Päpstin Magdalena?

GeschichteTragödie / P12
Johanna von Ingelheim
13.06.2014
19.06.2015
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Hallo Leute,
dies ist meine erste FF, die etwas mit Religion zu tun hat. Ich werde versuchen, zu hinterfragen, ohne politisch unkorrekt zu werden oder irgendwelche Gotteslästerungen zu begehen (außer jenen, die die in der FF handelnden Personen vielleicht begehen werden - weiß ich noch nicht so genau), aber leider kann ich nichts versprechen.
Ich hoffe, dass die Story gefällt und dass ich dafür Reviews bekomme.
Achja, der Titel des Prologes bedeutet übersetzt "Am Anfang war das Buch"
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Kapitel 1:
„Magdalena, es ist schon halb zwölf und morgen hast du Schule. Mach endlich das Licht aus und geh' schlafen!“; die Stimme ihrer Mutter hatte jenen unverwechselbaren Unterton, der jedem Kind klarmacht, das jede Art von Widerspruch zwecklos ist. Und doch war ihr Buch gerade so fesselnd, das sie nicht wagte, es beiseite zu legen.
„Aber Mama, Johanna hat gerade eine Prozession. Ich will wissen, was passiert. Außerdem sind es sowieso nur noch zwanzig Seiten. Dafür brauche ich höchstens zehn Minuten.“; ihre Hoffnung war nicht groß, doch wenn es nur die Chance der Möglichkeit gab, dass ihre Mutter nachgab, war es Magdalena deren Zorn wert.
Zu ihrer Überraschung nickte ihre Mutter; „In einer Viertestunde komme ich wieder. Dann ist das Licht aus!“, sagte sie streng und verlies Magdalenas Zimmer.
Jene vertiefte sich sofort wieder in ihr Buch.
Als ihre Mutter eine Viertelstunde später nachsah, war tatsächlich das Licht aus.
Doch auch, wenn sie sich alle Mühe gab, schlafen konnte Magdalena noch lange nicht. Beinahe wünschte sie sich, sie hätte das Ende des Romane auf Morgen verschoben. Doch so lag sie noch lange wach und grübelte.

Auch am nächsten Tag in der Schule konnte sie sich nicht auf den Unterricht konzentrieren. Das Ende des Romans hatte ihr sehr zu Denken gegeben. Johanna hatte während ihrer Prozession eine Fehlgeburt erlitten und war an den Folgen gestorben. Im 9. Jahrhundert, der Zeit, in der der Roman spielte, war dies an und für sich nicht ungewöhnlich. Doch dass der Papst eine Fehlgeburt bekam und sich so als Päpstin entpuppte, war bis in die heutige Zeit ein einmaliges Ereignis geblieben. Warum eigentlich?
„Magdalena? Kannst du bitte wiederholen, was ich gerade sagte?“; erschrocken blickte sie auf und sah in das Gesicht ihres Geschichtslehrers.
„Oweia.“, war das Einzige, was sie in diesem Moment denken konnte.
Sie hohlte tief Luft, um sich zu sammeln, bevor sie dem Lehrer offen ins Gesicht blickte und sagte: „Tut mir sehr Leid, Herr Doktor Historae, aber ich war ganz in Gedanken und habe leider versäumt, dabei Ihrem Unterricht zu folgen.“
Aus der letzten Reihe erklang leises Gekicher. „Olle Träumerin“, hörte sie jemanden sagen. „Johannes, kannst du widerholen, was ich gerade sagte?“, wandte sich Dr. Historae an den Übeltäter.
„Hä?“ machte der Angesprochene.
„Das heißt: 'Wie bitte?' !“, wies der Lehrer ihn zurecht, bevor er sich seufzend wieder an die gesamte Klasse wandte. „Nun, da Magdalena offenbar nicht die Einzige ist, die heute nicht bei mir ist, werde ich das ganze noch einmal wiederholen. Aber diesmal zum Mitschreiben!“
Die Klasse seufzte unisono. Dann griffen alle nach ihren Stiften und sahen Dr. Historae an.
„Ich sagte: Wer die Geschichte nicht kennt, ist gezwungen, sie zu widerholen.[1] Und in diesem Sinne wollen wir jetzt mit der Geschichte des römischen Kaiserreiches fortfahren.“
Doch Magdalenas Gedanken schweiften erneut ab. Wer die Geschichte nicht kennt, ist gezwungen, sie zu widerholen. Die Geschichte widerholen. Warum eigentlich nicht? Was wäre, wenn sich die Geschichte der Johanna widerholte? Wäre dies überhaupt möglich?

[1] Zitat nach Santayana
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