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Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Gen
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
48
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Dieses Kapitel
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01.11.2015 2.974
 
Ein genervtes Seufzen war zu hören und ein Seitenblick verriet Tsubaki, dass er von Marie stammte. Sie hatte heute in der einen Pause schon mehrmals geseufzt.

„Alles in Ordnung? Du warst die letzten Tage nicht da. Und das Training hast du die Woche komplett sausen lassen.“

Marie sah sie an. „Mir ging es nicht gut.“

„Oh dann haben sie wohl wirklich was verwechselt“, erwiderte Tsubaki.

„Was? Wovon redest du?“, fragte die Rothaarige.

„Meine Eltern. Ich habe gestern mit ihnen telefoniert und sie haben gesagt, dass sie dich in der Stadt gesehen haben. Das kam mir gleich seltsam vor, warum solltest du mitten in der Woche nach Tokyo fahren?“

Marie sah zur Seite und Tsubaki fiel auf, wie ihr Mundwinkel leicht zuckte.

„Muss ne Verwechslung gewesen sein. Rote Haare sind nicht selten.“

„Hast du vielleicht Streit mit Aika? Mir kommt es vor, als ob du ihr aus dem Weg gehen würdest…“, sprach Tsubaki nur so leise, dass sie es mitbekam.

Doch Marie ging gar nicht darauf ein. „Muss ein Zufall sein, dass ich immer da bin, wenn sie es gerade nicht ist…“

Tsubaki nickte nur. Was auch immer es war, das Marie beschäftigte, sie wollte nicht darüber reden und sie entschied sich dafür, sie nicht auszufragen. Die Klingel ertönte und kündigte das Ende der Pause an. Die Gruppe erhob sich und jeder machte sich auf zum nächsten Raum.

Instinktiv griff Tsubaki nach Maries Ärmel.

„Morgen ist Wochenende, dann bin ich bei meinen Eltern“, sagte sie lächelnd.

Marie zog die Augenbrauen hoch. „Warum sagst du mir das?“, fragte sie irritiert.

„Och, nur so…“, antwortete Tsubaki und schloss dann zu Arisa auf.

Abermals entwich Marie ein tiefer Seufzer und sie war froh, dass Aika in diesem Moment nicht hier war.


Am Wochenende kam Tsubaki nach mehreren Stunden Fahrt endlich zuhause an. Wenn man von dem letzten Besuch mit den Mädels absah, war es das erste Mal, dass sie alleine wieder in Tokyo war und es war ein seltsames Gefühl, da sie so viel Negatives mit dieser Stadt verbunden hatte.

Aber irgendwie war es gar nicht mehr so belastend für sie, alleine durch die ihr bekannten Straßen Tokyos zu gehen. Zuhause angekommen, wurde sie herzlichst in Empfang genommen. Umarmungen und Küsschen wurden verteilt, bis sie dann mit ihren Eltern am Tisch saß und über den Basketballclub erzählte.

„Das sind ein paar wirklich nette Mädchen, wir freuen uns so für dich, dass du so tolle Freundinnen gefunden hast“, seufzte ihre Mutter erleichtert und der Vater nickte lächelnd.

Auf Tsubakis Gesicht breitete sich ein Schmunzeln aus. „Ja, sie sind wirklich toll. Mir geht es dort gut.“ Sie sah in die Gesichter ihrer Eltern. „Wirklich“, fügte sie noch hinzu.

„Das…das ist schön, wir machen uns nämlich große Sorgen. Was dir hier in der Mittelschule widerfahren ist…wir hatten nichts gewusst, bis du dann mit der Idee kamst, auszuziehen. Deshalb haben wir Angst, dass es dir in Akita vielleicht doch nicht gut geht und du uns nur wieder nichts sagst“, sagte die Mutter schließlich.

„Wenn etwas ist, kannst du auch immer hierherkommen. Nur weil du einmal ausgezogen bist, heißt das nicht, dass du hier kein Zuhause mehr hast“, fügte der Vater noch hinzu.

Tsubaki blinzelte sie verwundert an. Sie hatte ja nicht gewusst, dass sich ihre Eltern nach der ganzen Zeit immer noch dermaßen sorgen würden. Jedenfalls hatten sie das bei ihrem letzten Besuch mit den anderen nicht gezeigt.

Sie tätschelte den Arm ihrer Mutter. „Danke, ich weiß doch, dass das hier mein zuhause ist. Trotzdem war dieser Schritt wichtig für mich. So habe ich die Mädels kennengelernt und irgendwie glaube ich, dass ich es endlich geschafft habe, mich wenigstens ein kleines Bisschen zu ändern.“

Die Mutter nickte nur und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Du lächelst und redest jetzt viel mehr als früher.“

„Du kannst auch gerne Mal deinen Freund mitbringen… Sowohl Nummer 1 als auch Nummer 2 sind willkommen“, sprach der Vater weiter, bevor er einen bösen Blick von der Mutter kassierte.

Perplex sah Tsubaki zwischen den beiden hin und her. „Nummer 1 und Nummer 2?“, fragte sie irritiert.

„Och, hör nicht auf deinen Vater. Der wird auch immer seniler“, lachte ihre Mutter. „Was er damit sagen wollte, falls du einen Freund hast, kannst du ihn gerne herbringen. Wir würden uns freuen.“

„Einen Freund“, wiederholte Tsubaki. Kurz stellte sie sich vor, wie Atsushi herkam und es ihm wahrscheinlich so vorkommen würde, als würde er mit Zwergen sprechen. Ihre Eltern waren nämlich kaum größer als sie. Moment, warum dachte sie bei dem Wort „Freund“ automatisch an Atsushi?

Tsubaki lief rot an, bevor sie aufstand und hoch zu ihrem Zimmer stapfte.

***

Kurz bevor Tsubaki zu Bett ging, hörte sie ihr Handy klingeln. Als sie aufs Display sah, weiteten sich ihre Augen und sie ging sofort dran. „Marie?“, fragte sie irritiert und sah dann auf die Uhr, die bereits 22.30 anzeigte.

„…“, Marie sagte nichts.

„Marie? Was ist los? Wo bist du?“, fragte Tsubaki besorgt.

„Ich bin vor eurem Haus…“, hörte sie sie mit leiser Stimme sagen. Einen Moment starrte Tsubaki aus dem Fenster. Dann sah sie tatsächlich einen Schatten vor dem Haus auf der Bank sitzen.

„Bin gleich bei dir. Bleib wo du bist.“

Augenblicklich polterte sie die Treppe runter. Sie sah kurz ins Wohnzimmer. „Mama? Könnte eine Freundin heute hier übernachten?“

„Aber klar doch, Liebes. Wir gehen jetzt schlafen. Gute Nacht.“

Tsubaki riss die Haustür auf und trat auf die Straße. Es regnete in Strömen. Auf der gegenüberliegenden Seite sah sie Marie auf ihrer Bank sitzen und hechtete sofort auf sie zu. „Marie? Was ist…“, sie hielt inne, als sie in das traurige Gesicht ihrer Freundin sah. Die Wimperntusche hatte sich aufgelöst und es zeichneten sich nun Streifen ebendieser auf ihrem Gesicht ab. Sie hatte offenbar geweint.

Die Marie, die immer einen sarkastischen Spruch auf der Zunge hatte. Die Marie, die nichts unterkriegte. Der Anblick verstörte Tsubaki.

„Komm erst mal rein, du bist total durchnässt“, sagte Tsubaki, die ihre Sprache irgendwann wiederfand. „Du kannst bei uns duschen. Meine Mutter hat gesagt, dass du auch bei mir übernachten kannst“, bot sie an und als Marie keine Anstalten machte, sich zu rühren, schloss Tsubaki sie in ihre Arme. Erst da schien Marie aufzutauen und die Worte Tsubakis schienen bei ihr anzukommen.

Tsubaki rechnete nicht damit, aber plötzlich erwiderte Marie ihre Umarmung. So standen sie eine Weile im Regen, bis sie schließlich beide von oben bis unten durchnässt waren.

Im Haus angekommen, gingen beide nacheinander duschen und Marie bekam einen Pyjama von Tsubaki geliehen. Und in dem rosa Pyjama sah sie irgendwie gar nicht mehr so gefährlich aus, wie Tsubaki fand. Sie hatte Kakao und Kekse für beide auf ein Tablett gestellt und arrangierte es auf dem kleinen Tisch in der Mitte ihres Zimmers.

Marie griff wortlos nach einem Keks und mümmelte daran.

Immer noch hatte niemand etwas gesagt.

„Du fragst ja gar nicht“, sagte Marie irgendwann.

Tsubaki stützte sich mit ihren Ellenbogen am Tisch ab und sah Marie an. „Ich will dir ja keine Löcher in den Bauch fragen. Das war zwar mein erster Impuls, aber als ich dich draußen gesehen hab…das hat mich wirklich getroffen…Also wenn du reden willst, ich würde dir immer zuhören aber ich weiß ja, dass du das nicht magst…oder dass du es viel eher nicht gewöhnt bist“, sprach sie hektisch.

