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Spiegelbild

von Jessi 222
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Gen
Elphaba Thropp Fiyero Tigelaar/Tiggular Glinda/Galinda Upland of the Upper Uplands OC (Own Character)
22.06.2014
27.11.2014
6
4.970
 
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7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.06.2014 1.665
 
Hallöchen!
Danke bei Charlyschatz und MiladyDeLaCurse für die lieben Reviews!
Hier kommt das nächste Kapi.
Viel Spaß!

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Schicksal

Ich konnte es gar nicht erwarten all die Bücher zu sehen. Regale über Regale…voll mit Büchern jeder Art. Leise öffnete ich die Tür und trat ein. Schon wieder blieb mir der Atem weg. So eine große Bibliothek hatte ich noch nie gesehen! Vor mir türmten sich riesige Regalreihen auf, an denen Leitern standen, damit man auch die Bücher ganz oben erreichen konnte.

Der Raum wirkte unendlich groß. Fast noch größer als die Eingangshalle. Ich schloss die Tür und tat ein paar weitere Schritte in die Bibliothek hinein. In einer Ecke neben dem Fenster stand eine Sitzgarnitur, bestehend aus einem bequem aussehenden Sofa und zwei Sesseln. Auf der anderen Seite des Raumes erblickte ich zwei große, runde Tische, um die einige Stühle standen.

Langsam ging ich durch die erste der Regalreihen und fuhr mit der Hand andächtig über die Buchrücken. Manche von ihnen sahen sehr alt aus und als ich eines der Bücher herauszog und es öffnen wollte, kam mir eine Staubwolke entgegen. Ich hustete. Überall im Raum roch es nach beschriebenen Seiten. Wie ich diesen Geruch doch liebte! Schnell stellte ich das Buch zurück und setzte meinen Weg fort. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Es war einfach ein tolles Gefühl zu wissen, dass ich ab jetzt jeden Tag hierher kommen konnte.

Ich näherte mich der Sitzgarnitur und wollte mich gerade in einen der weichen Sessel plumpsen lassen, als ich ein Geräusch vernahm. Ich erstarrte in meiner Bewegung und sah mich um. Das Geräusch war eindeutig aus dem Nebenzimmer gekommen. Erst jetzt war mir aufgefallen, dass die Regalreihen in einem Verbindungszimmer weiterführten. Auf Zehenspitzen setzte ich mich in Bewegung und hielt auf eben dieses Zimmer zu.

Ich blieb abrupt stehen, als ich den zweiten Raum betreten hatte. Vor mir erstreckte sich eine Wand aus Glas. Man konnte hindurch sehen. Hinter ihr ragten ebenfalls Bücherregale empor, bis unter die hohe Decke. Die Glaswand diente wohl als Raumtrenner. Ich ging an der gläsernen Wand entlang und sah mich immer noch fasziniert um. Kurz bevor das Glas jedoch zu Ende war, ließ mich ein erneutes Geräusch zusammenzucken.

Und was ich dann sah, erschien mir wie ein Trugbild. Ich starrte wie gebannt auf das Glas. Auf der anderen Seite stand jemand, ebenso erschrocken wie ich, denn das Krachen war von einem heruntergefallenen Buch ausgegangen. Die Person war zu einer Salzsäule erstarrt und auch ich konnte mich nicht mehr von der Stelle bewegen. Mir war, als würde ich in einen Spiegel sehen. War die Wand vielleicht wirklich aus Spiegeln?

Nein…die Regale auf der anderen Seite sahen ganz anders aus, als die hier drüben. Einer Eingebung folgend wanderte meine Hand an die Scheibe und legte sich behutsam auf das glänzende Glas. Meine Finger zitterten wieder, doch diesmal lag es an einer anderen Art von Aufregung. Mir gegenüber blickte mich eine junge Frau aus eisblauen Augen heraus an. Ihr Mund war ein wenig geöffnet und ihre rechte Hand war angehoben. Ihre langen, schwarzen Haare fielen in leichten Wellen über ihre Schultern. Ich blinzelte.

