Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

L - You have changed my World

von Dieyascha
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16
L OC (Own Character)
20.06.2014
16.09.2020
67
349.270
38
Alle Kapitel
232 Reviews
Dieses Kapitel
23 Reviews
 
 
20.06.2014 1.049
 
Zahra Camino… So lautet der Name der 24-jährigen jungen Frau, welche bereits mehr als einmal die mit Vorurteilen behafteten Seiten des Lebens am eigenen Leib zu spüren bekommen und trotz alledem ihren Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren hatte. Die langen braunen Haare fielen ihr glatt über die schmalen Schultern und umrahmten so das zierlich hübsche Gesicht, aus dem zwei wachsame blaugraue Augen ihre Umgebung stets aufmerksam musterten. Gekonnt wusste sie ihren trügerischen Schein eines gewöhnlichen Mädchens aufrecht zu erhalten, doch war die freundliche, so zerbrechlich wirkende Frau tief in ihrem Inneren das genaue Gegenteil - verschlossen, hochintelligent und durchaus dazu in der Lage, sich ihrer Haut zu wehren

Geboren wie aufgewachsen war Zahra in Deutschland und als Einzelkind einer finanziell gut gestellten Familie, fehlte es ihr eigentlich an nichts - außer vielleicht an elterlicher Zuwendung. Maja Camino, ihre Mutter, war eine angesehene Chirurgin, welche selbst die komplizierteste Operation zu bewältigen wusste. Ihr Vater hingegen, David Camino, hatte sich einen Namen als erfolgreicher Rechtsanwalt erarbeitet, der niemals einen Fall verlor. Dennoch richteten die Beiden weiterhin ihren Blick zielstrebig auf noch höhere Positionen der Karriereleiter aus. Aus diesen Gründen sah Zahra ihre Eltern nur selten. Selbst wenn sie ihnen mal zufällig über den Weg lief, hatten sie keine Zeit sich mit ihr zu beschäftigen. Immer gab es einen Notfall, ein Klient oder ein dringliches Seminar, das für sie Wichtiger war und somit Vorrang vor ihren "kindlichen" Bedürfnissen hatte. Seid sie denken konnte, hatte sich Irma, eine strenge resolute ältere Dame, welche nach den Regeln der alten Schule lebte, um sie gekümmert. Zahra war lediglich ein Punkt auf einer Liste der geregelten Lebensplanung ihrer Eltern, die sie mit geradliniger Perfektion abhandelten.

Und auch in der Schule wurden die Probleme nicht weniger. Ihre Leistungen lagen zwar weit über dem Durchschnitt, jedoch bescherte ihr ihre hohe Intelligenz wiederum keine Freunde oder gar Freude daran. Ganz im Gegenteil. Sie wurde von Gleichaltrigen ständig beschimpft, gemieden und verachtet. Dennoch brauchte jemand ihre Hilfe, dann war Zahra da. Wenn gleich sie auch ganz genau wusste, dass diese „Freundschaften“ nur aus dem puren Eigennutz der Anderen bestanden, so konnte sie einfach nicht „Nein“ sagen. All dies begründete den Umstand, dass Zahras Kindheit zu neunzig Prozent aus Büchern und den Weiten des Internets bestand. Sie lernte und las einfach Alles, was ihr in die Quere kam. Wie ein Schwamm das Wasser sog sie all das Wissen in sich auf, in der Annahme, sie könnte damit die einsame Leere in ihrem Inneren füllen. Aber es wollte ihr einfach nicht gelingen.

Erst als sie mit vierzehn ihre beste Freundin Lina kennen lernte, wendete sich das Blatt zum Guten für sie. Lina mochte Zahra so wie sie war, akzeptierte sie als Persönlichkeit und lehrte sie die Dinge, welche man mit Theorie nicht aufwiegen konnte - wahre Freundschaft und den richtigen Umgang mit anderen Menschen. Sie war am Ende diejenige, welche Zahra an den Kampfsport herangeführt hatte, um sicherzustellen, dass sie keine leichte Beute mehr sein. Endlich änderte sich ihr Leben zum Positiven und je älter sie wurde, desto besser konnte sie mit anderen Menschen agieren. Schnell merkte sie, dass ihre Intelligenz die Meisten einfach nur abschreckte. Also entschloss sie sich dazu, die Leute allein die Person wahrnehmen zu lassen, welche sie in ihren Augen sein sollte - und es funktionierte. Zwar konnte sie es ab und an nicht verhindern, wieder in ihre alte Rolle zurückzufallen, aber immerhin war für Zahra das Miteinander seitdem deutlich angenehmer geworden.