Marie sah sie interessiert an. „Glaubst du das, ja?“

„Hm ich denke schon. Am Anfang konnte ich deine Art nicht richtig einschätzen, aber dann musste ich an mich denken. Es ist für mich auch ungewohnt, mit jemandem über mich zu reden. Ich bin mehr der Zuhörer. Und bei dir scheint es auch so zu sein.“

„Scharfsinnige Beobachtungsgabe. Nun bin ich wirklich froh, dass du unser Coach bist“, erwiderte Marie und ein Schmunzeln schlich sich auf ihre Lippen.

„Ich glaub ich versuch‘s mal“, murmelte Marie.

„Hm?“, fragte Tsubaki verwundert.

„Über mich zu reden…Ich glaube, ich versuch‘s mal“, erwiderte Marie immer noch mit diesem seltsamen Schmunzeln.

Tsubaki blinzelte sie ein paar Mal an.

„Also warst du die letzten Tage hier…in Tokyo?“, fragte Tsubaki nun und Marie nickte.

Mit einem Mal füllten sich Maries Augen mit Tränen.

„Oh, wenn es dir schwer fällt, dann musst du nichts sagen“, stotterte Tsubaki besorgt.

Marie atmete tief durch. „Nein, schon gut. Dieser Bastard hat es nicht mal verdient, dass überhaupt jemand auf diesem Planeten wegen ihm weint.“

Tsubaki sah sie fragend an. „Wen meinst du?“

„Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?“, fragte Marie und Tsubaki spürte mit jeder Faser ihres Körpers, wie schwer Marie die folgenden Worte fielen. Gleichzeitig schien es so, als hätte sie sehr lange darauf gewartet, es endlich loszuwerden.

Tsubaki nickte und sah sie aufrichtig an. „Klar, ich werde niemandem etwas sagen.“

Marie seufzte schwer.

„Nein, irgendwie…ist das nicht richtig, das von dir zu verlangen“, wisperte Marie schließlich.

Dann atmete sie erneut durch und sah Tsubaki an. „Ich sollte das Team verlassen. Das wäre für alle das Beste…“

Völlig perplex sah Tsubaki sie an. Dann erhob sie sich und packte Marie bei den Schultern. Sie zwang die Rothaarige somit, ihr in die Augen zu sehen. „Was soll das, Marie? Ich verstehe überhaupt nichts! Du willst etwas erzählen und ich will dir helfen, aber dann machst du einen Rückzieher. Das ist nicht fair“, brummte sie lauter als beabsichtigt.

Marie war verwundert, dass Tsubaki anscheinend auch ganz anders konnte und als sie dieses ernste Funkeln in ihren Augen sah, raubte ihr das für einen Moment den Atem.

„Wenn ich es dir gesagt habe…dann wirst du die Erste sein, die mich raushaben will…“, sagte Marie und sah zur Seite, da ihr dieser direkte Augenkontakt unangenehm war.

Tsubaki rüttelte sie einmal kurz, damit sie nicht wegsah.

„Ich will dir nichts vorschreiben, aber wenn du das Team verlassen willst, dann bist du uns wenigstens eine Erklärung schuldig“, sagte sie ernst.

Marie kaute auf ihrer Unterlippe und schien mit sich selbst zu ringen. Sie könnte einfach alles abhaken und das Team verlassen. Sie könnte diese Menschen für immer aus ihrem Leben streichen. Sie konnte Tsubaki auch einfach anlügen. Sie war gut im Lügen. Schon immer gewesen.

Doch warum hatte sie Tsubaki überhaupt angerufen? Warum saß sie jetzt hier mit ihr, kurz davor, ihr dunkelstes Geheimnis zu enthüllen?

Kurz schloss sie die Augen um sich ein letztes Mal zu sammeln. Sie war lange genug feige gewesen. Wenn jemand wie Tsubaki, ein kleines Naivchen ohne Selbstbewusstsein, auf der nur herumgehackt wurde, sich ändern konnte, war es doch lächerlich, dass sie selbst immer noch keinen Schritt vorwärts gekommen war. Erneut atmete sie durch, doch sie konnte nichts dagegen ankämpfen, dass ihr erneut die Tränen in die Augen stiegen. Sie packte Tsubakis Hände und nahm sie von ihren Schultern. Dann öffnete sie ihre Augen und sah sie an.

