L - You have changed my World

von Dieyascha
GeschichteKrimi, Romanze / P16
L OC (Own Character)
20.06.2014
16.09.2020
67
349.275
36
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16.09.2020 4.072
 
Der Detektiv hatte ja mit vielem gerechnet, aber der Inhalt dieser Nachricht ließ ihn unvermittelt die Luft anhalten. Er hatte bereits am Absender gemerkt, dass es sich bei der eingegangene MMS um eine Datei von Zahra handelte, obgleich es ihr strikt untersagt wurde, ihn auf diese Weise zu kontaktieren. Es hatte seinen Grund, warum er diese Regeln aufgestellt hatte, aber sie schien diese mal wieder vollkommen zu ignorieren. Eine Tatsache, die ihn merklich verärgerte und dennoch irgendwo in ihm drin einen kleinen Funken von Freude weckte. Für einen Moment nur zögerte er, doch schließlich hatte seine Neugierde über seinen scharfen Verstand triumphiert und plötzlich starrte er sprachlos auf ein aktuelles Foto der Brünetten. In seinen Augen spiegelte sich Traurigkeit wieder, während sich sein Körper unwohl verkrampft und er all seinen Willen aufbringen musste, um diese Reflexe nicht nach außen treten zulassen. Was sollte das? Warum schickte sie ihm ein Bild von sich? Wollte Zahra ihn ärgern? Seine Reaktion darauf testen? Oder war es mehr als ein Beweis ihrer Gefühle für ihn gemeint? Er verstand es einfach nicht. So sehr er sich in den letzten Wochen auch gewünscht, ja sogar regelrecht danach gesehnt hatte, die sture Frau bloß für einen kurzen Augenblick sehen zu können, drohte ihm diese direkte Konfrontation mit seinen Emotionen jetzt den Boden unter seinen Füßen zu entziehen. Warum hatte sie das getan? Eine Frage, die nur Zahra selbst beantworten konnte. Doch in dieser Minute war er schlichtweg gefangen in den sich aufbäumenden Wogen seiner Gefühle, welche sein Herz bis an den Rand des Erträglichen trieben. Sich wissentlich dem wachsamen Augen der Kamera entziehend, strich er mit seinen Fingern beinahe zärtlich über das Display seines Handys, fast so als könnte er dadurch ein kleines Stückchen der Wärme spüren, welche die Berührungen ihres Körpers in seinen Erinnerungen zurückgelassen hatte. Allein der Gedanke daran ließ ihn schaudern und jagte ihm eine wohlige Gänsehaut über den Rücken, bevor sein Verstand endlich in die Realität zurück fand. L schluckte hart und atmete tief durch, als er sich zwang das Gerät sinken zu lassen und somit auch das Foto seiner Aufmerksamkeit entzog. Er war sichtlich Unglücklich über die nun entstandene Situation, in welche sie ihn mal wieder gebracht hatte. Trotzdem durchfuhr ihn ein Gefühl des Glücks. Die unliebsame Unruhe in seinem Inneren hatte ihren Weg zurück an die Oberfläche gefunden und die Sehnsucht die er spürte, quälte seine Eingeweide und dennoch war da auch etwas zärtliches in ihm. Ein seltsamer Zwiespalt, der ihm nicht gerade behagte. Wieso waren diese verdammten Emotionen in ihm bloß so verwirrend und unlogisch, ganz gleich wie oft er mit ihnen auch konfrontiert wurde? Irgendwann musste er sich doch mal daran gewöhnt haben, oder nicht? Aber obwohl er die Antwort darauf sehr genau kannte, sträubte sich der rationale Teil in ihm noch immer dagegen. Ryuzaki ließ bewusst noch einige Sekunden vergehen, in denen er das Chaos in sich zu beruhigen versuchte, ehe er einen absichernden Seitenblick auf Light tat und anschließend die Kamera mit einen bitterbösen Blick strafte.

