Nicht blond; brünett

KurzgeschichteHumor / P12 Slash
Dwalin Fili Kili Thorin Eichenschild
13.06.2014
21.07.2014
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Lee Pace war niemand, der sich sinnlos betrank. Im Gegenteil.
Er war ein intelligenter, junger (nachdenklicher; so schrecklich, das ließ sich einfach nicht abstellen) Mann mit Ambitionen und Zielen.
Doch Ambitionen und Ziele durften sich an diesem sehr frühen Morgen hinter einem brummenden Schädel anstellen, der sich anfühlte als würde er in einem Mörser in Gehirnkrümel zermahlen werden.
War er zu alt sich zu besaufen und sich die Hörner abzustoßen? Ja und nein.
Er tastete in dem fremden Bett nach jemanden (und er hoffte, dass er den jemanden wenigstens kennen würde), fand aber niemanden. Der Gedanken nicht alleine ins Bett gestiegen zu sein hatte sich jedoch in seinem zerschmetterten Schädel festgesetzt. Jedenfalls hatte er noch Socken an, ein gutes Zeichen, denn er zog seine Socken beim Sex aus. Immer.
Dafür fehlten jedoch alle seine anderen Kleidungsstücke.
Er setzte sich auf, schnaufend wie ein aufwachendes Walross, rieb sich die Stirn und wickelte sich fest in die Decke, denn ihm war ziemlich kalt.
Er befand sich in einem sehr chaotischen Trailer.
Das Gute? Er erinnerte sich tatsächlich ohne Lücken.
Er wusste noch wie er Aidan (der verdammt schwer war) huckepack getragen hatte. Wie Dean sich an einen Baum geklammert und lauthals nach „Oh großer Avalon“ gerufen hatte. Er selbst wie er- nein, das war nicht er gewesen. Das war sein Körper, der besessen war von einem randalierenden Dämon.  
„Komm und kuschel mit mir!“, hatte Aidan zu Dean gesagt und sich dann gegen eine Mauer gestemmt, „oder was dir sonst noch einfällt…“
Dean hatte sich in dem Moment einfach umgedreht und war gegangen, da er sich an dem gütigen Punkt der Betrunkenheit befand, an dem eh alles egal war.
Da hatte Aidan Lee am Kragen gepackt.
„Dann nehme ich dich mit.“
Ganz klar die verschwommene Erinnerung daran wie Lee schließlich in Aidans Bett gelandet war.
„Aidan?“, sagte Lee in den Raum hinein.
Da keiner antwortete, legte er sich einfach zurück in Aidans Bett und beschloss, dass er noch eine Runde Schlaf gut vertragen würde.
Doch genau in dem Moment landete etwas Schweres auf ihm, so schwer, dass es ihm sämtliche Luft aus den Lungen drückte, seinen Körper krümmte und ihn dazu brachte einen ächzenden Laut auszustoßen.
Er blinzelte (hing da ein Kronleuchter an der Decke, der ihm auf den Magen gefallen war?) und pustete sich eine Locke krauses Haar von den Lippen.
„Aidan?“, fragte er. Das war doch die einzige Möglichkeit, nämlich, dass der bescheuerte Aidan sich mit Anlauf auf ihn geschmissen hatte.
Doch da richtete sich der jemand auf, beide Hände ungeniert auf seine blanke Brust gedrückt und starrte ihn sehr intensiv und ein bisschen unheimlich an.
„Rich?“, Lee schüttelte den Kopf, „äh…“
Mehr fiel ihm nicht ein.
Richard in der Maske des Thorin. Was ja an sich nichts Außergewöhnliches war. Doch warum zur Hölle das ganze um 3:00 morgens und warum ausgerechnet auf seinem Bauch?
Der Blick wurde noch stechender, noch bohrender und dann:
„Elbenhexer!“
„Wer?“
„Verfluchter Elbenhexer!“, der verkleidete Richard rappelte sich auf, sprang vom Bett und schien nach etwas in seiner Kleidung zu suchen.
Lee kniff die Augen zusammen.
