Das Geheimnis der Felseninsel

von - Leela -
GeschichteAbenteuer / P12
Big Evil Eddie GB Jake Prime Evil Tracy
22.06.2014
22.06.2014
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Diese Geschichte wurde geschrieben für den Wettbewerb »Zu schwach um…« von PokiMtFee.

Hinweis: Ich richte mich nach der alten Rechtschreibung.

Ich wünsche eine fröhliche Zeit beim Lesen! ^^


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Das Geheimnis der Felseninsel

Mitten in der Nacht hatte der Ghostalarm das Team aus den Betten geschreckt. Es kam nicht allzu häufig vor, daß die drei Mitarbeiter der kleinen Ghostbusting-Firma ihre Rufbereitschaft zu nachtschlafender Zeit ausführen mußten, aber diesmal war es wieder soweit. Wie üblich war der Teamführer als erster auf den Beinen und hatte den von Tracy neu installierten Monitor eingeschaltet, der spirituelle Aktivitäten anzeigte. Der Gorilla hatte sich große Mühe gegeben, das System zu verfeinern, und heute Nacht zahlte sich das anscheinend aus. Eddy stöhnte auf und gesellte sich zerschlagen als letztes zu seinen Kollegen – ebenfalls wie üblich.
      Jake war bereits hellwach und studierte aufmerksam die Anzeige. Wie er das machte, zu nachtschlafender Zeit schon so munter zu sein, war Eddy ein Rätsel. Er selbst hätte umgehend wieder ins Bett fallen können. „Das Signal kommt direkt aus dem Pazifik!“ analysierte der sportliche Kopf des Teams. „Eine hohe Konzentration an Geisteraktivität!“
      Eddy machte eine hilflose Geste. „Aber da ist doch gar nichts!“
      „Wer weiß!“ erwiderte der blonde junge Mann nachdenklich. „Es wäre nicht das erste Mal, daß wir nach einem versunkenen Schatz tauchen. Kommt, das sehen wir uns besser sofort an. Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache.“
      Die Begeisterung stand seinem Partner förmlich ins Gesicht geschrieben. Doch zumindest Tracy hatte den Ernst der Lage deutlich erkannt. Entsprechend besorgt schaute der Erfinder des Teams, notierte sich die Koordinaten von dem Meßgerät und schaltete den Monitor aus. Er nickte den beiden Männern als Zeichen zu, daß er alle Daten hatte, die er für die Mission brauchte.
      „Das bedeutet, wir starten jetzt, richtig?“ fragte Eddy, wie in der letzten Hoffnung, das nächtliche Unheil noch für ein paar Stunden abwenden zu können, obwohl er bereits wußte, daß das nichts bringen würde. Die Bestätigung bekam er prompt.
      „Ja, jetzt! – Ist unser Ghostbuggy startklar?“ erkundigte sich Jake. Und die Frage war nicht unberechtigt, denn das sensible Einsatzfahrzeug der Firma konnte recht ungehalten werden, wenn es für einen neuen Auftrag überrumpelt wurde; im wahrsten Sinne des Wortes.
      „Das setze ich voraus!“ stellte Tracy nüchtern fest.
      „Dann los! Auf geht’s, Ghostbuster!“ rief Jake und lief bereits los, um sich umzuziehen.
      Eddy seufzte und folgte seinem Kameraden. Wenn der etwas korpulentere Ghostbuster eins wußte, dann, daß man sich auf Jakes Gefühl verlassen konnte – und heute Nacht bedeutete das Arbeit!

Nicht nur für die Jungs kam der Einsatz zu sehr später Stunde. Das Ghostbuggy war nicht unbedingt gut gelaunt, als sie sich auf den Weg zum Ort des Geschehens machten, und sprach Eddy damit aus der Seele. „Das ist ja wohl nicht euer Ernst, mich aus dem Schlaf zu reißen, um eine Pazifik-Kreuzfahrt zu machen! Ich verlange eine Entschädigung!“
      „Es ist wichtig, GB!“ widersprach Jake. „Hier ist irgendein großer Geist am Werk! Tracys neuer Sensor hat negative Geisteraktivität aufgespürt. Und die Konzentration war sehr hoch!“
      „Mitten im Pazifik!“ resümierte GB. „Wo nichts ist außer Wasser! Herzlichen Dank. Können wir jetzt umkehren und weiterschlafen?“
      „Ich finde, GBs Einwand hat etwas für sich.“ warf Eddy ein.
      „Eddy…“ Jake seufzte tief. „Ich weiß, das ist keine komfortable Uhrzeit für einen Einsatz, aber wenn sich da etwas zusammenbraut…“ Noch in seinen Satz hinein machte sich der Gorilla neben ihm plötzlich bemerkbar und zeigte aufgeregt nach vorne. Den Jungs stockte der Atem.
      „Zusammenbrauen ist wohl der richtige Begriff.“ ließ sich Eddy, nun doch schon um einiges munterer, vernehmen, als er ungläubig nach vorne sah. „Was ist denn da vorne los?“
      Unter dem sternenklaren und vom Mond erhellten Himmel entdeckten sie eine kleine Felseninsel – und ein energetisches Leuchten umstrahlte sie.
