A Cure for Boredom

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Dr. John Watson Sherlock Holmes
17.06.2014
01.08.2015
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17.06.2014 3.735
 
Autorisierte Übersetzung der Geschichte A Cure for Boredom von emmagrant01

Link zum Original: http://archiveofourown.org/works/335385/chapters/542163
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„Entscheidungen über Entscheidungen.“ John Watson runzelte die Stirn, als er zwischen den Joghurtbechern, die er in den Händen hielt, hin und her sah. Er sollte einfach irgendeinen Joghurt wählen. Sherlock würde sich so oder so beschweren.

„Nehmen Sie den griechischen“, sagte eine Stimme zu seiner Linken. Er drehte den Kopf, gerade als ein Schopf kastanienbraunen Haares an ihm vorbei fegte, um einen Joghurt aus dem Regal vor ihm zu nehmen. Sie lächelte, als sie ihn in ihren Korb legte. Die sanften Fältchen um ihre blauen Augen kräuselten sich auf eine Weise, die ihn immer innehalten und erneut hinsehen ließ.

„Bevorzugen Sie den?“, erwiderte er und glitt mit geübter Leichtigkeit in den Flirtmodus.

„Sie sollten ihn mit Honig probieren.“ Mit ihrer linken Hand warf sie das Haar über ihre Schulter. Mit mehr als ein bisschen Enttäuschung erhaschten seine Augen das Aufblitzen eines goldenen Ringes.

„Honig?“

„Es ist himmlisch.“ Sie befeuchtete ihre Lippen und lächelte und seine Hoffnungen loderten wieder auf. Vergeben, aber trotzdem interessiert. Er war fast verzweifelt genug, in Erwägung zu ziehen, darauf anzuspringen und eine Affäre zu werden.

Fast.

„Danke, ich werde es probieren“, sagte er und sah weg, als er den Becher Danone zurück auf das Regal stellte. Sein Handy vibrierte in dem Augenblick, als er den griechischen Joghurt in seinen Korb legte und er griff in seine Tasche, um es herauszuholen.

Falsch. -SH

„Was zum –“ Sein Blick ging nach oben und scannte die Decke nach Sicherheitskameras. Sherlock konnte das nicht gesehen haben. Das war nicht möglich.

Seine Möchtegern-Affäre war ein paar Schritte weiter gegangen und durchsuchte die Sahne Auswahl. Sogar John erkannte, dass sie sich nur die Zeit vertrieb, während sie darauf wartete, dass er ihr folgte. Er warf ihrer Hand einen erneuten Blick zu, nur um zu erkennen, dass sie den Ehering in der Zwischenzeit abgenommen hatte. Definitiv interessiert. Er seufzte und tippte mit seinem freien Daumen auf den Tasten seines Handys.

Der griechische Joghurt oder die verheiratete Frau?

Nein, du lagst falsch. -SH

John rollte mit den Augen. Als wenn das was neues wäre. Er hielt einen Moment länger inne und starrte auf sein Handy.

Sie würde nur eine schnelle Nummer wollen, wahrscheinlich nicht mehr. Sie kannte vielleicht einen Ort, wo es schnell und dreckig ging und sie würden sich danach nie wieder sehen. Zwei Gänge weiter waren Kondome, die er noch hier kaufen könnte. Er riskierte einen Blick in ihre Richtung und sah, dass sie ihn beobachtete. Sie lächelte, neigte ihren Kopf ein Stück. Sie passte nicht in sein übliches Schema. Sie war stylisch und selbstsicher, größer als er und vermutlich fast so alt wie er. Da war nichts mädchenhaftes oder schüchternes in dem Blick, den sie ihm zuwarf. Keine Spur von Unschuld. Was sie wollte war klar. Es war überraschend heiß.

Das Handy in seiner Hand vibrierte.

Komm jetzt nach Hause. Wichtig. -SH

Er steckte sein Handy zurück in die Tasche und seufzte. Von Sherlock die Tour vermasselt. Wie immer. Vielleicht war das auch besser.