Das…das…war unmöglich! Nein, das konnte nicht sein! Schlagartig erwachte ich aus meiner Starre und schüttelte den Kopf. Das war nur eine Einbildung! Noch ehe ich mich versah, hatte ich die letzten Meter bis zum Ende der Glasscheibe zurückgelegt und war in den anderen Raum hinüber getreten. Ich konnte meinen Augen nicht trauen, als mich die junge Frau immer noch wie vom Blitz getroffen ansah. Sie war wirklich da. Sie war echt! Das bildete ich mir doch nicht ein.

„Du bist grün…“ Wie ein Hauch drang ihr Flüstern an meine Ohren. Nur langsam begriff ich, was gerade passiert war. Sie…sie war wie ich. Zögernd nickte ich. Ich wusste nicht, was ich hätte sagen sollen. Langsam löste sich auch mein Gegenüber aus seiner Starre. Wie in Zeitlupe und den Blick immer noch auf mich gerichtet, bückte sie sich und hob das Buch auf, das sie hatte fallen lassen. Sie war wohl genauso erschrocken gewesen, wie ich. Natürlich, das war ja kein Wunder!

Ich beobachtete jede ihrer Bewegungen und spürte wie meine Knie weich wurden. Ich stemmte sofort eine Hand gegen die Glaswand, aus Angst vielleicht umzukippen. „Wer…wer bist du…?“ vernahm ich plötzlich die leise Stimme der jungen Frau vor mir. Ich kaute auf meinen Lippen herum bevor ich schließlich meinen Namen aussprach. „Elphanea Cromwell.“ Ich erkannte meine eigene Stimme kaum wieder. Ich war mir nicht einmal sicher, ob sie mich verstanden hatte.

Ihr kurzes, zaghaftes Nicken bestätigte mir allerdings, dass sie mich sehr wohl verstanden hatte. „Elphaba Thropp.“ Ebenso leise kamen ihre Worte bei mir an. Was sollte ich denn jetzt sagen? Sollte ich überhaupt etwas sagen? Ich hatte keine Ahnung, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte. „Ich…bin neu hier.“ brachte ich dann irgendwie heraus, um das peinliche Schweigen zu brechen. Wieder nickte sie und auf ihren Lippen lag ein Lächeln. „Ich habe noch kein Zimmer…und da ich niemanden wecken wollte, bin ich hierhergekommen.“ fuhr ich etwas unsicher fort.

„Ich…hatte nicht damit gerechnet jemanden um die Uhrzeit anzutreffen.“ Wieder war es ruhig. Es vergingen einige Sekunden bis Elphaba schließlich das Wort erhob. „Weißt du, ich lese unheimlich gerne…und ich konnte einfach nicht schlafen…“ „Das kann ich verstehen. Ich lese auch sehr gerne!“ Meine Unsicherheit wich langsam einer inneren Euphorie. „Bücher sind einfach wundervoll.“ Elphaba´s Lächeln wurde stärker. „Ja, das sind sie wirklich.“ So langsam konnte ich meinen Beinen wieder vertrauen und ich nahm meine Hand von der Glaswand.

„Darf ich fragen, woher du kommst…?“ Elphaba sah mir direkt in die Augen und ich musste mich ernsthaft zusammenreißen, um nicht nach unten zu blicken. Schließlich wollte ich ja nicht unhöflich erscheinen. „Aus Munchkinland.“ war meine knappe Antwort. Ich wusste nicht, ob ich die Sache mit dem Waisenhaus erwähnen sollte und entschied mich dann doch dagegen. Wir kannten uns ja gar nicht und so spannend war meine Geschichte nun auch wieder nicht. „Ich auch.“ erwiderte Elphaba.

Jetzt war ich es, die nickte. Dafür, dass wir uns nicht kannten, hatten wir sehr viele Gemeinsamkeiten. Sie las gerne, so wie ich. Sie kam aus Munchkinland, genauso wie ich. Und das Entscheidendste: Sie war grün! Sie sah mir grundsätzlich sehr ähnlich. Ich war lediglich ein wenig kleiner als sie und meine Augen waren im Gegensatz zu den ihren grau-braun. Vielleicht waren meine Haare sogar ein ganz kleines bisschen bräunlicher, aber sonst…hätten wir ein und dieselbe Person sein können.