      „Sieht sehr imposant aus!“ kommentierte GB.
      „Ich hoffe, daß auch nicht mehr dahinter steckt, als ein imposantes Naturphänomen.“ meinte Jake leise. „Obwohl ich darauf lieber nicht hoffen würde…“ Er hatte kaum ausgesprochen, als seine Nase plötzlich anfing zu zucken. „Okay, und das ist der Beweis. Hier sind Geister am Werk!“ erklärte er, als sich seine Geisterallergie zu Wort meldete, die unübertrefflich auf die unmittelbare Präsenz von Geisteraktivitäten ganz in der Nähe hindeutete.
      „Oder ein großer Geist.“ spezifizierte Eddy. „Prime Evil?“
      „Wahrscheinlich.“ erwiderte der Teamführer. „Tracy, schaffen wir es, unbemerkt hinter den Felsen dort zu landen?“ Er zeigte auf eine Seite der Insel, wo sich hinter einem steil aufragenden, schutzversprechenden Felskamm ein kleiner ebener Platz vermuten ließ.
      „Oki Doki.“ Der Gorilla nickte und lenkte das Ghostbuggy in die angegebene Richtung. Sie flogen niedrig an die bizarren Felsformationen heran, um möglichst unentdeckt zu bleiben und landeten hinter einer Felskante, von der sie hofften, daß der Platz hinter der Klippe ihnen genug Schutz bot. Schon als sie ausstiegen, ließen sie die größte Aufmerksamkeit walten. Vorsichtig sahen sie sich um.
      „He, laßt mich doch nicht hier allein!“ beschwerte sich GB, als die drei Teammitglieder sich so lautlos wie möglich von ihm fortbewegten.
      „Sht!“ zischte Jake. „Oder willst du den Geist direkt hierherführen?“
      „Der Geist hat einen Namen!“ flüsterte Eddy. Der Ghostbuster im Fliegermantel hatte sich hinter eine Felsspalte geduckt und beobachtete. „Es ist wirklich Prime Evil!“
      „Wer denn sonst?“ kommentierte Jake. Er gesellte sich mit Tracy an die Seite seines Kameraden und verschaffte sich einen Überblick. Tatsächlich schwebte Prime Evil, der Dämonenfürst höchstpersönlich, gerade einen großen zentralen Platz auf der Insel ab und schien seine Widersacher noch nicht registriert zu haben.
      Sie verschanzten sich hinter den Felsen und überlegten. „Offenbar ist Prime Evil allein.“ bemerkte Jake.
      Eddy machte eine hilflose Geste. „Was nützt uns das? Wir wissen, daß wir bei ihm mit keiner unserer Waffen allein etwas erreichen. Dafür ist er zu mächtig!“
      „Richtig, aber wir haben es schon ein paar Mal geschafft, wenn wir die Möglichkeiten kombiniert haben.“ erinnerte Jake. „Wir haben den Vorteil, daß wir hier verschiedene Deckungsmöglichkeiten haben. Also, paßt auf: Ich nehme den Dematerialisator. Eddy, du wirfst, wenn es losgeht, Geistergranaten in den Energiestrahl, und Tracy, du feuerst von der anderen Seite den Ghostgummer ab. Ich hoffe, die Kombination reicht!“
      „Ansonsten: Improvisieren!“ erklärte Tracy.
      Eddy beruhigte die Aussage keineswegs. Der brünette Ghostbuster verdrehte die Augen. „Also so wie immer.“
      Jake ging gar nicht darauf ein, sondern gab den anderen Zeichen, sich hinter den Klippen etwas voneinander entfernt zu positionieren, um den mächtigen Geist von mehreren Seiten gleichzeitig angreifen zu können. So mulmig ihnen bei der Sache auch war, Eddy und Tracy folgten den Anweisungen des Teamführers ohne zu zögern. Was blieb ihnen auch schon anderes übrig? Als sich schließlich alle in Position gebracht hatten, gab der Teamführer das Zeichen zum Handeln und sprang aus seiner Deckung, kurz bevor die anderen seinem Beispiel folgten, und sie den Geist umzingelten. „Das Spiel ist aus, Prime Evil!“
      Der Dämonenfürst drehte sich abrupt zu ihnen um. In seinen dunklen Augen glomm es gefährlich auf. Ob er wirklich überrascht war, konnte keiner der Jungs genau sagen, denn mittlerweile war der Geist in dem flammenden roten Mantel es gewohnt, daß das Team ihm immer wieder in die Quere kam. „Das glaubt auch nur ihr!“ Der drohende Klang seiner Stimme erschütterte die Jungs immer noch, obwohl auch das mittlerweile zu ihrem täglichen Geschäft gehörte.
      „Wenn du glaubst, daß du die Insel bekommst, dann hast du dich getäuscht, Prime Evil!“
      Der Geist mit der Stahlmaske wirbelte erneut herum. Auch die Ghostbuster hielten erschrocken inne, denn keiner von ihnen hatte diesen Satz gesagt.
