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Ganz verschieden gleich

von Arionell
GeschichteHumor, Freundschaft / P16
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi OC (Own Character)
23.06.2014
03.01.2016
50
102.166
48
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23.06.2014 1.976
 
Die Yosen High ist eine Hochschule in der Präfektur Akita. Um genauer zu sein, ist sie in der Tohoku Region angesiedelt, im Norden Honshus, der Hauptinsel Japans. Diese Hochschule ist keine gewöhnliche, sie ist eine hochrenommierte Schule, die nicht jeder besuchen kann, sie ist für die Elite.

Die Aufnahmeprüfungen sind nicht gerade einfach, einige sind nur hier, da ihre Eltern besondere Beziehungen hegen oder über viel Geld verfügen. Nichtsdestotrotz ist denjenigen, die hier ihren Abschluss schaffen, eine strahlende Zukunft gesichert. Tsubaki hatte sich mit all diesen Dingen auseinandergesetzt, bevor sie wie besessen für die Aufnahmeprüfungen gelernt hatte.

Sie wollte nicht mehr hier sein, raus aus Tokyo und so weit weg wie möglich. In der Mittelschule wurde sie aufs heftigste gemobbt, sodass sie sich fast nicht mehr in die Schule traute. Ihre Eltern wussten nicht damit umzugehen. Aber sie war ihnen nicht böse, sie selbst trug Schuld daran, irgendetwas stimmte nicht mit ihr, das dachte sie zumindest.

Allerdings war sie keinesfalls dumm und so schaffte sie es, an der Yosen High angenommen zu werden und sogar ein Stipendium zu bekommen. Für ihre Eltern war es nicht einfach, ihre einzige Tochter gehen zu lassen. Allerdings respektierten sie ihren Wunsch und unterstützten sie damit, ihr etwas Geld für ein Apartment zu geben, sodass ihr Schulweg ziemlich kurz war, da sie kaum fünfzehn Minuten von der Schule entfernt wohnte.

Sie wollte einen Neuanfang, hier an einem Ort, an dem sie niemand kannte, würde sie ein neues Leben beginnen. Und vielleicht würde sie auch Freunde haben, das war zumindest ihr geheimer Wunsch.

Nach außen hin hätte sie diesen allerdings nie laut ausgesprochen, denn ihr Motto war stets: „Wenn du nichts erwartest, wirst du auch nicht enttäuscht.“ Doch tief im Inneren hoffte sie. Sie hoffte darauf, dass sie hier akzeptiert werden würde.

Die Realität allerdings, sah anders aus. Es war eine Eliteschule ja, die Schüler hier würden irgendwann alle eine wichtige Position in der Gesellschaft einnehmen und doch hatten sie so ihre eigene Art zu zeigen, dass man hier nicht Willkommen war. Tsubakis Familie war nicht reich und die Schüler fanden schnell heraus, dass sie nur durch ein Stipendium die Schulgebühren finanzieren konnte.

Sie war ein Quereinsteiger, ein Eindringling. Allerdings unterschieden sich die Vorgehenswiesen ihrer Mitschüler. Während sie in Tokyo offen die Anfeindung der anderen zu spüren bekam, war es hier eher so, dass sie sie hinter vorgehaltener Hand tuscheln hörte. Es war anders als in Tokyo, aber nicht unbedingt besser.

Durch den Umzug und den Formalitäten kam sie erst eine Woche später zur Schule, sodass sich die ersten Grüppchen bereits gebildet hatten. Die meisten stammten sowieso aus der Gegend, sodass sie sich bereits aus der Mittel- wenn nicht sogar Grundschule kannten.

Tsubaki war ein schüchternes Mädchen, es fiel ihr schwer, auf andere zuzugehen. Doch auch, wenn sie sich anstrengte, schien es so, als würde sie geschnitten werden. Zwei Wochen ging das so, bis sie es einsehen musste. Es hatte sich nichts geändert….rein gar nichts war anders, als bisher.

Ihren Eltern konnte sie das schlecht sagen, jetzt, wo sie doch so darum gekämpft hatte, aus Tokyo wegzukommen. Sie würde es schon schaffen, solange sie nicht wie in Tokyo mit Müll beworfen, vor der ganzen Klasse beleidigt, oder im Spind eingeschlossen wurde, würde sie es schon überleben. Das Mobbing war hier wie gesagt anders, auf einem anderen Level und doch niveaulos, wenn man bedachte, dass dies eine Eliteschule war.

Es klingelte zur Pause, als die beliebtesten Mädchen der Klasse sich sofort zu einem Grüppchen bildeten und anfingen zu tratschen. Es waren vier Mädchen, allerdings warf Tsubaki ihre Namen stets durcheinander, da sie sich so glichen.

Blond, schlank, hübsch und groß, geschminkt und gebräunt, zusammen mit diesem Blick, der jedem anderen vermittelte, dass man ihrer nicht würdig war, fragte Tsubaki sich, ob sie überhaupt Menschen waren. Und doch stach eine unter ihnen raus. Arisa. Optisch glich sie zwar den anderen, aber was ihren Charakter betraf, war sie sich nicht sicher.

Arisa wohnte im gleichen Haus, ein paar Etagen über ihr. Tsubaki hatte gesehen, wie sie dem Bettler draußen manchmal Geld gab, wie sie einer alten Frau über die Straße half, wie sie abends, wenn die Sonne unterging, draußen auf der Bank saß und auf etwas zu warten schien. Und dabei wirkte sie immer so…einsam.

Tsubaki verstand es nicht, denn hier, in der Schule, gehörte sie mit zu den beliebtesten Mädchen und war immer von ihnen umgeben. Als Arisa aufsah und sich ihre Blicke kreuzten, schaute Tsubaki prompt weg, sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie Arisa angestarrt hatte.

„Hat die Hässliche gerade hierher gestarrt?“ hörte Tsubaki es eines der Mädchen sagen. „Ist ja widerlich, also ob sie uns verfluchen will“ sagte die andere und lachte. Die dritte schaute zu Arisa.

„Wie auch immer, die Tasche die du dir gekauft hast ist wirklich süß, wo hast du sie her?“ Arisa präsentierte stolz ihre Tasche. „Die hat Hiro mir gekauft, wir hatten gestern Einjähriges!“ „Ah wie süß“ quiekten die Mädchen synchron. Vielleicht täuschte Tsubaki sich, vielleicht war Arisa doch nicht anders.

Sie hörte sie noch darüber quatschen, wie gerne sie einen Freund hätten, jedoch keiner gut genug war, dann sprachen sie über Klamotten und dann wieder über Schminke, nur um danach wieder auf Jungs zurückzukommen. Tsubaki wusste selbst nicht, warum sie die Mädchen beobachtete, sie sah ihnen selbst dann noch nach, als sie nach draußen auf den Hof gingen.

Der Rest des Tages verlief relativ unspektakulär, bevor der Unterricht beendet war, mussten sie jedoch zu zweit ein Plakat machen, weshalb sie in Gruppen eingeteilt wurden. Tsubaki hasste Gruppenarbeit, wie die Pest. Dieses Mal jedoch, wurde sie mit Arisa in eine Gruppe gesteckt.

Das Thema war „Einfluss durch Werbung“. Normalerweise durfte Tsubaki bei der Gruppenarbeit die ganze Arbeit immer allein machen, während sich ihr Partner ausruhte. Diesmal allerdings wunderte sie sich, dass sich Arisa voll ins Zeug legte. „Du bist ja eine echte Künstlerin!“ rief sie aus und zeugte begeistert auf die Zeichnung von Tsubaki. Sie hatte einen Menschen gemalt, der aus einer Art Glaskasten, der mit Werbung vollgeklebt war, ausbrach.

Da sie noch nie gelobt wurde, wusste sie nicht Recht damit umzugehen und lächelte nur. „Du bist aber auch nicht schlecht. Diese Welt, aus der er ausbricht, ich wäre nie auf diese Idee gekommen.“ Auch Arisa lächelte nun und Tsubaki sah eine Aufrichtigkeit darin, die sie bisher nur selten bei jemandem gesehen hatte. Als es klingelte, kamen die anderen drei Mädchen wieder.

„Tust mir echt Leid Arisa, dass du mit ihr in eine Gruppe musstest.“ Die andere lachte wieder. „Ach so schlimm ist das nicht, die Streberin erledigt immer die Arbeit für einen. Wie eine Sklavin!“

Arisa sah kurz so aus, als ob sie protestieren wollte, tat es dann aber doch nicht. „Ich muss jetzt zum Basketballclub, bis dann!“

Der Rest wunderte sich darüber, dass sie plötzlich so kurz angebunden war und nun verschwand. Tsubaki ging auch, allerdings bemerkte sie auf halbem Weg, dass sie ihren Taschenrechner in der Klasse vergessen haben musste und machte kehrt. Bevor sie jedoch den Raum betrat, hörte sie die drei Mädchen von zuvor tuscheln.

„Immer wenn’s um Basketball geht, lässt sie uns stehen.“ „Ach, die geht da doch nur hin, weil zur gleichen Zeit auch die Jungs trainieren und sie das total genießt, da im Rampenlicht vor ihnen zu stehen. „Echt Mal, dabei hat sie Hiro!“ Tsubaki konnte es nicht fassen, wie konnten sie so über Arisa, ihre Freundin, lästern?

„Ach  ja, was Hiro angeht“ hörte sie die eine sagen „der ist gar nicht so ein Treuer, wie ihr denkt!“ „Ach sag bloß, du hast ihn auch vernascht?“

Erstere kicherte „Was glaubst du denn? So wie Arisa immer mit ihm angegeben hat? Sie muss wissen wo sie steht, zu beginn in der Mittelschule war sie auch nicht mehr als ein Mauerblümchen. Sie hat es mir zu verdanken, dass sie jetzt zur Elite gehört.“ „Rika du bist böse!“ riefen die anderen beiden im Chor und lachten. Plötzlich wurde Tsubaki schlecht und sie machte kehrt.

