachtete sie Kagami dabei, wie er aß.

„Wo ist eigentlich dein Schatten?“, fragte Arisa spaßeshalber.

„Kuroko?“, blinzelte Kagami. „Der sitzt doch neben dir.“

„Hallo“, meldete Kuroko sich plötzlich neben ihr zu Wort und ließ sie hochfahren.

„Scheiß die Wand an!“, zischte sie erschrocken, als sie mit ihren Knien gegen den Tisch stieß und Kagamis Cola umwarf. Der Inhalt ergoss sich aber zu ihrem Unglück auf ihrer Hose. Mit einem Todesblick funkelte sie Kuroko von der Seite an. „Hey, das solltest du echt lassen! Irgendwann fängst du dir noch eine!“, grummelte sie, während sie mit den Servietten ihre Hose abtupfte.

„Es lag nicht in meiner Absicht, dich zu erschrecken“, sagte Kuroko mit so einem traurigen Hundeblick, der Arisa verzweifelt aufseufzen ließ.

„Du hättest was sagen können, weißt du“, murmelte sie entnervt, als sie bemerkte, dass die Servietten nicht viel brachten. Währenddessen trauerte Kagami seiner Cola hinterher.

„Ich habe dich doch gegrüßt“, verstand Kuroko das Problem nicht.

„Ach ja?“, sah sie ihn ungläubig an. Dieser Kerl war wirklich sonderbar. „Na toll, hier gibt es kein Bad um sich umzuziehen… Und wann fährt eigentlich die letzte Bahn?“, murmelte Arisa, während sie über ihr Smartphone scrollte.

„Du könntest dich bei Kagami-kun umziehen. Er wohnt hier in der Nähe und niemand ist zuhause“, warf Kuroko in neutraler Tonlage ein, woraufhin beide ihn verdattert ansahen.

Kagami verstand nicht, was sein blauhaariger Freund damit bezwecken wollte. Als sich sein Blick mit dem Kurokos kreuzte, hätte er aber schwören können, dass für den Bruchteil einer Sekunde die Andeutung eines Schmunzelns auf seinen Lippen lag.

Kagami sah Arisa an. „D-das…“, setzte er an, räusperte sich dann aber, als er merkte, dass ihm die Stimme versagte. „Also wenn du dich bei mir umziehen willst…“, startete er einen erneuten Anlauf, doch bemerkte er prompt, dass er irgendwie nicht die richtigen Worte fand.

Arisa konnte sich ein erneutes Kichern nicht verkneifen. Kagami brach sich da gerade wirklich einen ab. „Okay, wenn es dir nichts ausmacht.“

***

Gesagt, getan. Nachdem sie sich von Kuroko verabschiedet hatten, machten sie sich zur Wohnung auf, die quasi gegenüberlag.

Arisa hatte sich in Kagamis Badezimmer umgezogen und war froh, dass sie noch eine Ersatzhose mitgenommen hatte. Als sie hinaus auf den Flur trat, bemerkte sie, dass die Balkontür im Wohnzimmer offen stand.

Wortlos gesellte sie sich ebenfalls neben ihn auf den Balkon.

„Danke, eh…“, setzte sie an und verlagerte ihr Gewicht unsicher vom einen aufs andere Bein. „Ich hab jetzt bloß ein ganz anderes Problem“, kratzte sie sich verlegen an der Wange.

Kagami sah sie unbeeindruckt von der Seite an. „Was stimmt denn nicht?“

„Ich komme heute nicht mehr hier weg…“, seufzte Arisa. „Das ist immer eine halbe Weltreise nach Akita und ich würde meinen Anschluss nicht mehr bekommen“, erklärte sie knapp. „Geld für ein Hotel hab ich auch nicht“, fügte sie mit verlegenem Lächeln hinzu.

Kagami blinzelte ein paar Mal.

„Schon gut, kannst hierbleiben…“, murmelte er.

„Wirklich?“, strahlte sie übers ganze Gesicht.

„Bleibt mir denn eine Wahl? Ich kann das eh nicht verantworten, dich in der Dunkelheit rauszuschicken…“

„Kagami~“, umarmte sie ihn dankbar von der Seite. Als sie merkte, was sie da tat, ließ sie abrupt los. „Eh…sorry…“, sah sie mit roter Birne zur Seite.

„Schon gut“, hustete er. Wäre ja nicht so, als ob es ihm nicht gefallen hätte, doch diese Gedanken ließ er unausgesprochen. „Nur tu mir den Gefallen und sprich  dich mal mit Aika aus“, sagte er, woraufhin sie aufsah. „Ihr tut’s bestimmt auch leid.“

Ein leichtes Lächeln huschte über Arisas Lippen. Sie fand es wirklich niedlich, dass er sich selbst um ihre Probleme sorgte, obwohl er sicher genug eigene hatte.

„Mach ich…“, nickte sie knapp.

Ja, sie würde sich noch mit Aika aussprechen. Und was danach war, würde sie dann sehen…
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