War Richard geschrumpft?
Ja, er selbst war recht groß, aber doch nicht so viel größer.
Richard erschien ihm plötzlich winzig. Wie ein…Zwerg.
Plötzlich ertönten zwei dumpfe Geräusche.
„WAAAAAAHHHH!!“, das war Aidan, zweimal Aidan.
Lee rieb sich die Augen.
„Nimm das duuuuuu-hä?“, einer der Aidans drehte sich um seine eigene Achse und schaute umher wie ein verwirrter Hundewelpe, „wo…?“
Der größere der beiden Aidans allerdings stützte sich nur auf seine Knie und stieß ein erleichtertes Seufzten aus, „oh Jesus…“
Lee derweilen hatte entschieden, dass das ein Traum war. Vielleicht hatte man ihm ja auch etwas in den Drink getan…
„Herr Aidan? Wo sind wir?“
„Wir sind in meiner Welt, keine Sorge, wir sind in Sicherheit.“
Da ertönten jedoch immer mehr dumpfe Geräusche, etwas schepperte und ein sehr kleiner Martin stolperte aus dem Kühlschrank, Graham landete direkt auf Lee und beförderte ihn ins Land des Schmerzes.
Dann mit einem letzten magischen „Puff“ ploppte das letzte Wesen in den Trailer, schuppig, geflügelt, erbost.
Es knurrte wie ein wütender Dackel und schleuderte eine fingerlange Stichflamme in den Raum, wo er irgendwem den Bart ansengte.
„Fang ihn ein!“, brüllte irgendwer, „fang ihn ein!“
Eine wilde Jagd durch den Trailer brach aus bis man schließlich das Wesen ergriffen und in die Reisetasche gestopft hatte, die Aidan unter seinem Bett hervorgezogen hatte.
Lee, der entgeistert und mit weitaufgerissenen Augen aufrecht im Bett saß, wurde von dem größeren Aidan entdeckt.
„Lee! Oh Lee! Es tut so gut, dich wiederzusehen!“
Da lag ihm Aidan schon in den Armen und Lee tätschelte etwas unbeholfen muskulöse zitternde Schultern.
„Aidan, was…“
„Weißt du noch, als wir uns über Wurmlöcher unterhalten haben?“
„Nein?“
„Der Elbenhexer soll seine Waffe nehmen und kämpfen wie ein Mann!“, brüllte Richard, „erhebe dich Thranduil, sodass ich deinen hässlichen Schädel von deinem Hals trennen kann!“
„Langsam ja?“, versuchte Aidan ihn zu besänftigen, „das ist nicht-“
„Verdammte Elben!“
Lee hob die Hände, „ich bin nicht…ich…was ist hier los?“
„Ich sagte doch: Wurmloch. Hast du dich gar nicht gewundert wo ich die letzten Monate war, Lee? Hat man nicht nach mir gesucht? Oder nach Dean?“
Lee rieb sich die Stirn, „suchen? Wieso suchen?“
„Na ich war doch…Moment mal. Ich war gar nicht ein paar Monate weg?“
„Schön wär´s…“
„Oh das…das ist…gut. Sehr gut. Also pass gut auf, Lee. Das hier sind die Zwerge, okay? Die echten Zwerge. Du weißt schon. Ich weiß nicht wie ich dir das erklären soll, ich…Kíli leg das weg!“
Irgendwas fiel irgendwo im Raum scheppernd auf den Boden, doch dafür hatte Lee keine Nerven. Wahrscheinlich war er immer noch betrunken, denn irgendwie klang Aidans Erklärung ziemlich logisch.
Klar waren das die Zwerge. Wer sonst?! Es konnte keine andere Möglichkeit geben. Allein die Tatsache, dass es Aidan und Kíli gab sprach für sich.
Wahrscheinlich war das hier so eine Art Traum/Rausch Halluzination und Lee fand, dass es sinnlos wäre sich dagegen zu wehren.