L:I…Was sollte das Zahra? Hast du etwa vergessen, dass du mich nicht über mein Handy kontaktieren darfst? Das ist gefährlich! Diese Regeln habe ich nicht umsonst aufgestellt...I

Als sich unsere Blicke trafen, rutschte mir mein Herz postwendend in die untersten Regionen und ein spürbar schlechtes Gewissen machte sich in meinen Innersten breit. Warum kommst du auch auf so blödsinnige Ideen?, dachte ich resigniert, während ich mir Choco missmutig besah und schließlich bestürzt den Kopf senkte. In was für eine Situation hatte ich mich da bloß wieder hineingeritten? Aber meinem Streuner jetzt daran die Schuld zugeben wäre irgendwie auch unfair, denn im Grunde war es meine eigene Dummheit gewesen, die mich dazu verleitet hatte. Ich hatte also kein Recht darauf ihn zu tadeln. »Ach Choco, warum finde ich eigentlich bei L treffsicher jedes Fettnäpfchen, hm?«, meinte ich mit einem schiefen Lächeln und tätschelte reumütig über sein weiches Fell, was mir ein mitleidiges Fiepen von ihm einbrachte. Manchmal konnte man sich sein Leben auch selbst unnötig schwer machen. Ich schloss die Lider und tat einen tiefen Atemzug, bevor ich mein Augenmerk wieder zurück auf die Bildschirme lenkte, wo mich bereits seine Rückmeldung zu meiner Aktion erwartete. Seine Sätze überraschten mich nicht, selbst wenn ich mir zumindest ein klein wenig Freude über das Bild von ihm erhofft hatte, so verstand ich auch seinen Unmut. Es stimmte mich merklich traurig, dass ich seine Reaktion auf den Bildschirmen nicht habe sehen können. Das konnte ich nicht leugnen. Andererseits hatte er wiederum Recht, denn das daraus resultierende Risiko für uns wog deutlich schwerer und dieses hatte ich in meiner Kurzschlusshandlung gar nicht mit einberechnet. Wenn Light in diesem Moment plötzlich wach geworden wäre, dann hätte das schöne Versteckspiel ganz schnell ein Ende haben können. Mich schauderte es allein bei diesem Gedanken, wie weitreichend so eine Enttarnung in den Konsequenzen gegründet hätte. Wir mussten vorsichtig sein und durften uns nicht aus einer Laune heraus in Gefahr begeben. Ich seufzte schwer auf, während ich mit meinen Händen schützend über ungeborenes Kind strich. Wann war es eigentlich so weit gekommen, dass ich handelte bevor ich nachdachte? So etwas wäre mir früher niemals passiert. Doch seit meiner Schwangerschaft ließ ich mich hin und wieder zu Dingen hinreißen, die normalerweise so gar nicht meinem Naturell entsprachen. Ein sanftes Lächeln legte sich auf meine Lippen, als ich über den Sinn dieses Gedanke nachzugrübeln begann und schüttelte letztlich belustigt meinen braunen Haarschopf. Zumindest wusste ich jetzt ein wenig, wie L sich wohl fühlen mochte, wenn einem die Rationalität durch Hormone und Emotionen streitig gemacht wird.

Z:I…Es tut mit Leid L. Ich wollte dich nicht verärgern. Das war eine dumme Idee von mir, dass weiß ich. Ich dachte nur, dass es unfair wäre, wenn ich dich sehen kann und du mich nicht. Lösch es einfach wieder, wenn du willst. Zukünftig werde ich mich an die Regeln halten, versprochen!...I

Nachdenklich schaute der Schwarzhaarige hinab auf sein Handy, während eine verstohlene Spur von Bitterkeit sein Gesicht zu trüben begann. Zahra wollte ihn also gar nicht provozieren, sondern hatte sich lediglich Gedanken um seine Gefühle gemacht? Natürlich wusste er, dass die Menschen oftmals selbstlos handelten, wenn eine Emotion wie Liebe im Spiel war. Sie opferten sich auf, dachten übereinander nach, taten irrationale Dinge, allein um ihren Partner glücklich zu machen. Dennoch war diese Erkenntnis in Bezug auf die Brünette wieder einmal Neuland für ihn. Bisher hatte es immer nur Watari gegeben, der sich für sein Wohlergehen interessiert und sein Umfeld stets zu seinem Gunsten gestaltet hatte. Nun allerdings war da noch jemand in sein Leben getreten, der sich offenbar um sein Befinden sorgte. Etwas, das ihm sein logischer Verstand bereits seit Anbeginn ihrer Vertrautheit begreiflich machen wollte und trotzdem konnte er es erst jetzt wirklich mit seinen Emotionen erfassen. Wärme breitete sich in ihm aus. Geborgenheit und eine stille Dankbarkeit, mit der er nicht so recht umzugehen wusste. L atmete tief durch, während er das ungestüme Durcheinander in sich zu schlichten versuchte. Hätte er diese Umstände in einem Fall als Fakten dargelegt bekommen, dann hätte er keine Sekunde gezögert, genau diese Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Warum war es ihm dann nicht möglich, diese in seinem persönlichen Umfeld zu ergründen? Es spielte am Ende doch eigentlich keine Rolle, ob er sich an Gegebenheiten Dritter, seinen eigenen oder Zahras orientierte. Die Tatsachen und die daraus resultierenden Folgerungen würden sich nicht ändern. Langsam stahl sich sein Blick auf die digitale Uhr seines Laptops, bevor er sich ein weiteres Mal vom unveränderten Zustand des tief schlafenden Light Yagami überzeugte. Es war inzwischen 2:30Uhr. Die Hälfte der ihm und Zahra zugemessenen Zeit war nunmehr um, sodass er letztlich beschloss, die in brodelnden Grübeleien auf Später zu vertagen. Nichtsdestotrotz beschäftigte ihm noch eine ganz andere Frage.