      Auf der anderen Seite hinter den Felsen tauchte plötzlich ein weiterer Geist auf. Sie erkannten den Erzfeind Prime Evils sofort: Es war kein geringerer als Big Evil!
      „Ach du Schande!“ entfuhr es Jake, als der plumpe blaue Geist mit den vier Armen über den Klippen erschien.
      Prime Evil zischte wütend. „Du? Was willst du hier, du Abschaum? Ich habe die Insel zuerst entdeckt!“
      Die Jungs schluckten und zogen sich vorsichtig etwas zur Seite zurück, um möglichst aus dem Wirkungsbereich der beiden Geister herauszukommen. „Du meine Güte! Was ist so besonderes an der Insel, daß sich die größten Geister jetzt schon um sie schlagen?“ fragte Eddy konsterniert.
      „Ich weiß es nicht!“ erwiderte Jake. „Aber mit ein bißchen Glück finden wir das noch heraus.“ Der junge Mann in der Safarijacke schlich wie eine Katze an den Felsen entlang, um mehr von dem Gespräch zwischen den beiden Geistern aufschnappen zu können.
      „Mir ist egal, wer von uns zuerst hier war!“ grollte Big Evil. „Seit wann hältst du dich an irgendwelche Spielregeln? Und noch viel wichtiger: Seit wann tue ich das?“ Der fette blaue Geist lachte bösartig.
      „Du wirst schon sehen, was du davon hast!“ schoß Prime Evil wütend zurück. „Wenn du glaubst, du bekommst meine Insel, dann träum schön weiter!“
      „Keiner von euch erhält die Insel kampflos!“ tönte indes eine andere Stimme. „Und den Kampf werdet ihr verlieren!“
      In diabolisches Gelächter hinein schossen die drei Ghostbuster zu der dritten Seite herum, und spätestens jetzt stand ihnen das Entsetzen offen ins Gesicht geschrieben.
      „Das ist Super Evil!“ entfuhr es Eddy entsetzt. In der Miene des fülligen Ghostbusters konnte man lesen, wie in einem Buch. Obwohl er wie erstarrt war, spiegelte sich Panik in seinen braunen Augen.
      Jake spürte, wie er sich anspannte und ließ den neuen Gegner nicht aus den Augen. Auch gegen Super Evil hatten sie schon einmal kämpfen müssen, daher wußte er, daß auch der nicht zu unterschätzen war. Er stieß Eddy an, um ihn aus seiner Starre zu lösen. Durch die neue Konstellation, an der nun auch der dritte Geist mit der grauen Robe und der Brille beteiligt war, war das Team direkt in das Zentrum des Geschehens gelangt, und wenn sie eines nicht gebrauchen konnten, dann, als Zielscheibe im Kampf der mächtigsten Geister zu fungieren. Jake hielt bereits nach einem neuen Platz Ausschau, an dem sie Schutz finden konnten.
      Tracy war auf den gleichen Gedanken gekommen und winkte die beiden zu sich. So schnell es ihnen möglich war, liefen sie zu der Seite, die sie am schnellsten aus dem Kreis der Geister herausführte, und suchten Deckung hinter einer Felsenklippe, die den Geistern zwar noch immer sehr nah war, aber zumindest einen kurzen Moment zum Durchatmen versprach.
      Jake hielt sich die Hände vor das Gesicht, bevor er herzhaft nieste. Er keuchte leicht. „Leute, meine Nase bringt mich um…!“
      „Kein Wunder, bei der Konzentration an negativer Geisterenergie, die wie hier haben.“ kommentierte Eddy. Der liebenswerte Chaot des Teams machte eine hilflose Geste. „Jake, ich begreife es immer noch nicht! Hier gibt es nichts außer Felsen! Was kann es hier auf dieser Insel geben, daß sich die drei mächtigsten Geister um sie streiten?“
      „Wenn ich das wüßte, Eddy!“ gab Jake zurück, während er versuchte, gegen das allergische Kribbeln in seiner Nase anzukämpfen. „Vielleicht ist es ein strategischer Stützpunkt oder etwas Ähnliches. Damit können wir uns aber auch noch später befassen! Im Augenblick sollten wir lieber zusehen, daß wir zwischen ihnen wegkommen!“
      „Oki Doki!“ ließ sich Tracy vernehmen. Er schätzte von ihrem Standpunkt aus den Weg bis zum Ghostbuggy ab. Doch von dort, wo sie jetzt waren, kamen sie nur über den zentralen Platz zurück, der genau in dem Blickfeld der drei Geister lag. Sorgenvoll blickte der Gorilla über die Ebene.
      „Wir haben nicht viel andere Wahl.“ sinnierte Jake und beobachtete die Lage, um einen günstigen Zeitpunkt abzupassen. Solange die Geister sich noch nicht neu sortiert hatten, mußten sie den Augenblick ausnutzen. „Jetzt!“
      Mit rasendem Puls liefen die drei Kameraden los, sich völlig bewußt darüber, daß sie den Geistern gerade für einen entsetzlichen Moment lang direkt in die Quere liefen.
