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Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Gen
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
48
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15.11.2015 1.983
 
Tsubaki wusste nicht, was genau sie hier erwarten würde und sie brauchte einen Moment, bis sie sich orientiert hatte. Doch schon kurze Zeit später hörte sie so ein Polter von oben kommen. Langsam ging sie die Treppe hoch und rief sich abermals ins Gedächtnis, dass das Mädchen ihr schon nichts antun würde.

Doch als sie ihren ganzen Mut zusammennahm und die Tür aufriss, erblickte sie in die vor Schreck geweiteten Augen Kises. Er war an einen Stuhl gefesselt und wäre sein Mund nicht verbunden gewesen, hätte er sie wohl vor dem Grauen gewarnt, das hinter ihr lauerte.

Tsubaki war wohl ohnmächtig geworden, denn als sie zu sich kam, war sie ebenfalls an einen Stuhl gefesselt. Sie blinzelte ein paar Mal ins schwache Licht, das vom Fernseher ausging und zuckte prompt zusammen, als sie die Gestalt vor sich erblickte.


Naomi hatte lange, schwarze Haare, die ihr unordentlich ins Gesicht hingen, so als sei sie gerade einem Horrorfilm entkommen. Dazu hatte sie Augenringe unter ihren rotbraunen Augen, mit denen sie Tsubaki fixierte.

„Hast wohl gedacht, dass du ihm helfen kannst?“, kicherte sie wie eine Hexe und deutete auf Kise. „Aber ich hab dich noch nie gesehen“, ließ sie ihren Blick prüfend über sie wandern. Nur verzögert erkannte sie die Schuluniform der Yosen. „Wegen dir also wollen sie mich hier rausholen“, trat sie näher, woraufhin Tsubaki zusammenzuckte.

„Sie hat keine Schuld“, murmelte Kise.

„Schweig, du leuchtender Mensch“, keuchte Naomi so, als ob allein Kises Anwesenheit all ihre dunkle Energie vertreiben würde. Ein Duell der Auren schien hier vorzuherrschen. Goldene leuchtende Aura vs. schwarze Aura.

„Naomicchi, ich krieg keine Luft“, strampelte Kise, bis er sich von dem Tuch befreien und tief durchatmen konnte. „Du schwänzt anscheinend wieder, das hat Tohka mir gesagt“, funkelte er sie an. „Was glaubst du, was du für einen Ärger bekommst, wenn das so weitergeht?“

„Du meinst, was DU für einen Ärger bekommst, wenn meine Mutter das erfährt. Alles andere ist dir doch egal“, murmelte Naomi wie einen Fluch und setzte sich locker an ihre Konsole.

„Hey, lass uns frei“, wackelte Kise auf dem Stuhl hin und her. „Du kannst dich nicht ewig hier in deiner Welt verkriechen!“

„Ach ja?“, warf sie ihm einen Blick nach hinten über die Schulter zu, sodass sich bei ihm alle Nackenhaare aufstellten.

„Was ist denn so falsch daran, wenn ich hierbleibe?“, fragte sie irritiert. „Hier kann ich spielen so viel ich will und bin glücklich“, kicherte sie. „Keiner, der mich komisch anguckt oder verurteilt, weil ich nicht so bin wie alle anderen. Hier ist niemand, der mir wehtun kann“, sprach sie weiter. Anschließend nahm sie sich ein Dakimakura mit Light Yagami darauf und kuschelte es an sich.
„Die Realität ist so langweilig.“

Kise seufzte lautstark und warf Tsubaki einen entschuldigenden Blick zu.

Tsubaki war derweil ganz ruhig geworden, während sie Naomi musterte und wie diese auf ihr Spiel fixiert war. Sie wirkte in diesem Moment so einsam und verletzlich auf sie und gar nicht mehr gefährlich.

