Das Herz von Thal  

KurzgeschichteDrama, Romanze / P16
22.06.2014
15.03.2019
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„Ich danke euch, dass ihr sie mir wie vereinbart zurück gebracht habt edler Fürst Girion...und nun entschuldigt uns bitte, meine Azhgali und ich haben etwas sehr wichtiges zu besprechen...etwas, das nur uns beide allein betrifft!“

Konnte ich den jungen Zwerg nur unter mühsam gewahrter und scheinbarer Gelassenheit zwischen zusammen gebissenen Zähnen heraus pressen hören, wobei er mich nicht einen Moment lang aus den Augen ließ. Ich fühlte regelrecht, dass er innerlich lange nicht so ruhig und gefestigt war, wie es den Anschein machte und er den Menschenmann glauben lassen wollte.

„Ganz wie es euch beliebt Uzbadu, so war es abgemacht. Wenn ihr meine Dienste im Augenblick nicht mehr in Anspruch nehmen wollt, so würde ich mich gerne zurück ziehen. Es war eine lange Nacht und ich befürchte, dass mir etwas der Schlaf fehlt, den ich nun nachzuholen gedenke.“

Vernahm ich Girion hinter meinem Rücken, wobei ich das sehr wohl geplante, süffisante Lächeln durchaus registrierte, das ganz eindeutig auf den ohnehin schon unterschwellig zornigen und damit kurz vor dem Überkochen stehenden Zwergenprinzen abzielte.

Der Fürst wollte ihn offenkundig ein wenig aufziehen, bemerkte dabei jedoch nicht, dass es mehr schadete als von Nutzen war.

Jedenfalls was mich anbelangte...die dem aufgebrachten und sichtlich erhitzten jungen Mann gleich beibringen durfte, dass zwischen ihm und mir nicht das Geringste geschehen war...also zumindest nicht das, was Thorin sich die vergangene Nacht über vermutlich so alles in seinen kühnsten Vorstellungen zusammen gereimt haben musste.

Denn als ich den Blick sah, mit dem er Girions eigentlich eher neckisch gemeinten Scherz zur Kenntnis nahm und anschließend erwiderte, musste ich unwillkürlich schlucken.

„Ich danke euch Fürst von Dahl, ihr könnt euch jetzt gerne zurück ziehen. Wir benötigen vorerst nicht s weiter. Wenn ihr unsere Gesellschaft wünscht oder es noch etwas zu besprechen gibt, so schickt einfach einen Boten...bis dahin wollen wir gerne ungestört sein!“

Konnte ich die sonst so angenehm tiefe Stimme des jungen Zwerges rau und sichtlich belegt antworten hören...das unterschwellig aufgebrachte Zittern, das darin mitschwang, registrierte aber wohl nur ich allein, denn ich konnte den Mensch noch einmal kurz etwas entsprechendes erwidern hören, ehe er Anstalten machte zu gehen.

Thorin aber beachtete ihn gar nicht mehr, anstatt dessen fühlte ich, wie er mich gleich darauf unsanft an den Handgelenken packte und zur Türe hinein zog, bevor er sie mit dem ganzen Schwung seines jugendlich ungestümen Unmuts ins Schloss warf.

Sein Gesicht war zu einer grimmigen Maske des Zorns verzerrt, als er mich einfach rücksichtslos mit sich  zog...

„WIE...WIE KONNTEST DU DAS TUN?

LYRIEL?!“

Hörte ich ihn mir dabei in abgrundtiefer Enttäuschung und versteckter Anschuldigung entgegen knurren, die ich nicht verdiente, da ich nichts derartig verwerfliches getan hatte, das er mir damit eindeutig unterstellen wollte….doch das konnte er ja nicht wissen.

Thorin ließ mich los und gab mir fast sofort danach einen unerwartet unsanften Stoß, der mich unwillkürlich straucheln ließ. Nur einen Augenblick später war er über mir...ich sah den tief in ihm brodelnden Zorn in seinen Augen in wildem blauem Feuer auflodern und erkannte die brennende Eifersucht, sowie jene derartige Vorwurfshaltung darin, die mich nur noch mehr verunsicherte.

„Was...was soll ich den getan haben?

WAS...UZBADU?!

Ich habe eine Blutschuld an dich abzutragen, aber ich bin deswegen noch lange nicht dein Eigentum...Thorin und selbst wenn ich mit ihm geschlafen hätte, was ich gewiss nicht habe...du mir aber ohnehin nicht glauben wirst, so könnte es dir vollkommen gleich sein.

Was in aller Welt willst du eigentlich von mir….?!“

Versuchte ich mich trotz meiner Verwirrung und jenen unausgesprochenen Anschuldigungen seitens des jungen Zwergenmannes zu verteidigen, wobei ich ihm mit aufrechter Standhaftigkeit entgegen blickte...weit mutiger, als ich mich in dem Moment tatsächlich fühlte.

Doch da kam bereits, was ich die ganze Zeit über befürchtet hatte.

„Lüg mich nicht an..ich weiß genau, was du getan hast..ich weiß es….Lyriel!“

Hörte ich ihn mir derweil völlig außer sich und wie von Sinnen entgegen schleudern...und das zu allem Überfluss auch noch ohne direkt darauf einzugehen, was ich eben zu ihm gesagt hatte. Er ignorierte es einfach, der bornierte Mistkerl, den sein ausgemachter Starrsinn irgendwann nochmal den Kopf kosten konnte.

Der Ausdruck seiner Augen bekam unterdessen einen leichten Glanz von Wahnhaftigkeit, der mir den Angstschweiß heiß ins Gesicht trieb.

So außer sich hatte ich den jungen Zwerg trotz seiner mir wohl bekannten Hitzköpfigkeit noch nie zuvor erlebt. Ich merkte regelrecht erstarrt vor Entsetzen, wie er mich in die Ecke drängen wollte, wo mich sein mir weit überlegenes Körpergewicht festzunageln drohte, so dass ich mich nicht mehr gegen ihn zur Wehr setzen konnte...denn er war drauf und dran vollständig die Gewalt über sich und seine ohnehin schon unberechenbare Handlungsweise zu verlieren.

Das durfte ich nicht zulassen, sonst war ich ihm gegenüber gänzlich ausgeliefert….

„Lass mich los, du tust mir weh grober Klotz!

Es ist so, wie ich es dir bereits schon einmal sagte, ich bin nicht dein Besitz Naugol, auch wenn du es dir dem Anschein nach so in den Kopf gesetzt hast! Also nimm deine Hände von mir oder du bereust es Thorin...

….jetzt...SOFORT!“

Fuhr ich ihn dementsprechend heftig und nicht minder aufgebracht an, er sollte merken, dass es mir todernst damit war.

Aber alles was ich darauf von ihm erhielt, war zunächst erst einmal ein heftiges wütendes Schnauben...und ein Blick wie von Feuer und Eis gleichermaßen durchdrungen. Ich spürte, dass zwei etwa gleichstarke Kräfte in ihm wüteten und war mir längst nicht sicher, welche die Oberhand über ihn gewinnen würde.

Er war so sehr in Rage, dass er sich beinahe vollkommen vergaß.

Ich war wie gebannt von ihm, unfähig mich auch nur ansatzweise zu rühren.

„Du bist meine Kriegerin...MEINE allein...und solange du bei mir bist gehörst du mir. Ich gebiete über dich….über alles, vergiss das nicht…..

....vergiss es niemals!“

Vernahm ich das kehlige wütende Knurren, mit dem er mir diese unmissverständliche Drohung zuteil werden ließ, an der ich im Übrigen nicht den geringsten Zweifel hegte.

Ich sah ihn an, wobei sich ein bitterer Zug um meine Mundwinkel legte, denn genau das war der springende Punkt an der Angelegenheit zwischen uns beiden….ich stand in seiner Schuld und das nutze der zwergische Bastard auf seine Weise gnadenlos aus.

Und weil ich das wusste, entgegnete ich ihm anschließend völlig ruhig..

...“ja über alles...nur nicht über mein Herz Naugrim...über das gebietest du glücklicherweise nicht! Mein Herz ist frei, wenn sonst schon nichts mehr mir gehört!“

Noch in dem Moment als ich es aussprach spürte ich, wie sich seine Hände grob um meine Handgelenke schlossen und er mich impulsiv und damit recht unsanft packte...seine heftige körperliche Erregung, die ihn offensichtlich völlig aus der Fassung geraten ließ, fiel mich dabei an wie ein wildes Tier.

„Hast du überhaupt eine Ahnung davon, was du mit mir gemacht hast...was du mir genommen hast?

AZHGALI!“

Hörte ich ihn mir derartig außer sich entgegen keuchen...und dann kam, was unweigerlich kommen musste!

Ich spürte wie sich seine Lippen grob und fordernd auf meine pressten...wie er mich mit seinem ganzen Gewicht begehrlich gegen die Wand drückte. Ich spürte seine Erregung hart an meinen Oberschenkel drängen...wusste was in ihm vor sich ging...und sah wie verzweifelt und innerlich zerrissen dieser junge Mann mit seinen Gefühlen kämpfte, die er für mich eigentlich gar nicht empfinden durfte...schon weil er an sich längst einer anderen Frau versprochen worden war.

Ich wollte ihn in meinem eigenen heftig aufflackernden Zorn grob von mir fort stoßen...die Kräfte, die dazu nötig waren, hätte ich mühelos aufgebracht. Ich spürte die starken magisch energetischen Schwingungen bereits, die in wilden Strömen meinen ganzen Körper durchdrangen.

Es wäre mir somit ein leichtes gewesen, ihn weit von mir zu schleudern, so wie ich es zu Beginn schon einmal in jenem impulsartigem Aufbegehren getan hatte….und das in nahezu der selben Situation, auch dort hatte er einmal versucht mich gegen meinen Willen zu küssen.

Die Erinnerung daran stand mir nur all zu lebhaft vor Augen, aber ich konnte es nicht tun…nicht mehr, dazu war es längst zu spät!

Die Erkenntnis überkam mich mit all der schmerzlich erschreckenden Klarheit, die mich schwer schlucken ließ.

Spätestens als ich seinen fast schon verzweifelten Kuss auf meinen Lippen spürte, der all seine innere Qual, all seine bittere Seelenpein schonungslos und zutiefst ehrlich offenbarte, war mein Zorn auf ihn wie weg gewischt, so als hätte er nie existiert.

Im Gegenteil...ich ertappte mich dabei, wie sich meine Arme anstatt dessen impulsartig um seinen Nacken schlangen und ich den Kuss in der gleichen sinnlichen Intensität erwiderte, wie er es bei mir tat.

Daraufhin bemerkte ich, wie er sofort und merklich überrascht inne hielt, ehe er sich zögernd von mir löste….

„Ich habe nichts verwerfliches getan Thorin...zumindest nichts, was du befürchten müsstest. Bei Eru, ich schwöre dir bei meiner Ehre, dass es auf dieser Welt keinen anderen Mann für mich gibt, als dich. Ich habe dir dahingehend nicht ganz die Wahrheit gesagt, als ich dir sagte, dass du nicht über mein Herz gebieten könntest….denn leider ist es genau das, was du schon seit längerem tust.“

Hörte ich mich ihm atemlos entgegen flüstern, wobei ich ihm tief in die Augen sah und die unendliche Erleichterung erkannte, die sich in ihren Tiefen zu spiegeln schien.

Ich spürte einen knappen Herzschlag später, wie er mich abermals dicht an sich heran zog, dieses Mal jedoch um einiges sanfter und deutlich weniger ungestüm als zuvor.

„Das will ich hoffen...und ich schwöre bei meiner Ehre, dass ich diesen Mensch einen ganzen Kopf kürzer machen werde, wenn er es wagen sollte, dich auch nur im Ansatz anzufassen. Gut für ihn, dass er es bisher nicht ernsthaft versucht hat...Fürst hin oder her, das wäre mir ehrlich gesagt gleich.

Kein anderer Mann außer mir soll es jemals wagen, dich so zu berühren!“

Das war alles was er dazu sagte...und doch war unmissverständlich klar, was er mit diesen Worten ausdrücken wollte.

Ich sah ihn derweil mit großen Augen an….ehe ich ihm fassungslos entgegen keuchte.

„Du...du würdest es darauf ankommen lassen...meinetwegen? Wirklich...ist dir überhaupt klar, was das bedeuten würde?

Würdest du wirklich allen Ernstes den Frieden und die gute Nachbarschaft mit den Menschen opfern...nur für MICH...einem unbedeutenden elbischen Halbblut?!“

Mit ungläubigem Entsetzen starrte ich ihn an...ich konnte nicht fassen, was er mir da eben offenbart hatte und so hakte ich erneut nach, noch ehe er mir etwas darauf erwidern konnte.

„Thorin das ist es nicht wert….für nichts und niemanden, nicht einmal für eine Frau...selbst wenn du denkst, dass du sie über alles liebst.

Ich würde das nicht zulassen...für keinen Preis der Welt!

Bedenke die hässlichen Folgen, die daraus unweigerlich erwachsen würden.

Die freundschaftlichen Beziehungen zu diesem Fürstentum sind überlebenswichtig für euch in geschäftlichen Beziehungen, ebenso wie in einem gegenseitigem Bündnis, im Fall feindlicher Angriffe...und du weißt das so gut wie ich. Ihr braucht die Menschen, ebenso wie sich euch brauchen...ihr seid Handelspartner...nein sogar mehr als das...ihr seid Freunde.

Also tu um Mahals Willen nichts unvernünftiges...ich bitte dich, wahre einen kühlen Kopf, auch wenn es dir im Augenblick vielleicht noch so schwer fallen mag.

Du musst nichts befürchten, ich verspreche dir, dass ich bei dir bleiben werde, solange du meine Gesellschaft um dich haben möchtest...ich werde nicht fort gehen. Mein Herz ist längst gebunden...auch wenn ich es selbst niemals so weit kommen lassen wollte.

So frei wie ich einst war, bin ich schon lange nicht mehr Liebster...nicht seit ich dich kenne.“

Ich verstummte und sah ihn abermals eindringlich an, wobei ich meine Hand in einer sanften, liebevollen Geste an seine Wange legte, die sich unter ihr rau von seinem dichten Bartwuchs anfühlte. Indem sah ich den jungen Zwerg lächeln und es war das erste Mal, an dem es wirklich gelöst und frei wirkte...ohne jeglichen Zwang...so wie er war, in seinem ganzen Wesen.

„Ich bin froh, dass du das gesagt hast und ich danke dir für deine Aufrichtigkeit...denn es gibt mir die beruhigende Gewissheit, dass ich mein Herz nicht umsonst an dich verschenkt habe...Amralimê.
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