„Du bist genauso wie ich!“ Die Freude, die in mir aufgestiegen war, brach einfach so aus mir heraus und im nächsten Moment hätte ich mich dafür ohrfeigen können. Wie dumm sich das anhören musste! „Du hast Recht…das bin ich.“ Ich hatte wirklich vieles erwartet, aber das ganz sicher nicht. „Ich…dachte ich wäre die einzige, die…naja…“ Elphaba brach ab, aber ich hatte auch so begriffen, was sie sagen wollte. „Ich doch auch.“ antwortete ich ihr. „Und ich lag falsch.“ Ich wusste nicht genau, wie lange wir einfach nur dastanden und uns anlächelten. Wahrscheinlich waren es nur wenige Minuten gewesen, doch mir kamen sie ewig vor. „Wollen wir uns nicht irgendwo setzen?“ durchbrach Elphaba plötzlich die Stille.

„Oh…ja...natürlich.“ stotterte ich vor mich hin und fing an mit einer Haarsträhne zu spielen. „Dann lass uns in den Nebenraum gehen. Da gibt es eine Sitzecke.“ Elphaba lächelte mir zu und ging dann an mir vorbei auf die andere Seite der Glaswand. Ich war wirklich froh, dass es mir nach dem eben Geschehenen so leicht fiel einen Fuß vor den anderen zu setzen und folgte ihr.

Wir durchquerten die Regalreihen und kamen an der gemütlichen Sitzgarnitur an, die ich vorhin schon für mich beanspruchen wollte. Ich ließ mich nun endlich in einen der Sessel fallen und stellte meinen zum Glück recht leichten Koffer neben den Sessel auf den Boden. Fast schon hatte ich vergessen, dass ich ihn überhaupt dabeihatte. Elphaba nahm auf dem Sofa mir gegenüber Platz und strich eine Falte aus ihrem Rock.

Sie bevorzugte wohl auch lieber zurückhaltende Farben. Sie trug eine einfache, weiße Bluse und einen ebenfalls schlichten, schwarzen Rock. Ich steckte immer noch in meinem Reisemantel. Er war auch schwarz und hielt herrlich warm. Darunter hatte ich mir ein Kleid angezogen, das mir bis zu den Knien reichte. Ebenfalls schwarz. Eigentlich hatte ich kaum farbige Kleidung.

Besonders viel Auswahl gab es in meinem Kleiderschrank im Waisenhaus sowieso nicht und hier her hatte ich nur ein paar Kleider mitgenommen, die dem ähnelten, was ich jetzt trug. Na gut…zwei, drei weiße Blusen und ein paar Röcke waren auch dabei, aber die dienten eher als Schulkleidung. „Das neue Schuljahr hat schon vor zwei Wochen begonnen. Gab es Probleme mit deiner Anreise?“ Elphaba´s Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Sollte ich ihr einfach sagen woher ich stammte? Oder war es besser eine…Notlüge zurechtzulegen?

„Naja, meine…Patentante wollte mich erst gar nicht hier studieren lassen. Es hat einiges an Überredungskunst gekostet, damit ich dann doch noch eine Bewerbung an die Schule schicken durfte. Zwar etwas verzögert…aber besser als gar nicht.“ Ich ließ mir meine gerade ausgesprochenen Worte noch einmal durch den Kopf gehen und war stolz auf mich, dass ich in keinster Weise meine genaue familiäre Situation preisgegeben hatte. Obwohl…im Grunde gab es da gar keine >>familiäre Situation<<, die ich hätte preisgeben können.

„Ich habe meine Schwester hierher begleitet, um auf sie aufzupassen. Meinem Vater ist es sehr wichtig, dass es ihr gut geht“ erklärte mir Elphaba. Das klang ja fast schon so, als wäre ihrem Vater das Wohl seiner älteren Tochter herzlich egal.

Doch dem Gouverneur war alles zuzutrauen, immerhin arbeitete er auch als Pfarrer und ich hatte noch nie einen Mann gesehen, der den Namenlosen Gott so verehrte wie er. „Du…bist die Tochter des Gouverneurs von Munchkinland, nicht wahr?“ fragte ich, als mir bewusst wurde mit wem ich eigentlich gerade sprach.

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Das war´s erstmal wieder.
Ich würde mich sehr über Reviews freuen!
glg Jessi
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