Er lächelte höflich und zuckte mit den Schultern, bevor er sich umdrehte und in die entgegengesetzte Richtung ging. Sie folgte ihm nicht. Halb wünschte er sich, sie würde ihn am Arm fassen, aus diesem Laden ziehen, in eine dunkle Ecke leiten und gegen die Wand drücken und–

Er drückte die Knöpfe der Chip und Pin Maschine etwas doller, als es wirklich nötig gewesen wäre. Warum konnte er keine Pause bekommen? Nur dieses Mal. Er sah noch einmal zurück, bevor er den Laden verließ, aber sie war nirgends zu sehen. Er ging aus der Tür. Allein.

~*~

Rückblickend hätte er nicht überrascht sein sollen, dass er Sherlock auf dem Sofa liegend und an die Decke starrend vorfand, den Morgenmantel fest um sich gewickelt. Genau in der Position, die er bereits hatte, als John gegangen war.

John stellte die Einkaufstüte auf dem überladenen Küchentisch ab und seufzte. „Also?“

„Du lagst falsch.“

Sherlocks gelangweilte Stimme begann, an Johns letzten Nerven zu kratzen. Es war Wochen her, seit sie einen richtigen Fall hatten und seit dem hat Sherlock alles andere abgelehnt. Er hatte die Wohnung seit drei Tagen nicht verlassen. Vermutlich nicht mal das Sofa.

John zwang sich selbst zur Geduld, als er die Wohnung durchquerte und vor Sherlock zum stehen kam. Er verschränkte die Arme über seiner Brust. „Ich verstehe, ich liege häufig falsch, aber es würde helfen, wenn du ein wenig spezifischer wärst.“

Sherlocks Miene war ein leicht empörtes Funkeln. „Ich habe dir gesagt es wird nicht funktionieren und das hat es auch nicht.“

Vollkommen verwirrt runzelte John die Stirn. „Ich habe keine Ahnung, wovon du redest.“

Sherlock rollte mit den Augen und ruderte dramatisch mit seinen Armen über der Sofalehne. „Ich sagte, ich sei gelangweilt und du sagtest, ich solle die Klappe halten und mir einen runterholen, so wie ein normaler Mensch.“

John spürte, wie sich seine Augenbrauen praktisch von alleine anhoben. Tatsächlich hatte er das gesagt. Kurz bevor er die Treppen heruntergestürmt war, um frische Luft und Abstand von Sherlocks alles verzehrendem Wutanfall der Langeweile zu bekommen.

„Darum geht es hier?“ Er entdeckte ein zerknülltes Taschentuch auf dem Boden neben dem Sofa. „Du hast wirklich … auf dem Sofa, Sherlock?“

„Ja. Ich war auf dem Sofa. Wo hätte ich es sonst tun sollen?“

„In deinem Schlafzimmer? Irgendwo, wo ich nicht sitze, vielleicht?“

Sherlock warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Du masturbierst jeden Morgen in der Dusche, die wir uns teilen.“

„Woher weißt du –“, begann John und hob dann eine Hand. „Nein, egal. Ich will nicht wissen, woher du das weißt.“

„Das ist ganz offenkundig. Du –“

„Ich sagte, ich will es nicht wissen!“ John ließ sich in den Sessel fallen und presste eine Hand gegen seine Stirn. Stille breitete sich für einen langen Moment zwischen den beiden aus.

„Jedenfalls, du lagst falsch.“

John biss sich auf die Innenseite seiner Wange, um sich vom Antworten abzuhalten. Er sah zu Sherlock herüber, der mit einem merkwürdig unbehaglichen Ausdruck zur Decke starrte.

„Na schön, ich beiße an. Womit genau lag ich falsch?“

„Du sagtest es würde helfen, aber es hat nicht funktioniert.“

John machte eine Pause. „Wenn du sagst, es hat nicht funktioniert, meinst du, du konntest nicht …“ Er machte eine vage Geste mit seinen Händen.

„Mach dich nicht lächerlich. Ich bin durchaus in der Lage zu masturbieren, auch wenn ich es nicht so häufig praktiziere wie du.“

John schmunzelte. Persönliche Angriffe bedeuteten, dass er nahe am wirklichen Problem war. „Also du warst in der Lage –“ Er machte eine Pause, wählte seine Worte vorsichtig. „– zu einem Orgasmus zu kommen?“

Eine Hand fiel auf Sherlocks Gesicht. „Natürlich, auch wenn es keinen Unterschied macht. Immer noch völlig gelangweilt. Tatsächlich fühle ich mich nur schlechter als zuvor. Darum mache ich mir für gewöhnlich gar nicht erst die Mühe.“

Das ging schnell in den Richtung für zu viele Informationen, aber Johns Neugier war geweckt. „Ich war nicht sicher, ob du überhaupt masturbierst. Wie oft? Und ich frage dich als dein Arzt, nicht als dein … Freund.“

Für einige Sekunden schwieg Sherlock und John fragte sich, ob er eine Grenze überschritten hatte. In dem Jahr, seit sie sich kannten, haben sie nie über Sex geredet. Nun, das war nicht ganz richtig. Sherlock hat nie ein Wort über Sex verloren; John hatte seinen Mangel daran in vielen Fällen beklagt.

„Ein Mal im Monat oder so“, sagte Sherlock schließlich, seine Stimme ungewöhnlich fest. „Immer, wenn ich mit einer Erektion erwache, die nicht verschwinden will.“

„Und das geschieht nur ein Mal im Monat?“ John schaffte es beinahe, die Überraschung aus seiner Stimme zu verbannen.

„Wie ich dir bereits mehrfach gesagt habe –“, er wedelte mit seiner Hand über seinem Bauch, „– nur eine Hülle.“

„Eine Hülle, die du viel zu sehr vernachlässigst.“ John richtete sich im Sessel auf und lehnte sich nach vorn, die Ellenbogen auf den Knien. Ein Vortrag über gesundheitliche Schäden bei vollkommener Abstinenz war vermutlich Zwecklos, aber es war deutlich, dass Sherlock etwas an der Sache beschäftigte. Das allein war genug für John, um weiter nachzuhaken. „Bist du nicht interessiert oder ist es nicht befriedigend?“

Sherlock ließ seinen Arm wieder zur Seite fallen. „Es ist stumpfsinnig.“

„Stumpfsinnig“, wiederholte John. Dann machst du was falsch.

„Ehrlich, John, wenn es so einfach wäre, meinen Kopf zu beschäftigen, glaubst du nicht, ich hätte mich nicht schon längst zur Besinnungslosigkeit selbst befriedigt?“

„Ich habe nur versucht, zu helfen. Mir hilft es, meinen Kopf zu klären, also dachte ich … Vergiss, was ich dachte.“ John stand auf, bereit, für eine Weile auf sein Zimmer zu gehen.

„Du denkst, ich mache es falsch.“

„Fragst du mich, ob ich dir helfe?“

„Oh, reizend. Ich soll dein Wissen in diesem Bereich zur Rate ziehen? Bitte, John, hilf mir, zu lernen, wie ich mir unter der Dusche einen runterhole, dass es so professionell wie bei dir ist.“

„War da unter dem ganzen Sarkasmus auch ein Ja oder war das bloß ein verpiss dich? Ich kann es nicht sagen.“

Sherlock war für einen Moment still. „Wenn du magst, ja. Ich nehme an, es kann nicht schaden.“

John holte tief Luft und stieß sie wieder aus, in dem Versuch sich zu entscheiden, ob er diese Konversation wirklich führen sollte. Immerhin waren das gar nicht seine Sorgen. Wenn er es schon nicht schaffte, dass Sherlock täglich etwas aß, war es unwahrscheinlich, dass er ihm hiermit helfen konnte. Aber so nahe an eine Bitte nach Hilfe, war Sherlock noch nie gekommen. John setzte sich wieder in seinen Sessel. „Na schön. Woran denkst du, während du masturbierst?“ Er zuckte zusammen und korrigierte hastig: „Du musst keine Details geben. Ich meine nur im Allgemeinen.“

Sherlock wandte John sein Gesicht zu. Offenbar hatte er entschieden, dieses Gespräch ernst zu nehmen. „Worüber ich sonst auch nachdenke. Alles.“

„Du denkst tatsächlich über Fälle nach, während du masturbierst?“

„Experimente, Bücher, die ich lese, Promi Tratsch, Redoxreaktionen bei –“ John lachte, bevor er sich selbst davon abhalten konnte und Sherlocks Ausdruck verdüsterte sich. „Worüber sollte ich sonst nachdenken?“

„Die meisten Menschen denken an Sex. Sie fantasieren über jemanden, auf den sie stehen. So was eben. Oder sie sehen sich Pornos an.“

Sherlock verengte seine Augen. „Das hilft?“

Oh mein Gott. John presste seine Lippen zu einem schmalen Lächeln zusammen. „Definitiv.“

„Woran denkst du?“

Johns Gesicht erhitzte sich und sein Blick ging zu Boden. „Ich stelle mir vor, ich wäre mit jemand anderem zusammen, dass es die Hand einer anderen Person ist oder … der Mund.“ Er räusperte sich  und sah zurück zu Sherlock, der ihn mit dem gleichen Interesse betrachtete, das er sonst ausschließlich für frische Leichen hatte.

„Wer?“

„Das variiert. Da war eine Frau bei Tesco, die ziemlich wahrscheinlich einen Auftritt in meinen Gedanken haben wird.“

„Die verheiratete?“

John nickte und sah aus dem Fenster, wo das Licht bereits schwand.

„Was wirst du über sie denken?“ Sherlocks Stimme war leise, zurückhaltend.

John holte abschätzend Luft. Das war unbekanntes Territorium für sie, aber es war ein Schritt zu so etwas wie einem normalen Gespräch zwischen Kumpeln. Nun, vielleicht nicht für Männer in ihrem Alter, aber was dieses spezielle Thema anging, schien Sherlock in seinen Tennager Jahren stecken geblieben zu sein. Und nach Johns Dienstzeit in der Army, war er nicht mal sicher, was eine normales Gespräch zwischen Männern über Sex überhaupt darstellte.

„Also, ich würde zuerst daran denken, wie sie aussah: langes, rötlich braunes Haar und blaue Augen und ein straffer Körper. Als würde sie täglich Fitness machen und ist vermutlich stärker, als du denkst.“ Die Fantasie begann sich in seinem Kopf weiterzuspinnen und er lächelte. „Gott, wie sie mich angesehen hat. Als wenn sie mich da raus schaffen und in eine dunkle Gasse bringen wollte, mich vielleicht gegen die Wand pressen und grob küssen. Dann würde sie auf ihre Knie gehen und mir einen blasen, aber wenn ich zu nahe dran bin, würde sie stoppen.“ Seine Augen verloren für einen Moment ihren Fokus. „Und ich würde sie wieder auf ihre Füße ziehen und ihren Rock hochschieben – kein Slip – und sie gegen die Wand pressen, ihre Beine um meine Taille und –“ Er stoppte und atmete zitternd ein. Seine Hosen wurden eng. „Du weißt, was ich meine.“

Er hörte Sherlock langsam ausatmen, so wie ein langes, tiefes Seufzen. „Ja.“

John konnte sich nicht dazu überwinden ihn anzusehen. „Nun. An dieser Stelle werde ich einfach …“ Er stand auf und versuchte seinen Schwanz so subtil wie möglich in seiner Hose umzupositionieren. „Nach oben gehen und mich umziehen.“

Er musste nicht hinsehen um zu wissen, dass da ein Schmunzeln in Sherlocks Gesicht war, als er das Wohnzimmer verließ. Er nahm zwei Stufen auf einmal und schloss die Schlafzimmertür hinter sich. Er öffnete seine Hose und ließ sich mit dem Rücken aufs Bett fallen, versuchte dabei, nicht daran zu denken, dass Sherlock genau wusste, was er gerade tat und sich, wenn John wieder nach unten kam, wahrscheinlich kein Kommentar verkneifen könnte.