„Ich weiß,  wie du dich fühlst“, kam es ihr plötzlich über die Lippen. Naomi regte sich nicht, also wusste sie nicht, ob die Schwarzhaarige ihr überhaupt zuhörte oder nicht. Dennoch sprach sie weiter.
„Damals in der Mittelschule wurde ich auch gemobbt. Ich habe auch manchmal die Schule geschwänzt und mich in jeder freien Minute zuhause hinter meinen Büchern versteckt“, seufzte sie. „Und als ich an die High-School gekommen bin, war es ganz seltsam, dass plötzlich jemand etwas mit mir zu tun haben wollte…Es war ungewohnt und zuerst hatte ich Angst…“, Tsubaki sah auf, doch Naomi rührte sich immer noch nicht.

„Dieses Team ist seltsam“, murmelte Naomi plötzlich. „Ich bin ganz anders als sie, aber sie wollen mich trotzdem im Team haben. Kommen immer wieder her, wie lästig“, brummte sie.

„Sie machen sich Sorgen“, erwiderte Tsubaki aufgebracht und sah dann zu Kise, so als ob sie auf seine Unterstützung baute.

„Sie hat recht, Naomicchi“, seufzte Kise schließlich. „Ich hab mit der Band viel zu tun, sie modeln ja auch und fragen immer nach dir“, setzte er an, doch Naomi reagierte nicht. „Sie wissen nicht, wie sie mit dir reden sollen, weil du dich immer abschottest.“ Dann legte er eine kurze Pause ein. „Und ich weiß es auch nicht… Man hat bei dir das Gefühl, dass man immer etwas falsch macht. Egal was man sagt…“

„Wir werden uns nie verstehen. Solche Menschen wie ihr, die so leicht auf andere zugehen können und ich, vor der man sich nur fürchtet, wenn man sie vom weiten sieht, können keine Freunde sein“, murmelte Naomi.

„Aber wenn man sich nur zuhause einschließt, wird sich nichts ändern!“, rief Tsubaki und tatsächlich schien Naomi zu reagieren, denn sie drehte sich in Tsubakis Richtung. Als sich ihre Blicke trafen, bemerkte Naomi, dass Tsubaki sie nicht anlog. Solch ehrliche Augen sah man nur selten.

„Klar kann es schieflaufen“, sprach Tsubaki weiter. „Aber wenn du es gar nicht erst versuchst, dann kann es nicht besser werden oder?“

Naomi stand auf und kam auf sie zu. Dann legte sie ihr beide Hände auf die Schultern und musterte sie so eindringlich, dass es Tsubaki doch wieder mulmig wurde.

„Da ist was dran“, sagte Naomi trocken und seufzte dann.

Naomi machte den Fehler, kurz zu Kise zu sehen, denn dieser schenkte ihr so ein strahlendes Lächeln, dass ihr fast die Augen wegätzten.

„Na komm schon, Naomicchi. Gib dir einen Ruck!“, strahlte er sie an, während sich diese auf dem Boden zusammenkrümmte.

„Zu viel Licht“, keuchte sie, was Kise ganz amüsant zu finden schien.

Auch Tsubaki entspannte sich allmählich. Sie ließ ihren Blick durch den Raum wandern und blieb prompt an einem Bild hängen, das auf einer Kommode stand. Darauf waren Naomi und Ritsuka, Captain der Rakuzanmannschaft, abgebildet. Was sie ein wenig verwunderte, war, dass beide Mädchen darauf so entspannt lachten.

„Ritsuka und du seid Freunde?“, fragte sie verblüfft.

Naomi, die durch Tsubakis Worte ihre Kraft wiedererlangte, erhob sich prompt vom Boden. „Ja, sie war meine einzige Freundin. Und nun ist sie bei ihm. Diesem rothaarigen Teufel“, wisperte sie. „Ich hab alles versucht, von Voodoo bis zu Flüchen, aber dem Kerl geht es immer noch so gut wie eh und je“, seufzte sie enttäuscht und fing damit an, die Fesseln ihrer Gefangenen zu lösen.