      Prime Evils Aufmerksamkeit war allerdings gerade von den Jungs abgelenkt und wandte sich den beiden anderen Geistern zu. Fast schien es, als würde ihre Anwesenheit ihn noch mehr erzürnen als die der Geisterjäger. Unvermittelt schoß er aus seinen Händen einen Energieblitz auf Big Evil los, der die Gruppe in der Mitte nur knapp streifte. Mit einem erschrockenen Aufschrei sprangen Eddy und Tracy zur Seite.
      „In Deckung!“ rief Jake.
      Die Warnung kam gerade recht, denn Big Evil revanchierte sich umgehend, und unmittelbar darauf stieg auch Super Evil in das Feuergefecht ein. Ohne nachzudenken sprangen die Jungs ein den nächsten vermeintlichen Schutz, den sie finden konnten; eine offene Nische in den Felsen. Keuchend beobachteten sie das Geschehen aus dem Hinterhalt.
      „Wollen wir warten, bis sie sich gegenseitig erledigt haben?“ fragte Eddy vorsichtig.
      Jake beobachtete die Geister aufmerksam. „Ich bin dafür, daß wir ein bißchen mitmischen. Ich möchte nachher nicht unbedingt gegen den stärksten Geist von ihnen kämpfen müssen. Wenn wir es aber schaffen, den stärksten von ihnen zu schwächen, können wir ihn zusammen mit den anderen Geistern vielleicht eher aus dem Rennen werfen!“
      Eddy machte eine ratlose Geste. „Und welcher von ihnen ist der stärkste?“
      Er hatte kaum ausgesprochen, als ein Energieblitz nahe an ihnen vorbeizischte, und Tracy erschrocken beiseite sprang. Er hielt sich den Arm, und der latente Geruch von verbrannten Fell stieg in die Luft.
      „Tracy, alles in Ordnung?“ rief Jake, da zischte bereits von der anderen Seite ein Blitz über sie hinweg. „Ich habe meine Meinung geändert!“ bekannte der sonst so unerschrockene Teamführer. „Laßt sie sich erst mal gegenseitig…“ Eddy zog ihn ein Stück weg, bevor ein Blitz aus einer dritten Richtung ihn erfassen konnte.
      Tracy hatte derweil etwas entdeckt und lief ein Stück an seinen beiden Kollegen vorbei. Wenig später gab er den beiden Jungs einen Wink in eine geschützte Ecke, von der aus sie das Intermezzo zwischen den Geistern gut beobachten konnten. Zwar waren sie noch weit vom Ghostbuggy entfernt, aber immerhin hatte ihr Partner es geschafft, einen Ort außerhalb des Wirkungskreises der Geister zu erreichen, der ihnen eine vage Sicherheit bot. In die mondscheinerhellte Atmosphäre hinein leuchteten immer wieder Energieblitze auf, als sich die drei Geister bekämpften, und mischten sich in das Glühen, das die Insel umgab. Bald schon konnten die drei Geisterjäger in dem Tumult nicht mehr ausmachen, wo sich welcher Geist befand. Sie wußten nur, sie mußten gut achtgeben, um nicht in den Kampf involviert zu werden. Zu ihrer Beruhigung aber konzentrierte sich der Kampf mehr und mehr von ihnen weg.
      Jake atmete durch. „Wir müssen handeln, und zwar schnell!“
      „Seht, der Kampf verlagert sich auf das offene Meer!“ Eddy zeigte nach vorne.
      „Na, Gott sei Dank!“ kommentierte Jake. „Das gibt uns ein bißchen Freiraum.“
      Noch immer ließen sie äußerste Vorsicht walten und blieben zunächst in ihrer Deckung, doch Eddy behielt Recht. Nach einigem Hin und Her war es zuerst Super Evil, und dann Big Evil gelungen, seine Widersacher ein gutes Stück von der Insel fortzudrängen, so daß sich der Kampf nun über dem Meer konzentrierte; weit genug von der Insel entfernt, um den Ghostbustern ein wenig Sicherheit in der felsigen Umgebung zu vermitteln.
      Jake sah sich aufmerksam um. „Aha! Das eine Glühen geht also tatsächlich direkt von der Insel aus, nicht von den Geistern! Sicher hat das etwas mit dem plötzlichen Interesse der drei spektralen Großmächte zu tun!“
      Während der Anführer des Teams darüber nachsinnierte, behielten Eddy und Tracy die Geister im Blick. Das Knäuel spiritueller Energie - anders konnte man den Ball aus Blitzen, Rauch und gelegentlich auftauchenden Körperteilen der Geister nicht bezeichnen - hatte sich aber mittlerweile ein gutes Stück von der Insel fortbewegt. Als sich die drei Geisterjäger einigermaßen sicher wähnten, traten sie auf den Platz, auf dem zuvor noch die Geister gekämpft hatten. Mit Wonne stellte Jake fest, daß die Distanz sogar ausreichte, um seine Geisterallergie ein wenig in den Griff zu bekommen.
      Sie wagten sich ein gutes Stück bis an die Felskante heran, die den Platz auf der anderen Seite begrenzte. Von hier hatten sie eine gute Sicht auf das, was nicht weit von ihnen entfernt über dem Meer geschah. Offensichtlich hatten die drei Geister das Interesse an ihren »mickrigen« Widersachern verloren, was zwar einerseits eine glückliche Fügung war, die Sache aber trotz allem nicht ungefährlicher machte. Elektrisiert beobachteten die Ghostbuster den Kampf der Giganten.
      „Wer von ihnen mag gewinnen?“ entfuhr es Eddy leise.
      „Tja, Kumpel, gleich finden wir heraus, wer von den dreien wirklich der mächtigste Geist ist.“ Jake warf seinen beiden Kollegen einen schnellen Blick zu, stellte aber beruhigt fest, daß sie wie er ihre Waffen griffbereit hatten, um sofort handeln zu können, wenn der Sieger Anspruch auf die Insel erhob. Gerade sah es aber noch so aus, als wäre das Gleichgewicht der Kräfte nicht zu erschüttern.
      „Irgendwann muß einer von ihnen aufgeben!“ bemerkte Jake angespannt. „Wir dürfen die Situation nicht aus den Augen lassen!“
      „Und vor allem darauf hoffen, daß sie dort bleiben, wo sie sind!“ ergänzte Eddy unsicher.
      Jake suchte sich eine gute Position hinter einer steil aufragenden Felsspitze und behielt den Kampf im Auge. Eddy und Tracy taten auf der anderen Seite das gleiche. Die Energie schoß über das Meer hinweg, und keiner der drei vermochte zu sagen, ob sich die Geister gegenseitig schwächten, oder eher noch mehr aufluden. Keiner von ihnen schien etwas von seiner Kraft einzubüßen.
      „Weißt du was, Tracy?“ meinte Eddy leise, ohne den Blick von dem gigantischen Schauspiel zu lösen. „Das wäre eine beeindruckende Vorstellung, wenn man nicht Angst haben müßte, dabei sein Leben zu lassen.“
      „Du sagst es!“ bestätigte der Gorilla.
      „Wie lange werden sie es wohl noch durchhalten?“ sinnierte der korpulente Mann mit dem braunen Schopf weiter.
      „Lange, fürchte ich…“ mutmaßte Tracy.
      „Na, phantastisch!“ Das war Eddys ganzer Kommentar dazu.
      Tracy schien mit seiner Prognose Recht zu behalten, und die Jungs stellten sich auf eine lange Nacht ein.
      Eddy sah verunsichert zu seinem besten Freund auf der anderen Seite herüber. Der Blondschopf hatte sich noch ein wenig weiter vorgerobbt und schien die Situation genau zu analysieren. In den dunkelblauen Augen des jungen Mannes lag Ernst und Konzentration. Eddy konnte förmlich sehen, wie er über eine Möglichkeit nachdachte, um den Geistern beizukommen.
      Er selbst drehte sich wieder zu Tracy um. „Das Ghostbuggy einzusetzen geht wahrscheinlich nicht, oder?“
      Tracy schüttelte den Kopf. „Zu gefährlich! Zu großes Risiko!“ bestätigte der Gorilla. „Nicht bei drei Geistern!“
      „Ja!“ erwiderte der mollige junge Mann mißmutig. „Das ist das Problem. Wer kann mit dreien von der Sorte fertig werden?“
      „Vor allem, weil ich die Vermutung hege, daß sie sich verbünden könnten, wenn jemand interveniert!“ sagte Jake so unvermittelt neben ihm, daß er zusammenzuckte. Er hatte nicht mitbekommen, wie Jake sich zu seinen Kameraden gesellt hatte, war aber froh, seinen Partner ebenso wie Tracy an seiner Seite zu haben. Jake wandte den Blick nicht von den Geistern ab. „Im Augenblick kämpfen sie recht planlos und gegen gleichwertige Mächte. Wenn sie aber eine Front bilden, dann sind sie unschlagbar.“
      „Sie sind einzeln schon nahezu unschlagbar!“ Eddys Tonfall drückte das aus, was Jake als Anführer bewußt in seiner Stimme zu vermeiden versucht hatte: Angst.
      „Ich sehe nur eine Möglichkeit.“ meinte Jake. „Wie brauchen Verstärkung! Sonst haben wir schlechte Karten. Wir drei allein gegen die drei Geister, das geht jedenfalls gar nicht!“
      „Gut, wen könnten wir zur Unterstützung anfordern? Futura? Unsere Väter? Oder die andere Ghostbuster-Firma aus New York?“ sinnierte Eddy.
      „Am besten alle!“ sagte Jake. Gerade nahm er das Funkgerät zur Hand, als Tracy dem verdutzten Ghostbuster intervenierend eine Hand auf den Arm legte. „Tracy, was…?“ Bevor er seine Konsterniertheit in Worte fassen konnte, folgte er dem angespannten Blick des Gorillas, der starr über das Meer hinausging. Da sah er, was seinen Partner hatte innehalten lassen: Plötzlich wühlte sich das Meer auf, und ein Strudel entstand, direkt in der Mitte unter den drei Geistern, die sich noch immer gegenseitig bekriegten. Die beiden Männer und der Gorilla beobachteten es verblüfft. „Was geschieht hier?“ entfuhr es Jake leise.