~*~

Er war gerade sauer genug, um Probleme beim Öffnen der Tür zu 221B zu haben, aber nach ein wenig Gefummel schaffte er es schließlich. Es war so spät, dass er um Mrs. Hudsons Willen, versuchte leise zu sein und auf Zehenspitzen die Treppen hinaufstieg. Mit der Hand auf der Klinke stoppte er und lauschte, ob Sherlock sich regte.

Außer ein schwaches Leuchten, das vom Sofa kam, war der Raum dunkel. Trotz der späten Stunde, war John nicht überrascht, Shelock an einem Ende sitzen zu sehen. Beine unter ihm gefaltet, Morgenmantel locker um sich gewickelt und auf einem Knie den Laptop balancierend, der sein Gesicht beleuchtete. Er war so eingenommen von dem Bildschirm, dass er nicht mal aufsah, als John vor ihm zum Stehen kam.

John besah sich die zahllosen benutzen Taschentücher auf dem Boden und versuchte sofort an etwas – irgendetwas – anderes zu denken. „Stamford lässt grüßen.“

Nach einem Moment, als Sherlock nicht antwortete, bemerkte John, dass Geräusche aus dem Laptop drangen. Ziemlich deutliche Geräusche sogar. Und wenn er genau hinsah, erkannte er , dass das sein Laptop war.

Er setzte sich neben Sherlock auf das Sofa und starrte auf den Bildschirm. Zwei junge Frauen mit absurd großen falschen Brüsten kraulten einander, gaben sich feuchte Küsse und machten Geräusche, die John noch nie einer Liebhaberin entlocken konnte. Er brauchte einen Moment, bevor er es schaffte, zu sprechen.

„Warum siehst du dir Pornos an meinem Laptop an?“

„Ich wollte nicht riskieren, meinen mit einem Virus zu infizieren.“

„Aber es ist in Ordnung, bei meinem dieses Risiko einzugehen?“ Er wollte bissiger klingen, aber als eine der Frauen die Schenkel ihrer Partnerin öffnete und ihre bloße Vagina fingerte, war er ein bisschen abgelenkt.

„In Anbetracht dessen, dass ich ausschließlich Seiten aus deinem Internetverlauf besucht habe, bezweifle ich, dass irgendwelche neuen Schäden hinzugekommen sind.“

Für einen Moment saßen sie still. Beide von einer extremen Nahaufnahme in den Bann gezogen, von einer rosafarbenen Zunge, die enthusiastisch über eine angeschwollene Klitoris leckte.

„Richtig“, sagte John schließlich. „Wie lange genau schaust du jetzt Pornos?“

„Wie spät ist es?“

„Fast Mitternacht.“

„Acht Stunden. Mehr oder weniger.“

Es dauerte drei Sekunden für die Wörter, in Johns Gehirn verarbeitet zu werden. An dieser Stelle brachte er es endlich fertig, seine Augen vom Bildschirm zu wenden und Sherlock anzusehen. „Acht Stunden durchgängig?“ Das erklärte die Taschentücher. „Du solltest Gleitgel verwenden. Das scheuert irgendwann zu sehr.“

Sherlocks Hand griff zur Seite und er hielt eine kleine Tube hoch.

John entriss es, mit einem Stirnrunzeln, aus seiner Hand. „Wo hast du das her?“

„Dein Zimmer, Nachtschrank. Bringt dir das irgendetwas? Ich finde es etwas langweilig, um ehrlich zu sein.“

„Ich habe dir gesagt, du sollst nicht in mein Zimmer gehen, Sherlock“, murrte John, auch wenn es Zwecklos war.

„Hmmm.“ Sherlock zog seinen eigenen Computer vom Sofa auf dem Platz neben sich, öffnete ihn und balancierte den Laptop auf seinem anderen Knie. Der Bildschirm flackerte auf und zeigte eine umfangreiche Excel Tabelle an.