Irgendwann allerdings, keimte auch in ihr der ganz natürliche Wunsch danach auf, von Jemanden geliebt zu werden. Dies jedoch als die reale Person, welche sich wirklich hinter der undurchschaubaren Maske aus Selbstschutz verbarg und nicht als den fiktiven Menschen, welchen sie so oft vorgab zu sein. Je weiter Zahra heranwuchs, desto mehr verankerte sich diese stille Sehnsucht nach Zuneigung und Wärme in ihrem Herzen. Aber an diesem Punkt holte sie die harte Realität schnell wieder ein. Die meisten Jungs sahen nur ihre körperlichen Vorzüge und die Wenigsten ihren wahren Charakter. Jene, welche dennoch klug genug waren, sie nicht nur auf ihren Körper zu reduzieren, unterlagen irgendwann unwillig ihrem hohen IQ. Und so blieben für Zahra am Ende nur jedes Mal ein gebrochenes Herz, Enttäuschung und Einsamkeit zurück.

Dann kam der Tag, welcher ihr Leben abermals für immer verändern sollte…

Zahra und Lina waren mittlerweile 23 Jahre alt und hatten nach dem Schulabschluss gemeinsam ein Studium beim *BKA begonnen gehabt, während sie sich eine kleine Mietwohnung am Stadtrand teilten. 5 Jahre zuvor, war Zahra direkt nach ihrem 18. Geburtstag Hals über Kopf bei ihren Eltern ausgezogen. Und selbst wenn diese Anfangs ihre Bleibe wie auch ihren Lebensunterhalt bereitwillig finanzierten, so hatte sie diesen unerfreulichen Umstand durch die Aufnahme des dualen Studiums schnellstmöglich unterbinden können. Immerhin war sie dadurch wenigstens selbständig und nicht mehr abhängig von dem Wohlwollen ihrer Eltern. Doch auch der Kontakt zwischen Ihnen war damit so gut wie erloschen. Lediglich ein Pflichtbesuch im Jahr und hin und wieder eine kurze Mail waren am Ende geblieben, um die konstante Qualität ihrer Leistungen im Auge behalten und ihre „perfekte“ Tochter überprüfen zu können.

Es war der Tag der Abschlussprüfungen und Zahra hatte sich anschließend auf direktem Weg nach Hause begeben, denn sie wollte wie gewohnt noch ein wenig in ihren Büchern stöbern. Ausgelassenes Feiern, wie es die anderen Studenten ihres Jahrgangs vorzogen, war noch nie nach ihrem Geschmack gewesen. Auch das Lina sie zuvor mehr als einmal versucht hatte, sie in diesem Punkt umzustimmen, hatte nichts an der Tatsache ändern können. Es war spät, als der Anruf von Linas Eltern kam… »Zahra…Lina…LLina…iist…Sie ist tot!«. Zahra brach zusammen. Sie konnte nicht verarbeiten, was ihr Linas Eltern gerade Alles erzählt hatten. Lina war tot. Lina war inzwischen wie eine Schwester für sie. Die einzige Person, die ihr wirklich etwas bedeutete,… und jetzt war sie tot. Einfach weg. Ausgelöscht.

Kurze Zeit später, an ihrem 24. Geburtstag, fasste Zahra letztendlich einen Entschluss. Sie würde Lina nicht im Stich lassen und in ihrem Selbstmitleid ertrinken. Nein. Lina hatte sich immer für Zahra eingesetzt, war immer für sie da gewesen und hatte sie unausweichlich zu der Person gemacht, die sie heute war. Zahra würde sich dafür revanchieren - Koste es, was es wolle. Sie würde den Verantwortlichen finden. Das war sie Lina einfach schuldig.



 *BKA = Bundeskriminalamt
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast