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Die Liebe ist ein Spiel ohne Gewinner

von Katja
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Gaius Claudius Glaber Illithya Lucretia Quintus Batiatus
18.06.2014
18.06.2014
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"Nun beeil dich Valeria, man erwartet uns bereits in der Loge!" polterte mein Onkel Taros Marinius von unten und ich zupfte ein letztes Mal unglücklich an der viel zu vornehmen, dunkelblauen Robe herum, in die mich zwei Sklavinen meines Onkels gesteckt hatten. Ich sollte mich vermutlich glücklich schätzen, schließlich hatte ich früher nie so feine Gewänder besessen, wie ich sie seit drei Tagen nun besaß.
Doch die Anstregungen der tagelangen Reise von Ancona hatten an meinen Kräften gezerrt und mich den Schmerz über den Verlust meiner gerade erst verstorbenen Mutter langsam vergessen lassen.
Nun jedoch war ich meinem Onkel und dessen politem Kalkühl ausgesetzt, mir war klar dass er mich so schnell wie möglich, um seine Position im Senat von Rom zu sichern, an den nächst besten verschachern würde. Und genauso war es auch gekommen, bereits einen Tag nach meiner Ankunft hatte er mir mitgeteilt, dass er gedenke mich an einen Halbwüchsigen namens Numerius zu verheiraten, Sohn eines Magistratus.
Meine Begeisterung dafür hielt sich in Grenzen. Ich wäre viel lieber in meiner alten Heimatstadt geblieben und hätte dort ein normales Leben geführt. Diesen ganzen Prunk und Reichtum brauchte ich nicht.
Mit wenig Begeisterung verließ ich mein Schlafgemach und durchquerte mithilfe einer Sklavin, die nicht besonders redselig war, das Gebäude bis zum Ausgang.
"Nun beeil dich doch!" rief mein Onkel abermals und scheuchte mich auf einen Pferdekarren, der uns zur Arena bringen würde.
Während der Fahrt erzählt er mir alles Mögliche über die Familie in die ich einheiraten sollte, doch mich störte der Gedanke, so schnell wie möglich wieder meinem Onkel zu entfliehen gar nicht mal so sehr. Ich war Sechzehn. Alt genug um mich nicht von einem alten Mann wie ihm, ständig durch die Gegend scheuchen zu lassen.
Vor der Arena herrschte bereits reges Gedränge und ich folgte meinem Onkel widerwillig, da ich wusste, dass hier Menschen zum reinen Vergnügen getötet wurden. Ich hatte erst einmal gesehen, wie ein Mensch getötet wurde, und das war damals ein gewöhnlicher Dieb gewesen, der auf dem Marktplatz erhängt wurde.
Wir stiegen unzählige Treppen hinauf und wanderten durch die Arcaden, bis wir endlich durch einen breiten roten Vorhang in unsere Loge traten.
"Ah Senator Taros Marinius, welch eine Freunde! Und gerade noch rechtzeitig vor der Eröffnung." Wurde mein Onkel begrüßt und ich lugte unsicher hinter seiner massigen Gestalt hervor.
"Verzeiht meine Verspätung Publius Verinius, meine Nichte ist wie jede Frau, eine Zeiträuberin, fürchte ich. Magistratus Claivuis, darf ich vorstellen - " Er trat einen Schritt zur Seite und zog mich näher auf einen weißhaarigen Mann zu, "- das ist meine Nichte Valeria." stellte er mich vor und auf sein Nicken hin neigte ich erfürchtig den Kopf.
"Die Freude ist ganz meinerseits. Mein Sohn Numerius." stellte er mich einem hagerem jungen Kerl vor, der noch nicht mal einen Bartansatz trug. War das sein Ernst? Der Grünschnabel war kleiner als ich und wirkte mehr wie ein Kind, als ein Mann. Und das er seinen Blick nicht aus meinem Ausschnitt heben wollte, machte das ganze auch nicht gerade besser.
"Ihr könnt neben der Spiele neben mir sitzen." erklärte er feierlich und weiterer Stuhl wurde von einem Sklaven in der vordersten Reihe aufgestellt. Na toll. Das wurde ja immer besser.
Ich nickte nur und hoffte, dass die Spiele der Arena nicht allzu lang dauern mögen.
"Also wirklich Marinius, warum habt ihr uns euere Nichte denn so lange vorenthalten. Sie muss unbedingt einmal auf ein Schwätzchen bei uns vorbeischauen!" schaltete sich eine Rothaarige ein, die mich ansah, wie eine Schlage das Kaninchen. "Aber aber Lucretia. Sie ist doch gerade erst in Capua angekommen." tadelte mein Onkel, jedoch mit einem wohlwollendem Nicken.
"Woher kommt sie denn?" fragte eine hübsche Blondine, die in edelstes rotes Gewand gehüllt war. Sie war sehr opulent mit Schmuck behangen und wirkte jedoch nur mäßig interessiert.
"Aus dem fernen Ancona meine liebe Illithya." erklärte mein Onkel, als könnte ich nicht für mich selbst sprechen. "Ancona?" Illithya rümpfte die Nase und begann dann, sich mit einem Fächer Luft zuzufächeln.
"Varinius, ist es nicht langsam Zeit die Spiele zu eröffnen?" meinte ein lächelndes braunhaariges Mädchen zu meiner Linken.
"In der Tat!" Der angesprochene, ein ziemlich attraktiver Mann in edler Robe erhob sich und brachte die tobende Menschenmenge mit dem Wink seiner rechten Hand zum schweigen.
"Ehrenwerte Bürger von Capua, ich präsentiere euch zu Ehren von Senator Taros Marinus die heutigen Spiele. Als erstes treffen der große Hektor, der Grausame aus dem Hause des Ludos von Solonis und drei elendige Hurensöhne aufeinander, die braven Bürgern das Geld aus den Taschen gestohlen haben."
Die Menge begann erneut zu toben und ein Tor wurde geöffnet, wo ein schwer bewaffneter muskulöser Mann hervortrat und sein Schwert probehalber hin und her schwang.
Dann wurde ein anderes Tor ein paar Meter weiter geöffnet und drei wenig eindrucksvolle Männer, die dreckig und zerzaust aussahen traten in die Arena.
"Wird Spatacus heute auch wieder antreten?" fragte Numerius neben mir einen Mann weiter hinten.
"Ja in der Tat." erklärte dieser, doch ich sah an seiner spöttischen Miene, dass er wenig begeistert über das Interesse von Numerius schien.
"Wer ist dieser Spartacus?" fragte ich der Form halber nach.
"Momentan der größte Gladiator im Römischen Reich. Erst neulich bei einem Fest mir zu Ehren hat er bei einem Schaukampf einen anderen Gladiator besiegt und getötet." erklärte Numerius eifrig. Der Kleine schien sehr viel vom Töten zu halten. Mir drehte sich der Magen um.
"Aber wenn es ein Schaukampf war, warum hat er seinen Gegener dann überhaupt getötet?" fragte das braunhaarige Mädchen.
"Natürlich auf meinen Befehl hin!" Stolz grinste Numerius vor sich hin, während die Braunhaarige aufgeregt mit ihrem Sitznachbaren zu tratschen begann.
"Beginnt!" Rief der Redner und der Gladiator ging auf die mehr als unterlegenen Männer los.
Den ersten Mann jagte er sein Schwert direkt in den Oberschenkel, während er den zweiten in die Brust stieß und den dritten schließlich nach weiteren qualvollen Minuten den Kopf abtrennte und der Menge entgegenhielt.
"Sind dies die ersten Gladiatorenkämpfe für euch?" fragte mich Varinius und ich nickte.
"Für einen Gladiator gibt es nichts ruhmreiches und ehrenwertes als einen Sieg." erklärte er mir. "Aber sind diese Männer den Gladiatoren nicht ganz und gar unterlegen?" fragte ich vorsichtig.
"Ja in der Tat, doch für ihre Taten verdienen sie keinen besseren Tod." meinte er und lächelte mich milde an.
Er war wirklich ein schöner Mann und bei im klang das alles sehr viel vernünftiger als bei Numerius.
"Wie recht ihr habt!" schaltete sich das braunhaarige Mädchen erneut ein und verwickelte ihn in ein belangloses Gespräch über eine anstehende Festlichkeit im Hause des Batiatus, wer auch immer das war.
"Varinius ihr müsst uns heute Abend mal wieder einen Besuch abstatten, mein Vater brennt darauf sich mit euch über die Entwicklungen im Senat von Rom zu unterhalten!" wandte Illithya dessen Aufmerksamkeit nun auf sich, und ich sah amüsiert zwischen ihr und der Braunhaarigen hin und her. Okay, den Beiden kam ich wohl besser nicht ins Gehege.
"Ich dachte dein Vater wollte uns heute Abend ebenfalls empfangen?" fragte der Mann in prächtiger Uniform neben Illithya.
"Natürlich. Doch er und Varinius haben sicherlich sehr viel mehr Politisches zu besprechen im Moment." erklärte sie, und wandte sich lächelnd erneut Varinius zu.
Kurz trafen sich mein Blick und der von Illithyas Sitznachbaren und in seinem Kopf schien es zu arbeiten. Ich schätzte ihn auf Varinius Alter, und er war ebenfalls als gutaussehend zu bezeichnen, auch wenn der harte Zug um seinen Mund, ihn irgendwie unnahbar wirken ließ.
"Wäre es nicht ebenso eine Freude Senator Marinius ebenfalls zu empfangen?" fragte er an Illithya gewandt. Offensichtlich handelte es sich um einen Verwandten von ihr, sonst hätte er bestimmt nicht so forsch mit ihr reden dürfen.
"In der Tat, eine wunderbare Idee." Sie wandte ihr Augenmerk nun meinem Onkel zu und dieser nahm die Einladung nur zu gern an.
Mein Blick kehrte zurück zum Geschehen in der Arena, wo sich drei weitere Männer bekämpften und beim Gnadenstoß auf den Rücken wandte ich mich angeeckelt ab.
Mein Magen begann zu rebellieren, also versuchte ich mich zu beruhigen, in dem ich den Gästen der Loge erneut meine Aufmerksamkeit schenkte und blieb erneut an dem uniformierten Mann neben Illithya hängen.
Er wirkte höchst angespannt und verstimmt.
Als sich unsere Blicke erneut trafen wandte ich schnell erneut meinen Blick ab.
 
 
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