„Was ist das?“, fragte John und schielte auf den Bildschirm. „Oh Gott. Sag nicht, das ist ein Experiment.“

„Natürlich ist es das.“ Sherlocks Finger tanzten auf eine Weise über die Tastatur, die John nur beneiden konnte. „Ich behalte so den Überblick über zwanzig verschiedene Variablen, die Reaktionen auf sexuelle Stimulation hervorbringen.“ Er machte eine Pause und sah kurz zu John. „Einundzwanzig, eigentlich. Bislang ist dies –“, er zeigte mit einem Kopfnicken auf Johns Laptop, „– Rang Letztes“

„Nach acht Stunden solltest du ziemlich desensibilisiert sein, weißt du. Berücksichtigst du das?“

Sherlock sah stirnrunzelnd auf den Bildschirm. „Interessant. Ich werde es berücksichtigen.“ Er klappte den Laptop zu und legte ihn beiseite, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf Johns Computer richtete. Er pausierte das Video und klickte einen anderen Tab im Browser an. Ein weiteres Video wurde abgespielt. Dieses Mal wurde ein erschreckend großer lilafarbener Dildo gezeigt, der in den After, einer Person von nicht definierbarem Geschlechts, geschoben und wieder herausgezogen wurde.

John spürte ein vertrautes Ziehen in seinen Lenden. „Das … sieht unbequem aus.“

Das Gestöhne vom Soundtrack, war deutlich von einer Frau. Eine Schlussfolgerung, die sich bestätigte, als der Winkel der Kamera sich änderte. Der Dildo wurde entnommen und ein enormer, erigierter Schwanz wurde sichtbar und presste einfach in den Hintern der Schauspielerin. Das rhythmische Grunzen und das Geräusch von Haut, die auf Haut traf, war sehr hypnotisierend.

Sherlock schloss den Tab ein paar Minuten später und öffnete einen anderen. Dieses Mal Doppel Penetration und dann, eine Minute später, öffnete er einen Tab, wo einer Frau ein massiver Schwanz in die Kehle geschoben wurde. Es war wie Porno surfen. Immer nur Ausschnitte von sexuellen Praktiken ohne Kontext und fast ohne Gesichter – reines, fleischliches Ficken.

Es war unglaublich dreckig. John war steinhart.

Sherlock klickte sich durch einige Videos von gefesselten, geknebelten und gepeitschten Personen und John fragte sich, ob er dabei an Irene Adler dachte, wenn er das sah. Verdammt, John fragte sich, ob Sherlock überhaupt an etwas dachte, neben all den Daten, die er sammelte.

Als nächstes war ein in Leder bekleideter Mann zu sehen, der seinen Schwanz von einem sehr androgynen und kaum volljährigen Mädchen gelutscht bekam und John konnte nicht mehr länger an sich halten. Er nestelte am Verschluss seiner Jeans und schob eine Hand in seine Hosen. „Stört es dich?“, fragte er mit einem schnellen Blick zu Sherlock. Seine Stimme war viel rauer, als er erwartet hatte.

„Natürlich nicht“, sagte Sherlock, sein Blick auf den Bildschirm fixiert.

John hob seine seine Hüften an und schob seine Jeans und die Unterhose weit genug herunter, um seinen Schwanz herauszuholen und unter seinem Hemd in die Hand zu nehmen. Das würde nicht lange dauern.

„Du magst das?“, fragte Sherlock. Sein Ton war beiläufig, aber da war ein unverkennliches Stocken in der Mitte des letzten Wortes.

„Erstaunliche Deduktion.“ Er würde ihm später die ganzen nicht sprechen Regeln erklären müssen. Gott, dieses Mädchen hatte eine talentierte Zunge.

„Und du –“

„Halt die Klappe“, sagte John. „Analysiere das später.“

Gott, dieser Mund. Es war so lächerlich lange her, seit sein Schwanz in dem Mund von irgendjemanden war. Er griff nach dem Gleitgel, wobei seine Finger Sherlocks Bein streiften, und drückte etwas aus der Tube heraus, bevor er Hand an sich selber legte. Oh, das war viel besser.

