Lysergs Verlust

KurzgeschichteDrama / P12
23.06.2014
23.06.2014
1
1122
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Mein Name ist Maria. Wie jeden Tag zog ich mich auch heute fein an. Ich trug ein hellblaues Kleid mit Rüschen und eine blaue Schleife in meinem blonden Haar, welches gelockt war. Und etwas Wimperntusche, damit meine blauen Augen größer wirkten. Nach außen hin spielte ich immer das liebe und verwöhnte Mädchen, aber innerlich wollte ich dieses ganze reiche Mädchen-Gehabe nicht. Ich wollte einfach ein normales Leben in der Mittelschicht führen. Mit normaler Kleidung und mit normalen Freunden. Das einzige, was mir an diesem Leben im Wohlstand gefiel, war mein süßes Haustier Moon. Moon war ein schöner Kanarienvogel, den ich überall mitnahm, wenn ich durfte.
Wie jeden Tag ging ich meinen kleinen Freund Lyserg besuchen, nur dass ich heute noch ein Geschenk für ihn mitnahm, da er Heute Geburtstag hatte. Wir konnten über alles reden und ich nannte ihn immer Winzling. Ich ging gemütlich über die London Bridge und fragte mich, wie Lyserg wohl reagieren würde, wenn ich ihn zu meinem 8. Geburtstag einladen würde. Ob ich es tat, wusste ich noch nicht. Meine Eltern fanden Leute, die nicht der guten Schicht und dem Adel angehörten widerlich. Auch dieses arrogante Gehabe von anderen adeligen Kindern und deren Eltern machten mich oftmals wahnsinnig. Warum konnten sie denn alle nicht begreifen, dass es auf Charakter und nicht auf den Stand in der Gesellschaft ankam. Ich seufzte, als ich über die Brücke gegangen bin und jetzt zu Lysergs Haus lief...Es war ein normales Einfamilienhaus und viel gemütlicher und wärmer als die große und kalte Villa, in der ich lebte.
In meinen Gedanken verloren lief ich in jemanden hinein und stürzte zu Boden. Ich richtete mich auf und erkannte einen schräg gekleideten Jungen, welcher in meinem Alter sein musste. Aber warum trug er Ohrringe? Normalerweise taten das eher Adelige oder gut verdienende Jungs, wenn sie keine Raudis waren. „Bitte entschuldigen sie mich...Ich war in Gedanken...AHH!“, ich fiel wieder zu Boden, als ich ein großes rotes Monster sah. „S-schnell...SIE MÜSSEN WEGLAUFEN!“, sagte ich, unfähig mich zu bewegen.  Mir war jegliche Farbe aus dem Gesicht gewichen. Schweißperlen liefen meine Stirn und Wangen hinunter.„Jemanden wie dich kann ich nicht gebrauchen.“, sagte er abfällig und ging an mir vorbei in Richtung London Bridge, dicht gefolgt von dem Monster. Ich fröstelte. Sein Blick war eiskalt gewesen. Wie der eines blutrünstigen Killers. Langsam stand ich auf und ging, immer schneller werdend zu Lyserg. Schließlich rannte ich  zu Lyserg. Ich hatte solche Panik vor dem Monster und dem Jungen und wollte den Abstand zwischen uns so schnell wie möglich vergrößern. Plötzlich knickte ich um und fiel zu Boden. Ich stand auf und sah, wie das Haus, in dem Lyserg lebte, in Flammen stand. „Lyserg!“, schrie ich und rannte in das Haus - den kleinen Jungen suchend - und da sah ich ihn. Liegend und weinend. Seine Augen auf zwei verbrannte Menschen gerichtet. Man erkannte sie kaum noch. Die Gesichter verfielen fast zu Achse. Mir wurde schlecht.  Ich schluckte und versuchte, dass grauenvolle Bild seiner Eltern aus meinen Gedanken zu verbannen. Mir war schwindelig. Ich ging zu Lyserg und hob ihn hoch. Trotz der Hitze war es in der Wohnung eiskalt geworden. Ich suchte die Tür...alles war verschwommen. Mein Kopf fühlte sich schwer an. Mein Körper fühlte sich schwer an. Ich torkelte in eine Richtung...nicht wissend, wo ich hinging. Die Hitze ließ nach. Ich konnte Lyserg nicht mehr halten. Alles wurde in eine tiefe und leere Dunkelheit gehüllt. Ich war heilfroh, dass ich Moon dieses Mal nicht mitgenommen habe...

