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Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Gen
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
48
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08.11.2015 1.738
 
Die Tage zogen an ihnen vorbei und mittlerweile war die Interhigh in vollem Gange. Tsubaki hatte an diesem Wochenende wieder in Tokyo geschlafen, sodass sie sich an diesem Morgen bereits alleine zur Kaijo High aufmachte, um das mit dem Freundschaftsspiel mit dem Direktor zu klären. Die anderen Mädchen würden am Nachmittag alle aus Akita eintrudeln.

Nach langem hin und her, hatte sich Rika dazu bereiterklärt, Maries Position einzunehmen, solange sie noch keinen Ersatz hatten. Marie selbst wurde in der Schule nicht mehr gesichtet. Tsubaki hatte die Vermutung, dass sie abgegangen war, ohne sich noch ein letztes Mal von allen anderen zu verabschieden. Aikas Laune war zwischenzeitlich auch stark im Keller gewesen, doch langsam aber sicher legte sich alles wieder.

Tsubaki wusste nicht, ob es richtig war, wie es lief. Wie Aika, und auch wie Marie gehandelt hatten. Auch die anderen Mädchen wussten nicht immer mit der Situation umzugehen. Und so versuchten alle, das Beste daraus  zu machen.


Während Tsubaki durch die Flure der Kaijo High ging ahnte sie eigentlich gar nichts Böses. Doch das Schicksal meinte es wohl nicht gut mit ihr, sodass sie über ihre eigenen Füße stolperte und nach vorne zu fallen drohte.

Doch prompt war da jemand, der ihren Sturz abfederte.

„Vorsichtig, sonst fällst du noch auf die Nase“, hörte sie eine warme Stimme und als sie aufsah, erblickte sie in das Antlitz Kise Ryoutas. Er strahlte sie an und sie könnte schwören, dass Sternchen im Hintergrund zu sehen waren.

Und dann, im nächsten Moment, vernahm sie etwas ganz anderes. So als ob sich tausende von Blick in ihren Rücken bohren würden. Lange brauchte sie nicht, bis sie registrierte, dass ihr dieses Gefühl bekannt vorkam. Es war genau wie bei Himuro zu Beginn, als sie den Zorn seiner Fangirls auf sich gezogen hatte.

Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als sie daran dachte, dass sie sich bereits jetzt schon Feinde an einer fremden Schule gemacht hatte. Nein, sie wollte sich nicht sofort unbeliebt machen! Sie musste dem irgendwie entgegenwirken.

Panisch hob sie die Hände in die Lüfte und lief schreiend weg.

Kise sah ihr verdattert nach und Kasamatsu, der neben ihm stand, konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Dass Mädchen in Kises Nähe solch eine Reaktion an den Tag legten, war ein wahrlich seltener Anblick.

Tsubaki rannte, so schnell sie konnte, bis sie völlig fertig in der Sporthalle ankam.

Dann sah sie sich um, so als ob sie sich vergewissern wollte, dass niemand hinter ihr war.

„Hey!“, ertönte es plötzlich, sodass sie zusammenzuckte. Als sie aufsah, erblickte sie ein orangehaariges Mädchen und sofort musste sie an die Sängerin denken, die sie letztens in dieser Zeitschrift gesehen hatte.

„Ich bin Tohka!“, lächelte sie und ging auf Tsubaki zu. „Kommst du von der Yosen?“

Tsubaki brauchte einen Moment, bevor sie sich kerzengerade hinstellte.

„Ja, mein Name ist Tsubaki Ninohara. Ich bin Coach des Mädchenteams der Yosen High.“

„Nicht so förmlich“, lachte Tohka und Tsubaki stellte fest, dass selbst ihr Lachen melodisch klang.

„Du bist schon so früh hier, das hätte ich nicht gedacht. Warst du schon beim Direktor?“, fragte sie, woraufhin Tsubaki nickte. „Gut. Andererseits, haben wir ein kleines Problem“, setzte sie an, als auch schon jemand weiteres die Halle betrat.

„Ah, Kise, du hast also Zeit gefunden?“, lächelte sie und als Tsubaki den Blondhaarigen erblickte, wich sie einen Schritt zurück.

Kise verzog das Gesicht. „Was hast du denn gegen mich?“, fing er an zu schmollen, während Tohka irritiert zwischen den beiden hin und hersah.