L:I…Du hast Recht. Es war eine dumme Idee und es ist unfair, aber unsere persönlichen Belange sind in der aktuellen Situation nicht von Bedeutung. Andernfalls laufen wir Gefahr nicht nur die Ermittlungen zu gefährden. Ich denke, dass du das verstehst. Trotzdem hätte ich da noch eine Frage: Wer hat das Foto von dir gemacht?…I

Das schlechte Gewissen nagte noch immer an mir und dennoch schmunzelte ich bei seinen Worten. Er formulierte es zwar nicht direkt aus, aber seine Sätze sagten mir, dass auch er mich zu vermissen schien. Ein seltsames Gefühl, welches sich wie Balsam auf meine Seele legte und das sanfte Kribbeln in meinen Bauch zurück rief. Vielleicht hatte ich mit dem Bild doch keinen so großen Fehler gemacht, selbst wenn er es niemals zugeben würde. Jetzt ärgerte es mich nur umso mehr, dass ich seine Reaktion darauf nicht sehen durfte. Ich schürzte missmutig die Lippen. Wahrscheinlich würde ich bei ihm immer zwischen den Zeilen lesen müssen, denn es lag einfach nicht in seinem Wesen über solche Dinge offen zusprechen. Das wusste ich ja. Aber selbst wenn sich dadurch einige Sachen merklich verkomplizierten, übte es auf mich ebenso einen gewissen Reiz aus. Wie mein ganz persönliches Rätsel, welches sich unendlich fortführte. Über meine eigenen Art der Interpretation amüsiert, lachte ich kopfschüttelnd auf, bevor ich schließlich bei seiner Frage hängen blieb und meine Brauen überrascht nach oben rutschten. Im Grunde verwunderte mich jedoch nicht, dass er sich danach erkundigte, denn immerhin war er der beste Detektiv der Welt und selbst einem Laien wäre dieses Detail schnell aufgefallen. Vielleicht nicht einmal aus Eifersucht, sondern eher dem klaren Indiz geschuldet, dass dieses Foto von mir auf keinen Fall gestellt sein konnte. Das bedeutete im Umkehrschluss, dass diese Momentaufnahme nicht von einem Passanten oder ähnlichem stammte und somit eindeutig von einer Person herrühren musste, die mir bekannt war. Betrachtete man dies dann noch unter dem Hintergrund des Falls und dem Anlass für meine Anwesenheit in England, hatte sie durchaus ihre Berechtigung. Annas Gesicht ploppte vor meinem inneren Auge auf. Sie war inzwischen zu einer Freundin geworden. Einem Mensch, dem ich vertraute, obwohl ich ihr nicht alle meine Sorgen verraten durfte und genau dieser Fakt bereitete mir plötzlich merklich Bauchschmerzen. Ich dachte zurück an unsere Gespräche, an dem Besuch auf dem Friedhof bei ihrem Bruder Sean und an meine verschlüsselten Notizen, welche ihr durch meine eigene Schuld in die Hände gefallen waren. Wie sollte ich das L erklären? War es überhaupt gut, wenn er davon etwas wüsste? Oder sollte ich diese Tatsachen vor ihm geheim halten? Vielleicht ihm allein von ihrer Arbeit als Krankenschwester erzählen, die sich mit der Zeit zu einer Freundschaft gewandelt hat? Doch hatte ich dazu eigentlich das Recht? Mein Herz wurde schwer, als sich mein schlechtes Gewissen mit bleierner Kraft über meinen Verstand legte und meine blauen Iriden nachdenklich an Ryuzaki hängen blieben. Ich vertraute ihm und hatte mir geschworen keine Geheimnisse mehr vor  ihm zu haben, aber würde ihm dieses Wissen nicht sogar zusätzlich belasten? Ihn vielleicht in seiner Arbeit im Kirafall behindern? Unschlüssig ballte ich meine Hände, während ich resigniert Aufseufzte und die verschiedenen Konsequenzen gegeneinander abwog. Das hast du jetzt von deinen unüberlegten Aktionen, Mädchen! Jedes Zahnrädchen treibt mindestens ein weiteres an!, spie mir mein Geist hämisch entgegen, was das unkontrollierte Beben in meinen Händen bloß noch weiter anfachte. Was sollte ich machen? Doch schon während ich über die vielen für und wider nachdachte, hatte ich meinen Entschluss bereits gefasst. Ich würde nicht mehr zurückweichen, denn so würde ich nur wieder neue Probleme schaffen und ihn dadurch wohlmöglich weiteren Gefahren aussetzten. Nein, ich hatte aus meinen Fehlern gelernt, selbst wenn die Verlockung noch so groß sein mochte.

