Tagebuch eines Diklonius

GeschichteÜbernatürlich / P16
19.06.2014
15.01.2016
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Lächelnd hob ich den Kopf und sah scheinheilig zu der blutverschmierten Glasscheibe auf. Ich hatte so oft den Menschen bei ihren Gesprächen zugehört, ich wusste, was es war. Die weiß gefliesten Wände trieften von roter Farbe und der Boden war in ein blutiges Kunstwerk verwandelt. Ich saß auf dem Boden, die zerrissenen Teile meiner Mutter lagen nach der Befreiung um mich herum verseht, doch da Mum mich nie aus ihrem Körper gelassen hatte, weinte ich nicht im geringsten um sie. Sie hat mir offenbar die ganze Zeit die Freiheit verweigert. Monate... nein, Jahre war ich in ihr eingesperrt, due Freiheit hatte ich verdient.
Meine Beine waren zu schwach, um aufzustehen. Sitzen konnte ich schon. Abwartend schweifte mein Blick erneut nach oben, meine Schrift verschwamm auf der Glasscheibe und lief in kleinen Strömen zu Boden, zu meinen kleinen Füßen. Ungeduldig strich ich mir eine meiner weißen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Sie gingen mir bloß bis zum Kinn. Kastanienbraune Augen und besonders lange Wimpern vervollständigten ein Gesicht der Unschuld, wie ich es in der spiegelenden Wand sah. Allgemein ein hübsches Kind sah ich dort, doch die vier armähnlichen Dinger auf meinem Rücken zerstörten das Bild. Sie waren fast durchsichtig, ein transparentes Weiß. Am Ansatz konnte man noch transparente Knochen sehen, die sich offenbar unsichtbar durch die ganzen Armdibstas wanden. Schlank und wendig, als wären sie aus einer Mischung von Gas und Flüssigkeit gewebt, ihre Bewegungen waren flüssig und wellenhaft. Ich konnte sie offenbar steuern, allerdings kam ich noch nicht ganz damit klar, weshalb ich sie möglichst bei mir behielt.
Ich verzog beleidigt das Gesicht, als mir niemand antwortete. Redet, ich weiß doch, dass ihr es könnt!


"Nummer 26 ist ein Baby, wie kann sie schon so weit entwickelt sein?", murmelte die Sekretärin nachdenklich und kaute auf ihrer Unterlippe herum.
"Professor Senters, was meinen sie?"
Der Schwarzhaarige zog grübelnd die Augenbrauen zusammen. Dann entspannten sie sich wieder und er meinte bloß: "Tey, lass' bitte Nummer 20 in den Raum"
Ein braunhaariger Mann an einem der vielen PCs drehte sich überrascht um.
"Nummer 20? Aber sie ist gerade in einem Experoment-"
"Dann brecht es ab!", fauchte Professor Senters und verzog gereizt das Gesicht.
"Ms Delta, bitte sprechen sie in der Zeit mit Nummer 26"
"W-was?", stammelte die Sekretärin und riss die Augen auf.
"A-aber..."
"Nicht persõnlich", beschwichtigte Senters sie und Ms Delta atmete beruhigt auf.
"Übers Mikrofon. Ich möchte wissen, ob das Kind sprechen kann"
"O-ok...", stotterte die Sekretärin und schluckte kurz, schaltete dann doch das Mikrofon ein.


"Ehm... Nummer 26, kannst du mich hören?"
Interessiert sah ich zu den Lautsprechern in den Ecken der Decke auf. Die hatte ich wohl glatt übersehen. Egal. Ich nickte knapp, um ihr zu verstehen zu geben, dass ich zuhörte.
"Gleich wird jemand mit dir Verstecken spielen-"
Meine Miene hellte sich sichtlich auf und ich nickte hastig, vielleicht sogar aufgeregt.
"und ehm...."
Jetzt hatte sie wohl den Faden verloren. Tja. Dumm muss man eben sein. Okay, es hatte nichts mit inzelligenz zu tun, aber ich brauchte etwas, wo ich meine Langeweile loswerden konnte.
"Das, ehm, wird leider einen Moment dauern"
Meine Augenbrauen zogen sich schmollend zusammen und ich schickte -so gut, wie es mir möglich war- meine Armdingstas aus, um mit dem Blut, welches langsam am Boden verkrustete, an die Wand zu schreiben:

Was spielen wir dann?

"Ehm... nichts, denke ich..."
Und urplötzlich schrie ich los. Heulte los, brüllte alle Schimpfwörter und Flüche, die ich je gehört hatte und schlug mit meinen Armdingstas aus.
"Ihre Vektoren! Passt auf die Vektoren au-"
Die Lautsprecheranlage brach ab, als meine Vektoren -so hießen diese Dingstas also- die Lautsprecher einschlugen und Scherben durch den Raum stoben. Wutentbrannt riss ich die Augen auf, Zornestränen rannen über mein eben noch unschuldiges Gesicht. Mit den Vektoren erhob ich mich in die Luft, sie arbeiteten als meine Füße. Ich brauchte mich nicht konzentrieren, meine Wut steuerte die Vektoren von allein. Mit zweu Vektoren blieb ich in der Luft, mit den anderen dreschte ich auf die Glasscheibe ein. Panzerglas, bemerkte ich, doch der erste Riss zog sich durch den Schutz der Menschen.
"ICH WILL ABER WAS SPIELEEEEN!!!!"
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