„Dean und ich waren in Mittelerde und haben-“, Aidan brach ab und schnaufte, „oh man, das glaubst du mir nie!“
„WO SIND WIR?!“, der Nächste, der die Nerven verlor.
„WAS IST DAS?!“ (jemand hatte es geschafft den Fernseher anzuschalten)
„WO KOMMT DAS LICHT HER?!“ (jemand deutete auf die Lavalampe, die auf Aidans Nachttisch stand)
„Okay Stopp!“, rief Aidan schließlich geistesgegenwärtig, „jeder setzt sich hin. Ich mache Kakao.“

So kam es dazu, dass Lee inmitten von Zwergen dasaß, eine Tasse mit heißem Kakao in den Händen, in die Decke gewickelt, wirklich wohl fühlte er sich nicht, und versuchte sich daran zu gewöhnen, dass er im nüchternen Zustand Zwerge sah.
Er war schon immer sehr fantasievoll gewesen, in der Grundschule musste man die Hausaufgaben in den Heften zwischen den Zeichnungen von Fabelwesen suchen, aber jetzt war er erwachsen und vernünftig und all das was die Gesellschaft den meisten so aufzuzwängen vermochte.
Man hatte Thorin von ihm trennen müssen.
Dieser saß ihm gegenüber auf dem Boden an einen Schrank gelehnt und starrte ihn feindselig an.
„Ich bin nicht Thranduil okay?“, versuchte es Lee erneut, „ich bin Lee. Lee Pace. Ich bin nur Schauspieler. Ich bin brünett, siehst du?“
Thorin schien sich nicht recht überzeugen zu lassen.
Aidan jedoch versuchte zum tausendsten Mal Dean zu erreichen.
„Er geht nicht ran!“, rief er verzweifelt.
„Vielleicht hat Smaug ihn…“, Bilbo, der die fauchende Reisetasche auf den Knien balancierte, machte ein betroffenes Gesicht, „bevor wir hierherkamen…“
„Aber da ist ein Freizeichen! In Mittelerde war sein Handy aus. Jetzt läutet es!“
„Ich verstehe kein Wort.“, Dwalin saß neben Lee und nippte immer wieder an der Schokolade, die ihm sehr zu schmecken schien. Er hatte sogar ein bisschen Schaum im Bart, etwas was Lee ein wenig die Furcht nahm.
Aidan versuchte es ein tausend-und-einstes Mal:  
„Dean! Endlich! Ich versuch seit ner halben Stunde dich zu erreichen! Du musst sofort herkommen! Hörst du?! Sofort!!“
„Ich durchschaue deine Verkleidung.“, sagte Thorin, „ich erkenne dich, Elbenabschaum.“
„Thorin, das ist nicht Thranduil.“, schnaufte Balin, „wir sind in der Welt der Menschen. In der anderen Welt. Verstehst du das? Dies ist die andere Version von Thranduil, so wie Herr Aidan die andere Version von Kíli ist.“
Lee lächelte versöhnlich, „ich bin wirklich nur ein Mensch, okay? Ich bin echt harmlos.“
„Du siehst Thranduil aber wirklich sehr ähnlich…“, Kíli hatte sich zu ihm gebeugt und nahm ihn scharf unter die Lupe, „du siehst aber netter aus.“
Lee lachte vorsichtig, denn sein Kopf war noch immer ziemlich nahe daran ein Haufen Schrott zu sein, „Dankeschön.“
„Herr Aidan? Wo ist Herr Dean?“
„Er ist auf dem Weg. Da! Da ist er!“, Aidan hatte aus dem Fenster geschaut und spurtete zur Tür, welche in dem Moment schon von Dean geöffnet wurde.
„Herr Dean!“, Kíli flitzte durch den Raum und flog (wirklich er flog) Dean in die Arme, der ihn auffing, einfach nur aus Reflex. Lee blinzelte verwirrt. Das waren ja mal ganz andere Seiten an dem mürrischen Kiwi.
Dean stellte Kíli ab.
„Nein.“, sagte er bloß als er in die Runde schaute, „bitte nein.“
„Doch.“, sagte Aidan.
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