Tsubaki blinzelte ein paar Mal. „Du meinst Akashi oder?“

Bei dem Klang bekam Naomi eine Gänsehaut. „Rothaariger Teufel“, murmelte sie weiter wie einen Fluch.

„Er ist mir unheimlich“, seufzte Tsubaki. Naomi wurde hellhörig und fasste sie bei den Händen. „Du kannst ihn auch nicht leiden? Dann sollten wir einen Anti-Akashi-Club gründen!“

Kises Gesichtszüge waren ihm derweil entglitten. „Ihr solltet nicht so über Akashicchi sprechen.“

„Du verteidigst ihn also auch“, sagte Tsubaki und seufzte. „Ich verstehe echt nicht, was euch und diesen Kerl verbindet“, murmelte sie traurig.

„Er hat sie verflucht“, keuchte Naomi besessen. „Was meinst du denn, warum sie ihm immer noch so untergeben sind?“

Tsubaki wusste gerade nicht, ob ihr Naomis Gesundheitszustand nicht noch mehr Angst bereitete. „Keine Ahnung, ehrlich gesagt…“, murmelte sie. „ Ist vielleicht so ein Wunderkind-Ding?“, fragte Tsubaki in Kises Richtung. Dieser lächelte bloß traurig.

„Ihr solltet euch langsam aufmachen, habt ihr nicht noch ein Freundschaftsspiel?“, fuhr er sich demonstrativ durch die Haare und umging somit einer Antwort.

„Ah, genau!“, rief Tsubaki so aus, als ob es ihr jetzt erst wieder einfiel. Dann sah sie zu Naomi hoch und jetzt, wo sie vor ihr stand, bemerkte sie erst so richtig, wie groß sie war. Sie musste um die 1,80 Meter groß sein, genauso wie Aika.

Naomi blinzelte sie an und irgendetwas an Tsubaki erinnerte sie an ein verlorenes Kätzchen. „Okay, meinetwegen. Ich kann dich gut leiden“, murmelte sie und wollte sich gerade mitten im Zimmer umziehen, hätten Kise und Tsubaki nicht rechtzeitig den Raum verlassen.

„Oh Man“, schnaubte Kise. „Von einer Lady ist sie aber noch weit entfernt“, sah er erschöpft zu Tsubaki. „Aber du bist gut darin, die Bombe zu entschärfen“, lachte er leicht.

Tsubaki erwiderte sein Lächeln. „Aber ich finde sie irgendwie ganz lieb. Wenn man hinter die Fassade blickt…“

„Ja, wenn man hinter diese düstere menschenverachtende Otaku-Fassade blickt“, pflichtete Kise ihr bei. „Ich weiß ja, dass sie auch ihre netten Seiten hat, aber die kommen selten zum Vorschein.“

„Wir können gehen!“, kam Naomi die Treppe runter. Ihre Uniform war total zerknittert und ihre Haare hatte sie sich auch nicht gekämmt.

„So geht das nicht!“, sprang Kise prompt auf. Das war ja nicht mitanzusehen!

Schnell schnappte er sich einen Kamm und bugsierte sie auf einen Stuhl. „Sitzen bleiben“, grummelte er entnervt und machte sich daran, ihre Knoten zu lösen.

„Tsubakicchi, du kennst sicher Murasakibaracchi, nicht wahr?“

Tsubaki dachte daran, dass das ein ziemlicher Zungenbrecher war.

„Ja, wir sind schließlich beide im Basketballclub.“

Kise lächelte leicht. „Und wie geht es ihm so? Kommt er zurecht mit seinem neuen Team?“

„Ja, sehr gut sogar“, lächelte sie.

„Du hast ihn sehr gern oder? Deine Augen leuchten so, seitdem wir von ihm sprechen“, kicherte Kise.