Er sah dem Mann zu, wie er eine Handvoll kurzes Haar nahm und begann, den Mund des Mädchens grob zu ficken. Tatsächlich war er gerade dabei anzunehmen, dass es eigentlich ein Junge war und einen Moment später wurde ihm das auch bestätigt. Es kümmerte ihn nicht. Gott, heiße Blow Jobs waren heiß.

Eine Bewegung in seinem Augenwinkel zog seine Aufmerksamkeit auf sich und er wandte seinen Blick gerade weit genug vom Bildschirm ab, um zu sehen, das Sherlock seine Hand rhythmisch im Inneren seines Morgenmantels, der über seinen Schoß fiel, bewegte. Johns Gehirn hörte beinahe auf zu funktionieren – theoretisch wusste er, dass Sherlock einen intakten Penis hatte, aber jetzt hatte er das dringende Bedürfnis, den Stoff wegzuziehen und sich selbst davon zu überzeugen. Allein der Gedanke an Sherlock neben sich, der sich selbst berührte, während sie Pornos – schwulen Pornos – sahen, brachte ihn beinahe um den Verstand.

Seine Bewegungen wurden schneller und er ließ seinen Kopf nach hinten auf die Sofakissen sinken. Sein Hemd bedeckte nicht länger seinen Schwanz, aber es kümmerte ihn einen Scheißdreck. Er konnte Sherlock neben sich atmen hören, musste aber die Augen schließen, um sich vom Hinschauen abzuhalten. Auch wenn es seinen Kopf nicht davor bewahrte, es sich vorzustellen. Was ihn kaum bestürzte.

Der Mann auf dem dem Bildschirm kam mit einem lauten Brummen. John biss sich auf den Handballen, drehte seine Finger ein letztes Mal und – ja, Jesus, verdammt, oh. Er stöhnte gegen seine Hand, als er kam und gab sein Bestes, nicht wie ein kompletter Idiot zu klingen. Ein gedämpftes Seufzen zu seiner Linken zeigte ihm, dass er mit der Befürchtung nicht alleine da stand. Er sank weiter in die Kissen und atmete aus, als er wieder zu sich kam. Er grinste zur Decke auf, sein Kopf war benebelt und sein Körper fühlte sich leicht an.

Ihm wurde die Taschentuchbox gereicht.  

„Danke“, sagte er, nahm sich eines und begann damit, sein Hemd abzutupfen. Es war hoffnungslos, also wischte er sich letztendlich nur die Hand ab und warf das Taschentuch zu den anderen auf den Boden. „Und, wie war es?“ Er drehte sich mit einem Grinsen zu Sherlock, der schnell wegsah. Mit einem Ruck zog John sein Hemd über seine Leistengegend, streckte sich dann und gähnte ausgiebig. „Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich denke, ich werde heute Nacht gut schlafen.“

Sherlock beschäftigte sich schon wieder mit seinem Computer und antwortete nicht.

John unterdrückte ein Seufzen. Das hatte wahrscheinlich, nein, mit Sicherheit, etwa acht Grenzen überschritten, denen sie sich zuvor nicht mal genähert hatten. Er hatte keine Ahnung, ob Sherlock überhaupt Erfahrung mit Sex hatte – verdammt, er wusste nicht mal, ob der Kerl schwul oder hetero oder etwas anderes, alles zusammen war. Und um ehrlich zu sein, war das nicht gerade ein heterosexueller Moment gewesen für John und das sagte viel aus, wenn man es genau bedachte.

Besonders wenn man darüber nachdachte, dass er es sich seit langem nicht mehr so gut selbst besorgt hatte.

„Ich geh ins Bett.“ Er stand auf, streckte sich und wollte, dass Sherlock ihn ansah.

Er tat es nicht. Er wünschte ihm nur flüchtig eine gute Nacht. Als wäre nichts passiert.

„Richtig“, sagte John. Sie sollten wahrscheinlich darüber reden, aber nicht jetzt. „Gute Nacht.“

Er war dankbar für den milden Alkoholpegel in seinem Blut, als er sich ins Bett legte. Es würde noch schlimm genug werden, wenn er wieder nüchtern war. Kein Grund, sich die Nachtruhe jetzt schon zu verderben.
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