„Maria.Maria.“ Rief da jemand nach mir? Wo bin ich?? Alles sieht so dunkel aus? I-ich schwebte...ja genau...ich schwebte. War ich gerade dabei, in die andere Welt über-zutreten? Dann spürte ich eine starke Last auf meiner Brust. Ich öffnete mühselig die Augen...und sah Lyserg verzerrt vor mir. Meine Glieder taten weh und mein Kopf dröhnte...dann hörte ich Sirenen...jemand stach etwas in meinen Arm und sagte:„ Sie scheint eine Rauchvergiftung zu haben.“ Danach verschwamm alles in tiefster Finsternis.

Ich wachte auf. Mein Kopf dröhnte und mir war Übel. Ich öffnete meine Augen. Alles war grell. Ich war an einem Gerät angeschlossen, das spürte ich. Lyserg! Was war mit Lyserg?! Ging es ihm gut? Oh nein, er hatte seine Eltern verloren und ich konnte nichts für ihn tun. Meine Familie wusste noch nicht einmal, dass ich mit ihm befreundet war und würde ihn auch garantiert nicht bei sich aufnehmen! Tränen liefen aus meinen Augen. Das Bild vor war verschwommen, aber sichtbar. Ich befand mich anscheinend in einem Krankenhaus.
Ich hörte, dass jemand die Tür aufmachte und setzte mich auf. Ich übergab mich daraufhin. „Maria!“, sagte eine weinerliche Stimme. Lysergs Stimme. „Mache dir keine Sorgen um mich, Kurzer.“, sagte ich matt. „Aber sie haben gesagt du hast eine Rauchvergiftung.“, sagte der grün-haarige und brach in Tränen aus. Er hatte jetzt außer mir niemanden mehr. Seine Familie wurde umgebracht. Nicht auch nur ein Wort würde ihn jetzt aufmuntern können. Ich schwieg und wischte mein Erbrochenes von meinem Mund, während mir Tränen aus den Augen strömten.  Ein Arzt kam hereingeragt und säuberte mich und mein Bett. Danach gab er mir etwas zu trinken und erzählte mir, dass ich an Rauchvergiftung litt. Danach setzte er mir eine Sauerstoffmaske auf und legte mich wieder hin. „Entschuldige...aber ich kann mein Geschenk nicht finden.“, sagte ich. Lyserg sagte:„ Du kannst nichts dafür und außerdem...Ich will nicht dass du stirbst! Ich will nicht noch mehr Menschen verlieren, die mir wichtig sind! Und ich will bei dir bleiben!“, sagte er weinend. Danach küsste er mich auf die Wange, nachdem er auf mein Bett geklettert war. „ Weißt du Maria, ich habe dich sehr gerne also bitte stirb nicht!“ Trotz dieser Aussage und seinem verweinten Gesicht lächelte er mich warm an. Ich sagte daraufhin:„ Ich verspreche dir nicht zu sterben.“ Es war niedlich, dass er mich so sehr mochte. Ich war für ihn immer wie eine große Schwester gewesen. Und Lyserg war für mich wie ein kleiner Bruder. Ich war traurig darüber, von Lyserg getrennt zu werden. Aber genau das würden meine Eltern tun. Es viel mir schwer, nicht vor Lyserg zu weinen.
Die Tür ging erneut auf. Meine Mutter stürmte mit einigen Ärzten in das Zimmer, welche mich auf eine Liege legten. Danach sagte sie zu Lyserg:„ Wage es ja nicht dich mit meiner Tochter abzugeben, armes Kind:“ Das Wort 'arm' bezog sich nicht auf seinen Zustand und dass er seine Eltern verloren hatte. Es bezog sich auf seinen finanziellen Zustand. Und für diese Aussage hasste ich meine Mutter. Ich hasste sie einfach. Ihre arrogante, eingebildete Art. Ihre Gier nach Geld. Ihre Vorstellungen wie ich zu leben hatte! Und jetzt nahm sie mir auch noch meinen besten Freund. Dabei waren Lyserg und mein Haustier Moon doch alles, was mein Leben erträglich gemacht hatte.