Das hier ging weit darüber hinaus, was man ihr selbst schon angetan hatte. Sie fand nicht mal die richtigen Worte dafür, das zu beschreiben. Um sich davon abzulenken, ging sie in die Stadt bummeln und klapperte systematisch sämtliche Buchläden ab. Als sie nachhause ging, war es bereits Abend und sie überlegte noch, welches Buch sie gleich zuerst lesen würde, als sie plötzlich Arisa auf der Bank erblickte.

Sie wunderte sich schon, was diese so spät noch alleine auf der Bank machte, als sie bemerkte, dass sie weinte. Arisa verstand die Welt nicht mehr. Genau nach ihrem Training wartete Hiro auf sie. Sie freute sich so sehr ihn zu sehen, da er sie für gewöhnlich nicht nach dem Training abholte.

Ja, zu Beginn ihrer Beziehung hat er das oft getan, aber mit der Zeit hatte sich das gelegt. Umso mehr hatte sie sich heute gefreut. Allerdings hatte sie nicht mit seinem Geständnis gerechnet. Er hatte sie betrogen, mit ihrer besten Freundin Rika. Sie musste ihm schwören, es Rika nicht zu sagen, da Hiros Vater in der Firma ihres Vaters eingestellt war. Allerdings hatte er schon ein schlechtes Gewissen gehabt und musste es ihr gestehen.

Dieser Kerl, es tat ihm sogar Leid und er hatte geheult. Aber was brachte ihr das? Was machte das für einen Sinn, jetzt, wo für Arisa eine Welt eingestürzt war? Wie lange saß sie überhaupt schon hier, alleine auf dieser Bank? Sie musste ein erbärmliches Bild abgeben, aber das war ihr gerade egal.

„Entschuldigung“ hörte sie es plötzlich von jemandem sagen und langsam richtete sie ihren Blick auf. Dieses Mädchen stand vor ihr. Die, die mit ihr heute das Plakat zusammen gemacht hatte. Sie hielt ihr ein Taschentuch hin und Arisa wusste zunächst nicht, was sie machen sollte, sie starrte sie eine Weile an, bevor sie reagierte und es nahm.

„Danke“ murmelte sie vor sich hin und tupfte sich die Tränen ab.

Tsubaki stellte ihr keine Fragen, sie setzte sich einfach nur neben sie und schaute mit ihr in dieselbe Richtung. Arisa rang um Fassung und versuchte ein Lächeln, was ihr nicht ganz gelang. Es war seltsam aber sie verspürte den Drang, diesem Mädchen etwas erzählen zu wollen.

„Mein Freund und ich haben uns getrennt. Er hat ganz schön Mist gebaut, trotzdem fühl ich mich so, als hätte ich etwas falsch gemacht.“ Plötzlich kam ihr etwa sin den Sinn. „Sorry, jetzt heul ich dich mit meinen Problemen voll. Aber danke, für das Taschentuch.“ Als dann auch noch ihr Magen anfing, loszugrummeln wurde sie leicht rot.

„Du hast wohl lange nichts gegessen“, hörte sie Tsubaki sagen. Tsubaki sah Aria an und lächelte nur.

„Ich hab gerade eingekauft, wir sind ja sowas wie Nachbarn, also wenn du Lust hast, koch ich uns was.“

Arisas Augen weiteten sich und sie nickte heftig. Das Essen war nichts Besonderes, Nudeln und selbstgemachte Tomatensoße und doch fühlte sich Arisa so, als hätte sie schon lange nicht mehr so etwas Gutes gegessen. „Danke dir Tsubaki, du hast mich gerettet!“ Sie streckte sich und gähnte laut.

„Du übertreibst“ gab ihr Tsubaki als Antwort und lachte.

„Nein echt. Ich meine das ernst. Irgendwie muss ich mich revanchieren…“

„Hör schon auf. das war eine einfache Soße, die haben wir gestern in der Koch AG gelernt. Kannst ja auch mal vorbeischauen“ gab Tsubaki als Antwort, ohne wirklich darüber nachzudenken, was sie da gesagt hatte.

Arisa grinste. „Ja mach ich.“ Sie schaute Tsubaki direkt an.

„Und dafür schaust du dann auch bei uns vorbei.“

„Wie meinst du das?“

„Na ich werde sie dir zeigen…meine Welt. Die Welt des Basketballs!“

Tsubaki stutzte. Allein der Schulsport machte ihr schwer zu schaffen, denn sie war alles andere als sportlich… und jetzt… sollte sie sich freiwillig den Basketballclub ansehen?

Als sie jedoch in das begeisterte Gesicht Arisas blickte, konnte sie nicht anders, als ja zu sagen.

Sie wollte es sehen….sie wollte sehen, was es war, das die Augen der Sommersprossigen so zum Leuchten brachte.
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