Z:I…Ihr Name ist Anna McConnell und sie ist die Krankenschwester, welche mich seit meiner Ankunft in England betreut hat. Mittlerweile ist sie jedoch eine gute Freundin geworden…I

Der dunkelhaarige Detektiv legte grübelnd seinen Daumen an die Unterlippe, indessen er die wenigen Sätze von Zahra studierte. Sie hatte sich also mit dieser Krankenschwester angefreundet. Eigentlich eine gute Sache, denn so war sie zumindest nicht vollkommen alleine, vor allem wenn man ihren derzeitigen Zustand mit einbezog. Trotzdem missfiel ihm dieser Gedanke zusehends. Es weckte etwas in seinem Inneren, dass sich als Unbehagen einstufen ließ. Eine still voranschleichende Gefahr, welche auf der Enthüllung von Zahras wahrer Identität und die Ermittlungen im Fall Kira gründete. L bereitete diese neue Tatsache unleugbar Sorge, da er wusste, dass sie sich aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht immer rational verhalten würde. Es war einfach der hormonellen Umstellung geschuldet. Eine wissenschaftlich belegte Gegebenheit, die er anerkannte, obgleich ihm dies in Bezug auf die ohnehin schon unkalkulierbare Frau alles andere als zusagte. Emotional gesteuertes Handeln konnte eine normale Unterhaltung ganz schnell in eine mehr als ungünstige Richtung lenken. Das Foto, welches sie ihm trotz der aufgestellten Regeln zugesandt hatte, war dafür bereits Beweis genug.

LI…Eine Krankenschwester in der Nähe zu haben, mag für dich im Moment tatsächlich von Vorteil sein. Dennoch möchte ich dich eindringlich daran erinnern, dass deine wahre Identität und deine Involvierung in dem Fall nicht bekannt werden darf. Auch wenn ich dir vertraue Zahra, möchte ich das du vorsichtig bist. Freundschaft verleitet nur allzu oft zu unbedachten Entscheidungen. Das ist gefährlich…I

Ich bis mir nervös auf die Lippe, als mir mein aufgeregtes Herz seine pulsierenden Warnungen in die Ohren säuselte. Es war genau die Antwort, welche ich von ihm erwartet hatte und im Grunde hatte er recht. Dieses Wissen war gefährlich. Für mich, für Anna, die SOKO und vor allem für ihn. Aber leider war dieser Zug bereits abgefahren, denn die Krankenschwester wusste zum Teil, dass Kira für mich nicht bloß eine der täglichen Nachrichtenthemen war, über die sich die Leute ihre Mäuler zerrissen. Doch wie sollte ich ihm das beibringen, ohne das er mir sämtliche meiner Freiheiten wieder entzog? Natürlich hatte mich dazu entschlossen L gegenüber ehrlich zu sein, allerdings war die Überwindung zur Aussprache dieser Wahrheit kein Sonntagsspaziergang. Im Gegenteil, es schürte nur von Neuem meine Angst ihn zu verlieren oder sein Vertrauen zur Gänze zu büßen. Erneut strich ich liebevoll über meinen Bauch, während mich Choco aufmunternd anstupste, um mich offenbar aus meinem aufkeimenden Tief zu reißen. »Du hast Recht mein Schöner. Ich darf jetzt keinen Rückzieher machen«, meinte ich lächelnd, als ich abermals durch sein dichtes Fell wuschelte. Da war er wieder. Dieser verrückte Gedanke, dass mich mein kleiner Streuner offensichtlich besser verstand, als ich es ihm zutrauen wollte. Fast so, als konnte er spüren, was in mir vorging. Ich atmete beruhigend durch und sah hinauf auf das Abbild von Ryuzaki, der nach wie vor in unveränderter Haltung vor seinem Laptop hockte. Noch immer konnte ich sein Gesicht nicht erkennen, aber vielleicht war es für diesen Augenblick auch das Beste so. Also nahm ich all meinem Mut zusammen und begann zaghaft meine Antwort einzugeben.