„E-es ist nichts gegen dich persönlich“, wedelte Tsubaki mit den Händen. „Mir machen beliebte Jungs nur Angst… oder… eher die Fans von ihnen“, seufzte sie schwer, als ob ihr die Unterhaltung schon alle Kräfte raubte.

Kise ließ sich ihre Worte durch den Kopf gehen. „Hm, aber es ist mal eine erfrischende Reaktion, dass mir Mal ein Mädchen nicht hinterherläuft“, dachte er laut, während Tsubaki die Gesichtszüge entglitten.

Tohka konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. „Da kenne ich aber noch jemanden“, klatschte sie ihm viel zu fest auf den Rücken. „Ich hab dich herholen lassen, weil ich deine Hilfe brauche. Naomi ist schon den dritten Tag nicht in der Schule und wir brauchen sie heute für das Spiel gegen die Yosen High.“

Tsubaki überlegte einen Moment und stellte dann fest, dass Naomi diejenige war, die nicht in dieser Band war und von der sie überhaupt nichts wusste. Sie sah, wie Kise erneut das Gesicht verzog.

„Ich hab’s satt, mich um sie kümmern zu müssen“, seufzte er. Als er Tsubakis Blick bemerkte, fasste er seine momentane Lage knapp zusammen. „Weißt du, Naomicchi ist ein sehr schwieriger Mensch. Sie ist immer so düster und hasst soziale Interaktionen.“

„Also das Gegenteil von dir?“, legte Tsubaki den Kopf schief, woraufhi ein Lächeln über Kises Lippen huschte.

„Ja, so ziemlich. Aber ich hab ihrer Mutter versprochen, mich um sie zu kümmern und eine Dame aus ihr zu machen, weil ihre Mutter mir viel mit dem Modeljob geholfen hat und ich ihr was schuldig bin.“

„Du bist aber nicht wirklich weit gekommen“, seufzte Tohka enttäuscht. „Wir haben es ja auch schon versucht, aber sie kommt einfach nicht aus dem Haus. Außerdem bekommt sie Ärger, wenn sie weiterhin die Schule schwänzt.“

Kise seufzte abermals, als sei ihm die Seele entwichen. „Kaum ist ihre Mutter im Ausland, macht sie, was sie will. Na gut, dann muss ich wohl ran“, murmelte er weinerlich.

„Sei nicht so ein Weichei“, ertönte es von der Tür und als sie sich umsahen, erblickten sie Kasamatsu.

„Yukio!“, schrie Tohka plötzlich wie ein Fangirl und hätte er nicht rechtzeitig reagiert, wäre sie ihm wohl um den Hals gefallen.

„Bleib mir vom Leib“, zischte er, doch das schien Tohka nur weiter anzuheizen.

„Ich liebe deine abweisende Ader!“, kicherte sie, während er ihr Gesicht wegdrückte.

Tsubaki sah perplex zwischen ihr und Kise hin und her. Die Leadsängerin einer erfolgreichen Idol-Band stand also darauf, wenn man sie abweisend behandelte. Und ein so erfolgreiches Model musste sich also um eine Sozialkontakt-meidende Schulverweigerin kümmern. Gut zu wissen, dass schöne Menschen auch ihre Macken und Probleme hatten.

***

Kurze Zeit später standen sie auch alle vor einem riesigen Anwesen.

Tohka scharwenzelte um Kasamatsu herum, während Kise sich zu wappnen schien.

„Okay, ich schaff das. Ich geh da rein und hol sie raus“, sprach der Blonde sich Mut zu.

„Jetzt mach dir nicht ins Hemd“, seufzte Kasamatsu.

„Ja echt, Kise. Kannst du nicht wenigstens ein Mal cool sein? So wie Yukio!“, schwärmte Tohka, kassierte aber nur weitere Todesblicke ihres Senpais.

Tsubaki kam nicht umhin, langsam Mitleid mit dem blonden Model zu bekommen. Gleichzeitig fragte sie sich, wie sehr der Kerl sich vor diesem Mädchen fürchten musste, dass er hier so zögerte.

„Du schaffst das, Kise-kun“, tätschelte Tsubaki ihm die Schulter, weil er ihr leidtat.

Kise drehte sich zu ihr und fühlte sich gerührt. „Danke, Tsubakicchi! Das bedeutet mir viel!“, fasste er sie bei den Händen und sah sie eindringlich an. „Wenn ich nicht wieder rauskomme, lasst mich hier zurück …“, setzte er an. Dann schüttelte er aber den Kopf.  „Nein, wenn ich es mir recht überlege, kommt mir zu Hilfe, ja?“

„Eh, klar“, blinzelte Tsubaki ihn an.