„Es ist sicher nicht so schlimm, dass du das Team verlassen musst“, sagte Tsubaki, die ihren Blick immer noch nicht abwandte.

„Glaubst du, ja? Auch, wenn ich dir jetzt sage, dass ich dafür verantwortlich gewesen bin, dass Aika so leiden musste?“, setzte sie an, bevor sie eine kurze Pause einlegte. „Es war meine Schuld, dass Kiyoshi Teppei dermaßen verletzt wurde. Ich habe es vorher gewusst, es war sogar mein Plan, den ich Makoto vorgeschlagen hatte“, sagte sie dann in neutralem Ton und sah Tsubaki an, in deren Gesicht die Fassungslosigkeit immer größer wurde.

„Ich saß da und hab mir das Spektakel angesehen und meiner Freundin eiskalt ins Gesicht gelogen. Ich hätte sie warnen können, doch das habe ich nicht. Stattdessen habe ich zu ihm gehalten, bis er mich schließlich wie Müll weggeworfen hat…“

***

Tsubaki sah Marie sprachlos an. „Wie meinst du das, dass es deine schuld gewesen ist?“, fragte die Brillenträgerin.

„Weißt du… Aika ist damals erst im dritten Jahr zu uns an die Teiko gekommen“, setzte Marie an. „Wir haben uns sofort miteinander angefreundet. Nein, eigentlich war sie die erste richtige Freundin die ich hatte“, lächelte die Rothaarige traurig. „Ich bin nicht gerade das, was man den geselligen Typ nennt, aber das ist dir sicher aufgefallen“, legte sie eine kurze Pause ein.

„Das Problem war dieser Kerl. Makoto Hanamiya… wir haben ewig in derselben Nachbarschaft gewohnt und bei uns beiden lief es Zuhause nicht gerade schön ab“, seufzte sie. „Das war wohl der Grund, warum ich mich ständig an ihn gehängt habe.“

Kurz spannte sie sich an. „Aber als er herausfand, dass Aika und ich im selben Basketballclub waren, hat er mir aufgetragen, ihm immer alles von ihr zu erzählen. Ich hab mich nicht besonders gut dabei gefühlt, aber ich konnte Makoto noch nie etwas abschlagen“, sprach sie weiter und Tsubaki fiel abermals auf, wie schwer ihr dieses Gespräch fiel.

„Ich verstand nicht, in welcher Beziehung sie zueinander standen und ich habe Aika nie gefragt. Nachdem sie im ersten Jahr der High-School auf die Seirin gewechselt ist, hatten wir immer noch guten Kontakt zueinander. Und dann…“, setzte sie an, „dann erzählte sie mir davon, dass Kiyoshi sich am Knie verletzt hatte.“

Marie spannte sich an. „Und was hab ich gemacht? Ich hab es Makoto gesagt und naja… das brachte ihn dann auf die Idee, sein Bein komplett unbrauchbar zu machen“, seufzte sie schwer.

Als sie aufsah, bemerkte sie, dass Tsubaki sie aus großen Augen ansah. Sie wusste offenbar nicht, wie sie auf das Gesagte reagieren sollte.

„Und die letzten Tage, weshalb du hier in Tokyo warst…“, setzte Tsubaki vorsichtig an.

„Offenbar sind Makoto und Aika sich über den Weg gelaufen. Ihr hattet doch erzählt, dass sie sich seltsam verhalten hat. Nun, das lag wohl daran“, seufzte Marie. „Du hattest also Recht, ich bin ihr aus dem Weg gegangen, weil ich ihr nicht mehr in die Augen sehen konnte.“

Marie sah auf ihre Hände. „Bisher konnte ich es gut verdrängen, auch wenn es mir jedes Mal ein Messer durchs Herz getrieben hat, wenn sie mich anlächelte. Aber nun, wo Makoto wieder damit angefangen hat, sich bei mir zu melden und damit zu drohen, Aika alles zu erzählen, kann ich meine Augen nicht mehr davor verschließen.“

„Du bist also nach Tokyo gekommen, weil er dich erpresst hat?“, versuchte Tsubaki ihren Worten zu folgen.