Z:I…Du hast Recht L. Es ist gefährlich und deshalb will ich auch ehrlich zu dir sein. Anna weiß das ich auf irgendeine Art in dem Fall Kira involviert bin, jedoch hat sie keine Ahnung von meiner wahren Identität. Sie ahnt etwas, weiß aber in alledem nichts genaues und stellt diesbezüglich auch keine weiteren Fragen. Ihr geht es nicht darum Aufmerksamkeit zu erregen oder an den Ermittlungen teilzunehmen. Im Gegenteil, sie hat ein persönliches Interesse in diesen Fall und möchte einfach bloß, dass Kira so schnell wie möglich gefasst wird. Ihr Bruder, Sean McConnell, gehörte zu den FBI Agenten, die in den japanischen Reihen der Polizei für dich ermittelt haben. Vielleicht erinnerst du dich ja noch an seinen Namen? Es war allein meine Schuld, dass sie mich mit dem Fall in Verbindung gebracht hat, denn ich war im Krankenhaus über meine Notizen eingeschlafen, sodass sie darauf Zugriff hatte. Zwar waren diese vorsorglich verschlüsselt und somit für einen Außenstehenden im Grunde unbrauchbar, doch es hatte ausgereicht, damit sie hellhörig wurde. Sie ist nicht dumm und hat einfach zwei und zwei zusammengezählt, da meine Verlegung von Japan nach England für sie ebenfalls einige Fragen aufwarf. Ich habe sie selbstverständlich von Watari eingehend überprüfen lassen. Anna hat mich bisher noch niemals belogen oder jemals einen Kontakt zum kriminellen Milieu gehabt. Auch die Akte ihres Bruder wies nach einer ausführlichen Sichtung keinerlei Ungereimtheiten auf. Ich vertraue ihr und ich bitte dich mir dieses eine Mal ebenso zu vertrauen, selbst wenn es dir schwerfällt. Es tut mir leid…I

