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Spiegelbild

von Jessi 222
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Gen
Elphaba Thropp Fiyero Tigelaar/Tiggular Glinda/Galinda Upland of the Upper Uplands OC (Own Character)
22.06.2014
27.11.2014
6
4.970
 
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7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.06.2014 921
 
Grüß Oz liebe Leser!
Ich weiß ich habe sehr lange nichts mehr von mir hören lassen, aber das ist eine Menge Schulstress zu schulden und meine Muse ist wohl auch weggerannt. Ich habe allerdings gerade beim Durchstöbern meiner Festplatte ein schon fertiges, aber noch nicht hochgeladenes Kapitel gefunden und will es euch als Dank für eure Geduld nicht länger vorenthalten.
Ich bedanke mich bei Racousa, dass sie mir den nötigen Stups gegeben hat hier weiterzuschreiben.
Jetzt wünsche ich aber viel Spaß beim Lesen!

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Schuldgefühle

„Ja, aber Nessa wird Vaters Nachfolge antreten.“ Nessa. Ich kannte die jüngere Tochter des Gouverneurs unseres Landes. Zwar nicht persönlich, aber ich hatte sie schon gesehen. Bei Ansprachen, zu besonderen Festen und Paraden. Nessarose war ein sehr sympathisches Mädchen, doch ihre Behinderung machte ihr zu schaffen. Sie war seit ihrer Geburt an den Rollstuhl gebunden. Es musste furchtbar sein nicht laufen zu können…doch ich war nicht unbedingt besser dran.

„Und du, woher genau stammst du?“ Wieder unterbrach Elphaba meine Gedankengänge. Was hatte sie da eben gefragt? Mein Gehirn ratterte. Ach…was gab es schon zu verlieren, wenn ich ihr sagte, woher ich stammte. Oder besser, dass ich nirgendwoher stammte. „Ich bin in einem Waisenhaus in Kolkengrund aufgewachsen. Meine Eltern haben mich ausgesetzt und eine Betreuerin hat mich zu sich genommen. Zwar gegen ihren Willen…aber ja, sie hat mir zu Essen und ein Bett geboten, also war es wohl doch nicht ganz schlecht.“

Wäre die Tatsache, dass ich keine Eltern hatte nicht so ernst, dann hätte ich wahrscheinlich laut losgelacht. Elphaba sah mich mit einem erstaunten und gleichzeitig mitleidigen Gesichtsausdruck an. „Schon gut, ich habe mich damit abgefunden“ fügte ich schnell hinzu. Eigentlich hatte ich das nicht. Es gab nur selten eine Nacht, in der ich nicht wach lag und darüber nachgrübelte woher ich kam und wer meine Eltern waren…wo sie waren, ob sie überhaupt noch lebten. „Für meinen Vater bin ich nur dann da, wenn er meine Hilfe braucht. Er schämt sich dafür eine Tochter wie mich zu haben.“

Elphaba´s Stimme war durchzogen von Gleichgültigkeit, doch ihr Blick verriet mir, dass es ihr alles andere als egal war, wie ihre Eltern zu ihr standen. „Das…tut mir Leid. Meine Patentante Ophelia kann mich auch nicht ausstehen…so wie alle anderen Leute“ versuchte ich sie irgendwie aufzubauen, aber dass das nicht klappen würde, war mir von vorneherein klar. Elphaba hatte mit demselben Problem zu kämpfen, wie ich. Sie hatte grüne Haut, war anders. Und in den Augen der Leute war anders sein eine Schande.

Jetzt fiel es mir auch wie Schuppen von den Augen, wieso ich sie noch nie vorher gesehen oder näheres von ihr gehört hatte. Der Gouverneur wollte nicht, dass die Leute Fragen stellten. Es war ihm schlicht und einfach peinlich eine Tochter zu haben, die abnormal grüne Haut hatte. Aber dafür konnten wir doch nichts…weder ich, noch Elphaba waren Schuld an diesem…Unfall. „Warst du…naja…schon immer grün?“ fragte mich Elphaba auf einmal. Was war das denn bitte für eine Frage? „Ja, seit meiner Geburt“ antwortete ich ihr. Sie nickte.

„Ich auch. Ich würde wirklich gern wissen, wieso ausgerechnet ich so anders…so unnormal bin. Woher kommt die grüne Farbe meiner Haut?“ Mir fiel sofort auf, dass sie wohl auch ständig über dieses Thema nachdachte. All die Fragen stellte ich mir schließlich auch. „Wenn ich das wüsste. Ich habe ja nicht einmal eine Familie, die ich fragen könnte“ sagte ich und senkte den Blick. Ich spielte schon die ganze Zeit mit einem der Knöpfe meines Mantels. „Ich glaube nicht, dass mein Vater darüber sprechen würde…selbst, wenn er etwas wüsste. Aber das kann nicht sein. Er ist immer noch der Annahme ich sei eine Strafe des Namenlosen Gottes“

Elphaba hatte den Blick von mir abgewandt und fixierte die Kerze, die auf dem kleinen Tisch vor ihr stand. „Und deine Mutter?“ Nur wenig später bereute ich es diese Frage gestellt zu haben. Elphaba rührte sich nicht. Das Schweigen zwischen uns wurde immer unerträglicher. Kurz bevor ich innerlich explodiert wäre, erhob Elphaba jedoch das Wort. „Sie…ist tot.“ So etwas hatte ich mir bereits gedacht. Elphaba hatte ihre Mutter bisher noch nicht ein einziges Mal erwähnt gehabt und von einer Gouverneurin war in Munchkinland schon lange keine Rede mehr gewesen. Und wieder musste diese billige Floskel herhalten. „Das tut mir wirklich Leid…“

Zu wissen, dass die eigene Mutter tot war, war auch nicht gerade besser, als sie gar nicht erst zu kennen. „Sie starb bei Nessa´s Geburt…und alles ist meine Schuld.“ Was redete sie denn da? Ihre Schuld? Fragend sah ich zu ihr. „Wie…?“ Weiter kam ich jedoch nicht, denn Elphaba unterbrach mich. „Vater hatte Angst, dass das neue Baby auch…grüne Haut haben könnte und ließ deshalb meine Mutter unaufhörlich Milchblumen kauen. Doch davon…kam Nessa zu früh auf die Welt…mit ganz verdrehten Beinen…und unsere Mutter…“ Sie stockte kurz. „…ist nicht wieder aufgewacht.“

Ich fühlte mich fast schon geehrt, dass sie mir diese Geschichte anvertraut hatte obwohl wir uns gar nicht kannten. „Das…ist doch nicht deine Schuld. Die Milchblumen sind daran schuld“ versuchte ich ihr diesen Gedanken auszureden, doch das würde wohl relativ wenig bringen. Elphaba schüttelte den Kopf. „Vergessen wir das…“ Ich konnte ein leises Seufzen nicht mehr unterdrücken. Da wollte ich doch nur hier zur Schule gehen und studieren und schon stand mein ganzes Leben wieder Kopf. Doch wenigstens hatte ich zum ersten Mal nicht mehr das Gefühl allein zu sein.

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Ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen.
Reviews sind wie immer erwünscht!
glg Jessi
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