      „Jake, Tracy, seht, da…“ In dem Moment, wo Eddy in die Richtung des Strudels zeigte, offenbarte sich ihnen ein erstaunlicher Anblick. Zuerst schien das Wasser säulenartig emporzusteigen. Dann manifestierten sich in verschiedenen Blautönen Formen, die nach und nach vage auf eine humanoide Form hindeuteten. „Oh nein, nicht noch ein Geist!“ stöhnte Eddy. „Das wird ja immer schlimmer!“
      „Wartet’s ab!“ sagte Tracy leise mit einer beschwichtigenden Geste.
      „Weißt du, was das ist?“ erkundigte sich Jake.
      „Habe eine Ahnung!“ erklärte der Gorilla.
      Die Formen entfalteten sich immer mehr, zeigten eine schlanke Gestalt, welche die Arme über den Kopf reckte, lange, meerblaue Wellen, die Haaren gleich an ihrem Kopf zurückfielen und einen Unterleib, der wie in der Form eines Fischschwanzes direkt ins Meer überging. Als die Prozedur, die nur Sekunden dauerte, zu Ende ging, sahen sie einen wasserblauen Meeresgeist aus dem Strudel emporsteigen. Die drei Ghostbuster hielten mit vor Erstaunen aufgerissenen Augen den Atem an. Die Frauengestalt, deren Körper nun ihre Endform erreicht zu haben schien und sich in unzähligen Blautönen darstellte, drehte sich langsam um die eigene Achse, wie um sich einen Überblick zu verschaffen. Sie war nicht sonderlich groß, eher zierlich und wunderschön. Und sie schien vor den großen Geistern keine Angst zu haben. Im Gegenteil, wer ihr in die Augen sah, sah Zorn aufblitzen. „Wer wagt es, den Frieden des Meeres zu stören?“ Die Jungs zuckten zusammen. Selbst von ihrer Position aus verstanden sie die Worte des Wassergeistes klar und deutlich, und ihre Stimme hatte einen dumpfen, drohenden Klang. „Es ist verboten, sich der Felseninsel zu nähern! Geht fort und kehrt nie wieder hierher zurück!“ forderte sie.
      Die drei Geister hielten in ihrem Streit inne, und zum ersten Mal waren sie sich alle einig, als sie in einhelliges Gelächter ausbrachen.
      „Was… was willst du uns denn anhaben?“ Big Evil konnte kaum noch vor Lachen.
      „Fordere mich nicht heraus!“ gab ihm die meerblaue Nixe warnend zu verstehen. „Du würdest es bereuen!“
      Big Evil lachte um so mehr. Selten hatte man den fetten Geist in dem roten Flammengewand so amüsiert erlebt. Super Evil an seiner Seite stimmte in das Lachen mit ein.
      Die drei Ghostbuster, die in dem Geschehen nun unwillkürlich um so mehr nur noch als Beobachter fungierten, hielten den Atem an. „Was tut sie denn da?“ entfuhr es Eddy mit einer Mischung aus Unglauben, Sorge und Tadel in der Stimme.
      Prime Evil zischte gefährlich, als er der Meerfrau einen vernichtenden Blick zuwarf. „Verzieh dich! Ich bin nicht hergekommen, um lächerliche Spielchen zu spielen, bevor ich Anspruch auf meine Insel erhebe!“
      „Deine Insel?“ ereiferte sich Big Evil.
      „Recht so, mein Bester!“ höhnte Super Evil. „Denn es ist meine Insel!“
      Das Wassermädchen blieb souverän. „Dies ist eine letzte Warnung! Geht jetzt, bevor ich mich zum Handeln gezwungen sehe!“
      Die drei Geister lachten erneut laut auf. Wie in stiller Absprache konzentrierten nun alle drei bösen Giganten ihre Aufmerksamkeit auf den Wassergeist und schossen wenig später synchron Energieblitze auf ihre Gestalt im Meer ab.
      In dem Moment schrie Eddy im Affekt auf. „Sie werden sie umbringen!“
      „Sht!“ zischten zwei geistesgegenwärtige Ghostbuster an seinen Seiten. Alle hatten sich unwillkürlich angespannt. Doch wenn Jake und Tracy eines wußten, dann, daß sie sich jetzt besser nicht einmischten.
      Eddy zitterte, als er beobachtete, wie energetische Blitze auf die hübsche Gestalt im Wasser zurasten, und konnte fast nicht hinsehen.
      Doch in dem Moment machte sie eine Handbewegung, die das Wasser in einer sich drehenden Säule wie einen Schutz um sie herum aufbauen ließ. Die Blitze schossen hindurch. Die Wassersäule sackte einmal in sich zusammen, doch nur kurz darauf manifestierte sie sich erneut, und die Frau aus dem Meer stand wieder auf dem Wasser, als wenn nichts gewesen wäre. Sie wirbelte einmal um die eigene Achse, so daß das Wasser die drei Geister unvorbereitet traf und völlig durchnäßte, die davon wenig amüsiert waren. Bevor die Bösewichte allerdings überhaupt dazu kamen, auf die Attacke zu reagieren, setzte sie zu einem Gesang an. Die Melodie erfüllte den ganzen Ozean, und schien, ähnlich wie ihre Stimme, direkt in den Köpfen der Anwesenden zu erklingen, anstatt den Umweg über die Ohren zu machen.