Marie atmete schwer ein und aus. „Nein, nicht nur… Du wirst mich jetzt für äußerst dumm halten, aber wenn er sich meldet, kann ich gar nicht anders, als zu ihm zu gehen…“ Marie sah traurig auf. „Selbst wenn er ein verdammter Scheißkerl ist. Vielleicht liegt es an unserer gemeinsamen Vergangenheit. Er hat mich damals immer beschützt. Nun hat er mich in seiner Hand“, schmunzelte sie bitter. „Es ist nicht nur deswegen, weil er was in der Hinterhand hat. Ich komme nicht von ihm los.“

Tsubaki musterte sie einen Moment lang und da wurde ihr etwas klar. Selbst wenn der Kerl sie ausnutzte, sie liebte ihn. Auf ihre eigene, seltsame Weise, waren die beiden miteinander verbunden.

„Sag schon, dass ich dumm bin“, sagte Marie. „Dass ich diesem Kerl immer noch nachlaufe und direkt da bin, sobald er mich anruft…Und dann, wenn er keine Lust auf mich hat, schiebt er mich ab, sodass ich mir wie der letzte Dreck vorkomme…“

Tsubaki überlegte eine Weile, schüttelte dann aber den Kopf.

„Ich kann nicht darüber urteilen…selbst… wenn ich mir wirklich Sorgen um dich mache“, sagte sie ehrlich. Sie musterte Marie nachdenklich. „Danke, dass du dich mir anvertraut hast. Aber meinst du nicht auch, dass Aika es erfahren sollte, wenn es dich so sehr beschäftigt?“

Marie ließ sich die Worte durch den Kopf gehen und atmete anschließend hörbar aus.

„Ja, ich glaube, ich will ihr lieber persönlich die Wahrheit sagen, als dass sie es von ihm erfährt…“

„Gut“, nickte Tsubaki ihr zu. „Ich bin sicher, dass sie es verstehen wird. Wenn du es ihr so erklärst, dann wird sie es verstehen.“

„Danke, Tsubaki“, lächelte Marie leicht.

„Wir sollten jetzt schlafen gehen“, tätschelte Tsubaki sie am Oberarm und schenkte ihr ein Lächeln.

Marie nickte und sah noch einmal hinaus zum Sternenhimmel. Sie hoffte darauf, dass alles gut gehen würde.


***

Manchmal kann man so etwas wieder reparieren.

Doch manchmal…

Da sind Hoffnungen nicht genug.

Manchmal gibt es Dinge, die kann man nicht mehr reparieren.

So sehr man es sich auch wünscht.

Wenn bestimmte Dinge geschehen, kann man nicht einfach weitermachen, wie zuvor.

Selbst wenn es für beide Seiten schwer ist und es ihnen wehtut. Man kann nicht mehr zurück.


***


Aika zitterte am ganzen Körper, während sie auf Marie hinuntersah, die keine Anstalten machte, sich zu rühren. Sie konnte es nicht fassen. Dass Hanamiya Recht gehabt hatte und es doch tatsächlich Marie gewesen war, die sie verraten hatte.

Es war alles anders gelaufen, als Tsubaki es gehofft hatte. Aika war wütend. Sie war wirklich wütend und traurig. Verletzt.

Aber auch die anderen Mädchen sagten nichts.

„Hau ab. Ich will dich nicht mehr sehen“, zischte Aika. „Ich kann’s echt nicht glauben. Ich dachte immer, wir seien beste Freundinnen und du hast mich tatsächlich an ihn verraten.“

„Vielleicht sollten wir in Ruhe…“, setzte Tsubaki an, bekam daraufhin aber einen kalten Blick von Aika.

„Was weißt du denn schon, Tsubaki? Dich hat es ja nicht getroffen! Versetz dich einfach Mal in meine Lage.“

Tsubaki hatte es die Sprache verschlagen. Erst dann bemerkte sie, dass sie eigentlich nur Maries Sicht gehört hatte. Dass sie sich für sie erhofft hatte, dass Aika ihr verzieh.  Sie merkte mal wieder, wie naiv sie solche Sachen anging. Wie Aika sich jetzt fühlte, das hatte sie nicht bedacht.

„Schon gut“, sprach Marie und sah zu Tsubaki. Dann blickte sie zu Aika.

„Ich hab dir alles erzählt. Es tut mir Leid“, sagte sie abermals.

„Damit ist es nicht getan“, wandte Aika sich ab. „Ich will dich nicht mehr sehen, du bist aus dem Club entlassen.“

Die anderen Mädchen hielten für einen Moment den Atem an, doch immer noch sagte niemand etwas. Nun verstand Tsubaki das Schweigen. Es war nicht, weil Marie ihnen egal war. Sondern, weil es eine Sache zwischen den beiden war und sie nicht das Recht hatten, da reinzureden.
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