Ryuzaki stockt der Atem, unterdessen sich jeder Muskel in seinem Körper verspannte und er fassungslos den Chat las. Zahra hatte sich also indirekt bei dieser Krankenschwester verraten und erwartet jetzt tatsächlich noch, dass er sich darüber keine Gedanken machte. Sein Verstand schrie bereits bei der Inbetrachtziehung einer solchen Vorgehensweise auf, denn die damit neu entstandene Sachlage war höchst brisant. Sie trieb ihm die bittere Galle auf die Zunge. Es war genau so, wie er es befürchtet hatte, wenn sich das Wort „Freundschaft“ in diese Art der Ermittlungsarbeit mischte. Ein unsicherer Faktor, den er nicht zu kalkulieren vermochte, denn er war ebenfalls eine Variable die auf Emotionen gründete, - bloß das es diesmal bereits zu spät war. Ihm rauschte das Blut in den Ohren, welches von sein malträtiertem Herz Höchstleistungen abforderte und trotzdem zeugte nach außen hin keinerlei Regung von seinem inneren Chaos. Es war ein neu entstandenes Problem, für das er im Moment eigentlich nicht mal ein Prozent seines geistigen Leistungsvermögens entbehren konnte, aber seine persönliche Beziehung zu Zahra appellierte pausenlos an seine ungeliebten Gefühle. Da war die nunmehr stetig wachsende Besorgnis um ihre Sicherheit, die Sorge um die möglichen Auswirkungen auf den Fall und vor allem aber die Ungewissheit, wie weit sich das Wissen dieser Krankenschwester noch vertiefen könnte oder sogar bereits hat. Schon allein die Gewissheit, dass Zahra diese Anna als „nicht dumm“ einstufte, machte die Sache zu einem heiklem Thema. Watari hatte sie zwar offenbar eingehend überprüft und Zahra versicherte ihm glaubhaft, dass von ihr keine Gefahr ausging, aber das war noch lange kein Garant dafür, dass es zukünftig auch so blieb. Jeder Mensch, jeder Kriminelle war irgendwann einmal ein unbeschriebenes Blatt, welches durch einen bestimmten Auslöser befleckt und schließlich verfärbt wurde. Warum also sollte sich diese Anna nicht doch irgendwann zu einem Problem entwickeln? Ihr Bruder war immerhin einer der FBI-Ermittler, die aufgrund seines Befehls ihr Leben verloren haben. Wenn sie demzufolge einen durchaus nachvollziehbaren Groll gegen Kira hegte, wäre es ebenso sehr wahrscheinlich, dass sie wohlmöglich eine entsprechende Abneigung gegen ihn und die Sonderkommission aufbaute, sollte sie davon jemals erfahren. Diese wiederum würde sich dann voll und ganz auf Zahra entladen, da sich sowohl er als auch die SOKO außerhalb ihrer Reichweite befanden. Keine guten Voraussetzungen, um sich und seinen Verstand zu beruhigen. Dennoch war da ebenfalls etwas in ihm, dass sich wie eine Erleichterung anfühlte. Eine Sache die ihn milder stimmte, denn obwohl sich diese Frau mal wieder in arge Schwierigkeiten manövriert hatte, war sie ehrlich zu ihm gewesen. Mit einem resignierten Seufzen schaute er abermals hinunter auf das Foto von ihr, dass ihm nach wie vor vom Display seines Handys entgegenleuchtete. Sie wirkte darauf so verträumt und glücklich, wenn auch zeitgleich unendlich traurig. Wiederholt schlich sich der bittere Ausdruck in seine dunklen Seen zurück. Die Unruhe wühlte in ihm und ließ ihn ein weiteres Mal spüren, wie viel er tatsächlich für Zahra empfand. Gleichzeitig fühlte er aber ebenso, dass sich vor seinem eigenem emotionalem Wissen noch viel mehr verbarg und um an genau dieses zu gelangen benötigte er keine Erklärungen oder gelehrte Schriften. Nein, einzig die Erfahrung konnte diese Lücke füllen. Doch auch hier gab es einen gewaltigen Zwiespalt, der ihn zögern ließ. Zum einen waren da seine Gefühle für die junge Frau, sein eigenes Misstrauen gegenüber Außenstehenden und seine Erfahrungen, die er im Laufe seines Daseins als Detektiv bereits gesammelt hat. Sie alle ließen in dieser Situation seine Alarmglocken hell auf schrillen. Andererseits war da sein rational logischer Verstand der ihm sagte, dass Zahra eine ausgezeichnete Ermittlerin war, selbst wenn sie hin und wieder über das Ziel hinausschoss oder ihren Dickkopf durchsetzte. L hatte in den Monaten zwar gelernt ihr zu vertrauen, aber reichte das aus? Was sollte er jetzt tun? Nochmals ließ er seinen unleserlichen Blick skeptisch über die letzten Sätze des Chats schweifen. Sean McConnell. Der Name schwebte im Nebel und doch kam er ihm bekannt vor. Wenn er wirklich einer der FBI-Agenten gewesen war, dann könnte er über ihn wenigstens eine grobe Analyse der Krankenschwester durchführen, um sich ein bisschen mehr Sicherheit zu verschaffen. Immerhin könnte er durch die Involvierung ihres Bruders in den Fall eine Überleitung zu der Überprüfung von Personen in dessen Umfeld herstellen, sodass er dadurch keine Gefahr laufen würde, dass die anderen Mitglieder der SOKO oder gar Light einen Verdacht schöpften. Lange verharrten seine nachdenklichen Augen auf dem flackernden Bildschirm seines Laptop, bevor sich diese erneut auf das Bild der Frau und schließlich abschätzend auf den Studenten neben sich richteten. Sein Kopf schmerzte in diesem Moment beinahe genauso sehr wie seine tobenden Emotionen. Er konnte einfach nicht aus seiner Haut und trotzdem entschied er sich am Ende zumindest für einen Versuch, selbst wenn ihm die Worte merklich schwer über seine Finger kamen.

