Tagebuch eines Diklonius

GeschichteÜbernatürlich / P16
19.06.2014
15.01.2016
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Mir ist kalt, trotz der Wärme, die Mama ausstrahlt. Ich kann schon die Augen öffnen, ich bin schon viele Monate hier drin. Vielleicht auch mehr. Wenn ich mich umsehe, erkenne ich den orangen Wall, der mich davor abhält, mich stark zu bewegen. Wie ich ihn hasse. Er hält mich davon ab, die Welt zu sehen, ich will endlich hier heraus. Leise Schritte sind draußen zu hören, ich lausche auf die gedämpften Stimmen. Jedes Wort dringt an meine Ohren, ich lerne aus ihnen. Ich weiß, wie ich sprechen kann, allerdings kann ich es nicht hier tun. Mama, hast du nicht genug gewartet? Ich will hier raus. Ich will die Welt sehen, in ihrer ganzen Vielfalt. Ach Mama, wenn du wüsstest, wie sehr ich hier raus will, hättest du mich sicher schon gelassen. Ich zucke zusammen. Eine erneute Welle der Kälte überzieht mich und ich höre die raue Stimme, die, die ich immer höre.
"Es ist Zeit. Wir müssen sie endlich auslöschen, sonst wird Nr. 26 uns alle zerstören."
Ich weiß nicht, wer diese Nummer 26 ist. Ich zumindest nicht, glaube ich. Ich heiße Yanade Hikaro. Und ich mag den Namen. Ich werde mich nicht umbenennen lassen. Außer... ich darf die Welt sehen. Egal. Eine andere Stimme ertönt.
"Warten wir noch eine Weile. Nummer 16 ist tot, doch Nummer 26 lebt trotzdem in ihrem Körper weiter, das ist doch unmöglich. Sie müsste längst an Hunger oder Kälte gestorben sein."
Ich ziehe die Augenbrauen zusammen, balle meine kleinen Hände zu Fäusten. Also bin Nummer 26 wirklich... ich...
Warum eine Zahl? Zahlen sind doch langweilig. Warum keine Farbe oder ein Muster? Doch mir bleibt keine Zeit zum überlegen, Müdigkeit überfällt mich. Wie oft war ich hier schon eingeschlafen. Ich weiß es nicht. Doch sobald ich draußen bin, sehe ich nach.

---------Zwei Stunden später-------

Laute Alarmglocken und grelles Licht, was in regelmäßigem Tempo durch den orangen Wall leuchtet, lassen mich aus dem Schlaf hochschrecken. Panische Stimmen und trampelnde Schritte nehme ich wahr, doch ich verstehe kein Wort in dem Tumult. Ach, wüsste ich bloß, was draußen los ist! Ich will hier raus! Meine kleinen Hände krallen sich an den Beinen fest, ich halte mir dir Ohren zu und kneife fest die Augen zusammen.


Die Menschen laufen aufgewühlt hin und her, die Alarmsignale schwellen durch den Saal und die weißen Wände spiegeln die grellen Lichtsignale wieder. Alle bringen sich in Sicherheit, Unmengen an Soldaten betreten stattdessen den Raum und stellen sich kampfbereit vor die Plattform. Dampf steigt rasch vom Eis auf, welches durch einen Fehler des Programmierers am Schmelzen ist und den schlanken Körper einer jungen Frau mit pinken Haaren und seltsamen Hörnern auf dem Kopf freigibt. Der Diklonius ist unter dem Namen Nummer 16 bekannt, der erste schwangere Diklonius der Weltgeschichte. Doch die Frau ist tot, der Körper wird zusammenbrechen, sobald er aufgetaut ist.
Hinter einer Panzerglasscheibe stehen die Laboristen dieser Station und beobachten haargenau das Geschehen. Ein Mann mit schwarzen Haaren tritt vor.
"Warum zielt ihr auf sie? Sie ist doch tot!", fragte seine Sekretärin vorsichtig und stelle sich dazu.
"Nummer 16 ist tot, das ist richtig. Aber sie ist auch nicht das Problem", antwortete der schwarzhaarige.
"Huh?", machte die Sekretärin.
"Es ist Nummer 26. Das Baby, welches Nummer 16 austrägt."
"S-sie meinen, Nummer 16 ist schwanger?!"
"Ja. Und der Intelligenzquotient von Nummer 26 liegt bei 364%."
"Ich verstehe...", die Sekretärin warf einen ungläubigen Blick auf den Diklonius, welcher tot in der Wasserlache lag.
"Richtig. Das ist der Grund, warum sie niemals geboren werden darf. Und im 12 Monat sah das Kind wie ein normaler Mensch aus, es wäre wohl auch einer geworden. Nach dem 58 Monat -so lange halten wir die Mutter schon eingefroren und somit das Kind in ihrem Bauch- sah man ein richtiges Skelett der Vektoren."
"Ein Skelett? Das heißt, wir können die Vektoren sehen!", stellte die Sekretärin fest.
"Richtig. Und genau da liegt das Problem. Wir wissen nicht, welche Veränderungen noch an dem Diklonius sind. Es ist vermutlich eine neue Generation."
Doch weiter kam er nicht. SPLASH. Machte es und rote, klebrige Flüssigkeit, vermischt mit Gedärmen und dem Gehirn des Soldaten, platschte gegen die Panzerglasscheibe. Die Sekretärin schrie entsetzt auf und rannte aus der Tür. Schüsse blitzten auf, Blut spritzte an alle Wände und schon bald war es wieder still. Doch der Satz, der von außen wie von Zauberhand durch das Blut geschrieben wurde, jagte allen Anwesenden einen Schauer über den Rücken, und wenn er doch so kindlich klang:

Spielt ihr mit mir Verstecken?
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