      „Wow, ist das schön!“ schwärmte Eddy.
      „Ja, für uns!“ meinte Jake grinsend, der trotz allem die Szene auf dem Meer nicht aus den Augen gelassen hatte. „Seht euch das mal an!“
      Die drei großen Geister wanden sich wie unter Schmerzen und hielten sich die Ohren zu. Die Melodie des Wassergeistes machte sie handlungsunfähig. Als die Frau sie nun unter Kontrolle hatte, löste sie sich vom Meer und schwebte um die Gegner herum. Sie änderte Frequenzen, spielte mit Melodien, und als sie sicher war, den richtigen Ton getroffen zu haben, setzte sie ihn intensiver ein. Die Geister krümmten sich und begannen zu zittern, wie Glas unter der richtigen Frequenz. Man sah ihnen den Schmerz in den Gesichtern an, doch sie waren nicht einmal mehr dazu imstande, sich zu bewegen, als würde die Frequenz ihrer Stimme sie einfrieren. Jetzt wagte sie es, die Lautstärke noch ein wenig mehr zu heben und hielt den mörderischen Ton unermüdlich.
      Die Ghostbuster, die jetzt ebenfalls die Zähne zusammenbissen, nachdem die Melodien in einem einzigen, nervenaufreibenden Klang geendet hatten, schauten wie paralysiert auf das groteske Spiel. Die Intensität des Lautes war selbst für sie kaum noch aushaltbar. Der Wassergeist brauchte nicht zu atmen, und so konnte sie das Spiel so lange fortsetzen, wie sie es brauchte, was zur Folge hatte, daß sich der Ton in ihr Bewußtsein fraß und dort Kopfschmerzen verursachte. Offensichtlich war es für die Geister allerdings noch schlimmer; so wie sie sich gebärdeten, war die Frequenz für sie nicht nur unangenehm, sondern existenzbedrohend. Jake, Eddy und Tracy hielten sich mittlerweile im Affekt die Ohren zu, nur um festzustellen, daß es ihnen nichts einbrachte, da der Ton sich direkt in ihrem Bewußtsein manifestierte; und mittlerweile beteten sie jeder für sich, daß die hübsche Frau aus dem Meer ihnen bald Gnade entgegenbrachte. In Jakes Gedanken mischte sich mittlerweile sogar der Wunsch, lieber gegen die drei Geister anzutreten, anstatt noch einen Augenblick länger diesen Ton in seinem Kopf erdulden zu müssen.
      Der Wassergeist ließ sich in seinem Tun nicht aus der Ruhe bringen. Sie hatte allerdings nicht vor, es länger hinauszuzögern als notwendig, hob nun noch einmal die Lautstärke, und es bedurfte nur einiger weniger Augenblicke, bis sich die Geister nicht mehr gegen den Einfluß wehren konnten. Die Frau aus dem Meer ließ nicht locker, bis die Anspannung in ihren Gegnern schließlich zu groß wurde, sie einer nach dem anderen zerbarsten und sich in den latenten Abdruck reiner Energie verwandelten, der jedes Mal zurückblieb, wenn sie in die Geisterdimension zurückgeschickt wurden. Schlagartig hörte der Gesang auf und gab seine noch in ihm gefangenen Zuhörer frei. Von den drei Geistern blieb nichts als Erinnerung.
      „Woah, den Trick muß sie uns mal zeigen!“ rief Eddy, doch Jake hielt schon mit einer Handbewegung ein. „Du wirst nicht anfangen zu singen! Selbst wenn es locker dazu ausreichen würde, die Geister zu vertreiben!“ Er ignorierte das leichte Schmollen seines Partners und wandte sich wieder der Wasserseite zu, die sich nun langsam in dem anbrechenden Morgen beruhigte. Endlich wagten es die Ghostbuster aufzustehen.
      Als sich die spektralen Muster der drei Geister auflösten und die Reste schwindender spiritueller Energie dem Meeresspiegel entgegenrieselten, wandte die Wasserlady sich zu den Jungs auf der Insel um, von der noch immer ein leichtes Glühen ausging. Die drei erstarrten in Ehrfurcht, als sie registrierten, daß sie nicht unentdeckt geblieben waren. Eddy kam nicht umhin, automatisch verunsichert einen Schritt zurückzutreten, als die Heldin sich auf das Felsplateau nicht weit von ihnen entfernt niederließ. Der Wassergeist ging jedoch freundlich auf sie zu. Als sie ein Stück von ihnen entfernt auf der felsigen Ebene stand, registrierten sie, daß der zierliche Geist sogar einen Kopf kleiner als Eddy war.
      Jake atmete durch und ging sofort auf sie zu. „Verzeiht, wir sind ohne Erlaubnis hier. Wir werden uns auch nicht länger aufhalten…“
      „Ihr seid in guten Absichten hier!“ unterbrach ihn der Wassergeist, der nun den fließenden Unterleib in zwei dunkelblaue Beine manifestiert hatte. „Euch erlaube ich eure Anwesenheit für eine gewisse Zeit.“
      Jake war sichtlich erleichtert. „Wer bist du?“ fragte er nun atemlos.