L:I…Also schön Zahra. Wie ich bereits sagte: Ich vertraue dir, auch wenn ich von dieser Entwicklung alles andere als begeistert bin. Aber ganz gleich ob diese Anna nun eine Freundin ist oder eine Bekannte, deine Sicherheit und die der Ermittlungen haben oberste Priorität. Solange du dich daran hälst, werde ich nichts unternehmen. Sollten jedoch weitere vertrauliche Informationen nach Außen gelangen, werde ich entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten…I

Mein Herz drohte vor Aufregung regelrecht zu explodieren, während ich gespannt seine Reaktionen einzuschätzen versuchte. Ich hatte Angst und doch war ich der Meinung das einzig Richtige getan zu haben. Immerhin sagte er schließlich, dass er mir vertraute und nun würde sich zeigen, wie viel Wahrheit in diesen Aussagen stecken mochte. Viele Hoffnungen machte ich mir jedoch nicht, denn ich wusste ja bereits aus eigener Erfahrung, wie schwer es ihm fiel, die Zügel aus der Hand zu geben. Im Grunde wäre ich ihm auch nicht einmal böse darum, selbst wenn es mich insgeheim irgendwo verletzen würde, da ich niemals vergaß wieviel Verantwortung auf seinen Schultern lastete. Trotzdem wünschte ich mir ein wenig entgegenkommen von ihm. Abermals hatte er mir den Rücken zugedreht, was mir erneut den direkten Blick in sein Gesicht verwehrte und doch hatte ich irgendwie den Eindruck, dass er sich merklich verspannte. Man sah beinahe, wie er immer tiefer in seinen Gedanken versank und die Situation analysierte. Ein Gefühl, dass sich ungleich schwer auf meinen Brustkorb legte, denn es weckte Erinnerungen, welche mich zeitgleich glücklich wie ebenso traurig stimmten. Die Arme über meine Bauch verschränkt, klammerten sich meine schweißgebadeten Hände in meine Seiten und ließen die Minuten zu quälend langen Stunden werden. Dann endlich tat sich etwas, bevor der blinkende Cursor einzelne Buchstaben auf den schwarzen Hintergrund zauberte und mir vor Überraschung einfach die Kinnlade herunter klappte. Ich brauchte wahrlich mehrere Anläufe, um den Sinn dieser Worte tatsächlich in mich aufzunehmen, ehe sich ein breites Lächeln auf meinen Lippen breitmachte und alle Anspannung sekundengleich von mir abfiel. Erleichtert atmete ich auf und schloss für einen kurzen Moment meine Lider. Er hatte es wirklich akzeptiert, selbst wenn ich die deutlich Ermahnung darin keineswegs überlesen konnte, so freute ich mich doch ungemein. L vertraute mir, genauso wie ich ihm und diese Tatsache wog mehr als ich es jemals beschreiben konnte. Immerhin war er der wohl misstrauischste Mensch, den ich in meinem gesamten Leben kennen gelernt hatte und neben dem Wissen, dass wir einander liebten, war dies der wohlmöglich größte Zuspruch, den man von ihm erhalten konnte. Die Freude darüber war mir wortwörtlich ins Gesicht geschrieben, während das zärtliche Kribbeln in meinem Magen stetig zunahm und ein wohliges Gefühl von Geborgenheit und Wärme zurückließ. Natürlich verstand ich ebenso seine Skepsis gegenüber der ganzen Geschichte und irgendwie war ich mir auch im Klaren, dass er sich trotz dieser Aussage ein gewisses Hintergrundwissen zu Anna aneignen würde. Dafür brauchte man schließlich kein Genie sein, wenn man diesen Detektiven einmal kennen gelernt hatte. Aber das störte mich nicht. Im Gegenteil, es versprach mir Sicherheit, denn genau darauf zielt sein letzter Satz offenbar ab. Und selbst wenn ich nicht daran glaubte, dass Anna ein schlechter Mensch war und mich täuschen würde, so konnte ich seine Gedankengänge doch nachvollziehen. Motiviert setzte ich mich in meinem Stuhl auf, strich einmal liebevoll über den Kopf meines Hundes, der sich ebenso für mich zu freuen schien und tippte mit einem zufriedenen Grinsen meine Antwort ein. Doch noch ehe ich meine Nachricht absenden konnte, stockte ich mitten in meinen Bewegungen und richtete mein Aufmerksamkeit hektisch auf den großen Monitor. Ein Klirren wurde laut, raschelnde Bewegungen und plötzlich schlug Light seine Augen auf.
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