Tsubaki fühlte sich sogleich ertappt und lief rot an.

Gleichzeitig schrie Naomi auf vor Schmerz.

„Meine Kopfhaut! Du elender Schönling, mieser Sadist!“, nörgelte Naomi.

„Du kümmerst dich nicht um deine Haare, was kann ich dafür? Was für eine Verschwendung, bei so langen Haaren, ihnen sowas anzutun“, schimpfte Kise und deutete auf den Spliss.

Naomi funkelte ihn bloß wütend an.

„Benutz gefälligst das Shampoo und den Conditioner, den ich dir letztens mitgebracht habe. Und eine Kur musst du mindestens einmal die Woche auftragen, bei der Haarlänge. Die passende Spülung hab ich dir auch gekauft!“, schimpfte er weiter. „Und ich hab dir doch gezeigt, wie man bügelt. Du musst wirklich nicht mit so einer zerknitterten Uniform herumlaufen.“

Naomi schwieg und schien zu schmollen, während sie die Prozedur über sich ergehen ließ.

Tsubaki sah sich das Szenario an und kam nicht umhin, über den Anblick zu lächeln.

***

Eine halbe Stunde später trafen die drei in der Sporthalle der Kaijo High ein und Tsubaki sah die beiden Teams, die sie und Naomi bereits erwartet hatten.

„Du bist ja wirklich da“, strahlte Tohka, die ein Abdruck von einem Basketball im Gesicht hatte, weil sie Kasamatsu wieder zu nah auf die Pelle gerückt war.

„Sieht so aus, als wären wir nicht die Einzigen ohne Ersatzspieler“, lächelte Kato und musterte Naomi.

„Psst. Könntet ihr das für euch behalten, dass unser Captain… dass die Leadsängerin von Clover in Wahrheit so… naja… uncool ist?“, wisperte die Gitarristin in Rikas Richtung und deutete dabei zu Tohka.

„Klar, kein Problem. Nicht jeder kann perfekt sein“, strich sich Rika affektiert die Haare nach hinten.

„Ja, hier unsere amtierende Miss Yosen steht auf Gorillas“, grinste Sato und kassierte diesmal wirklich eine Kopfnuss.

„Aua“, rieb sie sich die wunde Stelle und sah zu Tsubaki, die sich dazugesellte.

„Na, hast du Spaß gehabt?“, fragte Sato.

„Es war ganz interessant und Kise-kun scheint sehr nett zu sein“, setzte Tsubaki an. Dann sah sie wieder ernster drein. „Nur konnte er mir auch keine Antwort darauf geben, weshalb sie alle so fixiert auf Akashi sind. Es bleibt wohl ein ungelöstes Mysterium.“

Sato blinzelte verwundert. „Das ist doch ganz einfach, warum das so ist. Die Kiseki no Sedai ist ein Haufen voller Homos“, setzte sie zwar an, wurde dann aber von Kato weggedrückt.

„Ich glaube, wir können jetzt mit dem Match beginnen“, sagte Kato. Dabei lächelte sie zwar, doch Sato kannte dieses leicht angespannte Lächeln. Dann musste sie sich heute eben benehmen. Trotzdem brachte sie das nicht davon ab, immer mal wieder zu Kise und Kasamatsu zu schielen und ihr Kopfkino dabei laufen zu lassen.

Tsubaki nickte, doch plötzlich spürte sie so ein Frösteln. Als sie nach hinten aufs Spielfeld sah, erblickte sie Naomi, die sich ihre Sportuniform angezogen hatte und sich ihre Haare mit einem weißen Band zusammenknotete. Anschließend umspielte ein leichtes Lächeln ihre Lippen, während sie herausfordernd dreinsah.

„Dann zeigt uns Mal, was ihr könnt“, schmunzelte sie.

Eins wurde Tsubaki in diesem Moment klar. Dieses Mädchen änderte sich komplett, sobald sie das Spielfeld betrat.
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