      „Ich bin Lorelyn, ein Wassergeist und Beschützer der Meere!“ stellte sie sich vor.
      „Da bist du ja gerade zur rechten Zeit gekommen.“ stellte der Anführer des Teams fest.
      „Ich beobachtete sie schon länger!“ erklärte sie mit einer angenehmen Stimme, die sprudelndem Wasser glich und nun so ganz anders wirkte, als die Drohungen, die sie zuvor an die Geister gerichtet ausgestoßen hatte. „Als immer mehr von ihnen auftauchten, habe ich sie erst einmal gewähren lassen. Doch sie hätten nie zu einem Ende gefunden.“
      Eddy, Tracy und Jake grinsten sich an. Sie hatte also die gleiche Strategie verfolgt, wie die drei Jungs.
      „Als die Geister die Blitze auf dich abschossen, dachten wir schon, alles ist aus!“ bekannte Eddy mit hörbarer Erleichterung in der Stimme. Der eher etwas furchtsame Vertreter des Teams konnte nicht verbergen, daß sie ihn mehr als nur faszinierte, und er ehrliche Angst um sie gehabt hatte.
      Lorelyn quittierte es mit einem Lächeln. „Ich bestehe aus Wasser, deswegen können sie mir nichts anhaben.“ erklärte sie unbedarft. „Wann immer man mich »zerstört«, kann ich mich neu aus dem Wasser generieren.“
      Eddy sah sie staunend an. „Das ist ja phantastisch!“
      „Gibt es noch mehr von deiner Sorte?“ wollte Jake neugierig wissen.
      „Oh, es gibt viele Wassergeister.“ erzählte sie. „Wir beschützen die Meere auf dem ganzen Planeten. Viele von uns haben besondere Fähigkeiten, die sie einsetzen können. Meine Fähigkeit ist, wie ihr mitbekommen habt, der Gesang.“
      „Oh, ja! Das ist unglaublich, wie du die Geister in die Flucht geschlagen hast!“ bekannte Jake beeindruckt.
      „Man unterschätzt uns viel zu leicht!“ erklärte Lorelyn mit einem speziellen, tiefgründigen Unterton. „Die meisten von uns mögen zwar mit Kraft nicht viel ausrichten können. Aber dafür haben wir andere Mittel, die wir einsetzen können.“
      „Und das mit durchschlagendem Erfolg, wie man sieht!“ stellte Jake fasziniert fest, und mußte für sich zugeben, daß auch er sie unterschätzt hatte. Während er und seine Partner sich Sorgen um sie gemacht hatten, hatten die Geister sie nicht für voll genommen. Und das war ihnen letzten Endes zum Verhängnis geworden.
      „Kannst du uns sagen, was die Geister hier gesucht haben?“ erkundigte sich Eddy neugierig.
      „Das kann ich euch sagen!“ erklärte sie. „Der Kern dieser Insel besteht aus einem energetischen Mineral, das spirituelle Energien bündeln und kanalisieren kann. Dieses Mineral löst auch das Leuchten aus, das ihr im Dunklen sehen könnt. Wenn ein Geist damit umzugehen weiß, hat er praktisch grenzenlose Macht.“ Bei ihrer Erklärung wurde den drei Ghostbustern plötzlich ganz anders, um so mehr beruhigte es sie daher, als Lorelyn weiter sagte: „Meine Aufgabe ist es, die Insel und ihre Macht zu beschützen, und nur denen Zutritt zu gewähren, denen es zusteht.“
      Die Freunde kamen nicht umhin, sich sehr geehrt zu fühlen, als sie das sagte, dafür, daß sie nun offiziell ihre Füße auf diesen geheiligten Boden setzen durften. Man konnte es an ihrem Lächeln sehen, daß sie alle drei dasselbe dachten.
      Lorelyn sah die drei Ghostbuster mit einem warmherzigen Lächeln an. „Ich kehre jetzt ins Meer zurück. Geht nun. Ihr werdet hier nicht mehr gebraucht.“
      Jake konnte nicht verbergen, daß ihn der Kommentar tief traf, doch er wußte, sie hatte Recht. Und so nickte er und gab seinen Gefährten einen Wink zum wartenden Ghostbuggy hin.
      Eddy schluckte. „Prime Evil könnte wiederkommen…“
      Sie winkte ab. „Laß ihn nur. Wir werden da sein, und ihn vertreiben!“ Damit verabschiedete sie sich und ging zum Rand der Felseninsel zurück, von dem aus sie mit einem eleganten Sprung wieder im Meer verschwand.
      Die Jungs sahen der zierlichen Gestalt nach, die die Worte so souverän gesprochen hatte, als ginge es um ein Kind, das an ein Bonbonglas herankommen wollte, und schmunzelten fasziniert, bevor auch sie die Insel verließen. Wenn sie heute etwas gelernt hatten, dann war es eine ungewöhnliche, aber eindeutige Lektion: Selbst die Stärksten sind zu schwach, um gegen einen Wassergeist zu bestehen.


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