„Dann wollen wir mal!“, ballte Kise die Hand zur Faust. „Ich will der Aller-Beste sein, wie keiner vor mir war, düm, düm, dümdüm“, fing er an, leise den Titelsong von Pokémon zu singen, während er durchs offene Fenster stieg.

Im Haus angekommen, rollte er sich geschickt ab.

Er sah um sich, doch war alles stockduster und er brauchte einen Moment, bis sich seine Augen an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnten. --Sie muss oben sein, keine Frage. Wahrscheinlich hat sie uns schon gehört--, seufzte er schwer.

Während er sich an der Wand entlangtastete, schnappte er sich einen Besen, um sich notfalls zu verteidigen.

Auf Zehenspitzen schlich er die Treppe hinauf.

--Wahrscheinlich sieht’s in ihrem Zimmer wieder so aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Putzen tut sie auch nicht und bestimmt zieht sie sich gerade wieder Animes rein oder zockt. Ich sollte das Überraschungsmoment nutzen und sie überrumpeln--, versuchte er sich einen Plan zurechtzulegen.

Oben angekommen, sah er bereits, wie flimmernde Bilder durch den offenen Türspalt auf den Flur fielen.

Erneut musste er schwer schlucken, während er das Ende des Besenstieles nutzte, um die Tür weiter zu öffnen. Er drückte sich an die Wand und traute sich schließlich, hindurchzusehen.

Vor dem laufenden Fernseher saß niemand. Doch da erblickte er ein eingerolltes Etwas im Bett. Er atmete innerlich erleichtert auf. Wenn sie schlief war das gut, dann könnte er sie überraschen. Den Besen legte er weg und ging langsam auf sie zu.

„Naomicchi“, setzte er leise an. „Hey, du hast heute ein wichtiges Spiel“, ging er auf das Bett zu.

Was er nicht bemerkte, war, wie sich jemand hinter der Tür versteckt hatte, und nun lautlos hervorkam.

„Naomicchi“, wiederholte Kise.

Doch als er vor dem Bett stand, fielen ihm zwei Sachen auf. Die eine war, dass hier anstatt Naomi ein Kissen lag. Die andere war die, dass er erst jetzt bemerkte, dass jemand hinter ihm stand.

***

Ein lautes Kreischen ertönte, was so gar nicht männlich klang und prompt fuhr Tsubaki zusammen.

Kasamatsu seufzte bloß und stellte sich die Frage, warum ihn sein Pflichtgefühl wieder hierhergebracht hatte. Doch so ging das nicht weiter. Er konnte Kise nicht immer helfen. Der Blonde musste endlich mal selbstständiger werden.

„Ich hau ab, das wird mir zu blöd“, machte er kehrt.

„Stimmt, mir auch“, grinste Tohka ihn mit Herzchenaugen an. Dass die beiden Mädchenmannschaften nachher ein Spiel hatten, war ihr wohl längst entfallen.

„Eh? Moment, Kise hat gerade geschrien oder?“, atmete Tsubaki hektisch. „Er braucht Hilfe oder?“, raufte sie sich die Haare.

„Der macht das schon, das ist wie ein Ritual bei den beiden“, zuckte Kasamatsu die Schultern. „Es ist verwunderlich, dass er immer noch auf ihre Tricks hereinfällt.“

„Bis nachher und viel Glück!“, winkte Tohka, die hinter Kasamatsu herschwebte.

Tsubaki sah den beiden verdattert nach. Wie konnten sie ihn einfach zurücklassen?

Und was sollte sie jetzt genau machen? Sie war viel zu klein und zu schwach, als dass sie sich diesem… etwas, was da drin hauste, entgegenstellen könnte. Aber Kise seinem Schicksal zu überlassen ging auch schlecht.

Tsubaki klatschte sich mit beiden Handflächen ins Gesicht.

Naomi war doch nur eine High-School-Schülerin, wie sie selbst auch. Was konnte denn da so viel schief laufen? Vielleicht brauchte sie nur jemanden, der ruhig auf sie einredete.

Tsubaki schluckte schwer und fasste sich ein Herz. Dann kletterte auch sie durchs Fenster.
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